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In unserem fiktiven Szenario steht die Welt vor dem Klimakollaps. Immer mehr Umweltkatastrophen zwingen die Regierung zu einem drastischen Schritt: ein komplettes Verbot von tierischen Produkten. Alle Menschen müssen streng vegan leben.
Heute vor genau zehn Jahren hat das Bundeskabinett endgültig den Gesetzentwurf verabschiedet, der dazu führte, dass es heute auf dem deutschen Markt keinerlei tierische Produkte mehr gibt. Lebten in Deutschland 2009 gerade einmal 1,6 Prozent der Menschen vegan und 9,8 Prozent vegetarisch, sind es heute 100 Prozent.
Wie sie diese fiktive Welt aus und ohne Fleisch und tierische Produkte? Was glauben Sie, wären wir gesünder oder kränker? Würden wir mehr Wälder niederbrennen, um mehr Gemüse anbauen zu können? Welche Jobs würde es nicht mehr geben und welche würden entstehen? Mit unserer fiktiven Familie zeigen wir in diesem extrem Szenario ein paar der vielen möglichen Auswirkungen auf unseren Alltag.
Eine Sache sticht gleich ins Auge: Würden alle noch Fleisch essen, wären sie alle ein bisschen, sagen wir mal, korpulenter. Aber da sie in einer Welt leben, in der keine tierischen Produkte mehr gegessen werden, sind sie um einiges schlanker. Seit in unserem Szenario die Welt auf vegan umgestellt wurde, kommen bei unserer Familie weder Fleisch noch Fisch noch Meeresfrüchte auf den Tisch. Genauso wenig wie Butter, Käse, Milch und Bayern. Nicht mal mehr Honig gibt es. Eine ganz schöne Umstellung, vor allem für Personen mit...
Schauen wir uns die Themen Sport und Ernährung in einer veganen Welt mal an. Er war anfangs ziemlich skeptisch, dass man mit einer rein pflanzlichen Ernährung gut trainieren kann. Ganz ehrlich, ich habe mich anfangs auch gefragt, wie ich ohne tierische Lebensmittel Muskeln aufbauen soll. Aber wie ihr seht, funktioniert das super. Mike ist ein echter Fitness-Junkie und trainiert täglich mehrere Stunden. Seine Vorbilder: Kraftpakete wie Patrik Baboumian, als stärkster Mann Deutschlands, stellt er viele Rekorde auf und er ist Vorreiter als einer der ersten Bodybuilder, ernährt er sich komplett weg. Damit ist er nicht allein. Auch diese Testosteron-Bomben: Mike Tyson, Lewis Hamilton, Dirk Nowitzki oder Arnold Schwarzenegger schwören auf vegane Ernährung.
Aber wie gehen dicke Muttis und vegane Ernährung eigentlich zusammen? Braucht man da nicht ordentliche Protein-Quellen wie Fleisch, Milch und Eier? Er ist ja nicht nur Grünzeug, Leute, sondern vor allem viel Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Nüsse. Da stecken nämlich frites ordentlich Proteine drin. Ein Vergleich: In 100 Gramm Erdnüssen steckt fast genauso viel Eiweiß wie in 100 Gramm Steak. Pflanzliche Proteine stehen denen aus tierischen Produkten in nichts nach. Also auch in einer veganen Welt bräuchten wir uns keine Sorgen um unsere Muskulatur zu machen. Außerdem pflanzliche Lebensmittel haben mehr Ballaststoffe, machen daher länger satt. Wir würden weniger oft essen und wären daher sogar schlanker.
In unserer Welt holt sich Mike seine Proteine aus Sojaprodukten. Aber würden wir in einer veganen Welt nicht um ein Vielfaches mehr an Soja brauchen? Nein, denn heute werden 90 Prozent des weltweit produzierten Sojas nur für Tierfutter verwendet. Angebaut hauptsächlich in Brasilien und den USA. Futter für etwa 50 Milliarden Tiere im Jahr. Allein dafür wollte Brasilien Sojabohnen auf einer Fläche so groß wie Deutschland an. Insgesamt mussten im Amazonas dafür bereits 70 Prozent Regenwald weichen. Außerdem braucht Viehzucht viel Fläche: etwa 33 Millionen Quadratkilometer Land werden dafür benötigt, größer als Afrika.
Mikes Würstchen sind aus Soja gemacht. Das Überraschende dabei: Weltweit bräuchten wir deshalb nicht mehr Fläche für den Anbau von Soja. Denn auch wenn die Nachfrage nach pflanzlichen Produkten steigt, in der Gesamtmenge verbrauchen die weniger Ressourcen und Fläche als tierische Produkte. Denn vor allem der Anbau von Tierfutter verbraucht enorm viel Platz. Ein Vergleich: Ein Alles-Esser braucht für die Herstellung seiner Ernährung ganze 12.240 Quadratmeter. Ein Veganer dagegen nur 680.
