📱

Get Our Mobile App

Take your business learning on the go!

Download on the App StoreGet it on Google Play

Digitaler Euro: Wie schlimm wird es? (Programmierbares Geld und Fürstengeld) | Prof. Rieck

Prof. Dr. Christian Rieck19:11

Transcription

Es wird ernst mit dem digitalen Euro. Die EZB-Präsidentin Lagarde hat in einer Talkshow vielleicht ein bisschen leichtfertig gesagt, dass er schon Ende dieses Jahres, also Ende 2025, losgelegt werden soll, mit dem digitalen Euro. Wenn man genau hinguckt, dann stimmt das nicht so ganz richtig, sage ich Ihnen gleich etwas dazu. Aber man sieht, das Projekt nimmt schon Fahrt auf, und es ist etwas, womit man sich auf jeden Fall mal beschäftigen muss. Und genau das machen wir in diesem Video. Ich möchte ein paar Dinge über digitales Zentralbankgeld sagen, denn dazu gehört ja der digitale Euro. Also erstmal: Was sieht, oder wie sieht’s jetzt eigentlich aus mit der Einführung des Euros? Jetzt schon Ende 2025, also des digitalen Euros?

Also, man muss dazu wissen, dass das Projekt schon seit einiger Zeit läuft. Also, das läuft schon seit 2023, wenn ich mich richtig erinnere, ging das Ganze los. Dass also an vielen Stellen dran gearbeitet wird, und es war von Anfang an so geplant, dass diese Vorbereitungsphase Ende 25 abschließt. Und es ist jetzt nicht so ein wahnsinnig ungewöhnlicher Zustand, dass man danach dann in eine Pilotphase reingeht, also das Ganze einfach mal testet. Und das ist auch das, was Lagarde jetzt angekündigt hat. Also, sie hat nicht angekündigt, dass jetzt einfach großflächig der digitale Euro schon 2025 eingeführt wird, aber sie hat immerhin angekündigt, dass man in eine Pilotphase reingeht. Also, offenbar können frühe Nutzer schon mal Teile davon ausprobieren. Ja, das glaube ich, ist das, was wir im Augenblick zur Kenntnis nehmen müssen, erstmal.

Also, es geht weiter bei diesem Projekt. Natürlich hängt es auch davon ab, ähm wie sich am Ende das EU-Parlament entscheidet. Aber machen wir uns nichts vor: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das EU-Parlament sagen wird: Wir steppen, äh wir stoppen dieses Projekt digitalen Euro insgesamt. Ja, die werden sicherlich in irgendeiner Form zustimmen, so dass Sie davon ausgehen können, dass es weitergeht. Und was mir jetzt wichtig ist, das ist, dass wir bei dem digitalen Euro in die richtige Richtung marschieren. Also, man kann da sehr viel falsch machen, und äh ich finde nicht, dass es eine Sache ist, die einfach hinter verschlossenen Türen behandelt werden sollte, und wird’s eigentlich auch nicht. Aber es ist sozusagen quasi hinter verschlossenen Türen, weil sich so wenig Leute damit auskennen, mit dem Geldsystem, das zeitweise gar nicht verstehen, was damit eigentlich gerade gemeint ist und welche Bedeutungen das hat. Ja, das ist so ein bisschen der Grund, weshalb ich jetzt mit Ihnen auch eben über solche Sachen sprechen möchte.

