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Wie postmoderner Aktivismus Wissenschaft und Demokratie gefährdet | Dr. phil. Christian Zeller

gwup1:29:43

Transcription

Das heißt, wir haben einen extrem starken Überhang der Parteipräferenz zu Parteien, die eben auch dieses Weltdenken vertreten. Und dann schließt sich der Kreis: die Politik finanziert dann wieder die [Musik] Wissenschaft. Das ist der Titel meines Vortrags: Wie postmoderner Aktivismus Wissenschaft und Demokratie gefährdet. Ich möchte euch heute jetzt in eine etwas wahrscheinlich bisweilen skurile, aber auch was Wissenschaft und Demokratie angeht, auch gefährliche Welt mit reinnehmen. Ähm, ich beschäftige mich schon eine Weile damit. Habe ich auch einen biographischen Hintergrund, oder ich bin durch das Thema eigentlich so ein paar biographische Weichenstellungen drauf gekommen. Erzähle ich gleich ähm äh einleitend was dazu. Und im Grunde ist mein Vortrag ein längerer Kommentar, wird ungefähr eine Stunde dauern, zu dieser pointierten Äußerung von dem Philosophen Julian Nida-Rümelin: Hände weg von jeder Form der Politisierung von Wissenschaft. Das ist wirklich eine ganz schlechte Idee, und das versuche ich jetzt an einem Beispiel, auch einem gesellschaftlich sehr relevanten Beispiel, zu begründen. Ich sag's ja schon, ich habe ähm selber auch einen Biog—eine biografische Verbindung zu dem Thema. Ich war in dem Soziologiemilieu zwischen 2001 und 2016, habe erst dann äh promoviert und dann, als ich dann 2016 den Beruf gewechselt habe, dann habe ich so in den Jahren danach gemerkt, äh so 17, 18, wie immer mehr ähm so von Normen und Praktiken, die in der Soziologie, die ich in der Soziologie angetroffen habe, wie die immer mehr in den gesellschaftlichen Diskurs reinsickern, also z.B. das Gendern. Ja, das wurde— Gibt's eine Frage?

Ganz kurze Frage. Darf ich ein Foto von dieser Folie twittern? Ja, klar. Kannst du gerne twittern. Genau. Ich habe also bemerkt, wie sozusagen immer mehr so diese diese, was man da unter Soziologen gemacht hat, wenn man unter sich war, in die Gesellschaft hineinsickert. Das Gendern war eine, oder so Sätze, wie: Alles ist Konstruktion, auch Geschlecht ist nur eine Konstruktion, und das fand ich dann erstmal als Soziologe interessant. Ja, ich war jetzt nicht mehr in diesem Feld drin. Ähm, und bemerke etwas, was mein Interesse als Soziologe weckt. Ja, und gleichzeitig ähm war das dann verbunden mit dem Aufkommen der Woke-Bewegung. Ähm, was, wie ich jetzt dann gleich ausführen würde, sehr stark mit so bestimmten akademischen Deutungsmustern verknüpft ist, und es hat mich dann auch als Bürger ehrlich gesagt ein bisschen betroffen gemacht, und ich habe mir gedacht: Ist das eine gute Entwicklung, die da passiert? Ja, und wenn wir jetzt mal so auf die—das ist jetzt sozusagen so ein Main—Eindruck von der Mainstream-Soziologie. Ja, es gibt in der Soziologie auch liber—sagen wir mal, liberale, libertär denkende Leute, vielleicht eher so bei den quantifizierenden Sozialforschern, aber so im Grundsatz ist das schon—geht das schon in eine ziemlich ähnliche politische Richtung, so sozialdemokratisch. Da ist man dann in der—oder wenn sich jetzt Soziologen, sagen wir mal so, unter sich unterhalten, dann ist man eher gegen den neoliberalen Kapitalismus äh und für den Sozialstaat, für Arbeitnehmer, eher gegen Arbeitgeber, eher für Arme, eher gegen Reiche. Migration wird eher positiv gesehen, Grenzen werden eher kritisch beäugt, die sind eher ausländerfeindlich und rassistisch. Biologie und Genetik gilt unter Soziologen jetzt nicht mehr so ganz so hart wie in den 70er Jahren, aber immer noch ähm als na ja, also da ist man jetzt sozusagen nicht so super openminded. Alles was sozial bedingt ist, ist hingegen sehr gut, weil da kann man dann auch irgendwelche Praktiken schaffen, um dann etwas zu transformieren oder kritisch zu beleuchten und dann zu verändern. Ähm, der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube ähm hat mal die Soziologie, finde ich, sehr treffend als daumendrückende Disziplin bezeichnet. Ja, also im Grunde hat fast jedes Milieu, auch jedes sehr kleine Milieu, seinen eigenen Soziologen, manchmal auch einen ganzen Sonderforschungsbereich, und dann steht man so am Spielfeldrand und drückt die Daumen. Ja, also die ähm Neutralität und Objektivität oder die Distanz gegenüber dem Forschungsgegenstand ist jetzt nicht immer gewahrt. Es ist nicht immer gleich ein Riesenproblem, aber wenn das eben zu viel wird, dann verzerrt sich die Forschung in eine bestimmte politische Richtung. Und in einem Teil jetzt der Soziologie, nicht nur der Soziologie, auch der Literaturwissenschaften oder auch in der Sozialpädagogik ist es ziemlich verbreitet, da habe ich das eben sehr stark wahrgenommen, und da gab's dann auch schon so ähm, sagen wir mal so, Begebenheiten während dieser Zeit, die ich in dem Milieu verbracht habe, wo ich mir gedacht habe: Da—da passt irgendwas nicht mehr.

Ja, z.B. hatte ich ähm eine längere, also über Jahre andauernde Diskussion mit einer Kommilitonin, die kam dann immer aus Genderseminaren raus. Ja, und dann sagte die: "Macht und Wahrheit sei identisch." Ja, es gab also kein ähm Wahrheitskriterium außer Macht. Das fand ich damals schon—ich hatte jetzt nicht besonders intensiv über Postmoderne oder so nachgedacht oder auch relativ wenig davon gelesen, aber ich fand es irgendwie bedenklich, das klang irgendwie diktatorisch. Ja. ähm, quasi jemand, der einfach qua Macht seine Welt zu einer neuen Wahrheit machen kann, fand ich irgendwie seltsam. Ähm, oder ich hatte dann auch Diskussionen mit ähm teilweise habilitierten äh Leuten dort, z.B. war ich mal auf einer Fachbereichsparty, ähm wo man dann so rumsteht mit Gläsern und dann seine Forschungsprojekte wechselseitig äh spannend findet, und dann stand ein Privatdozent da, der berichtete von dem Forschungsaufenthalt in Afghanistan, und dann stellte er die These auf, dass es in Afghanistan—es war 2014, also der Höhepunkt des NATO-Krieges—gefährlicher sei als in Frankfurt, denn Risiko sei ein westliches Konstrukt. Ja, und dann fragte ich nach, ob er tatsächlich meine, dass es jetzt auf unserer Fachbereichsparty, also ob es da überhaupt keinen Maßstab gäbe zu sagen: Also hier ist es jetzt gerade nicht so gefährlich wie in Afghanistan. Ja. Ja. Risiko ist ein westliches Konstrukt. Und da dachte ich mir auch das erste Mal ähm: Also wenn jetzt Forschung zu solchen Resultaten führt, ich bin mir nicht ganz sicher, ob das der Steuerzahler finanzieren muss. So. Ähm, das ist ein Argument, das werde ich jetzt noch ein paar mal machen. Ja, oder mit einem anderen Kollegen diskutierte ich dann zwei Stunden, der vertrat die These ähm, dass die Gesetze der Statik—also warum dieses Haus hier hält oder Brücken halten oder nicht zusammen—oder zusammenbrechen, dass die Gesetze der Statik nicht universell seien, die gelten nicht in Amazonas-Stämmen oder in Stämmen auf Papua-Neuguinea. Ich fand diese Position derartig absonderlich, dass ich mir auch gedacht habe: Wirklich komisch. Ja, oder ähm auch—also eine Begebenheit, an die ich häufig gedacht habe dann, als ich dann aus der Soziologie draußen war, ähm so Vorformen von dem, was ich dann so als Cancel Culture ausgeprägt hat. Ja, ich war mal auf einem—auf einer Gender—auf einem Gender-Vortrag, also in diesen Gender-Themenbereich. Ich finde auch das interessant, spannend, sich mit Geschlecht aus soziologischer Perspektive zu beschäftigen, und es war ein Vortrag von dem Professor ähm, der äh vortrug über Regeln und Normen in der Sadomaso-Szene. Ja, das sind so Themen, die in diesem Genderbereich gang und gäbe sind. Ähm, und es war interessant. Der hatte da teilnehmende Beobachtung in dem Feld gemacht, und dann stellte zum Schluss ein Student die Frage ähm, wie es denn überhaupt äh möglich sei, dass Menschen solche sexuellen Präferenzen ausbildeten. Ja, und kaum war diese Frage ähm zu Ende gestellt, intervenierte sehr hart die gastgebende Professorin äh, die im Publikum saß und sagte: "Na na na, solche Neigungen." Ja, also das darf man nicht sagen. Und was der Fragesteller falsch gemacht hat, war, er hatte sozusagen eine Normalitätsfolie angelegt, also eine Normalität unterstellt und dann eine unterstellte Abweichung davon. Und das nennt man in dieser postmodernen Szene Othering. Und das darf man auf keinen Fall machen. Und dann wird—fand ich interessant, dass sozusagen der Professor tatsächlich dann auch Fragen von Studenten sehr in einer sehr atmosphärisch unangenehmen Weise abschneidet. Der Punkt ist, das ist sozusagen so eine Form von Agendawissenschaft, hatte Sandra Kostner mal genannt. Da schwindet dann sehr stark die Distanz zum Gegenstandsbereich, und man hat im Grunde so ein politisches Ziel, was man verwirklichen möchte für bestimmte marginalisierte Gruppen, und da gehe ich später dann noch drauf ein, was das für Folgen hat. Es gab dann interessanterweise auch eine Spaltung von Fachverbänden, oder die Deutsche Gesellschaft für Soziologie, die wurde ziemlich dominiert von diesen postmodernen Leuten zu dieser Zeit, 2016, 2017, und da haben die quantifizierenden Sozialforscher dann gesagt: Das reicht uns jetzt, wir machen unser eigenes Ding. Äh, wir haben genug—also das war jetzt nicht der einzige Grund, ähm, aber die haben dann also von: Alles ist Konstruktion und so. Das war denen einfach nicht mehr wissenschaftlich genug. So, und jetzt leben wir sozusagen in einer Phase, in der das, was ich jetzt da in diesem Soziologiemilieu erfahren habe, sozusagen voll in der Gesellschaft aufgeblüht ist. Ja, also das Gendern ist ähm komplett angekommen. Dann liest man manchmal irgendwelche Zeitungsartikel, wo dann nicht steht: Ein Mann wird gesucht, sondern: Männlich gelesener Täter. Ähm, die kanadische, die letzte kanadische Regierung ähm hat mal den Vorschlag gemacht, eine Gender-transformative Minenräumung ähm in der Ukraine durchzuführen. Es war in der Pressemitteilung nicht erläutert, was das bedeutet. Ähm, dann findet man auch immer wieder die Formulierung: Geschlecht wird zugewiesen durch den Blick des Arztes. Ja, also ich habe immer gedacht: Geschlecht, wenn Baby auf die Welt kommt, Geschlecht wird wahrgenommen und erkannt, aber jetzt wird es zugewiesen. Meiner Meinung nach wird es auch dann wahrgenommen und erkannt, wenn es objektiv ambivalent ist, also wenn es sich um einen seltenen Fall eines Zwitterkindes handelt, auch dann sind ja die—die beiderlei Geschlechtsmerkmale sozusagen objektiv da. Aber nein, die werden zugewiesen durch den Blick des Arztes. Selbstbestimmungsgesetz kennen Sie alle aus der Presse. Jährlicher Wechsel des Geschlechtseintrags ist möglich. Wir haben drei Jahre feministische Außenpolitik hinter uns. Ähm, auch Cancel Culture ist auch schon jetzt sozusagen strafbewährt, teilweise aufgeblüht. In der Fankurve von Bayer Leverkusen wurde mal ein Transparent hochgehalten, wo stand: Es gibt viele Musikrichtungen, aber nur zwei Geschlechter. Ähm, das Resultat war, dass der Verein 18.000 € Strafe zahlen musste. Ja. Ähm, kulturelle Aneignung ist vielleicht einigen auch vielleicht schon ein Begriff. Also, es gab mal den Fall, wo eine Musikerin mit Rastalocken, die wollte für Fridays for Future spielen, äh die wurde dann wieder ausgeladen, weil das darf man nicht machen. Das nimmt also sozusagen Leuten aus Jamaika irgendwas weg, was auch immer. Ja. Ähm, und es hat auch, sagen wir mal, na ja, äh sehr doppel—dopp—gewissen—doppelmoralischen Charakter diese ganzen Ereignisse, z.B. ist Ferda Ataman, die mit ihrem Verein, die Deutschen Medienmacher, einen Preis verleiht. Der nennt sich die goldene Kartoffel. Das geht an Medien, die besonders stereotyp berichten über Migranten. Ähm, und dieser—dieser Begriff Kartoffel hat eine ganz klar ethnizistisch negative Abwertung, und diese Person wird Vorsitzende der Antidiskriminierungsbehörde. Also das kann man schon einigermaßen absurd finden und vielleicht sozusagen schon auch so sehen, in welche Richtung die Sache geht. Ja. Ähm, was auch jetzt so in den letzten zwei Jahren aufgeblüht ist, sind diese Arten von Meldestellen. Ja, wurden erst vier in Nordrhein-Westfalen geschaffen. Und interessant, können Sie vielleicht schlecht lesen. Ja, eine Meldestelle—es geht um antiasiatischen Rassismus. Ähm, und hier steht: "Tatsächlich ist die Unsichtbarkeit ja äh von antiasiatischem Rassismus." Ähm, jetzt kann ich es leider selber schlecht lesen. Ja, die Unsichtbarkeit. Ja, also es geht auf jeden Fall—der antiasiatische Rassismus ist unsichtbar, und das ist eine Eigenschaft. Das steht da—ist eine Eigenschaft. Also die Unsichtbarkeit ist eine Eigenschaft des antiasiatischen Rassismus. Das heißt, wir haben jetzt Meldestellen, wo ähm bestimmte Dinge gemeldet werden können. Und die—das, was gemeldet werden kann, das Charakteristikum dessen, was gemeldet werden kann, ist, dass es eine unsichtbare Eigenschaft ist. Also, das wirkt alles nicht mehr ganz konsistent. Die normativen Legosteine äh hat die Regina kurz schon angesprochen. Es war ein Fall 2022, der jetzt vor kurzem erst publik äh wurde. Da hat eine Gender-Gruppe—also eine Gender Studies Group des Londoner Science Museums äh festgestellt, dass also auch Legosteine sozusagen heteronormativ sind, weil oben gibt's die Noppen und unten gibt's die Löcher zur Aufnahme. Ja. Ähm, gut. Was werde ich jetzt im folgenden machen? Ich versuche jetzt so ein bisschen—jetzt waren wir so auf—jetzt haben wir die quasi die Oberfläche mal betrachtet, ja, und meine persönlichen Erfahrungen damit. In dem ersten Schritt erläutere ich mal, was eigentlich der Kern von Woke Culture ist und welche Eskalationsdynamiken ähm befeuert das in der Gesellschaft? Zweitens, wie funktioniert eigentlich genau aktivistische Wissenschaft? Also was passiert da, wenn Politik und Wissenschaft sozusagen ineinander ähm verknüpft werden, sich miteinander verbinden? Äh, im dritten Schritt gehe ich auf Immunisierungstechniken ein, die dann angewandt werden, wenn Leute den Punkt 2 ansprechen. Ja, also wenn sie mit aktivistischer Wissenschaft nicht einverstanden sind, da gibt's bestimmte Formen, die Kritik daran abzuwähren. Und das geht tatsächlich—nimmt jetzt auch tatsächlich schon autoritäre Tendenzen an. Und viertens geht's dann ähm um die Weisheit von Spider-Mans Onkel. Zunächst mal von zu Woke Culture. Was ist daran nicht problematisch? Ja, also aus meiner Sicht, und ich denke, das kann man gut begründen, ja, jetzt Gender, Rassismus oder postkoloniale Gesellschaften als Themen der Forschung zu setzen, akademische Themen völlig unproblematisch, sind super interessante, relevante Bereiche, auch kann man—kann natürlich auch angewandte Forschung machen. Also Politik setzt sozusagen gewisse Ziele: Wir wollen Rassismus in einem bestimmten Milieu oder in bestimmten Bereichen reduzieren, und der Wissenschaftler bekommt den Auftrag: Wie können wir das am besten erreichen? Ja, auch überhaupt kein Problem. Es spricht auch sehr viel dafür, sogar Kenntnisse über Kolonialismus und die Schattenseiten der Aufklärung zu erweitern. Wissen Sie, wie viel Sklaven aus Afrika zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert in die Amerikas verschifft wurden? Ungefähr. Schätzen Sie mal bitte. 2 Millionen? Nee, nee. Unterschätzung. Es waren 12 Millionen. 12 Millionen. Ja, also ca. Und wie viel im 18. Jahrhundert wurden in Europa durch die Philosophen die Menschenrechte formuliert? Ja, die Vorstellung von der gleichen Würde eines jeden Menschen durch Kant, Voltaire, Hume, Locke und so weiter. Wie viel Menschen wurden im 18. Jahrhundert in die Amerikas transferiert von diesen 12 Millionen? A 8 Millionen. Ja, also da ist tatsächlich—und da haben sozusagen Woke auch einen wirklichen Punkt. Ja, also die Spannung ähm, die entsteht während der Formulierung der Gleichheit aller Menschen. Das ist eine so eklatante Abweichung zu der realen Praxis im 18. Jahrhundert. Ähm, das sollte man wissen. Darüber kann man natürlich auch forschen, da kann man sich auch Gedanken darüber machen: Wie kommt das dazu? Ja, ähm, dann Lehrpläne in diesem Sinne zu erweitern, auch Autoren aus anderen ähm Kontinenten zu lesen und nicht immer nur Günther Grass—nichts gegen Günther Grass. Toller Autor, ja, aber man kann auch asiatische, afrikanische Autoren lesen. Generell finde ich an der Woke Culture gut, eine Sensibilität für Macht-Asymmetrien und auch das Prinzip, mehr Stimmen hörbar zu machen, Stimmen möglichst Chancen gleich hörbar zu machen in der Gesellschaft, damit sich möglichst viele Interessen und Weltanschauungen gleich artikulieren können. Und das läuft dann natürlich hinaus auf einen absolut fundamentalen Wert, den die Woke Culture auch zurecht betont, nämlich Antidiskriminierung, Gleichachtung für jedermann. Das sind absolut zentrale Werte, die in unsere Verfassungs-ähm-Fundamente eingegossen sind. So, das war jetzt sozusagen die—die positive Seite. Die negative—oder sehr schematische Seite sieht jetzt so aus. Und das ist jetzt tatsächlich der Kern des Weltbildes. Das ist jetzt auch nicht von mir irgendwie überzeichnet. In der Woke Culture gibt es also den weißen heterosexuellen Zismann, und der will sozusagen qua seinem—so sein einfach äh seine Privilegien bewahren und schließt dadurch ja alle, die sozusagen nicht seinen Eigenschaften entsprechen, drängt er sie sozusagen an den gesellschaftlichen Rand. Ja, und er verursacht deswegen eben seit der Aufklärung oder auch davor, seit der Neuzeit, ja, äh Rassismus, dann Patriarchat und heteronormative Zwangsmatrix—also die Orientierung von Menschen an zweierlei Geschlechtern, die—die zwangsweise Orientierung daran. Ähm, es gibt dann auch noch weitere Gruppen, die in der Woke Culture thematisiert werden, Behinderte beispielsweise. Und das Problematische ist jetzt, da steckt sozusagen jetzt ein Kernwahrheit drin. Ich habe es in einem kurzen Exkurs über die Aufklärung, die Sklaverei deutlich gemacht. Nur dieser extreme Schematismus ist natürlich immer ein Problem, egal um welche Weltanschauung es geht. Ja, die Welt zerfällt aus der Perspektive der Woke Culture in zwei Hälften: Es gibt die Unterdrücker und die Unterdrückten. Und ähm—also ein ganz—es ist im Grunde ein manichäisches Denken. Politik ist definiert durch Freund, Feind. Wer steht auf der richtigen Seite? Wer steht auf der falschen? Und dadurch geht natürlich ganz viel Differenzierungspotenzial, das unter anderem auch die Woke Culture in die Gesellschaft hineinbringen könnte, verloren, weil ganz viele sagen: Das ist mir zu überzogen, das ist mir zu—zu platt, zu pauschalisierend, zu homogenisierend. Also, die Woke Culture macht im Grunde ähm genau dasselbe sozusagen gegenüber weißen Zismännern, ja, äh wie das, was sie an ihm nicht immer zu Unrecht anprangert. Und das sollte man nicht tun. Das ist nicht günstig für den sozialen äh Frieden. Ein sehr problematischer epistemischer Aspekt ist das sogenannte Standpunktdenken. Das ist eine richtige akademische Theorie, die geht davon aus—also eine Erkenntnistheorie, die geht davon aus, dass unsere Position in der Gesellschaft unser Denken sehr stark prägt oder sogar determiniert. Ja. Ähm, deswegen gibt es dann oft so Rituale, wenn man sich jetzt also unter Woke-Leuten trifft, dass man dann sagt: Ähm, expliziere erstmal dein—dein Sprecherstandpunkt. Also, es zählt sozusagen nicht das Argument, was sage ich inhaltlich, sondern wer sagt es. Ja, und das kann man natürlich ins Extrem treiben. Da sagen dann zwei Leute absolut identische Sachen, aber der eine hat sozusagen den—den falschen Standpunkt. Ja, dann nehme ich dieses Argument nicht mehr ernst, obwohl es inhaltlich genau dasselbe ist wie das, was ich von anderen Personen höre. Ja, das ist auch—das ist einfach irrational. Das macht keinen Sinn. Die Folge ist sozusagen—das ist jetzt die politische Schlussfolgerung der Woke Culture—der alte weiße Zismann muss weggecanzelt werden. Daher kommt Cancel Culture. Das ist der Kern von Cancel Culture. Ja. Ähm, wenn man jetzt so ein bisschen subtiler wird, ja, dann ist im Grunde die größte politische Konsequenz dieses Denkens liegt in einer impliziten Verfassungsumdeutung. Ja. ähm, die das Prinzip der gleichen Würde, ja, das beispielsweise in der deutschen Verfassung verankert ist, ja, ähm eines jeden abstrahiert gerade von allen partikularen Merkmalen, die ein Mensch mitbringt, ja, von Ethnie, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung und so. Jeder Mensch hat die gleiche Würde, weil er ein Mensch ist, egal welche Merkmale er sonst mitbringt. Und worauf das Denken der Woke Culture im Grunde hinausläuft, ist diesen individuumszentrierten Universalismus zu ersetzen durch einen identitären Tribalismus. Also, es spielt das Prinzip der Gleichachtung und Gleichberechtigung für jedermann sehr wohl eine Rolle. Allerdings müssen jetzt eben die durch ihre Standpunkte definierten Identitätsgruppen in ein irgendwie gleichgewichtiges Zusammenspiel gebracht werden. Ja. Ähm, und die Konsequenz daraus ist natürlich die, dass jetzt auch der heterosexuelle weiße Zismann sich als eine solche Identitätsgruppe erkennt. Ja, und jetzt beginnt sozusagen der Kampf der Identitäten. Ja, der kämpft jetzt gegen die Cancel Culture, und das ist der Kern der Eskalationsdynamik, die wir momentan beobachten können zwischen linksidentitären Kreisen und rechtsidentitären. In den USA haben jetzt die Rechtsidentitären wieder das Oberwasser. Das wird sich aber sicher irgendwann ändern. In Europa sind es eher die Linksidentitären in den sozusagen diskurshegemonial relevanten Milieus, Medien, Kultureinrichtungen und so weiter. Aber auch das kann sich ändern. Und es ist super interessant, sich mal diese beiden Bewegungen, die rechtsidentitäre und die linksidentitäre, mal hinsichtlich der Merkmale anzuschauen. Und da stellt man fest, ähm, dass es da ziemlich große Ähnlichkeiten gibt auf der formellen Ebene, aber nicht auf der inhaltlichen Ebene. Ja, also beiden Bewegungen ist beispielsweise ein sehr starkes Homogenitätsdenken zu eigen. Die einen präferieren dann eine ethnisch-nationale Identität. Ja. Die anderen diese identitäre Binnenhomogenität von marginalisierten Gruppen. Beide haben kulturrelativistische und antiuniversalistische Merkmale. Der Weltanschauungskern, sozusagen der—der rechtsidentitären Bewegung ist der Ethnopluralismus. Der Ethnopluralismus geht davon aus, dass Kulturen einander gleichgestellt sind. Sie sind gleichwertig, sollten sich aber möglichst nicht vermischen. Ethnopluralismus. In der äh Weltanschauung der linksidentitären Bewegung ist es dann der postmoderne Kulturrelativismus. Ja, jetzt in den Kalendersprüchen hier mal äh abgebildet: Jeder hat seine eigene Wahrheit. Alles ist Konstruktion. Ja, es gibt überhaupt keine milieuübergreifende Verständigungsmöglichkeit. Alles ist relativ. Dann beide zeichnet aus ein polarisierender Dualismus. Die einen sprechen dann von Elite und Establishment, das Böse versus das gute Volk. Die anderen sprechen von Unterdrücker äh oder der Dominanzgesellschaft versus die Unterdrückten. Auch hier ist das eine wieder positiv, das andere negativ. Und das Feindbild ist auch erstaunlich identisch. Sowohl bei den Rechtsidentitären als auch bei den Linksidentitären ist es Aufklärung und Liberalismus. Ja, also wir haben quasi eine analoge Struktur bei unterschiedlichem Inhalt. Ja, und wenn man jetzt fragt—das war jetzt sozusagen auf der Ebene der Weltanschauungen—ja, natürlich sehr schematisch jetzt hier dargestellt. Gibt viele Differenzierungen in beiden ähm sozusagen identitären Bewegungen. Natürlich ähm, wenn man jetzt fragt: Was ist sozusagen der personelle—das personelle Unterfutter? Welche Personen äh fühlen sich potentiell ähm von diesen polaren Welt-äh-Anschauungen angesprochen? Dann ist eigentlich, wenn ich einen Lektüretipp zum—zum Weiterlesen geben würde, dann würde ich das Buch von David Goodhart empfehlen: The Road to Somewhere. Das ist eigentlich wirklich der Schlüssel zum Verständnis jetzt auch der momentanen politischen Situation, sowohl in Industriegesellschaften als auch geopolitisch. Und Goodhart unterscheidet zwei Gruppen: die Anywheres und die Somewheres. Und dann gibt's natürlich auch Leute in Between. Ja, ähm, die Anywheres sind sozusagen—da werden Werte präferiert, wie Autonomie, ähm Mobilität, Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Ja, ähm, in Europa prägt sich das auch aus durch eine sehr starke Orientierung an der EU—also da ist man pro EU, ja? Ähm, und die Somewheres sind eben diejenigen, die sozusagen an konkreten Orten, in Heimaten, Tradition, Religion verwurzelt sind. Ähm, und das ist jetzt so—das sind einfach jetzt auch unterschiedliche Persönlichkeitsausprägungen, die dem zugrunde liegen. Ja, Anywheres, die sind sozusagen eher openminded, die empfinden das, wenn sie jetzt in München mit der U-Bahn fahren und sie hören dann eine fremd—sagen wir mal, sehr fremdklingende Sprache, z.B. Tigrinisch oder so, dann hört man da eher hin und sagt: "Aha, was ist das?" Ja, und jemand, der eher so auf der Somewhere-Seite ist, der fühlt sich dann da eher—das ist mir jetzt irgendwie zu fremd. Man kennt es auch von kleinen Kindern. Die einen laufen auf die Erwachsenen zu, die anderen fremdeln eher. Ja, das ist sozusagen—it's all äh human. Und das momentane Problem ist, dass wir—also hier haben wir auch—vielleicht erläutere ich das zunächst mal noch—ähm, das ist aus einer sehr—sehr tollen empirischen Studie, unter anderem von dem amerikanischen Sozialpsychologen Jonathan Haidt. Ähm, hier wurden Leute ähm gefragt ähm, welchen sozialen Kreis ähm sie als für sich moralisch relevant erachten. Ja, und das geht jetzt sozusagen von den innersten sozialen Kreisen aus. Das ist also die Familie, dann kommen die Freunde, dann kommen die Bekannten, dann äh kommt die Community, ja, die Stadt, dann kommt das Bundesland und so weiter bis ganz nach außen. Ähm, das ist dann sozusagen—dann kommen da die Tiere, die Pflanzen, das Unbelebte und dann das Universum. Ja, und das ist jetzt eine Studie für die USA. Die Conservatives, ja, die empfinden, je näher es bei ihnen ist, ja, umso—umso moralisch relevanter ist es für sie. Und bei den Liberals ist es genau umgekehrt. Die identifizieren sich sozusagen stärker schon in Richtung ähm—also die fühlen sozusagen jetzt, bisschen zugespitzt gesagt, eine stärkere Verpflichtung zum Universum, ja, als zu ihrem eigenen Bekanntenkreis, ja, oder ihrer eigenen Familie. Und es gibt ähnliche—es gibt leider nicht genau die Studie für Deutschland, aber es gibt ähnliche Hinweise, dass ich das auch in—in Deutschland ähnlich polar ausprägt. Es gibt eine Studie von der Universität Münster, die unterscheidet die Verteidiger und die Entdecker. Ja, das entspricht ungefähr dieser Unterscheidung auch in etwa Anywheres versus Somewheres. Ja, Verteidiger, das sind sozusagen, die sich eher in ihren eigenen Milieus und ihrer eigenen Traditionen einrichten. Wählen eher die AfD. Ja, es sind ungefähr ähm 15 bis 20 % der Gesellschaft, und äh die Entdecker, ja, die sozusagen die Open-Mindedness präferieren, die Mobilität—heute hier, morgen dort—sind 20 %. Ähm, und die wählen die Grünen. Ja, das ist sozusagen auch der Kern. Sie haben sicher auch schon alle mal äh gelesen, wie stark gespalten unsere Gesellschaft ist. Ja, das ist in dem Sinne komplett falsch, als dass die Gesellschaft nicht in zwei Hälften zerfällt. Ja, ist wahrscheinlich jedem von ihnen auch schon mal aufgefallen. Also, mit den allermeisten Leuten kann man vernünftig reden, da gibt's—gibt's keine große Spaltung. Aber wo diese Spaltungsthese tatsächlich ähm äh einen—einen Punkt hat, ist an den Rändern momentan. Ja, also AfD-Wähler und Grüne stellen tatsächlich momentan auch hinsichtlich eben dieser Orientierungen hier Pole in der Gesellschaft dar. Und die große Gefahr ist, ähm, wenn das jetzt hier sozusagen immer stärker wird, dass ich da auch dann die entsprechenden Weltanschauungen drüber lege, ja, ähm, dann kann es natürlich passieren, dass die noch relativ differenziert denkende Mitte—und auch hinsichtlich ihrer Einstellungen ähm relativ homogene Gesellschaft, ja, dass ich die zunehmend an diese—an diese Pole anlagert. Ja, und das ist wirklich die große Gefahr ähm jetzt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Gut, ich mache hier mal einen ganz kurzen Break und trinke mal einen Schluck von meinem Weißbier. Brust, was bedeutet da die Polarität oder die Axis? Weil so eine Zeichen konnte man auch unidimensional machen. Du meinst jetzt den Kreis oder das—alle in Richtung so. Ach so, dass sie jetzt—das müsste ich jetzt selber nachschauen in der Studie, das weiß ich nicht, aber es ist interessant. Klar. Warum geht es nach rechts und nicht nach links? Ja, weiß ich nicht—oder nach unten—oder nach unten. Genau. Kann ich jetzt keinen sachlichen Grund nachvollziehen. Ja, ich habe diese—ich habe diese Kreise als moralische Kreise interpretiert, und dann dürfte es eigentlich keine—keine sozusagen keine weitere Dimension mehr geben. Ja, genau. Jetzt kann man sich überlegen im nächsten Schritt: Woher kommt das eigentlich? Also, ich fokussiere jetzt auf die linksidentitäre Bewegung. Man könnte dasselbe für die rechtsidentitäre auch machen. Ähm, woher kommt eigentlich das Woke? Ja, ähm, und das Woke ist im Grunde eine Fortsetzung der neuen sozialen Bewegungen der 1960er Jahre. Da haben Sie sicher alle ein ungefähres Bild vor Augen. Die Gesellschaft—in den 60er Jahren wurde die Gesellschaft sozusagen von den Rändern her aufgemischt. Ja, der Klassenkonflikt war im Wesentlichen in den Industriegesellschaften bereits befriedet. Ja. Ähm, also der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital, der über 100 Jahre lang dann marxistisch oder sozusagen von der abgemilderten Form des Marxismus in der Sozialdemokratie ähm beschrieben und auch politisch sozusagen…

Umgesetzt wurde, der war im Kern gelöst. Und jetzt kamen sozusagen die People of Color, ähm die Frauen, ähm auch die Kinderrechtsbewegung, ja, ähm Psychiatriepatienten, Gefängnisinsassen, ja, also immer mehr gesellschaftliche Gruppen wollten jetzt sozusagen ihre Stimme hörbar machen, und das ist auch wieder der, sag mal, der rationale Kern. Ähm, weil da gab’s natürlich tatsächlich so eine Hegemonie, also im Grunde ist der Mann das Normalmodell, ja, und alle anderen sind davon irgendwie so ab- Abweichler. Ja, jetzt passierte etwas, also das ist jetzt sehr grob skizziert sozusagen das, was auf der zeitgeschichtlichen Ebene passiert ist, ja, was mit auch mit der Studentenbewegung verknüpft ist. Ähm die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, äh die Frauenrechtsbewegung, ähm und so weiter.

Und um jetzt Woke Culture ganz zu verstehen, ist es wichtig, ähm quasi den die den theoretischen Überbau zu betrachten. Ja, also der Marxismus war noch relevant, ja, diese Trennung von Arbeit und Kapital. Ähm, aber der Marxismus war nicht besonders gut geeignet, um das Aufmischen der Gesellschaft von den Rändern her zu beschreiben. Ja, in der damaligen marxistischen Theorie nannte man das dann die Nebenwidersprüche. Ja, also es gab den Hauptwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit und dann eben die Nebenwidersprüche, und die waren nicht wirklich gut in die marxistische Theorie äh integrierbar. Und in den 60er Jahren entstanden dann eben ähm Theorien, die sozusagen sich viel besser eigneten, auf diese anderen Gruppen, sozusagen den anderen Gruppen einen einen ähm einen Sinn ihrer Bewegung zu geben oder ihrer Bewegung einen Sinn zu geben. So. Ja. Ähm und das waren dann eben diese postmodernen Denker, beispielsweise Jacques Derrida oder Michel Foucault, oder auch noch ziemlich stark an den Marxismus angelehnt, aber ihn auch schon transformierend. Die kritische Theorie von Adorno und Horkheimer, ja, die ging davon aus, man soll nicht nur oder man es ist sozusagen erkenntnismindernd, wenn man nur positivistisch das sagen objektiv sichtbare ähm beforscht und objektiv messbare beforscht, sondern man muss sozusagen auch die Welt äh kritisch hinterfragen und ähm ja, aus einer Perspektive der potenziellen Emanzipation der Menschheit betrachten. Erst dann hat sozusagen Theorie ihren eigentlichen Sinn. Ja.