In unserem fiktiven Szenario, in dem wir alle Veganer sind, gibt es also keine Probleme mit Muskelwachstum und wir würden sogar weniger Ressourcen für unsere Ernährung verbrauchen als in einer Welt der Fleischesser. Und was den Geschmack von Soja-Würstchen angeht, da hat es Mike auch gut. Denn sein Vater Heiko ist Metzger und mit ihm blicken wir jetzt mal auf das Thema Jobs und Schwarzmarkt in unserer fiktiven veganen Welt.
Schon mal etwas überraschend: Es gibt immer noch Metzger. Zumindest die, die aus den neuen Umständen einfach das Beste gemacht haben. Ich sag's euch, früher hatte ich überhaupt keinen Bock auf den ganzen Kram, aber mittlerweile war es das Beste, was uns passieren konnte. Heiko hat das Beste aus der neuen Situation gemacht. Mit neuen Rezepten und ganz eigenen Gewürzkombinationen schmecken seine Produkte einmalig, sogar ohne Fleisch. Und so kreativ wäre er ohne das Fleischverbot nie geworden.
Ganz im Gegensatz zu seinem alten Kollegen. Der hält nämlich so gar nichts von veganen Produkten, die Fleisch ersetzen sollen. Also ehrlich, die Wurst schmeckt widerlich. Dass die Regierung in unserem fiktiven Extrem-Szenario vorschreibt, was man essen darf und was nicht, ist für viele ein tiefer Eingriff in die Privatsphäre, den bestimmt nicht alle einfach so akzeptieren werden. Viele würden weiterhin illegal Fleisch essen.
Weiter geht bei uns jetzt mit dem ernsten Thema, denn es vergeht ja mittlerweile kaum ein Tag, an dem nicht über den illegalen Handel mit Fleisch berichtet wird. Ja, mittlerweile gab es in den letzten Tagen schon wieder die eine oder andere Festnahme dazu. Es ist sogar von einem regelrechten Dealerring die Rede. Ja, ob es auch Verbindungen zur Politik, das zeigen wir Ihnen jetzt.
Illegaler Fleischhandel in unserer fiktiven veganen Welt: ein lukratives Geschäft. Immerhin kostet ein Rindersteak auf dem Schwarzmarkt stolze 500 Euro. Überall dort gedealt, was früher Drogen und Waffen waren, sind heute Schnitzel und Steaks. Die Polizei geht dagegen vor. In unserem Szenario gibt es sogar regelrechte Fleisch-Razzien und bei Fitness- und Bodybuilding-Wettbewerben finden Fleisch-Dopingtests statt.
Papa Heiko arbeitet ausschließlich legal mit veganen Produkten. Finanziell geht es ihm gut. Doch gerade in der Fleischbranche ist er damit eine Ausnahme, denn mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt verdienen ihr Geld heute mit der Herstellung von Fleisch, Fisch oder Milch. Tierische Produkte stecken sogar in Getränken und Zigaretten, Reinigungsmitteln und auch in unseren Handys, genau wie in unserer Kleidung.
Am härtesten treffe ein Fleischverbot natürlich die Viehwirtschaft. Bauern, die sich auf Viehzucht spezialisiert hatten, müssten umsatteln, denn wo früher Kühe auf Weiden grasten, wäre jetzt nichts. Schweine, Hühner oder Rinder könnten wir nur noch im Zoo bestaunen. Während manche Berufssparten verschwinden, entstehen aber woanders neue, wie z.B. in der Kleidungs- und Kosmetikindustrie. Ersatzprodukte würden boomen. Vor allem klamottentechnisch müsste sich einiges ändern, wenn wir in einer streng veganen Welt leben würden.
Thema Kleidung und Kosmetik in unserem fiktiven Szenario: Schauen wir uns das mal mit Tochter Laura genau an. Die Modelabels haben umgestellt. Für echtes Leder haben sie Ersatz gefunden und das muss nicht mal aus Kunststoff sein. Es gibt Ersatzleder aus Kork oder Pilzen, sogar Kaktus-Leder gibt es. Aber das ist leider nicht das Einzige tierische Produkte in Klamotten. Auch Wolle, Seide oder Daunen dürften in einer streng veganen Welt nicht in unserer Kleidung verarbeitet werden.
Wie kreativ die Branche ist, zeigt Lauras neuestes Lieblingsstück: eine Jacke aus Ananas-Leder. Kein Schimmer, wie man früher Echtleder-Produkte tragen konnte. Mit ihrer neuen Ananas-Leder-Jacke posiert Laura für Instagram. Sie wirkt so echt, dass manche im Netz denken, Laura trage tatsächlich echtes Leder und kriegt einen Shitstorm. Hat dabei ist für Laura doch klar: Kein Mensch heutzutage braucht mehr Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen.