Viele haben das Gefühl, dass der digitale Euro eigentlich mehr sowas ähnliches ist wie so eine Sparkassen-Bezahlkarte oder so etwas. Ja, kann ich Ihnen versichern, das ist nicht so. Ja, das ist ein ganz tiefer Eingriff in das Geldsystem, was wir dort haben, völlig neue Konstruktion von Geld, und das muss man erstmal verstehen, muss auch die Implikationen davon verstehen. Ja, und wenn wir Pech haben, dann marschiert das Ganze in eine Richtung Fürstengeld. Wenn Sie jetzt sagen: Was ist denn Fürstengeld zum Teufel? Na ja, das ist eine bestimmte Form von Geld, bei der letztlich die Unabhängigkeit der Zentralbank nicht gewährleistet ist, sondern bei der also der Fürst, sozusagen die Obrigkeit – ja, da kommt das ursprünglich her, kommt aus dem, aus der Zeit des Lehenswesens –, dass die Obrigkeit, der Fürst, eben einfach etwas zu Geld erklärt und sich damit auch gewisse Vorteile verschafft. Ja, und nicht nur gewisse, sondern ziemlich starke Vorteile. Und jetzt warten Sie natürlich schon drauf – für den Fall, Sie kennen meinen Kanal –, dass ich mein Buch zu dem Thema in die Kamera halte, und den Gefallen muss ich natürlich unbedingt tun. Ja, das ist mal neues Buch: Fürstengeld, Fiat-Geld, Bitcoin. Da erkläre ich einfach die verschiedenen Geldkonstruktionen, die es so gibt. Und für meine Begriffe ist ziemlich auffällig, dass im Augenblick bei der Geldkonstruktion sehr viele Dinge durcheinander gehen. Ja, und um den digitalen Euro und die ganze Diskussion darum verstehen zu können, glaube ich schon wirklich hilfreich, sich einfach mal ein bisschen in ein solches Buch hineinzudenken, ja, und in das Thema reinzudenken und diese ganzen verschiedenen Konstruktionen zu sehen. Ja, so viel dazu. Ja, ich kann das Buch nur als Herzensangelegenheit empfehlen. Vielleicht übrigens einen Hinweis dazu: Ich habe erst gedacht, das wäre so eine Art Nischentitel, das ist es aber ganz offenbar nicht. Also, es war in der ersten Woche, nachdem es also dann einigermaßen lieferbar war, war – ohne dass irgendein großer Verlag dahinter steht – das gleich erstmal auf der Bestsellerliste drauf vom Buchhandel. Ja, die haben tatsächlich den Buchhandel ausgewertet, äh ich glaube etwa 80 % der Verkaufsstellen werden da ausgewertet, und auf dieser Liste war es dann im Bereich Sachbuch immer auf Platz 9. Ja, also man merkt, da ist ein gewisses Interesse daran, da. Ja, also es freut mich natürlich, aber Geld ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Na gut, so, jetzt habe ich ein bisschen mehr über dieses Buch gesprochen, als ich eigentlich wollte, aber sehen Sie es mir nach, dass ich mich freue darüber, dass es ein Bestseller geworden ist. Ja, okay, gut.

Also, fangen wir mal mit dem digitalen Euro aus der Sicht an, dass wir uns fragen: Was wissen wir eigentlich darüber? Also, was ist im Augenblick das, was bekannt ist? Es gibt also wirklich sehr viele Dinge, die dazu geschrieben worden sind, von den verschiedensten Stellen, auch von den offiziellen Stellen. Ich packe Ihnen auch so eine kleine Linkliste unten in die Videobeschreibung. Ja, also wenn Sie dann nachlesen wollen, können Sie da unten gerne reingucken. Jedenfalls kann man sich so ein paar Dinge zusammenreimen. Ähm, ein Aspekt ist, dass der digitale Euro wohl durch die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht werden soll. Also, wird nicht direkt durch die EZB, sondern durch die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht. Ja, ein Thema, was wir uns gleich mal angucken müssen: Es soll nicht anonym sein. Das heißt also, es ist nachvollziehbar, wer an wen was bezahlt hat. Ja, keine Anonymität. Und was im Augenblick noch unklar ist, das ist die Programmierbarkeit des Geldes, ein ganz wichtiges Thema, eins, was ich – muss ich ehrlich zugeben – auch lange Zeit selber völlig unterschätzt habe. Aber jedenfalls, äh das sind die Dinge, auf die ich jetzt eingehen möchte und ein klein wenig drüber sagen möchte, wie viel wir jetzt eigentlich schon davon wissen.

