Transcription
Solar skriptura widerlegt das sodastreptura-prinzip. Wird nirgends in der Bibel gelehrt. Die Bibel bezeugt, dass die mündliche Überlieferung als Ergänzung des geschriebenen Wortes anzunehmen ist. Die Bibel bezeichnet die Kirche als Säule und Grundfeste der Wahrheit. Christus befiehlt, dass wir uns der Autorität der Kirche unterwerfen. Die Bibel selbst sagt, dass sie für sich allein nicht als lehrinstanz ausreicht, sondern eines Auslegers bedarf.
Die ersten Christen verfügten über keine Bibel. Die Kirche hat die Bibel hervorgebracht, nicht umgekehrt. Die Idee, die Bibel sei unabhängig von der kirchlichen lehrautität eine eigenständige Autorität, ist der frühen Kirche völlig fremd. Eine Interpretation der Bibel, die von Tradition und Lehramt absieht, bildet die Grundlage für heritische Bewegungen. Der biblische Kanon wurde nicht vor dem vierten Jahrhundert festgelegt. Die Festlegung des biblischen Kanons geschah durch eine außerhalb der Bibel stehende Autorität. Vor dem 14. Jahrhundert war die solas skriptura leere unbekannt.
Die schlechten Früchte der solas kryptura-lehre: Spaltung und Zwietracht. Die sojaskrippurerlehre macht es unmöglich, irgendeine Bibelstelle auf letztgültige Weise zu interpretieren. In protestantischen Bibeln fehlen zehn ganze Bücher. Grundlage der solaskriptura-lehre ist die problematische Psyche Luthers. Die Anhänger der solaskriptura-lehre übersehen die Tatsache, dass die Kirche vor der Bibel existiert hat und nicht etwa umgekehrt. Tatsächlich hat die Kirche die Bibel unter göttliche Eingebung verfasst.
Die Israeliten als die Kirche des Alten Testamentes, protokatholiken die Katholiken der Frühzeit als die Kirche des Neuen Testaments. Wenn wir das Neue Testament lesen, sehen wir, wie Christus die Vorrangstellung der Kirche und ihrer in seinem Namen erfolgenden Verkündigung betont. Z.B. in Matthäus Kapitel 28 Vers 20 gibt Christus den Aposteln den Auftrag, hinzugehen, in seinem Namen zu lehren und alle Völker zu seinen Jüngern zu machen. Bei Markus Kapitel 16 Vers 15 wird den Aposteln befohlen, in die ganze Welt zu gehen und zu predigen. Bei Lukas Kapitel 10 Vers 16 sagt Christus zu seinen Jüngern, dass derjenige, der sie hört, ihn hört.
Diese Worte Christi sind höchst aufschlussreich, auch weil wir andererseits nirgends im Neuen Testament von einem Auftrag Christi lesen, die Welt durch das Verfassen von Schriften für das Evangelium zu gewinnen. Hervorgehoben wird immer die Predigt des Evangeliums, nicht dessen schriftliche Niederlegung und Verbreitung. Daraus folgt, dass die kirchliche Autorität und dessen Lehramt unverzichtbar sind, um die Verbreitung der Botschaft des Evangeliums in der ganzen Welt umzusetzen. Da nun die Kirche selbst die Evangelien hervorgebracht hat, ist es völlig biblisch, logisch und vernunftgemäß, dass auch nur die Kirche die Autorität besitzt, die Bibel richtig zu interpretieren und konkret zur Geltung zu bringen. Und wenn es sich so verhält, dann kann die Bibel aufgrund ihrer Eigenart und ihres Ursprungs nicht die einzige glaubensregel für Christen sein. Anders gesagt, indem die Kirche die heiligen Schriften verfasst, macht sie selbst nicht als Lehrerin und Interpreten derselben überflüssig.
Ist es übrigens nicht schlicht unvernünftig zu behaupten, die Kirche habe durch die schriftliche Fixierung der apostolischen Lehre ihre mündliche Verkündigung dem geschriebenen Wort untergeordnet? So wie die lehrinstanz, die Christus begründet hat, besitzt sein schriftlich fixiertes Wort Autorität. Letzteres hat eine bestimmte Form, von der man aber nicht behaupten kann, dass sie als solche über eine anderen stehe. Das eine Wort Gottes ergeht an uns in zweifacher Form, weshalb die Ablehnung der einen Form zugleich die Ablehnung der anderen bedeuten würde. Die beiden Formen stehen in einem Verhältnis der Komplementarität, nicht der Konkurrenz. Wenn also die Bibel notwendig ist, dann ist es auch die Lehr Autorität, die sie hervorgebracht hat.