Ähm die postmodernen Denker wie Jacques Derrida und Michel Foucault, die gingen noch viel weiter als Horkheimer und Adorno. Ähm die, also Derrida ist bekannt geworden für die Idee der Dekonstruktion. Ja, die Vorstellung von Derrida war, dass im Grunde alle ähm Unterscheidungen, auch Leid-Unterscheidungen in der Philosophie, dann Mythos und der Logos, äh Mann, Frau, Wahrheit, Unwahrheit, dass es sozusagen künstliche Gegensätze sind, die man jetzt in Fluss miteinander bringen muss. Ja, also das war diese Idee von der ja, so Leid-Unterscheidungen, ähm die sozusagen das Abendland geprägt haben, aufzulösen. Ja, und das sieht man jetzt sozusagen schon vom Motiv her, ähm dass gut auf ähm die die Artikulation von Bedürfnissen bislang nicht berücksichtigter Gesellschaftsgruppen passt. Michel Foucault hatte jetzt nicht eine ähnliche Idee, aber sozusagen strukturell ähnlich. Da stellte sich die Gesellschaft wie ein großes, also auch die liberalen Gesellschaften wie ein großes Gefängnis vor, ähm wo sozusagen alle möglichen ähm gesellschaftlichen Wächter ähm Normalitätsvorstellungen auf unterdrückte Gruppen oktruieren. Ja, also den Sozialpädagogen, den Richter, den Lehrer, den Pfarrer. Ja, und Foucault hatte diese Vorstellung, man müsste sozusagen eine Gesellschaft schaffen, in der Machtzentren ja möglichst ähm dezentral verteilt sind. Ja, ähm auch das kam dieser Idee ähm der des Aufmischens der Gesellschaft von den Rändern her sehr entgegen.

Das ist jetzt eine sehr grobe Charakterisierung dieser postmodernen Philosophie. Ähm und sie hat tatsächlich auch einige sehr sehr problematische ähm Elemente. Sie ist relativistisch, ja, und sprachfixiert. Also, die haben es wenig jetzt mit Materie, mit Physik und so weiter, sondern da geht’s, deswegen wird es auch in den Literaturwissenschaften sehr stark äh rezipiert oder findet da eigentlich die hauptsächliche Anwendung auch. Es geht dann um Symbolwelten, wie sich Symbole miteinander, Symbolwelten miteinander verknüpfen und sozusagen die Bedeutungen äh verschieben. Ja. Ähm, die zweite das zweite Merkmal ähm ist, dass das jetzt so ein Theorem von Foucault, ja, der geht davon aus, ähm Wissenschaften sind im Grunde in ihrem Anspruch auf Objektivität und Rationalität selbst schon Unterdrückungselemente. Ja. Ähm und das ist natürlich eine Vorstellung, die jetzt auch, sagen wir mal, für unseren Verein sehr stark mit dem mit dem Rationalitätsanspruch konfiguriert. Ja. Ähm er hat gesprochen von Macht-Wissen-Formationen. Ja, also jede jedes Wissen impliziert schon ein potenzielles eine potenzielle Einflussnahme auf das, was man weiß. Ähm äh und gleichzeitig muss ich immer auch etwas wissen, wenn ich Macht über etwas ausüben will. Und es gibt dann für Foucault keinerlei Maßstab mehr ähm um zu sagen, ähm das ist jetzt tatsächlich so, sondern man kann dann sozusagen nur noch Macht-Wissen-Systeme wechselseitig gegeneinander austauschen. Ja, ähm die Vorstellung der Entnormalisierung der Gesellschaft erwähnte ich schon und die Dekonstruktion fixer Bedeutungen. Ja, es ist eine Philosophie des radikalen Pluralismus. Es gibt keinerlei menschliche Universalien, also keine gemeinsam geteilte Vernunft, sondern nur sozusagen so kleinräumige Strukturen ähm in in denen sich dann irgendwie so zufällig so Akteure vielleicht mal so eine Art Verständigung haben können, aber im Grunde kann man sich mit anderen nicht mehr wirklich verständigen auf der Basis seiner gemeinsam geteilten Vernunft. Ähm, das Subjekt selber wird gedacht als ein Resultat von Diskursen und Unterwerfungen. Das heißt, Subjekte sind im Grunde ähm macht-durchwirkte Symbolnetzwerke, und wir können dann sozusagen ein die Subjektivität einer Person durch ein anderes Symbolnetzwerk ersetzen, wenn wir einen anderen Diskurs im Sinne von andere Macht-Wissen-Formation anwenden. Und die Konsequenz ist daraus, es gibt dann nur noch Kampf, aber keine Verständigung mehr.

Und wenn Sie jetzt sozusagen die wesentlichen Elemente dieses Weltbildes sich vor Augen führen, ja, von oben her die Idee, das ist das, womit ich mich mit der Kommilitonin früher immer gestritten habe. Ja, ich kann durch meine Macht, die in die in die Welt sozusagen eine neue Wahrheit einbringen, und es gibt dann keinen Unterschied zwischen Macht und Wahrheit, ne? Von oben, von unten die Vorstellung, Subjekte sind im im Grunde beliebig formbar, je nachdem welche welche Macht-Wissen-Formation in sie ich in sie hineinportiere, und gleichzeitig gibt es keinerlei Maßstab, um dieses Passungsverhältnis hier in irgendeiner Weise aufzulösen aufgrund der relativistischen Prämissen. Es gibt keine externen Maßstäbe. Ähm sodass man sagen muss, diese Weltbildstruktur, die den akademischen den dem akademischen Zirkel in der Woke Culture zugrunde liegt, hat ein enormes totalitäres, autoritäres Potenzial. Ähm und das ist, glaube ich, auch der absolut zentrale, ja, kaum aushaltende Widerspruch des postmodernen Aktivismus, nämlich es wird im Grunde der liberaldemokratische Wert des Strebens nach Gleichberechtigung und Gleichachtung verfochten, aber mit einem potenziell totalitären Unterfutter.

Und diese Ideen, die in den 60er, 70er Jahren entstanden, die diffundierten dann, das kann ich hier wirklich nur benennen, diffundierten dann immer stärker in Sozialwissenschaften, Literaturwissenschaften, erst in den USA. Die USA waren auch da sozusagen 15 10 15 Jahre Deutschland voraus, und dann sickerte das Ganze auch nach Europa. In Frankreich war es schon relativ stark vertreten durch, weil Jacques Derrida und Michel Foucault französische Philosophen waren, und es waren dann eben so Theoriestränge, von denen Sie vielleicht schon mal gehört haben, Postcolonial Studies, Critical Race Theory, die Queer Theorie von Judith Butler und so weiter. Die stützen sich fast alle in unterschiedlichen Ausprägungen und mit unterschiedlichen Akzentsetzungen, aber fast alle auf diese poststrukturalistische, postmoderne ähm Theorie, so dass wir hier einen wirklichen Diffusionsprozess haben, ähm auch sozusagen in die Köpfe ganz vieler junger Leute. Ja, jetzt war ich auf der historischen Ebene. Jetzt gehe ich noch mal kurz auf die systematische Ebene, ja, damit man das jetzt noch mal sozusagen ein bisschen gliedert, dem ganzen Struktur verleiht. Von postmodernen Sozialaktivismus spreche ich dann von, wenn es um das eigentlich akademische Phänomen geht, ja, also die Anwendung von kritischer Theorie und postmodernen Theorien unter Bedingungen emanzipatorischer Sozialbewegung. Das eigentlich akademische Phänomen Woke Culture ist das Ergebnis der Diffusion, ja, des Durchsickern dieser Zeit und theoriegeschichtlichen Tiefenströmungen in immer breitere Subsysteme der Gesellschaft, also Bildung, Kultur, Medien, Schulen und so weiter. Und was wir jetzt in den letzten 2 3 Jahren beobachten können, auch in Deutschland, ist Woke Politics, nämlich die ideologische, pädagogische und repressive Abschirmung dieses postmodernen emanzipatorischen Wertewandels vor Kritik. Also diese ständige Gerede von: „Das ist Hass und Hetze, das ist Menschenfeindlichkeit und so weiter“, die sind fast alle darauf gerichtet, in irgendeiner Form die marginalisierten Gruppen, sei es also jetzt erstmal aus der Perspektive der Akteure, ja, marginalisierte Gruppen vor Zugriffen äh durch eine vermeintlich hegemoniale Kultur abzuschirmen, ja, oder auch diese aus dem Boden schießenden Meldestellen, die haben eigentlich bis auf die Meldestelle Antisemitismus, die es schon seit 2016 in Berlin gibt, alle diesen woken Touch, also den antirassistischen ähm Gender Touch mit sozusagen diesen ganzen ähm ja, Weltanschauungselementen, die ich jetzt auch schon teilerklärt skizziert habe. Woke Politics, ich nenne das jetzt nur, und vielleicht denken Sie dann später dran, wenn ich ähm weiter dann auf die Details eingehe. Wir haben im Grunde einen Kreislauf, ja, also das akademische Phänomen, die Wissenschaft versorgt sozusagen NGOs, Experten und Think Tanks, ja, mit diesen akademischen Deutungen, die ich jetzt kurz skizziert habe. Die wiederum werden von Medien angefragt, und dann sagt eben irgendein Experte was zum Thema Antirassismus. Ja, und der ist dann sozusagen geprägt von dem Ergebnis dieses Diffusionsprozesses. Medien, Mainstream-Medien stützen dann wiederum, so ist es jetzt zumindest bislang, stützen dann die Politik, die sind relativ gleich gerichtet. Also sozusagen die die linksgrüne Ausrichtung der Medien ist mittlerweile so gut dokumentiert, da kann kein Zweifel mehr bestehen. Letzte Umfrage der TU Dortmund hat gezeigt, 41 % der äh Journalisten wählen die Grünen und knapp 20 % noch mal die SPD. Das heißt, wir haben einen extrem starken Überhang der Parteipräferenz zu Parteien, die eben auch dieses Woke ähm vertreten. Und dann schließt sich der Kreis, die Politik finanziert dann wieder die Wissenschaft.