Also erstmal: Es sollte durch die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht werden. Ist das was Gutes, oder ist es was Schlechtes? Wir müssen wissen, dass die Geschäftsbanken eine unglaublich wichtige Rolle im Geldsystem spielen. Wir haben oft ja das Gefühl, das sind irgendwie so ganz komische bürokratische Leute und sowas. Äh, sie spielen die Rolle desjenigen, der kontrolliert, ob das Geld, was entsteht, werthaltig ist. Ja, das ist ein Zusammenspiel zwischen einer eher staatlichen Stelle und offiziellen Stelle, sagen wir mal, ja, der Zentralbank und den Geschäftsbanken, die dafür sorgen, dass insgesamt Geld, was entsteht, werthaltig ist, in der Weise, dass eben immer reale wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gegenüber steht. Klingt jetzt ein bisschen abstrakt. Ja, es genau wissen wollen, müssen Sie mein Buch nachgucken. Äh, aber die Idee dahinter ist, ähm dass das nicht einfach sozusagen willkürlich vergeben werden kann, sondern dass immer, wenn neues Geld entsteht, man wissen muss: Da ist tatsächlich irgendwer, der mit irgendeinem realen Wert dahinter steht. Ja, ich sag das mal ein bisschen verallgemeinert, wissen Sie, dass der Wertbegriff schwierig ist. Ja, das kann mein Grundstück sein, kann aber auch Humankapital sein, also die Fähigkeit von jemandem, in der Zukunft Werte zu erzeugen, reale Werte zu erzeugen. Und das steht dem in Umlauf gebrachten Geld immer gegenüber, und damit sind die Geschäftsbanken ein unglaublich wichtiger Baustein in dem System des Geldes, so wie wir es im Augenblick kennen. Das ist etwas, was vielen Leuten nicht recht ist. Also, auch der Staat muss durch diese Prüfstelle, äh der Privaten, der Geschäftsbanken, durchgehen. Ja, das äh gilt ebenfalls. Das wird natürlich teilweise eingeschränkt, falls man das nicht mag, so eine Prüfung, wenn man derjenige ist, der Regeln machen kann. Aber äh in dem Geldsystem, wie wir es im Augenblick haben, also im Fiat-Geldsystem, da ist diese Funktion der Geschäftsbanken eine unglaublich wichtige, und sie ist auch vorhanden. Wenn es nicht mehr vorhanden ist, wird das Ganze zu Fürstengeld. Fürstengeld ist, wie gesagt, ein Geld aus der Zeit des Lehenswesens, und Sie merken schon, das ist nicht unbedingt das, was man haben möchte als normaler Bürger. Ja, dass dort einer, so die Obrigkeit, da steht und einen mehr oder weniger nach Belieben enteignen kann. Ja, das heißt also, das ist für meine Begriffe eine sehr gute Nachricht, dass der digitale Euro auch über die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht werden soll. Ja, das ist von dem Konstruktionsprinzip her ist das etwas, ähm was wirklich ein wichtiges Element in dem äh unserem jetzigen Geldsystem drin ist, und dass das erhalten bleiben soll, ist eine gute Sache, weil wir damit eben auch ein Gegengewicht zu anderen Einflussfaktoren haben, hier insbesondere zum Staat, ja, also zur Regierung, so muss man eigentlich sagen, die natürlich immer gerne möchte solche Prüf-Funktionen zu umgehen. Ja, also das heißt, das ist erstmal eine gute Nachricht, die dahinter steht.