Ein Blick auf Lauras Kosmetik-Tisch: Kollagen, Keratin, Hyaluron, Bienenwachs oder Weichmacher – allesamt tierische Inhaltsstoffe sind verschwunden. Die waren überall drin, sogar im Nagellack. Ein Nachteil jedoch von veganer Kleidung: Sie besteht oft aus Kunststoff. Nicht abbaubare Fasern werden zum Mikroplastik und verschmutzen Umwelt und mehr. Die beste Alternative ist recycelte Ware. Übrigens: Eine vegane Ernährung macht uns nicht nur gesünder, schlanker und attraktiver. Studien zufolge sind wir dadurch sogar empathischer und laut Forschern riechen Veganer auch noch besser. Aber diese Welt hat auch Schattenseiten.
In unserem fiktiven Szenario sind alle Menschen zum Veganismus gezwungen worden. Mit Mutter Monika schauen wir uns jetzt mal die Auswirkungen beim Einkaufen an. Statt Fleisch steht jetzt Pillen auf dem Speise- und Einkaufsplan.
Unser nächster Themenbereich: Lebensmittel und Nährstoffe. Nahrungsergänzungsmittel sind mittlerweile Standard bei uns. Die gibt es in jedem Supermarkt, denn Stoffe, die wir teils durch tierische Produkte bekommen haben, müssen wir nun anders zu uns nehmen. Vor allem Vitamin B12, Vitamin D und Jod sind wichtig für uns Menschen, genauso wie andere essentielle Nährstoffe. Viele davon können wir natürlich durch eine ausgewogene Ernährung zu uns nehmen. Ein Problem ist aber zum Beispiel Vitamin B12, denn das kommt nur in tierischen Produkten vor, ist aber extrem wichtig für Zellbildung und Stoffwechsel.
Zum Veganer geboren ist der menschliche Organismus eben nicht. Das würde die Industrie nutzen. Alles, was unserem Körper fehlt, wäre ein mögliches Geschäft. Produkte, die mit Vitaminen angereichert sind, wären an der Tagesordnung. B12-Zahnpasta zum Beispiel, die gibt es in unserem Szenario mittlerweile in jedem Supermarkt und auch Lebensmittel werden mit Vitaminen gepimpt. Vegane Supermarktketten hätten es natürlich von Anfang an leicht, aber wahrscheinlich würden auf alle anderen ziemlich schnell ein neues Sortiment haben.
In unserem Szenario gibt es mittlerweile alles, was das vegane Herz begehrt. Sogar Produkte, die man sich in einer Welt der Fleischesser gar nicht vorstellen konnte. Auch die Preise haben sich geändert. Fleischersatzprodukte, die früher teuer waren, sind jetzt günstig, da die Industrie sie in Masse produziert. Sogar die Steuern auf einige Lebensmittel haben sich geändert. Inzwischen zahle ich auf viele pflanzliche Produkte eine geringere Mehrwertsteuer als noch vor zehn Jahren, weil sie jetzt zu den Grundnahrungsmitteln zählen, wie früher Kuhmilch. Doch da die wegfällt, gilt mittlerweile auch Soja als Grundnahrungsmittel.
Doch das soll nicht täuschen: In unserem Beispiel hat Mutter Monika immer öfter Schmerzen im Bein. Könnte am Kalziummangel liegen, da Veganer keine Milchprodukte zu sich nehmen, haben die ja angeblich ein hohes Risiko für Brüche, Knochen. Auch wenn man über pflanzliche Ernährung theoretisch seinen Kalziumbedarf decken kann, was würde so eine Essensumstellung bedeuten? Laut Studien sinkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs erheblich. Es gäbe weniger Übergewicht und die Sterberate würde sich um 7 Prozent verringern. Schätzungsweise 500 Milliarden Euro Gesundheitskosten würden so wegfallen.
Jetzt aber nochmal zur Ausgangssituation, die zu unserem fiktiven Beginn-Szenario geführt hat: Thema Klima und Umwelt. Wenn wir alle vegan leben würden, würden sich unsere Probleme von heute auflösen. Zehn Jahre vegan, liebe Leute, und das macht sich bei unserer Umwelt richtig bemerkbar. Allein in Deutschland werden jährlich satte 91 Millionen Tonnen CO2 eingespart und auch unsere Treibhaus-Emissionen haben sich um über 60 Prozent verringert. Tatsächlich stammt ein Viertel aller Treibhausgase aus der Herstellung von Fleisch. Zum Vergleich: Die selbe Menge Treibhausgas produziert momentan unser kompletter Verkehr.
Ohne die Viehwirtschaft gäbe es wieder mehr Fläche für Wälder. Das bedeutet ein besseres Klima und wieder mehr Platz für Tiere. Das Artensterben wird weiter erfolgreich eingedämmt. Mehr als 50 Prozent der einstmal bedrohten, viele Tierarten wurden bereits von der Roten Liste gestrichen. Ihr Bestand gilt somit als gesichert.
Halten wir fest: Wenn alle Menschen sich komplett vegan ernähren würden, würde sich vieles ändern. Den Klima und unserer Umwelt würde es gut tun. Dennoch ist das ein Extrembeispiel und so wahrscheinlich nicht umsetzbar. Die vegane Welt bleibt ein Szenario.