Ja, und jetzt gehen wir mal auf das Kernproblem ein, die Verknüpfung von Wissenschaft und Politik. Kann man fragen, was ist daran eigentlich das Problem? Ja, also Wissenschaft ist die systematische Generierung von Erkenntnis. Das ist sozusagen das Sprachspiel der Wissenschaft. Wer jetzt als Wissenschaftler sagt, ähm ihm ist Wahrheit egal oder so, der ist einfach im falschen Sprachspiel. Ja, kann da nicht mitspielen. Also systematische Generierung von Erkenntnis. Politik ist die auf Macht basierte Gestaltung der Gesellschaft, und demokratische Politik bedeutet kollektive Selbstbestimmung unter Freien und Gleichen. Das ist der Kern demokratischer Politik. Und wenn Sie jetzt diese beiden Logiken miteinander vergleichen und sich dann fragen, was passiert, wenn ich die jetzt vermische, dann ähm passiert eben, sagen wir mal, erst auf der wissenschaftlichen Ebene das folgende. Ja, wenn sich jetzt Wissenschaftler dazu verpflichten, bestimmte politische Ziele erreichen zu wollen, dann neigen sie dazu, ihre eigene Forschung in Richtung der gewünschten politischen Ziele zu verzerren. Auf der anderen Seite schädigt es aber auch die Demokratie, denn Demokratie ist eben das Verhandeln von Werten und der Frage, wie wollen wir gemeinsam leben, unter Freien und Gleichen. Und jetzt kommt auf einmal die Figur des Experten hier ins Spiel. Der Experte kann aber auf der Ebene der Demokratie nur eine dienende Funktion für den demokratischen Souverän haben, wenn der Souverän nämlich nicht weiß, welche empirischen Folgen ein Gesetz z.B. hat. Ja. Dann kann ein Experte tatsächlich ähm sagen, wenn du X machst, dann kommt da Y mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Was der Experte aber nicht machen kann, ist zu sagen, du solltest diesen Werten folgen. Das ist allein Sache des demokratischen Souveräns. Ähm und wenn wir jetzt eben eine wertegeladene Wissenschaft haben, die sozusagen in den Bereich der demokratischen Politik hineinterveniert, dann kommt da automatisch eine Unwucht in den Diskurs, deren Folgen ich äh später dann noch genauer erläutern werde. Jetzt werde ich das Ganze mal an zwei Beispielen, an zwei Thesen mal erläutern. Wie funktioniert es eigentlich? Was passiert da sozusagen auch auf der auf der Textebene? Nehme ich Sie mal in so in so Lesefrüchte mit. Ja. Ähm wenn diese Thesen, wenn sozusagen äh Politik und Wissenschaft systematisch miteinander verknüpft werden, wie funktioniert das eigentlich? Nehmen wir mal die These: „Westliche Gesellschaften sind strukturell rassistisch.“ Das ist eine in postmodernen Antirassismus häufig vertretende These, ist auch schon weit diffundiert bis hin. Nein, natürlich zur Antidiskriminierungsstelle. Ähm, mit strukturell rassistisch meinen diese Leute, dass der Rassismus sozusagen nicht von einzelnen Akteuren ausgeht und irgendwie absichtlich äh Leute rassistisch diskriminiert werden, sondern strukturell bedeutet, es ist in das Werte- und Normengefüge der Gesellschaft eingeschrieben. Und ich meine, da ist jetzt in dem schon auf einer ganz oberflächlichen Betrachtungsebene die These komplett falsch. Ja, ich meine, westliche Gesellschaften sind strukturell antirassistisch hinsichtlich ihrer Verfassungsordnung und auch hinsichtlich breit geteilter äh Werte sozusagen in der Gesellschaft der der Gleichachtung von jedermann. Aber es gibt natürlich noch Rassismus. Ja, und diese These dient aber eben dazu, um eine Gruppe, als deren Fürsprecher man sich empfindet oder mehrere Gruppen möglichst gut zu unterstützen. People of Color, Muslime, Migranten und so weiter. Und das Ziel ist auch wieder ehrenwert, Rassismus zu bekämpfen, teilweise auch Migration zu fördern, werden wir dann gleich noch sehen. Der normative Kern ist der Abbau von Rassismus, aber man schüttet sozusagen das Kind mit dem Bade aus, denn man hat kein zielgerichtetes äh Instrumentarium mehr, sondern nur diese absolute Pauschalthese vom strukturellen äh Rassismus, der also überall ist und alles durchdringt. Ja, und die Nebenfolge ist wiederum kontraproduktiv, denn die Mehrheitsgesellschaft wird ja selbst pauschal als rassistisch adressiert, was vielleicht kein Rassismus ist, aber zumindest eine äh pauschalisierende Bewertung einer ganzen Menschengruppe. So, wie funktioniert jetzt genau diese These oder was was steckt da sozusagen dahinter an akademischen Begriffsentscheidungen? Wir haben einmal das Phänomen der Begriffsinflation. Messbar ist seit den 70er Jahren ein massiver ein massiver Rückgang des klassischen Hautfarbenrassismus. Ja. Ähm das beste Item ist dafür ähm sind Sie damit oder wie stehen Sie dazu, wenn Schwarze und Weiße heiraten? Ja, wenn Leute sagen: „Boah, da habe ich echt total starke Probleme, wenn Schwarze und Weiße heiraten“, ist ein Indikator für Rassismus, denn es ist das ist sozusagen Rassentrennung in der Familie. Ja. Ähm und die Zustimmung zu derartigen Items geht seit den 70er Jahren massiv nach unten. In den letzten Jahren steigt sie wieder etwas an, aber gleichwohl ist der Rückgang immens. Gleichzeitig haben wir in der Wissenschaft das Phänomen, dass der Begriff Rassismus immer weiter ausgedehnt wird. Ja, Rassismus bezog sich früher ausschließlich auf Hautfarbenrassismus oder sozusagen zumindest auf genetische auf Merkmale einer Person, die irgendwas mit Genetik zu tun haben. In den 80er, 90er Jahren wurde ein Konzept „Rassismus ohne Rassen“ geprägt, und das war außerordentlich einflussreich. Das wird auch heute immer noch als Klassiker zitiert von Etienne Balibar und Stuart Hall. Das wäre so wie wenn ich sagen würde: „Ich schreiner ohne Holz.“ Ja, also die Begriffsbildung ist offenkundig irgendwie unsinnig, aber sie bläht natürlich das Phänomen auf, und dadurch bleibt sozusagen die Zahl der Rassisten äh gleich, obwohl eigentlich der Rassismus im früheren Verständnis gesunken ist. Dann kam das Phänomen des Kulturrassismus, und seit ungefähr 20 Jahren wurde der Begriff Rassismus auch auf das ähm auf Religionen ausgedehnt. Also jetzt gibt’s auch antimuslimischen Rassismus. Werfen wir da mal einen Blick drauf. Das ist jetzt aus einem Text von einem relativ einflussreichen Islamophobieforscher, antimuslimischen Rassismusforscher, und der hat ein Arbeitspapier geschrieben, wo er begründet, warum man überhaupt eine ähm Definition von Islamophobie oder antiislamischem Rassismus braucht. Und jetzt schauen Sie mal beim vor beim beim Lesen, was sind hier wissenschaftliche Zwecke und was politische? Einmal um die offizielle Anerkennung von Islamophobie zu stärken, um das öffentliche Bewusstsein und Verständnis von Islamophobie zu stärken, um das Leugnen des Phänomens zu thematisieren, also man will sozusagen schon so selbstimmunisierungsschleifende Definition einbauen. Ähm zu schauen, wie Islamophobie effizient bekämpft werden kann, zum Schutz der Opfer von Islamophobie oder um den schädlichen Einfluss von Islamophobie anzuerkennen. Das sind alles ehrenwerte Ziele, die politische Akteure ohne wenn und aber verfolgen können, wenn sie das machen. Das da ist überhaupt kein Problem. Nur das einzige genuin wissenschaftliche, was er anführt, ist Mechanismen von Islamophobie zu erklären. Das wäre aber sozusagen sein Kerngeschäft. Ja, und das sieht man, wie sozusagen die Politik hier die wissenschaftlichen Erklärungsanteile massiv überwuchert.

Hier auch ein Beispiel jetzt aus dem anderen Bereich sozusagen Rassismus eher allgemein ähm gefasst schreibt eine Antirassismusaktivistin: „Bevor wir also in einer politischen Sackgasse enden, ist es wichtig, sich über eine allgemeine Definition von Rassismus zu verständigen, die davon ausgeht“, und jetzt haben Sie die These strukturellen Rassismus, „dass Rassismus strukturell ist und sich in allen Ebenen der Gesellschaft eingeschrieben hat.“ Das ist jetzt insofern bemerkenswert, als hier das politische Ziel schon der Ausgangspunkt ist für die Definition, die zu erstellende Definition. Ja, und dann enthält die Definition bereits die These, dass sich nämlich Rassismus in allen Ebenen der Gesellschaft eingeschrieben hat. Das heißt, eine solche Definition können Sie nie widerlegen, denn Definitionen sind sind per Definition weder wahr oder falsch. Ja, ähm erst dann können wir lösungsorientierte Maßnahmen dagegen entwickeln und so weiter. Und dass diese Art des Denkens ähm nicht folgenlos bleibt, sieht man jetzt beispielsweise jüngst im Koalitionsvertrag. Hier steht: „Die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle wird fortgesetzt. Wir werden den nationalen Aktionsplan gegen Rassismus aufbauend auf einer wissenschaftsbasierten Rassismusdefinition, also einer derartige Definition neu auflegen, um Rassismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen zu bekämpfen.“ Ja, das ist eine Konsequenz von politisierter Wissenschaft. Die Konsequenz von diesen politisierten Definitionen oder sagen wir mal von dem Impuls ähm eine schon sehr stark vorgefertigte Meinung auf die Welt zu applizieren und die Möglichkeit des Widerlegens dieser These eigentlich schon definitorisch auszuschließen ist dann, dass fundamentale Widersprüche teilweise in Äußerungen von solchen Antirassismusexperten ähm hörbar werden. Das ist jetzt ein Interview mit einer Antirassismusexpertin, und sie sagt hier: „Das Problem ist ja, dass sich Rassismus in Gesellschaft einschreibt. Beispielsweise, dass genau diese Vorstellung, dass es Menschenrassen gab, ja, die führt dazu, dass es bestimmte Zugänge oder Ausschlüsse gibt, dass schwarze Kinder oder Kinder of Color im Schulsystem nur einen bestimmten Grad erreichen, viele gar kein Abitur machen, weil sie ja im Schulsystem strukturell klein gehalten werden.“ Also das ist sozusagen, ich meine, wir wissen jetzt nicht genau, ob die These wahr ist oder falsch. Ich sage gleich noch mal inhaltlich was dazu, aber die das ist schon eine sehr krasse These, also wissen sozusagen schwarze Kinder, die werden strukturell klein gehalten. Gehört meine Biografie eigentlich auch rein, und dazu muss man jetzt für den Kontext wissen, die Dame hat karibische Wurzeln und ist selber hat selber schwarze Hautfarbe. Ich bin ja eigentlich ein Beweis dafür, dass dieses System ja eigentlich nicht funktioniert. Ich bin der Beweis, dass dieses System nicht funktioniert. Was denken Sie, wie geht diese Erzählung jetzt weiter? Hat die Dame oder was? Sie ist für Rassismus. Ja, aber wie geht jetzt die Erzählung weiter? Also was für eine Erzählung, wenn sie jetzt sagt: „Ich bin eigentlich der Beweis dafür, dass dieses System nicht funktioniert“, was würde man jetzt für eine Erzählung erwarten? Ja, die wie die die Widrigkeiten, mit denen sie äh rechnen musste, wie sie selber strukturell klein gehalten wurde und so weiter. Stattdessen schließt die Erzählung so an, unmittelbar. Also: „Ich habe ja eigentlich alles durchlaufen, was es in diesem Land gibt. Ja, hergekommen, Deutsch gelernt, bis hin zu einem Doktortitel, ja, und als nächstes in den Bundestag, um wirklich diese Strukturen zu verändern.“ Also das, was sozusagen als Exemplifikation, also als an was als allgemeine These aufgestellt wurde, ähm ist sozusagen genau das das Gegenteil, was real passiert ist. Und es ist auch tatsächlich so, wenn man sich die empirische Studienlage anschaut, und da kommt man eben jetzt sozusagen in diese Differenzierungen rein, die wichtig sind. Ja, es gibt Diskriminierung, relativ massive Diskriminierung auf Arbeitsmärkten und in Mietwohnungsmärkten. Ja. Ähm, die Gelehrten streiten sich noch ähm inwieweit die immer rassistisch motiviert sind. Das ist sozusagen noch mal ein anderer Punkt. Es gibt nämlich auch die präferenzbasierte Diskriminierung, die Entschuldigung, die statistische Diskriminierung. Das würde einfach heißen, Personen z.B., stellen sich vor, sie sind ähm Vermieter, und sie bilden so eine Art gefühlten Durchschnittswert über die Zahlungsfähigkeit potenzieller Mieter für ihre Wohnung. Ja. Ähm und jetzt wissen Sie, haben Sie bestimmte, sagen wir mal, Vermutungen, die nicht immer ganz falsch sind, ja, dass eben Migranten eher eine schlechtere Zahlungsfähigkeit haben. Nehmen wir das mal als empirisches Datum. Ja, und statistische Diskriminierung bedeutet jetzt, sie schließen sozusagen pauschalisierend, das ist natürlich nicht gut, sollte eigentlich nicht sein, eine gewisse Gruppe aus, weil sie deren eine bestimmte Eigenschaft zuschreiben, die für ihre für ihr ökonomisches Interesse nicht günstig ist. Ja, das wäre statistische Diskriminierung. Präferenzbasierte Diskriminierung wäre tatsächlich: „Deine Hautfarbe passt mir nicht.“ Ja, und da gibt es in der in der wissenschaftlichen Literatur Streit und unterschiedliche Befunde, inwieweit das statistisch statistisch eine statistische Diskriminierung ist oder eine präferenzbasierte. Ähm, gut, die These jetzt für das für das Schulsystem ähm äh da da sind die Befunde andere. Ähm, es gibt keine Hinweise darauf, dass Lehrer systematisch schwarze Kinder äh diskriminieren. Also, da gibt es das ist ganz anders als auf Miet- und Wohnungsmärkten. Deswegen ist es auch kein Wunder, dass die Person das jetzt anders erlebt hat.

So eine Folge, wenn ich Wissenschaft und Politik verknüpfe, ja, ist ich versuche jetzt die Leute im Sinne des politisch gewünschten und wissenschaftlich erforschten zu erziehen. Es gibt z.B. ein Deutsches Institut für ähm Integrations- und Migrationsforschung. Das wird mit Millionen Steuergeldern finanziert, und ähm die Vorsitzende, die Direktorin dieses Instituts ist sehr rühr auch in einer durchaus politischen ähm äh Hinsicht, und sie sagt beispielsweise hier in dem Interview 2017: „Mit Pluralität umgehen zu können, ist keine Selbstverständlichkeit. Bei vielen pegelt es sich durch Alltagskontakte ein. Bei vielen, vor allem bei denjenigen, die diese Erfahrung nicht machen, aber auch nicht. Also muss man das beibringen, ja, so wie wir in Deutschland es durch das große Reeducation-Programm der Alliierten beigebracht bekommen haben, nicht mehr so antisemitisch zu sein. Wir brauchen ein Antirassismusprogramm, kombiniert mit einem Ambiguitäts- und Demokratiefach, um zu lernen, mit geschlechtlicher, sozialer, kultureller, ethnischer, religiöser und nationaler Pluralität umzugehen.“ Jetzt kann sich über so ein Erziehungsprogramm natürlich das Souverän verständigen. Ähm, aber von Forschern, die sozusagen systematisch nicht trennen zwischen Wissenschaft und Politik, hat das schon ein sehr starkes Geschmäckle, wenn die dann staatsfinanziert ähm sozusagen allen da irgendein Erziehungsprogramm aufoktruieren wollen, und zwar völlig unabhängig davon, was der Inhalt ist. Ja, das bringt eine strukturelle Unwucht in den demokratischen ähm Diskurs ein. Und dass dieses Institut eine ganz klare politische Agenda hat, das sehen Sie, wenn Sie einfach nur auf die Webseite schauen. Das ist jetzt vor ein paar Tagen gewesen, habe ich ein Screenshot gemacht. Ja. Äh hier geht sofort: „Faktencheck, Mythen, Desinformation und verkürzte Darstellungen, Migration.“ Ja. Äh oder hier: „Falscher Verdacht, die Kriminalstatistik der Polizei lässt viele Fehlschlüsse zu.“ Dann geht’s hier um die Konferenz. Der Integrationsminister, der Dr. David Schiefer sieht positive Signale. „Es ist wichtiger, positiv über Integration zu sprechen. Wir möchten mehr ihre Chancen in Vordergrund rücken als ihre Risiken.“ Das sind jetzt in einem demokratischen Diskurs alles völlig legitime Positionen. Nur ist das nicht die Aufgabe von Wissenschaft. Das ist einfach nicht die Aufgabe von Wissenschaft, so etwas zu tun. Ja, da fehlt die Distanz gegenüber dem ähm äh Untersuchungsgegenstand, und da fehlt dann auch äh die Fähigkeit sozusagen den der Souverän entscheidet, wie viel Migration er möchte, und dann können Wissenschaftler angewandte Forschung betreiben über die Effekte oder auch vorher ähm das Volk darüber aufklären, keine Ahnung, in welchen Bereichen wir Fachkräfte brauchen und so weiter. Aber diese Art von Politisierung schadet wirklich der ganzen Gesellschaft. Oder hier dann dann gibt’s so, ich hab das vorher in diesem Kreislauf angedeutet, dann gibt’s ein gibt’s x solche Think Tanks, ja, einer nennt sich das Progressive Zentrum, und da tritt die Dame von dem Dezem dann auch hin und wieder auf. Ja. Äh und dann geht’s eben hier um die Leitlinien einer progressiven Migrationspolitik. Äh und Deutschland schlittert in der Migration in eine aktionistische Abschottungspolitik, die jegliche Expertise aus Wirtschaft, Recht und Wissenschaft ignoriert. Ja. Ähm das heißt, es ist nicht Sache des Souveräns zu entscheiden, wie viel Migration und welche Art von Migration wir wollen, ähm sondern das regeln schon Experten für uns, und das ist manifest antidemokratisch.

Das war das Beispiel Rassismus, jetzt z.B. Gender. Ja, hier lautet eine so eine Generalthese: „Zweigeschlechtlichkeit ist eine kulturelle Konstruktion und kann beliebig verändert werden.“ Ja, die unterstützte Gruppe sind hier wiederum Transpersonen, intersexuelle und Homosexuelle. Das ist eine in sich sehr differenzierte Gruppe, das politische Ziel. Und wenn Sie diese Texte aufschlagen, das begegnet Ihnen fast auf jeder gut auf jeder zehnten Seite. Ja, man müsste irgendwie die heteronormative Zwangsmatrix sprengen, also die Annahme, dass es nur zwei ähm Geschlechter gibt. Und der normative Kern ist wieder sehr gut nachvollziehbar. Gleiche Freiheiten für jedermann. Jeder soll so frei leben können, wie nur irgendwie möglich in einer liberalen Gesellschaft. Ähm, gleichzeitig hat es aber die Nebenfolge, dass jeder, der an Zweigeschlechtlichkeit festhält, an einem objektiv biologischen Faktum zum Feind geschlechtlicher Minderheiten erklärt wird. Und das, also das spaltet die Gesellschaft natürlich in einem Maße, wenn Sie sich jetzt mal überlegen, wie viel Prozent der Bevölkerung sind wohl der Auffassung, dass es das Geschlecht eine biologische Naturtatsache ist? Ja, sicher 80, 90 %. Das heißt, da werden sozusagen dann einfach 80, 90 % zu Feinden äh von allen anderen erklärt. Ja. Ähm und auch das ist für den sozialen Frieden nicht günstig. Vielleicht noch ein paar äh Worte zu den zu den verschiedenen Gruppen, die hier genannt werden oder als deren Fürsprecher, die sich empfinden dann also der, was ich persönlich gut finde, ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2018, einen dritten Geschlechtseintrag zuzulassen. Ja, und ähm dieses Urteil ist ist deswegen wichtig, weil bei Intersexuellen ist es eine absolute Katastrophe, wenn die wenn die kleinen Kinder da geschlechtlich vereindeutigt werden. Also, die haben in unterschiedlichen medizinischen Ausprägungen Geschlechtsmerkmale. Ja. Ähm und dann werden die entweder zum Jungen operiert oder zum Mädchen operiert. Und es ist eigentlich das Gebot einer liberalen Gesellschaft. Und da ist die die Ambivalenz ist objektiv da. Ja. Ähm und da ist es eigentlich das Gebot einer liberalen Gesellschaft zu sagen, die pressen wir nicht in eines dieser Schemen. Das sind in Deutschland ein paar hundert, maximal 1000 Leute, aber ähm das ist für liberale Demokratien irrelevant, denn Rechte gelten für jedermann gleich. Ja, und da steckt sozusagen jetzt auch wieder ein wahrer oder ein guter Punkt in dieser man soll nicht zu schnell ähm sozusagen etwas festlegen, was sich vielleicht einfach objektiv nicht festlegen lässt. Ähm, ähnlich ist es bei Transpersonen. Transpersonen haben keine sozusagen biologischen ähm Anomalien jetzt wie Intersexuelle, aber sie wollen, dass andere Geschlecht werden. Ähm und auch hier kann es natürlich in der Transitionsphase, also wenn jetzt eine Person diesen Wunsch verspürt, das andere Geschlecht werden zu wollen, sinnvoll sein, dass sie sich sozusagen nicht in eines der beiden Schemata vielleicht schon einordnen muss. Ja, das ich finde dieses Motiv muss man erstmal ähm…

anerkennen. Das Problem bei der Transsexualität ähm ist folgendes: Die vor ungefähr bis vor 15, 20 Jahren klassisch beschriebene Gruppe von Transsexuellen waren kleine Jungen, die Mädchen werden wollen. Ja, ein sehr kleiner Prozentsatz in der Gesellschaft, aber das gibt es und das muss man dann auch entsprechend therapeutisch, medizinisch begleiten.

Und seit 2010 gibt es eine neue Gruppe, und die ist massiv angestiegen in Deutschland um den Faktor 8. In anderen Ländern teilweise bis zum 20, 30fachen: nämlich junge Frauen, Mädchen in der Pubertät, 10, 11, 12 Jahre, die jetzt auf einmal Jungen werden wollen. Ist eine völlig neue Gruppe. Ja. Ähm und wenn ich jetzt sozusagen da mit dem Dampfhammer drauf haue, ja, in diesem Sinne hier ähm ich: Zweigeschlechtigkeit ist eine kulturelle Konstruktion, und ich muss sofort immer die Geschlechtsidentität äh eines jungen Menschen anerkennen, ähm da kann ich dann schon Personen verstehen, die sagen, sie wollen ihre Kinder da schützen, ja, vor sozusagen vor diesem neuen Phänomen, weil das muss andere Ursachen haben als das, was bislang bekannt wurde. Und da spielen natürlich soziale Ansteckung in sozialen Netzwerken und so weiter ähm eine Rolle. Jetzt ist hier wiederum die Frage ähm wie kommt das zustande?

Ja, ich habe vorher kurz auf das wegweisende Buch von Judith Butler hingewiesen, und dieses Buch war einfach enorm einflussreich, 1991 erschienen, und das sind dann so Sätze, in die ich Sie jetzt einfach mal mitnehme, damit Sie eine Vorstellung haben, was junge Leute auch an Universitäten lesen. Ja, die Geschlechtsidentität umfasst auch jene diskursiven kulturellen Mittel, durch die eine geschlechtliche Natur oder ein natürliches Geschlecht als vordiskursiv, das heißt als der Kultur vorgelagert oder als politisch neutrale Oberfläche, auf der sich die Kultur einschreibt, hergestellt und etabliert wird. Schon jetzt ist klar, dass ein Weg, die innere Stabilität und den binären Rahmen für den Begriff des Geschlechts zu sichern, darin bestehen muss, die Dualität der Geschlechter in ein vordiskursives Feld abzuschieben. Diese Produktion des Geschlechts als vordiskursive Gegebenheit muss umgekehrt als Effekt jenes kulturellen Konstruktionsapparates verstanden werden, den der Begriff Geschlechtsidentität bezeichnet. So. Wer von Ihnen hat was verstanden? Genau. Also, wenn ich das erste Mal lesen würde, man versteht nichts. Ja, da spricht sozusagen die sich unglaublich gewählt ausdrückende Intellektuelle zu ihrem Volk. Ja, also das ist eine unglaublich soziale Distanz, die durch diese Art von Texten produziert wird.