Die schlechte Nachricht, die wir haben, ist, dass die Zahlungen nicht anonym sein sollen. Und das Argument ist natürlich immer das gleiche bei sowas. Ja, das heißt, es gibt immer ganz schlimme Dinge. Ja, es gibt irgendwie, weiß ich nicht, na, ich möchte es gar nicht aufzählen, nicht, dass ich hier Wörter sage, die damit das Video noch gesperrt wird. Ja, aber Sie wissen schon: Terrorismusbekämpfung beispielsweise ist dann immer sowas. Ja, und äh dann gibt’s natürlich alle möglichen anderen Größen, bei denen man immer genau weiß: Die sind ja so schrecklich böse, dass man – weil die so böse sind – alle Bürger überwachen muss, damit das gar nicht erst passieren kann. Und sorry, das ist ein Weg, den ich nicht mitgehe, ne? Dieses Argument wird immer gebracht, und wir wissen, dass gerade die Anonymität des Geldes, das ist was uns als normale Menschen die Freiheit verschafft, nicht jedes Mal irgendeine Obrigkeit um Erlaubnis zu bitten, etwas zu machen, ne? Das gehört dazu, und deshalb halte ich die Anonymität für eine unbedingt wichtige Voraussetzung des Geldes, die sollen nicht eingebaut werden, und das ist eine ganz große Katastrophe. Das ist etwas, ähm wo wir wirklich auch aus Datenschutzgründen einfach mal wirklich auf die Barrikaden gehen müssen und klar sagen müssen: Es kann nicht sein, dass wir überall einen riesen Gedöns bei Kleinigkeiten beim Datenschutz machen, und bei einem so großen Ding wie Zahlungen, die wir abwickeln wollen, auf einmal wir völlig gläsern werden, ja, so dass immer reingeguckt werden kann von dritter Stelle: Wer hat denn da eigentlich an wen was bezahlt und überhaupt keine anonyme Zahlung mehr möglich ist. Ja, ich also finde das wirklich unmöglich, dass das im Augenblick im Grunde genommen völlig unter dem Radar fliegend einfach so diskutiert wird. Ja, das wird auch im Augenblick von keiner Stelle wirklich offen angezweifelt, dass man das anders machen sollte. Ja, und da kann ich nur sagen: Das ist wirklich ein Punkt, bei dem wir massiv nachbessern müssen, und was wir uns auch möglichst nicht gefallen lassen sollen, ja, dass hier auf einmal die Möglichkeit anonymer Zahlungen verhindert wird. Und das ist der ganz große Vorteil des Bargeldes. Es ist der ganz große Vorteil, der letztlich dazu geführt hat, dass eben auch mitten im Lehenswesen sich eine Bürgerschaft etablieren konnte, die einfach sagen konnte: Ihr könnt uns mal, wir machen die einfach auf unsere eigene Art und Weise Dinge, und ihr könnt uns nicht daran hindern, das zu tun. Ja, und indem jetzt auf einmal ein nicht-anonymes Geld eingeführt wird, und das anonyme Geld, das Bargeld beispielsweise, auch immer mehr abgeschafft wird, damit wird eben diese, diese Freiheit verhindert. Ja, also da kann ich wirklich nur sagen: Das ist ein Punkt, da müssen wir wirklich drauf achten, dass der digitale Euro ein anonymer Euro ist. Ja, ob uns das gelingt, wird sich noch mal dahingestellt, ja, aber das ist für meine Begriffe eine ganz wichtige Voraussetzung.

Und der nächste Punkt ist die Programmierbarkeit des Geldes, und das ist ein ganz schwieriges, ganz wichtiges Thema. Und das Problem bei der Sache ist, dass es hier wieder Begriffsverwirrungen gibt. Also, viele denken sich bei Programmierbarkeit der Zahlungen solche Dinge wie Smart Contracts, das ist aber nicht gemeint. Programmierbarkeit des Geldes ist etwas anderes als Programmierbarkeit der Zahlungen. Ja, Programmierbarkeit der Zahlungen bedeutet, dass sie z.B. eben Smart Contracts aufsetzen, bei denen, nachdem sie eine Zahlung getätigt haben, z.B. irgendeinen Automatismus ausgelöst wird, und die ähm die Tür von der Ferienwohnung sich für sie öffnet, ne? Das sind solche Dinge, da kann man eben ein Programm drauf legen auf dieses Geld, das ist auf einer anderen Schicht sozusagen. Aber es gibt Programmelemente, und mit denen können Sie eben solche Smart Contracts auslösen. Feine Sache, kann funktionieren, kann nicht funktionieren, da möchte ich mir im Augenblick gar nicht einmischen. Im Augenblick funktioniert es nicht so gut. Ja, aber das ist durchaus etwas, wovon ich erwarten würde, dass in der Zukunft auch eine Rolle spielt und auch nicht weiter schlimm. Ja, das ist eine Sache, das vereinfacht das Leben. Programmierbarkeit des Geldes klingt zwar so ähnlich, ist aber etwas ganz anderes. Programmierbarkeit des Geldes bedeutet nämlich, dass das Geld selber bestimmte Eigenschaften mitbekommt, mit denen z.B. Dinge ermöglicht oder verhindert werden, äh die Fürstengeldversion davon ist das Verrufen von Münzen. Ja, Sie müssen sich vorstellen: Fürsten, die früher also Geld emittiert haben und sich damit letztlich ja sowieso schon äh Mittel, der reale Mittel, ja, der Untertanen angeeignet haben, die konnten das Geld auch noch verrufen. Das heißt also, dann wenn Bürger Geld aufbewahrt haben, einfach zu Werteaufbewahrung, dann konnte der Fürst einfach sagen: Das ist heute nichts mehr wert. Und damit gehen faktisch die realen Werte über in das Eigentum des Fürsten. Also letztlich einen Trick, mit dem man ja teilweise eben die Leute enteignen kann, ne? Also, wie gesagt, dieses Fürstengeld ist eine Sache, mit dem man sich wirklich beschäftigen sollte, und äh das ist eben genau das, äh was bei dem programmierbaren Geld ebenfalls ermöglicht wird. Da wird aus der Ferne ferngesteuert, kann plötzlich gesagt werden: Diese Münze ist heute nichts mehr wert, sowieso eine digitale Münze, oder diese digitale Münze ist nur bis zum so und so viel etwas wert. Ja, das ist dann irgendwie, weiß ich, eine Coronahilfe oder sowas. Ja, und wenn die nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgegeben worden ist, dann ist er weg. Es geht auch noch weiter: Sie können auch beispielsweise so ein Geo-Fencing machen, ja, dass man beispielsweise sagt: Also bestimmtes Geld darf nur in bestimmten Regionen ausgegeben werden. Äh, man spricht ja heute gern von 15-Minuten-Städten und so. Ja, das ist noch mal ein ganz eigenes Thema, aber das kann also beispielsweise passieren, dass Ihr Geld so programmiert wird, dass Sie es nur in einem Radius von 15 Minuten um ihren Wohnort herum ausgeben können, ansonsten können Sie damit nicht bezahlen. Das heißt, Sie kommen dort an, und dann auf einmal heißt es: Tut uns leid, das Geld ist hier nichts wert. Das ist programmierbares Geld. Sie können das auch zweckgebunden machen, ja, also im Englischen heißt es immer „conditional“. Ja, das sind ja oft englische Texte, ja, müsst Ihr angucken: „Conditional money“. Das bedeutet, es ist zweckgebunden. Sie können damit nur z.B. gesunde Lebensmittel kaufen, ne? Was anderes können Sie nämlich nicht kaufen. Wenn Sie Zigaretten kaufen wollen, heißt es: Ne, tut uns leid, dafür ist das Geld nicht da. Ja, und das ist in der Tat ein großes Problem. Ja, also diese, Sie können damit im Grunde genommen alles von oben her steuern, wenn Sie so wollen, ja, theoretisch zumindest erstmal. Ja, es gibt auch was anderes, heißt dann zielbezogenes Geld. Ja, das heißt also, wenn Sie bestimmte Politikvorstellungen haben, dass irgendwas umgesetzt werden soll seitens der Politik, ja, weiß ich, heute ist Waffenproduktion wichtig, morgen ist es eine Windmühle oder weiß ich was. Ja, sorry für die Polemik, ähm da sind dann solche Sachen, äh dass wir eben auch plötzlich sagen können: Ja, dafür darf das Geld verwendet werden, ja, das kann muss in diese Richtung sozusagen strömen, für was anderes ähm darf es nicht verwendet werden. Und das ist eine Gefahr. Ja, also das muss man sehen, dass das eine Gefahr ist, wenn diese Möglichkeit besteht. Und nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich verbreite hier nicht die Panik, dass ich sage: Das ist alles genauso geplant, wie ich das gerade als Dystopie geschildert habe. Aber es wird diskutiert, und wenn Sie sich diese ganzen Papers dazu angucken, ja, und ich lade Sie wirklich ein, sich einfach diesen Diskussionsstand dazu anzusehen – meistens auf Englisch, ja, das ist auch nicht so leicht zu folgen, diesen Dingern –, ja, aber jedenfalls werden Sie ganz oft feststellen, dass Sie solche Begriffe eben wie „conditional“ oder „programmable“ oder solche Dinge, dass das plötzlich auftaucht dabei, ja, oder „targeted“, irgendwas. Ja, das sind immer solche Begriffe, auf die Sie achten müssen, und das sind alles Dinge, die – wenn es schief läuft und keiner merkt, was er tut –, ja, dann plötzlich solche Dinge kommen. Und noch mal: Auch hier müssen wir wissen, dass die meisten, die im Augenblick an solchen Projekten arbeiten, überhaupt nicht solche Dinge im Schilde führen. Ja, häufig ist ja so, dass