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Ein Philosoph auf dem Thron. Ein machtversessener Krieger. Ein schöngeistiger Musiker, ein knallharter Regent. Ein Reformer, Rebell, selbstverliebter König. Ein Menschen- und Hundefreund. Wir könnten noch viele Bilder heraufbeschwören über Friedrich II., König von Preußen. Als „der Große“ wird er in die Geschichte eingehen. Aber wer war dieser Monarch, den später sogar die Nationalsozialisten heldenhaft verklären? Warum ist er bis heute so bedeutend? Alles dazu jetzt. (Einzelner, heller Ton)
Vielleicht kennt ihr den Satz: „Ich bin der erste Diener des Staates.“ Das ist damals beinah revolutionär und hat nichts mit der bisher üblichen Herrschaftsauffassung zu tun. Friedrich läutet eine Zeitenwende ein. Von der barocken, meist stark religiös geprägten Ordnung hin zu einer aufgeklärten, rationalen Ordnung von Staat und Gesellschaft.
Aber mal zurück an den Anfang. Der Alte Fritz, wie wir ihn heute noch nennen, kommt am 24. Januar 1712 in Berlin zur Welt. Er ist nicht nur ein Kind von Friedrich Wilhelm I., König in Preußen, und damit der künftige Herrscher, sondern er ist auch ein Kind des Barock. Das ist eine sehr formalisierte Welt. Für den jungen Thronfolger gelten strenge Regeln, die Hofetikette. Die ersten vier Lebensjahre erzieht ihn eine Gouvernante. Diese strenge Erzieherin zog schon seinen Vater groß. Mit vier Jahren kommt ein Lehrer dazu, mit sechs Jahren stoßen zwei Offiziere zum Erzieherteam. Die Ziele der Erziehung legt sein Vater fest: Moralische Strenge, die Liebe zum Soldatensein, das Streben nach Ruhm und Ehre als Lebensziele und eine solide Allgemeinbildung mit Latein, Mathematik, Geografie, Ökonomie und Geschichte. Ein paar Jahrhunderte später hätte Friedrich auch diesen Kanal hier abonnieren können, aber so ein barockes YouTube, das gab es leider noch nicht. Französisch lernte Friedrich sowieso. Denn an den Höfen damals spricht man Französisch. Mit nur 13 Jahren wird der Thronfolger Hauptmann im königlichen Leibregiment.
Mit seinem Vater liegt Friedrich ständig im Clinch. Der Vater ist ein harter Mann, der seinen Sohn nicht selten verprügelt. Friedrich hat seinen eigenen Kopf und er rebelliert. Was denkt ihr, wie der royale Teenager rebelliert? Es ist wohl nicht das Erste, was euch einfällt. Er liest moderne französische Literatur, Staatsrechtler und Philosophen. Er legt sich eine Bibliothek mit 4.000 Büchern zu. Als sein Vater dahinterkommt, lässt er die Bücher verkaufen. Man kann in einen Menschen nicht hineinschauen. Aber die Bindung zu seinem Vater hat das wohl nicht gestärkt. Der Vater sucht für Friedrich eine Frau aus: Elisabeth Christine von Braunschweig. Dass der Vater sich einmischt, ist üblich, denn geheiratet wird damals aus dynastischen Gründen. Das vertraut er seiner Schwester an. Die Ehe bleibt kinderlos. Nicht der einzige Grund, warum immer wieder über vermeintliche homosexuelle Neigungen spekuliert wird. Ob er schwul ist oder nicht spielt gar keine Rolle, wenn wir uns Friedrichs Wirken als Herrscher anschauen. Da hat er ein klares Selbstbild. Sein Anspruch, erster Diener des Staates zu sein, beschert ihm einen modernen Staat. Geprägt von Pragmatismus und Effizienz in Wirtschaft, Verwaltung und Militär. Immer mit dem Ziel, die Macht des Staates zu vergrößern. Und Friedrich behält alle Macht bei sich. Aufgeklärten Absolutismus nennt man diese Herrschaftsform. Alles für das Volk – aber nichts durch das Volk.
Konkret bedeutet das: Für das Volk führt Friedrich Reformen durch. Die Abschaffung der Folter, Einführung von Glaubens- und Gewissensfreiheit, Trennung von Verwaltung und Justiz, ein Anfang zur Gewaltenteilung, eine staatliche Ausbildung für Juristen, die Schulpflicht, die Abschaffung der Leibeigenschaft. Er sorgt dafür, dass die Kartoffel in Preußen angebaut wird. Flüsse werden begradigt und Deiche gebaut. Sümpfe trockengelegt, damit das Land bebaut werden kann. Fremde Handwerker und Fabrikanten wirbt er mit Zuschüssen und Steuerbefreiungen an. Er fördert die Berliner Akademie und damit Wissen und Aufklärung zu Natur, Physik, Chemie, Biologie und geisteswissenschaftlichen Themen. All das geht in Richtung Aufklärung. Dabei greift er kaum auf seine Regierung zurück. Die muss nur umsetzen, was er ansagt. Stattdessen stützt er seine Entscheidungsfindungen auf einen Kreis von Beratern und Freunden. Der Adel spielt in seinem militarisierten Staat eine große Rolle. Auch wenn er mit seiner Gesellschaftspolitik die Stellung des Adels zum Teil infrage stellt. Das ist nicht sein Ziel, aber einige Entwicklungen wirken sich so aus.