Und jetzt versetzen Sie sich mal rein in jemanden, der 18, 19 Jahre ist, Abi gemacht hat, an die Uni kommt und solche Texte liest. Ja, das macht natürlich die Birne kaputt. Man kann diese Texte nämlich ganz einfach auch, ich habe jetzt sozusagen mich mal an der Übersetzung hier gewagt. Ja, Menschen verbinden bestimmte Erwartungen mit Geschlecht. Okay, wir haben bestimmte Vorstellungen davon. Was ist ein Mann, was ist eine Frau? Ein Teil dieser Erwartungen ist, dass Menschen biologisch entweder Männer oder Frauen sind. Ist jetzt Behauptung von Judith Butler. Ja, also wir denken sozusagen, es gibt Mann oder Frau, eine Form, die stabile Zweigeschlechtlichkeit zu sichern, und hier wird es jetzt schon, sagen wir mal zumindest sehr angreifbar, besteht darin, dass Menschen die Erwartung haben, dass diese natürlich und kulturell unbeinflusst sind. Ja, also heißt auf gut Deutsch, Teil unserer kulturellen Geschlechtervorstellungen ist die Auffassung, dass es Zweigeschlechtlichkeit gibt und das sichert sozusagen die Zweigeschlechtlichkeit. Ja, jetzt müssen Sie das, ich habe sicher insgesamt in den letzten Wochen 3 Stunden gebraucht, um diese Übersetzung hinzukriegen. Ja, und jetzt haben Sie erst die These verstanden, und jetzt haben Sie aber so viel ähm geistigen Input schon rein gesteckt, um überhaupt zu verstehen, was die Frau sagt. Ja, und jetzt meinen Sie natürlich, das ist jetzt sozusagen in der Sozialpsychologie der Justification of effort Effect, ja, wenn ich so viel Energie, geistige Energie da reingesteckt habe und zu verstehen, was die Frau meint, ja, dann muss das auch richtig sein. Ja, das ist jetzt sozusagen der der Fehlschluss, der einsetzt. Aber die These ist jetzt natürlich so wage, sie lässt im Grunde gar keine Aussage zu, und so geht das die ganze Zeit in dem, zumindest in dem Werk der 90er Jahre von Judith Butler. Später schreibt sie dann ein bisschen zugänglicher, und die Frage, die dadurch eben aufgeworfen wurde, ja, war: Gibt es Zweigeschlechtlichkeit gar nicht wirklich? Ist sie nur eine Zwangsmatrix, vielleicht mit dem Sinn, andere Menschen zu unterdrücken, ohne dass ich die Dame jemals festgelegt hat. Die weiß natürlich, dass Kinder durch Männer und Frauen auf die Welt gebracht werden. Das weiß die natürlich. Ja, trotzdem lässt sie immer wieder solche äh solche Thesen verlauten und und äußert sich da ambivalent.

Und äh wenn Sie jetzt dann weiterschauen, ich lasse jetzt natürlich ganz viel aus, man könnte das jetzt viel viel genauer noch sich angucken, dann haben Sie hier auch so eine Art destruktive, dekonstruktive, Entschuldigung, nicht destruktive, dekonstruktive äh Volkserziehung. Ja, wenn Sie da die Texte, die also von Judith Butler beeinflusst sind, da kommt an aller Stelle an, überall kommt davor: Wir müssen irgendwas dekonstruieren, denaturalisieren, Kritik, Transformation in Fragestellung von Machtverhältnissen und so weiter. Ja. Ähm, ich zitiere mal aus einem etwas jüngeren Text, und die beiden Frauen, die das geschrieben haben, sind sozusagen Stadthalterinnen von Judith Butler in Deutschland. Ja, schließlich beansprucht es das postessentialistische Paradigm der Gender Studies. Also, es gibt kein Wesen von Geschlecht, ja, nicht mehr, aber auch nicht weniger als den Wahrheitsraum Geschlecht grundlegend neu aus und einzurichten. Dass diese Renovierungsarbeiten bereits weit gedient sind, bezeugen die vehementen, teilweise in schrillen Anfechtungen, denen die Gender Studies seit geraumer Zeit ausgesetzt sind. Interessant ist hier die Metapher der Renovierungsarbeit. Ja, wir leben sozusagen als Gesellschaft alle in einem Haus. Ja, und jetzt kommen die postmodernen Gender Studies Leute und machen die Tapete neu, kommen neue Möbel rein. Ja, also machen diese richten den Wahrheitsraum Geschlecht neu aus. Und die entscheidende Frage ist: Was ist, wenn jemanden die Tapete nicht gefällt? Ja, ähm das ist eine ganz klare Überschreitung des Mandats eines Wissenschaftlers. Die Aufgabe eines Wissenschaftlers kann es nicht sein, den Wahrheitsraum Geschlecht neu auszurichten. Es kann auch sonst nichts anderes neu ausgerichtet werden von Wissenschaftlern als Wissenschaftler. Es kommt gar nicht auf den Inhalt an. Das ist schlicht und einfach eine Kompetenzüberschreitung, die nur unproduktive Gegenreaktionen produziert.

Wir haben also jetzt, ziehe ich mal diese beiden Momente zusammen: Rassismusbeispiel, das Genderbeispiel, eine ziemlich krasse Gesamtkonstellation. Wissenschaft wird in diesen Bereichen ganz klar als Fehikel für politische, politische Überzeugungen benutzt von den Leuten, die da eben Wissenschaft betreiben. Und dann können die auch noch suggerieren, ja, Wissenschaftler haben das ja herausgefunden. Das heißt, der Steuerzahler, wir alle, die wir die Wissenschaft finanzieren mit unseren Steuermitteln, zahlen auf der einen Seite für schlechte Wissenschaft, aber gleichzeitig dafür, dass wir von diesen Leuten in ihrem Sinne erzogen werden. Ja. Ähm und das produziert natürlich keine Wissenschaftsfreundlichkeit in der Gesellschaft, sondern Wissenschaft gilt dann eben irgendwann als ein intellektuell korrumpierte, eine intellektuell korrumpierte Angelegenheit, der man mit möglichst viel Skepsis begegnen sollte. Das fördert Wissenschaftsleugnung. Und es geht jetzt aber noch weiter. Ja, und ich komme jetzt auch schon angesichts der fortgeschrittenen Zeit langsam zum Ende. Wenn Sie jetzt Einwände haben, dann gibt es einen bestimmten Studientypus in diesem Feld, wo die Studien wieder zeigen, dass sie ein Wissenschaftsfeind sind, wenn sie den Gender Studies widersprechen. Ja, da werden dann so Studien durchgeführt, hier wie: Antigenderismus, Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen oder ein dreijähriges Forschungsprojekt an der Uni Marburg: Krise der Geschlechterverhältnisse, Antifeminismus als Krisenphänomen mit gesellschaftsspaltendem Potenzial oder vom Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie: die transnationale Antigenderbewegung in Europa. Auch das Buch, das letzte Buch von Judith Butler war voll mit sozusagen Reaktionen auf diese radikale Genderagenda. Und in diesen Texten geht man jetzt sozusagen vierschrittig vor. Ja, man setzt erstmal die eigenen politischen Vorstellungen, wie man die Gesellschaft gerne hätte, als Normalitätsfolie. Man macht also genau das, was man auf keinen Fall darf: Man betreibt Othering. Ja, alle anderen, die das anders sehen, sind die Abweichler. So ist in einem der Texte zu lesen: Es ist der feministischen und geschlechterkritischen Theorie gelungen, Gender zu einem kritischen Werkzeug umzuformen, das heißt in einen Begriff zu transformieren, der keine Aussage darüber macht, was sexuelle Differenz ist, sondern die Artikulation von Machtverhältnissen und deren in Fragestellung ermöglicht. Ja, das heißt, die Gender Studies Forscher wissen nicht, was ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern, steht hier. Ja, aber äh Männer unterdrücken Frauen, ja, in Fragestellung von Geschlechterverhältnissen. So ist es jetzt logisch, dass es da Widerstand gegen die vollständige Denaturalisierung von Geschlecht gibt? Zumindest ist es legitim. Ja. Ähm, der Schritt zwei ist, dass man in dieser Art von Texten jetzt Feindbilder konstruiert, indem man sozusagen eigentlich durch alle Gesellschaften, Milieus, durch alle gesellschaftlichen Milieus einmal umrührt. Ja. Da gibt es dann also Allianzen gegen Gender gerichtete Allianzen. Diese Allianzen reichen vom Vatikan über Evangelikale Freikirchen, die katholische Frauenbewegung, die Bewegung Manif für alle, die AfD in Deutschland. Ähm, dann gegen neokonservative Männerrechtler, selbsterklärte Lebensschützer, konservative Ökologinnen, maskulinistische und andere Leitmedienplizisten, also alle, ja, Wissenschaftlichkeit reklamierende Bloggerinnen, Subtext, die reklamieren das nur für sich: Wir sind hier die Wissenschaftler, ja, und eine, man höre und staune, sehr sichtbare Gruppe von Professoren für Evolutionsbiologie. Ja, das heißt auch Evolutionsbiologen sind nicht mit der These einverstanden, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gibt, bis hin zu extrem rechten Bewegungen und Parteien. Es ist, das wissen Sie, äh wenigstens ein in sich tatsächlich heterogenes Netzwerk. So, der dritte Schritt ist, dass man jetzt diesen angerührten sozialen Teig pauschal einfach diffamiert. Ja, das ist jetzt aus einem anderen Text. Ähm, die Gender Ideologie funktioniert als freie Projektionsfläche für: So. Und jetzt kommt wirklich jede Keule: Rassismus, Antisemitismus, Homotransfeindlichkeit, völkisches Gedankengut und Elitenfeindlichkeit. Ähm, rechte Gruppierungen, also das Gender Studies sind ein gemeinsames Feindbild für rechte Gruppierungen, rechtspopulistische Parteien, christlich fundamentalistische Organisationen, aber auch bürgerlich konservative oder liberale Milieus, also wieder alle. Ja. Ähm, mein persönlicher Lieblingsteig ist der hier unten aus dem weiteren Text: "Wissenschaftliche Genderkritikerinnen interpretieren den Konstruktivismus der Gender Studies als Angriff auf ihr christliches oder positivistisches Wissenschaftsverständnis." Ja, also dass man mal Christen und Positivisten zu einem Feindbild zusammenschließt, da hat mir bislang die Fantasie gefehlt. Ja.

