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Reporterin: Biomüll sieht natürlich nicht so besonders toll aus und müffelt auch ein bisschen, aber ist ein wertvoller Rohstoff - vorausgesetzt, dass nur das in der Tonne landet, was auch wirklich reingehört. Ist Plastik drin, war es das mit der Nachhaltigkeit. Es wäre eigentlich so einfach, aber die Realität sieht anders aus.
Pro Tour kippen die Männer bis zu 1.000 Müllbehälter. Jeder einzelne wird vorher kontrolliert. In vielen befinden sich Plastiktüten - auch recyclebare sind nicht erlaubt. Und Hundekotbeutel - ist das auch so ein Klassiker? Katzenstreu, Hundekotbeutel? Und das darf definitiv nicht rein?
Schütter: Ganz genau, das darf nicht rein.
Reporterin: Was macht man jetzt damit? Das ist ja nicht verwertbar.
Schütter: Genau, da haben wir einen Zettel am Fahrzeug.
Reporterin: Und diese Anhänger kommen an jede falsch befüllte Tonne - sie bleibt dann stehen. Gucken die Kunden eigentlich dann hinterher genauso böse, wie die Dame auf dem Bild?
Schütter: Die sagen dann, wir haben ihre Tonne nicht geholt und die ist halb voll mit Plastik, dann fahren wir hier her, kontrollieren - ist immer noch Plastik drin - und das verstehen einige Kunden eben nicht.
Reporterin: Es geht stundenlang durch enge Straßen, es ist stressig, es muss trotz der aufwändigen Kontrollen schnell gehen. Baustellen machen dem Fahrer das Leben schwer - er bleibt immer cool und gewährt älteren Damen selbstverständlich Vorfahrt. Männer wie diese sorgen täglich überall im Land für Ordnung, wollen durch ihren Einsatz Müllsünder dafür sensibilisieren, weniger Fremdstoffe in Biotonnen zu werfen. Also ich glaube ja, dass es manchmal gar keine böse Absicht ist, sondern, dass viele Leute vielleicht auch einfach gar nicht genau wissen, was in die Biotonne kommt und was nicht.
Leiter Logistik: Den Eindruck haben wir manchmal auch, dass einige Leute das nicht so genau wissen. Diese Standardsachen, die da reingehören - dass das biologisch abbaubar ist. Die Ananas, die Banane, Müslireste, die Knochen vom Hähnchen, das abgenagt worden ist, aber genauso die grüne Wiese, die Blätter, das zusammengehackte Gut oder die abgeschnittenen Sträucher - das gehört rein.
Reporterin: Rund 80.000 Tonnen Material werden jährlich in die Recyclinganlage in Borgstedt gebracht. Der Plastikanteil ist nicht zu übersehen. Die Quote hängt davon ab, von wo der Biomüll kommt.
Geschäftsführer ASF: Also im innerstädtischen Bereich sind oftmals mehr Störstoffe enthalten in Geschosswohnungsbauten.
Reporterin: Ist das denn okay oder ist das schon grenzwertig? Am besten ist natürlich, je weniger Störstoffe im Bioabfall sind, desto besser ist das, weil wir müssen sie nachher sehr aufwändig raussortieren. Und dieses Raussortieren und die Verarbeitung ist natürlich erschwert durch die Störstoffe.
Reporterin: Mit zwei Siebmaschinen werden viele Folien und große Holzstücke grob heraussortiert. Rund 1.500 bis 2.000 Tonnen Plastik kommen hier pro Jahr zusammen. Eine echte Sisyphos-Arbeit und manchmal wird es sogar gefährlich.
Betriebsleiterin: Da war ein Feuerlöscher drin und der ist explodiert, als ein Kollege mit unserem Umsetzer darübergefahren ist.
Reporterin: In diesen Materialbergen laufen biologische Prozesse ab - 55 Grad Celsius ist die Innentemperatur, die über 14 Tage gehalten werden muss, damit Kompost entsteht. In der Recyclinganlage entsteht aus Biomüll aber auch Biogas und -wärme. Das wissen wohl nur wenige.
Betriebsleiterin: Wir haben ja einen Prozess aus Vergärung und Kompostierung und in der Vergärung entsteht Biogas, was wir dann in einem so genannten Blockheizkraftwerk verstromen. Und dann entsteht bei dieser Verstromung Wärme und Strom. Der Strom wird dann in das öffentliche Netz eingespeist.
Reporterin: Trotz filtern und sieben, dass zu viel Plastik im Biomüll landet, sieht man auch am fertigen Kompost. Der kommt als Dünger auf die Felder. Konsequent kein Plastik im Biomüll zu entsorgen, das ist ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz.