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Hormonelle Balance ist ein wesentlicher Garant für gesundes und glückliches Altern, wellaging und healthy longevity. Diese Erkenntnis ist unstrittig. Aber wie und womit können wir sie eigentlich erreichen?
Hormone haben in der Wahrnehmung vieler Menschen, insbesondere Frauen in den Wechseljahren, einen schweren Stand und gelten oft als unnatürlich und gefährlich. Für einige Skeptiker scheint aber eine Lösung in Sicht: Der Einsatz bioidentischer Hormone soll natürlicher, sicherer und wirksamer sein. Aber ist dem auch so, oder handelt es sich um Wunschdenken? Was genau sind bioidentische Hormone eigentlich? Wie wirken sie präventiv, therapeutisch und ästhetisch, und worauf gilt es zu achten?
Kurz: All about bioidentische Hormone, um Licht ins Dunkel zu bringen, aufzuklären und Unsicherheiten zu beseitigen, spreche ich heute mit keinem geringeren als Professor Dr. Dr. Johannes Huber, renommierter Facharzt für Gynäkologie und Endokrinologe und einer der führenden Hormonexperten im deutschsprachigen Raum. Er ist zudem unser geschätzter Gastdozent im Jahrestraining zum Wellaging Consultant. Was ihn einzigartig macht, ist seine Fähigkeit, als zudem promovierter Theologe medizinische Sachverhalte auch aus einer philosophisch ganzheitlichen Perspektive betrachten zu können.
Guten Morgen nach Wien und herzlich willkommen im eurasiamet Expertengespräch, lieber Herr Professor Huber.
Ja, guten Morgen und herzlichen Dank für die Einladung.
Herr Huber, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff bioidentische Hormone oder Bioidentormone, wie sie auch manchmal genannt werden? Man könnte es auch anders übersetzen, nämlich körpereigene Hormone in der Pille, die ja seit Jahrzehnten herfolgreich eingesetzt wird. Musste man synthetische Hormone verwenden, um den Eierstock zu unterdrücken und die Empfängnisverhütung zu gewährleisten? Bei der Hormonersatztherapie hält man sich genauso wie bei der Schilddrüsensubstitution an die Hormone, die die Eierstöcke normalerweise selbst bilden: das 17-beta-Östradiol, das Progesteron und eventuell auch noch die Androgene. Und das sind im Unterschied zu den Pillen und den Hormonen, die bei der Pille verwendet werden, die bioidenten, die natürlichen Hormone, körpereigene Produkte des Eierstocks.
Mhm. Warum denken Sie, haben Hormone in der Wahrnehmung vieler Menschen einen so schweren Stand?
Ja, das ist unterschiedlich zu beantworten. Die Schilddrüsenhormone sind meines Erachtens nach völlig friktionsfrei, da gibt es keine großen Diskussionen. Bei den Eierstockshormonen ist es die Sache deswegen etwas anders gewesen, weil das Altern als solches – und wir werden ja noch einige Mal über das Altern reden – ein Risiko in sich birgt. Und dieses Risiko ist die Entstehung bösartiger Erkrankungen. Das Karzinom, die Karzinogenese, ist eine Funktion des Alterns. Je älter wir werden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Krebs bekommen. Und bei Männern ist es in erster Linie altersbedingtes Prostatakarzinom und bei der Frau das Mammakarzinom, der Brustkrebs. Und beide Hormone hängen natürlich bis zu einem gewissen Grad, beide Malignome hängen bis zu einem gewissen Grad mit den Hormonen zusammen, vor allem dann, wenn man sie unnatürlich und unrichtig verwendet. Und das ist der Grund, warum, obwohl die Inzidenz und die Kohärenz zwischen Hormonersatztherapie und zwischen der Entstehung des Mammakarzinoms nicht gewaltig groß ist, sondern gerade an der Grenze der Statistik, warum diese Hormone immer wieder mit der Entstehung des Brustkrebses in Zusammenhang gebracht wird. Und es entspricht natürlich der menschlichen Seele, dass, wenn ein Problem auftritt, dass man immer den Schuldigen sucht. Und da hat man jetzt neue Studien gesehen, gezeigt, fälschlicherweise das Östrogen immer als den Schuldigen angesehen.
Ja, ja. Wann kommt eine Hormonersatztherapie (HRT, international abgekürzt) therapeutisch sinnvoll zum Einsatz und welche Beschwerden, vor allem auch in den Wechseljahren, lassen sich durch eine bioidentische Hormontherapie effektiv lindern, aus Ihrer Erfahrung?
Die Indikation für eine Hormonersatztherapie stellt der berühmteste Arzt, den es auf der Welt gibt, und das ist der eigene Körper der Frau. Wenn er danach ruft und wenn er furchtbare Beschwerden hat und diese Beschwerden mit den Hormonen über Nacht praktisch eliminiert sind, dann kann man davon ausgehen, dass man richtig handelt. Denn der, der heilt, hat Recht, haben schon die alten Griechen gesagt.