Und der vierte Schritt ist, dass man sagt ganz dezidiert, wer Gender Studies kritisiert, ist ein Antidemokrat. So steht auf dem Spiel, wenn man die Gender Studies kritisiert, eben auch die explizite Diskreditierung von Wissenschaft und Universität als Ort eines unbedingten Fragens und Verhandelns von Wirklichkeit als Teil einer offen demokratischen und polyperspektivischen Gesellschaft. Ja, wer Gender Studies kritisiert, diskreditiert die Wissenschaft. Unser relativ krassen Gesamtkonstellation wurde also noch einen Schritt hinzugefügt. Tja, es werden jetzt die Studien durchgeführt, die Sie als Kritiker delegitimieren. Sie sind dann, wenn Sie Gender Studies kritisieren, ein rassistischer, faschistischer, antisemitischer, ähm rechtsradikaler, Hass und Hetze, Menschenfeindlichkeit, Fake News, Verschwörungstheorien, verbreitender rechtspopulistischer Homophob, homophober rechtspopulistischer Wissenschaftsfeind. Ja, bitte Impfung, bitte gegen Impfungen. Das könnte vielleicht jetzt auch neuerdings, die Texte waren davor verfasst, aber das könnte jetzt auch noch mit reinkommen. Ja, und all das sagen Wissenschaftler, scientifically proven. Ja, dabei bleibt es jetzt aber leider nicht, sondern jetzt kommt sozusagen noch mal eine Eskalationsstufe oben drauf, wenn Sie noch mal ein Zitat aus einem der Texte, immer noch gegen die reflexivierte Präkarisierung ontologisierter sozialer Ordnung sind, wenn sie dann noch weiterhin Einwände haben, dann gibt es jetzt die Möglichkeit, dass sie einen Eintrag in der Meldestelle Antifeminismus bekommen. Ja, die Meldestelle Antifeminismus wurde ähm initiiert von äh der Amadeo Antonio Stiftung. Ähm, die Amadeo Antonio Stiftung wurde, kein Witz, gegründet von Anetta Kahane. Anetta Kahane war von 1974 bis 1982 Stasi-Pionierin, inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi, und zu dem Zeitpunkt war sie jetzt nicht mehr vorsitzend, aber das war sozusagen die, die Geschichte der Amadeo Antonio Stiftung, oder zumindest was das angeht. Und ähm jetzt seit 2025 hat es ein anderer kleinerer Verein übernommen. Und hier kann man eben, wenn man bestimmt, wir schauen gleich mal auf diese Vorfälle da drauf oder auf die Typen, äh was man da melden kann. Ähm, da können Sie dann eben eine Mail hinschreiben, und dann prüfen die das, und dann legen die so, hier Chronik wird dann so ein Online-Pranger angelegt. Ja, und das ganze wird finanziert von einem Bundesprogramm, das nennt sich Demokratie leben. Das gibt es seit 2014. Ähm, also im Grunde ist es Demokratieunterminierung im Namen des Demokratieschutzes, was hier passiert. Ja, na ja, jetzt schauen wir uns mal an, weil das ist jetzt wirklich für, für die Strategien wichtig, wie, wie diese NGOs, oder zumindest diese NGO hier vorgeht. Ja, Beispiele für antifeministische Vorfälle. Was hier gemacht wird, ist, es werden permanent straf würdige oder strafbare Vorfallstypen vermischt mit freier Meinungsäußerung. Ja, eine Person, Organisation äußert sich auf Social Media zu feministischen Themen und erhält daraufhin Drohnachrichten. Das kann ein Fall für die Polizei sein. Eine Demonstration, Kundgebung, Veranstaltung mit antifeministischen Inhalten ist freie Meinungsäußerung. Muss einen nicht gefallen, ist aber freie Meinungsäußerung. Ähm, organisierte Angriffe auf Frauen, queere Menschen und Einrichtungen können Fälle für die Polizei sein. Ja, Attacken gegen Transpersonen bis hin zu körperlichen, äh tödlichen körperlichen Angriffen. Klarer Fall für die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Und dann hier als nächstes Sticker, Flyer mit antifeministischen Inhalten. Ja, also es wird per sozusagen die freie Meinungsäußerung wird hier in permanent in, in das potenziell anrüchige von tödlichen Angriffen und so weiter gerückt. Ja, und ähm vielleicht sehen wir uns in einem halben Jahr oder so äh hier wieder oder sprechen mal, denn wenn Sie mal auf den letzten Punkt schauen, ist auch ein Fall für die Meldestelle. Wissenschaftlerinnen der Gender Studies werden, das würde ich jetzt für mich nicht in Anspruch nehmen, diffamiert, z.B. als unwissenschaftlich oder Geldverschwendung. Ja, das heißt das, was ich hier heute Abend mache, wir gemeinsam, ist ein Fall für diese Meldestelle im Namen von Demokratie leben. Und hier würde ich sogar noch weitergehen: Unwissenschaftlich stimmt, Geldverschwendung ist es teilweise, es wird auch sinnvolle Forschung gemacht. Insofern ist nicht alles Geldverschwendung. Komme ich gleich jetzt noch im letzten Schritt äh darauf. Aber was die Beispiele ähm angeht, die wir heute betrachtet haben, ist das nicht nur Geldverschwendung, sondern ist ein Missbrauch von Steuermitteln. Ja. Ähm und es ist diese Meldestelle ist auch ein Missbrauch von Steuermitteln, die dient dazu, die liberaldemokratische Grundordnung, das Fundament der liberaldemokratischen Grundordnung, die Meinungsfreiheit zu untergraben, ähm und damit die liberaldemokratische Grundordnung selbst zu unterminieren. So, jetzt bin ich durch erstmal mit den Immunisierungstechniken. Ähm, zwei der Soziologinnen in den ähm vorher zitierten Texten schreiben, dass wir als Soziologinnen indessen auch selbstkritische Antworten auf die politische Herausforderung der rechtspopulistischen Landnahme der Demokratie wagen müssen, scheint uns gewiss. Ich stimme zu.

Und damit kommen wir zur Weisheit von Spider-Mans Onkel. Die Weisheit von Spider-Mans Onkel lautet: "Mit großer Macht kommt große Verantwortung." Diese Wissenschaftler haben Zugang zu Staatsgeldern. Sie haben Zugang zu ähm jungen, zu den Köpfen junger Leute, die prägsam und bildbar sind. Ähm, sie kriegen auch mal leichter die Chance, ihre Meinung in Medien zu verbreiten, um ein Vielfaches gegenüber sozusagen vielen einfachen Bürgern, die nie die Möglichkeit haben, in irgendwelchen Talkshows zu sitzen. Und damit kommt auch die Verantwortung, oder damit geht die Verantwortung einher, ähm auch einfach nur Wissenschaft zu betreiben. Und welche Reflexionsimpulse würde jetzt vielleicht Onkel Ben, der Onkel von Spider-Man, den postmodernen Gender Studies auf den Weg geben? Ist es wirklich sinnvoll, Feindbildpflege auf Steuerzahlerkosten und den wissenschaftlichen Fachaorganen zu betreiben? Ist es vielleicht nicht sinnvoller, zwischen Forschung und Aktivismus zu trennen? Ist es sinnvoll, Wissenschaft als Waffe im politischen Kampf einzusetzen? Welches wissenschaftliche Verfahren nimmt man denn eigentlich in Anspruch, wenn man beansprucht, Werte für die Gesellschaft ableiten zu können? Gibt es nicht auch ein gesellschaftsspaltendem Potenzial durch politisierte Wissenschaft? Wie wäre es denn mal ganz radikal von den anderen mal abzusehen und mal feministische, querfeministische Netzwerke im Schnittfeld von NGOs, Wissenschaft und Politik zu untersuchen, deren Reichweite? Welche Milieus haben hier Scharnierfunktionen? Vielleicht wäre es günstig, auf orwellsche Sprachumdeutung zu verzichten und Kritik nicht als Feindschaft gegenüber offener Gesellschaft auszuweisen. Das Prinzip von Kritik und Gegenkritik, von Argument und Gegenargument ist der Kern der offenen Gesellschaft. Wer das versucht sozusagen zu diskreditieren, der ist, wenn dann, der Feind der offenen Gesellschaft. Und möglicherweise ist auch nicht der Anspruch ganz klug, ähm zu beanspruchen, die ganze Gesellschaft renovieren zu wollen, aber Kritik an sich selbst, die natürlich in Reaktion auf diese politisierte Wissenschaft einsetzt, zu verbieten. Die Konsequenz ist eigentlich ganz einfach: Wissenschaftler sollten Wissenschaft machen. Punkt. Und die zentrale Herausforderung, vor der wir jetzt alle stehen als Gesellschaft, ist es, diese Trennung von Wissenschaft und Politik hinzubekommen, ohne dabei, wie das in den USA jetzt passiert, ins politische Gegenteil umzuschlagen. Da gibt es jetzt nämlich auch Meldestellen für antichristliche Vorfälle, ne, sozusagen einfach gespiegelt auf der anderen Seite, oder da werden pauschal Begriffe wie Woman oder Social Justice aus Forschungsanträgen rausgestrichen, was natürlich idiotisch ist, denn die Begriffe sagen ja nicht, ob damit seriös geforscht wird oder nicht. Ja, und diese Trennung hinzubekommen, ohne das einfach jetzt ins andere politische ähm Spektrum zu, zu verzerren, das ist die zentrale Aufgabe, vor der Gesellschaften jetzt stehen.

Jetzt mache ich ganz abschließend noch zwei Vorschläge. Wie kann man das hinbekommen? Ein, sagen wir mal, erster Impuls wäre vielleicht einfach zu sagen, nehmt diesen Leuten einfach das Geld weg. Ja, die fundet. Ungarn ist diesen Weg gegangen, finde ich persönlich keinen guten Weg, und zwar deswegen ähm weil in diesen Bereichen ja auch zumindest diskutabel, teilweise auch sogar gut geforscht wird. Da ist ja nicht alles sozusagen durchpolitisiert. Und wenn man jetzt sagt, die fundet, dann nimmt man die diese wertvollen Ideen aus dem Diskurs raus. Man verringert die Ideendichte in der Wissenschaft, und das kann nicht gewollt sein. Deswegen würde ich zwei Vorschläge machen. Einmal die Trennung von erklären und bewerten muss zu einem Gegenstand eines neuen Werturteilsstreit innerhalb der Wissenschaften werden in Deutschland, und der muss verordnet werden von der deutschen Forschungsgemeinschaft. Und zum Ausgangspunkt könnte einfach die Frage stehen: Was tun Sie an Ihrer Professur, um zwischen erklären und Bewerten zu trennen? Und dazu muss jeder Professor einmal pro Semester ein Aufsätzchen schreiben. Das wird dann diskutiert mit den ähm mit dem wissenschaftlichen Mittelbau, mit den Studenten auch, und dann wird das Hochschulintern im Fachbereich Sitzungen, aber vielleicht auch Hochschulöffentlich diskutiert, so dass sich, wenn man das über einige Semester macht, die wissenschaftsphilosophischen Maßstäbe, die auch je nach Fach dann differieren können, stark schärfen würden. Das ist sozusagen der diskursive Aspekt. Man braucht aber glaube ich auch, man muss ran ans Geld in irgendeiner Form, anders geht es nicht. Deswegen würde ich das ergänzen ähm mit einer Vorgabe: Wer gemessen an dem jeweiligen Stand sozusagen in der kollektiven Diskussion in der Hochschule nicht ausreichend trennt zwischen erklären und bewerten, der kann für eingeworbene Drittmittel keine professoralen Leistungszulagen mehr erhalten. Ja, Drittmittel sind alle Gelder, die über die Grundmittel der Universitäten hinausgehen. Ähm und Drittmittel, wenn Sie viele Drittmittel einwerben an Ihrer Professur, dann sind Sie ein toller Hecht. Das ist sozusagen der zentrale Statusgenerator. Und es ist meistens auch in den Verträgen dann noch festgeschrieben, äh, dass sie dafür Leistungszulagen auf ihr Gehalt bekommen. Und das würde jetzt bedeuten, niemand, niemanden wird etwas weggenommen, aber der Statusgenerierungsmechanismus mit den Drittmitteln greift nicht mehr, wenn die Leute politisierte Wissenschaft betreiben. Und wenn das nichts hilft, dann brauchen wir tatsächlich eine breite, breit chancengleiche und öffentliche Debatte darüber, ob der Souverän weiterhin für diese Art von aktivistischer Forschung bezahlen möchte. Dieses Argument haben natürlich die klugen Gender Studies äh Soziologen bereits vorweggenommen. Wenn man sagt ähm es geht ans Geld, ist das ein populistisches Argument. Lassen Sie sich davon nicht einschüchtern. Das Budgetrecht ist das vornehmste Recht eines jeden Parlamentes, und es steht dem kompletten souveräner Hinsicht zu, über die Verwendung dieser Mittel zu debattieren. Das war mein Kommentar zu diesem Satz: "Hände weg von jeder Form der Politisierung der Wissenschaft." Und das letzte Wort überlasse ich einem Soziologen, der das vor 100 Jahren alles schon viel schöner als ich noch formuliert hat, Max Weber. Er hat geschrieben: "Die Fähigkeit der Unterscheidung zwischen Erkennen und Beurteilen und die Erfüllung sowohl der wissenschaftlichen Pflicht, die Wahrheit der Tatsachen zu sehen, als auch der praktischen, für die eigenen Ideale einzutreten, ist das, woran wir uns wieder stärker gewöhnen wollen." Jetzt bedanke ich mich ganz herzlich. Ich habe hemmungslos überzogen. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören, und jetzt tun wir erstmal uns und dem Wirt was Gutes und trinken was. Ja, und dann reden wir noch ein bisschen. Danke schön. [Applaus]