Zwei weitere Stichworte zu Friedrichs Herrschaft sind: Krieg und militärische Expansion. Er setzt alles daran, Preußen zu einer Großmacht zu formen. Dazu muss er sich v. a. gegen den Konkurrenten Österreich durchsetzen. Mit Friedrichs Politik beginnt der Konflikt, der die deutsche Politik gut 100 Jahre bestimmen wird. Während seiner gesamten Regierungszeit unternimmt er alles, um Österreich zu schwächen. Dabei offenbart er sich als klarer Real- und Machtpolitiker und so gar nicht als Roi Philosophe, als Philosophenkönig, als der er schon in jungen Jahren Aufsätze darüber verfasst, wie ein guter Monarch zu regieren habe. Demnach dürfe Krieg nicht einfach Mittel der Politik sein. Er solle kurz gehalten, wenig Kosten und wenig Leid erzeugen.
Realpolitisch sieht das 1740 dann so aus: Friedrich will Big Player in Europa werden. Er will das Land v. a. wirtschaftlich stärken und hat eine topausgerüstete und bestens ausgebildete Armee. Die setzt er ein, um seine Ziele zu erreichen. Und zwar im Gegensatz zu dem, wie er es in seinen Büchern beschreibt. Mit eiskaltem Kalkül. Noch heute ist man beinahe geschockt von seiner Skrupellosigkeit und Härte. Damals geht es den Zeitgenossen nicht anders. Ende 1741 marschieren preußische Truppen im österreichischen Schlesien ein. Zwei Jahre dauert der Erste Schlesische Krieg, Preußen gewinnt. Im Sommer 1744 ergreift Friedrich wieder die Initiative. Er will den Österreichern zuvorkommen, die sich die verlorenen Gebiete wiederholen wollen, und greift erneut an. Er bleibt siegreich und sichert sich den Besitz von Schlesien. Im Jahr 1756 mobilisiert Friedrich erneut seine Truppen und greift an. Diesmal im Herzogtum Sachsen. Das ist u. a. mit Österreich, Frankreich und Russland verbündet. Diese große Allianz ist eine Übermacht gegenüber Preußen und seinen Verbündeten, allen voran England. Friedrichs Niederlage scheint unvermeidlich. Nach drei Jahren ist es beinahe soweit. Die Österreicher und Russen könnten Berlin einnehmen, aber sie entscheiden sich anders. Friedrich spricht ironisch vom „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Also vom Wunder, das sein Herrschergeschlecht rettet. Nur mit äußerster Mühe hält Preußen diesen siebenjährigen Krieg durch. Die preußischen Untertanen leiden in diesen Jahren sehr. Gekämpft wird nicht nur in Europa, sondern auch in den Kolonien in Übersee. Und dann hat der Alte Fritz Glück im Unglück. Im Januar 1762 stirbt die russische Zarin Elisabeth. Ihr Sohn, der Zar Peter III., ist ein Bewunderer des Preußenkönigs. Er ist bereit, Frieden zu schließen. Und auch Peters Nachfolgerin, Zarin Katharina die Große, bleibt dabei. Bei allen Kämpfenden ist eine Kriegsmüdigkeit eingetreten. 1763 endet der grausame Krieg. Das Ergebnis: mehr als 500.000 Tote und keine territorialen Veränderungen. Friedrich hat durchgehalten, zu einem hohen Preis. Aber Preußen ist als Großmacht bestätigt und er als ruhmreicher Herrscher.
Es folgen Jahre, in denen er auch auf anderen Gebieten Maßstäbe setzt. Er lädt Voltaire an seinen Hof, diskutiert, musiziert und schreibt Werke über Politik. Das Schloss Sanssouci, das er prächtig ausstatten lässt, wird zu seinem Zufluchtsort. Es ist ein schönes Sinnbild, um eine Bilanz zu ihm zu ziehen. Einerseits zeugt dieser Prachtbau von der Ruhmsucht und dem Selbstverständnis Friedrichs des Großen. Andererseits verfasst er hier philosophische und politische Schriften, die die Grundlage seines Denkens spiegeln, indem er Preußen nicht nur stark, sondern auch moderner gemacht hat. Ein kleines Beispiel: Während seiner Regentschaft ziehen viele Ausländer nach Preußen, die anderswo wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Preußen gilt als Einwanderungsland, in dem man weiß, dass Fremde Wissen und Ideen mitbringen. Aber in den vergangenen 200 Jahren haben sich Parteien und Strömungen auch anderweitig dem Mythos des Preußenkönigs bedient. Im Kaiserreich gilt er als Wegbereiter des Reiches, den Nationalsozialisten dient er als Beispiel des Durchhaltewillens.
Wie bewertet ihr diesen Herrscher? Ein Mann der inspiriert oder nur ein König wie viele andere? Schreibt es in die Kommentare. Hier ein Video zur Geschichte Preußens und darunter ein Video der Kollegen von Terra X zu drei schlechten Eigenschaften Friedrichs des Großen.