wenn man von den sozusagen Kritikern des digitalen Euros oder sowas etwas hört, da hat man immer das Gefühl: Das ist so eine große, große Verschwörung, ja, die irgendwie versucht, ähm so ein Geld einzuführen, um alle zu unterdrücken. Das ist nicht so. Das ist im Augenblick so, dass man sich fragt: Was sind denn Konstruktionsprinzipien, und was wäre schön dort einzubauen? Und aus dieser Perspektive ist es für meine Begriffe oft so, dass man den Überblick verliert, an welchen Stellen so etwas missbraucht werden kann. Ja, man stellt sich dann immer vor: Ne, ist ja prima, und bei den jetzigen Verhältnissen wird das ja auch alles gut gehen. Ja, und dann wird beispielsweise eben programmierbares Geld wird bestimmt nicht falsch eingesetzt, und das ist nicht anonym, es wird bestimmt auch nicht falsch eingesetzt. Aber das Problem dabei ist: Es gibt eine einfache Regel: Was staatlich missbraucht werden kann, wird früher oder später auch staatlich missbraucht. Und deshalb ist einfach ein ganz klares Grundprinzip in der Demokratie, dass man sagt: Es muss eine Gewaltenteilung geben, und es muss möglichst von vorne herein ausgeschlossen sein, dass sowas überhaupt missbraucht werden kann. Ja, also es muss immer so konstruiert sein, dass sich viele Leute gegenseitig kontrollieren und immer darauf achten, dass diese ganzen negativen Dinge, von denen ich eben gesprochen habe, dass die gar nicht möglich sind. Deshalb muss man das von Anfang an eben so konstruieren, dass wirklich ein Missbrauch von staatlicher Seite ausgeschlossen ist. Und diese ewige Geschichte, dass uns immer erzählt wird: Ja, da gibt’s irgendwie die ganz bösen Verbrecher, und weil es ein paar ganz böse Verbrecher gibt, deshalb müssen wir alle irgendwie kontrollieren, ne? Das ist ja in allen Bereichen, sehen Sie das ja überall, ist es mal so, dass gesagt wird: Ja, hier, weil einer ein Messer trägt, muss eine Verbotszone geben. Ja, und weil irgendwer theoretisch ein Drogengeschäft machen könnte oder Geldwäsche betreiben könnte, deshalb müssen alle kontrolliert werden. Das gehört einfach nicht zu einer freiheitlichen Gesellschaft dazu. Ja, zu einer freiheitlichen Gesellschaft gehört es, dass wir solche Dinge ertragen, weil wir wissen, dass diese Freiheit einfach ein unglaublich wichtiges Gut ist. Und deshalb muss man eben darauf achten, dass wenn jetzt eine neue Geldkonstruktion in Umlauf gebracht wird, die lange Jahre für die Zukunft bestehen wird, dass das eine ist, die solche freiheitlichen Elemente mit enthielte. Und wenn es wirklich soweit käme, ähm dass wir plötzlich einen programmierbaren digitalen Euro haben, da wäre es vorbei mit dem Geld. Das muss uns auch bewusst sein. Sein programmierbarer Euro ist kein Geld in dem Sinne, wie wir das bisher kennen, sondern es ist mehr so eine Art Gutschein, den Sie manchmal einlösen können, so nach, weiß ich nicht, nach Gnaden des Fürsten für irgendwas. Ja, also ich habe in meinem Buch beispielsweise, habe ich den Begriff einmal verwendet, dass ich gesagt habe: Äh, dann digitales Zentralbankgeld, ja, wenn es falsch läuft oder schlecht läuft, dann kann sich das entwickeln zu einem Fürstengeld auf Steroiden. Und da muss man wirklich aufpassen, das kann passieren, und das ist das letzte, was wir wollen. Also schon Fürstengeld wollen wir nicht, ja, aber dann noch mal Fürstengeld auf Steroiden wollen wir überhaupt ganz und gar nicht. Also, ähm das ähm möchte ich einfach nur Ihnen ans Herz legen. Es lohnt sich, sich mit Geldsystemen zu beschäftigen, und es lohnt sich, sich mit dem digitalen Euro zu beschäftigen. Und das Schönste wäre, wenn wir hier wirklich ein Konzept hätten, was zu einem digitalen Bargeld führt, ne? Das, das wäre glaube ich eine wirklich gute Sache, was anonym ist. Ja, meinetwegen begrenzt von der Menge, dass man nicht zu viel davon anhäuft oder sowas, ja, kann ich mir auch noch vorstellen, aber dass es zumindest diese ganzen Eigenschaften hat, die Bargeld hat, ne? Ähm, übrigens, apropos Bargeld: Wir müssen weiterhin auch da am Kopf behalten, dass Bargeld unbedingt als Parallelsystem bestehen bleibt. Das wird im Übrigen auch gesagt, ja, aber Sie wissen alle, wie das immer so ist, das ist ja immer so eine Übergangsphase, ja, und dann wendet man so das eine oder andere Strategien an, und auf einmal ist es dann auch komplett weg. Das wäre eine Katastrophe, wenn das Bargeld komplett weg wäre. Also zum einen wegen der besonderen Eigenschaften, Anonymität und sowas, aber das andere ist natürlich auch Resilienz. Also immer dann, wenn wir eine rein digitale Infrastruktur haben, müssen Sie sich einfach mal nur vorstellen: Wir haben tatsächlich eine flächendeckende Stromausfälle, und sind keinerlei Geschäfte mehr möglich, ne? Sie können nichts mehr machen. Also denken Sie einfach nur an den Fall, der ja vor kurzem in Spanien war: Ein Tag lang flächendeckend der Strom weg. Stellen Sie sich mal vor, es hätte da kein Bargeld gegeben, ne? Da hätten Sie überhaupt gar nichts machen können. Und Sie stellen sich das einfach mal vor über einen längeren Zeitraum hinweg. Ja, stellen Sie es bitte auch mal im Verteidigungsfall vor, von dem im Augenblick stark gesprochen wird, ne? Also, weiß ich, ein paar Kraftwerke werden angegriffen, sind nicht mehr da, Stromnetz ist weg, und man befindet sich mitten im Verteidigungsfall. Was ist denn dann eigentlich? Also, man braucht dafür ein resilientes System, und man muss dafür sorgen, dass dieses System des Bargeldes auch einfach parallel noch aufrechterhalten wird. Ne, so unabhängig davon ist es natürlich so, dass dieses digitale…

Bargeld durchaus eine sinnvolle Sache wäre, und wenn es eben als solches Geld konstruiert wäre, das wäre das, was ich mir wünschen würde, und das müssen wir allen darauf achten, dass diese Eigenschaften möglichst reinkommen. Ja, also es ist eine Anonymität da, ist es eben nicht nachvollzogen werden kann, wobei ich nicht weiß, ob der Kampf nicht schon längst verloren ist, aber jedenfalls der Kampf gegen die Programmierbarkeit des Geldes, die müssen wir auf jeden Fall führen, und das darf unter unter gar keinen Umständen darf der Euro selber programmierbar sein. Und achten Sie auf diese Begriffsverwirrung, äh zu den programmierbaren Zahlungen. Ja, das ist, weiß nicht, ob das Absicht ist, dass die so ähnlich klingen, aber das sind Dinge, mit denen es leicht verwechselt wird. Ja, also nicht äh mit Smart Contracts verwechseln. Ja, okay.

In dem Sinne: Sie wollen jetzt natürlich unbedingt mehr über Geldsysteme wissen. Sie wissen ja: hier Fürstengeld, Fiatgeld, Bitcoin. Ja, tolles Buch, Bestseller, alles was dazu gehört. Ja, man, ganz abgesehen davon, ich find's wirklich gut, hab aufgeschrieben. Na gut, wie auch immer. Also für den Fall, dass Sie sagen: "Oje, ganzes Buch lesen, das ist ja echt zu viel, das schaffe ich nicht." Dann abonnieren Sie wenigstens meinen Kanal, wenn Sie nicht schon Abonnent sind, damit wir uns dann hier in der nächsten Woche zu solchen tollen Themen wiedershen.