Ja, ja. Welche Rolle können denn die bioidentischen Hormone präventiv im Alterungsprozess spielen?
Ich möchte vielleicht noch zur vorhergehenden Frage eines hinzufügen, nämlich das Beschwerdebild von Frauen, die Hormonmangelerscheinungen haben, ist ja gewaltig. Das sind nicht nur die Hitzewallungen und die Schlaflosigkeit, die wir erkennen, sondern das sind Gelenksbeschwerden, ein hoher Blutdruck, äh, plötzlich ein hoher Cholesterinspiegel. Patientinnen erzählen: "Ich esse so wie früher und merke, dass plötzlich mein Cholesterinspiegel ansteigt oder auch mein Blutdruck ansteigt, obwohl ich Sport betreibe. Ich wache in der Früh auf und habe Gelenksbeschwerden und weiß nicht wieso. Äh, ich habe den besten Mann und die liebsten Kinder, die es für mich geben kann, und trotzdem leide ich massiv unter depressiven Verstimmungen, die manchmal so sind, dass ich mich fast aus dem Fenster stürzen möchte, und ich weiß nicht wieso. Ich habe keinen Grund dafür." Und wenn das mit der Lebensmitte, mit dem Ausbleiben der Menstruation zusammenhängt, dann muss man natürlich als guter Kriminalinspektor – und jeder Gynäkologe muss ein guter Kriminalinspektor sein – durch das Gespräch und durch das Hören die richtigen Gründe herausdestillieren. Und das ist in vielen Fällen natürlich der Hormonmangel. Und auch hier gilt das Gesetz: Der, der heilt, hat Recht. Wenn man innerhalb kürzester Zeit diese Beschwerden eliminieren kann, dann ist man auf der richtigen Seite. Gerade beim Gelenkschmerz kann man das oft immer wieder bewundern – unter Anführungszeichen – Frauen wachen in der Früh auf und haben furchtbare Schmerzen in den kleinen Fingergelenken, gehen zum Rheumatologen, der Rheumatologe macht Rheumauntersuchungen, findet nichts, dann wird die Patientin trotzdem mit Antirheumatika behandelt, das hilft wieder nichts, wird sie auf Kur geschickt, und sie kommt wieder mit ihren Gelenkschmerzen zurück. Und dann wird sie – das ist in der Medizin leider mitunter so – dann wird sie dem Psychiater übergeben, weil sie Schmerzen hat, die sie eigentlich nicht haben dürfte. Und wenn dann natürlich der Gynäkologe mit einer völlig simplen Applikation des Östrogens lokal auf die Gelenke des Fingers diese Beschwerden beseitigt, dass das nicht große Freude bei den Rheumatologen oder anderen Disziplinen macht, das muss man verstehen. Aber das Krankheitsbild, das Krankheitsbild der Menopause ist vielfältigst, und wenn sie synchron mit ausbleibender Blutung auftreten, dann muss man immer wieder daran denken, dass möglicherweise hier das Hormondefizit dafür verantwortlich ist.
Ja, erleben Sie am ehesten Frauen, die aus ästhetischen Beweggründen, weil sie einfach mit ihrem mit ihrer Körperform, mit ihrer Statur, mit ihrer Hautalterung beispielsweise nicht einverstanden sind, zu Ihnen in die Praxis kommen und eine bioidentische Hormonersatztherapie wünschen, oder sind es doch eher die körperlichen Beschwerden, oder ist es eine Mischung aus beidem?
Es ist beides. Natürlich stehen die körperlichen Beschwerden meistens im Vordergrund. Die Frau ist berufstätig, wacht jeden Tag um 3 Uhr in der Nacht auf und kann nicht weiterschlafen, und dann, wenn sie einschlafen könnte, muss sie aufstehen, um arbeiten zu gehen. Dass das natürlich eine enorme Belastung darstellt und die Frauen dann Hilfe suchen, ist verständlich. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch immer wieder so, dass Frauen meinen oder sagen oder beobachten: "Ich verändere meine Körperkomposition, die Haut wird schlecht, das wird dünner, und die Haare werden ein Problem." Und da hat lange Zeit die Medizin überlegt, ob das ein Grund wäre für die Hormonersatztherapie. Und wir hatten damals – das darf ich in aller Bescheidenheit sagen – irgendwie doch als einer der ersten begonnen, auch die dermatologischen Probleme, die Frauen in Lebensmitte haben, hormonell zu lösen. Und wir haben hier ein gutes Beispiel, das außer Zweifel steht: Nämlich, es gibt immer wieder Frauen, die in der zweiten Lebenshälfte Probleme mit der Schleimhaut oder mit der Haut in der Scheide haben. Das ist bekannt: die trockene Scheide, die Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr, die Schmerzen, die dabei entstehen. Und hier hat die Medizin seit Jahrzehnten – das war schon, wie ich mit meiner Ausbildung begonnen habe, so – dass Östrogen lokal angewandt, das Östriol, auch ein bioidentes Hormon der Schwangerschaft, und das Problem der vaginalen Trockenheit verschwindet. Und unsere Überlegung vor 20 oder 30 Jahren war: Warum sollten wir diesen gleichen Mechanismus nicht auch benutzen, wenn an anderen Teilen des Körpers, z.B. im Gesicht, dass die Haut trocken wird und Probleme entstehen? Und das hat uns dann letzten Endes dazu geführt, dass man mit gutem Gewissen und auch therapeutisch sinnvoll Hormone dort lokal anwenden kann, wo sie fehlen und wo sie diese Beschwerden verursachen. Ich gebe nur ein einfaches Beispiel noch, um die Hintergründigkeit und die Komplexität kurz erklären zu dürfen: Wir wissen, dass das Mikrobiom, die Darmbakterien, ja nicht nur im Darm sind, sondern diese Bakterien gibt es auch bei uns auf der Haut. Und durch den Hormonabfall, z.B. nicht, wird dieses Mikrobiom immer weniger. Das heißt, die gesunde, die normale Besiedelung unserer Haut mit guten Abwehrbakterien, die uns schützen vor bösen Bakterien oder vor Viren, die werden immer weniger. Und das ist auch ein Grund, warum es sinnvoll ist, Hormone zu geben. Abgesehen jetzt von dem Haarwachstum, nicht? Viele Frauen sagen: "Ich leide extrem darunter, dass jeden Tag in der Früh die Maschine voll ist mit Haaren." Und wenn dann der kundige Gynäkologe, der Kriminalinspektor in der Frauenheilkunde, die Patientin fragt: "Waren Sie einmal schwanger?" Und die Frau sagt: "Ja." Und er setzt dann mit einer weiteren Frage nach: "Wie waren die Haare in der Schwangerschaft?" Und da hört man dann oft, dass Frauen sagen: "Die waren exzellent, so schön waren sie in meinem Leben noch nie wie in der Schwangerschaft." Dann weiß der Gynäkologe als Kriminalinspektor sofort, wo der Täter zu finden ist und was man gegen ihn machen kann, um die Haare wieder zu restituieren.
Lassen Sie uns kurz einen Einblick erhalten in die wichtigsten Hormone. Bei den Sexualhormonen können wir die Östrogene (Hauptvertreter Östradiol), von den Gestagenen Progesteron vor allem, und den Androgenen (Hauptvertreter Testosteron) abgrenzen, die auch alle drei in bioidentischer Form verfügbar sind und einsetzbar sind in der heutigen Zeit. Und ich habe bei Ihnen auf der Website so schön gelesen, Sie haben so ein jeweiliges Schlagwort gegeben zu dem Östradiol und den Östrogenen das Schlagwort Schönheit, zum Progesteron das Schlagwort Weisheit und zum Testosteron das Schlagwort Stärke. Können Sie uns dazu ein paar Einblicke geben, was verbirgt sich dahinter?
Ja, das ist eine mystische Dreierkombination: die Hormone der Schönheit, die Hormone der Weisheit und die Hormone der Kraft, mit einer langen abendländischen Tradition eigentlich in seiner Hintergründigkeit. Das Östradiol stimuliert die Hexokinase und hat damit natürlich auch einen enormen Einfluss auf die schon erwähnte Haut. Wir wissen, dass die Schwangerschaft für die Haut ein Segen oft ist. Wir wissen, dass nach der Schwangerschaft die Probleme entstehen, und der Grund ist eigentlich der, dass das Östrogen die Zuckerverwertung in der Zelle und hier natürlich auch in der Haut verbessert. Die Haut wird damit dicker, die Epithelzellen, so wie die Ziegel auf einem Dach, werden mehr, die Haut wird dadurch abwehrfähiger und sie wird natürlich auch bis zu einem gewissen Grad schöner. Eine schöne Haut ist, und das kann man mit gutem Gewissen sagen, auch eine gesunde Haut. Das Progesteron, ein Wunderhormon eigentlich, auch das Haupthormon der Schwangerschaft, hat einen nicht einen Einfluss auf den sogenannten GABA-Rezeptor. Das heißt, es wirkt anxiolytisch, es ist das Psychotherapeutikum des weiblichen Körpers, nicht? Es beruhigt. Und das hat ja auch einen Sinn von der, von Ihnen schon angesprochenen Evolution, denn es beruhigt letzten Endes auch vor der Geburt. Das ist ja lange Zeit ein lebensbedrohender Vorgang gewesen, nicht? Und würde der Mann ein Kind zur Welt bringen müssen, dann hätte er wahrscheinlich jeden Tag einen Herzinfarkt oder eine Depression vor lauter Angst, nicht? Und bei der Frau wird durch das Progesteron abgeschützt. Das ist ein Aspekt. Ein zweiter Aspekt ist, dass das Progesteron die Regeneration der Nervenzellen fördert, nicht? Wir kennen das von einer großen Studie, die bei leider bei Frauen evaluiert wurde, die ein schweres, ein schweres Schädelhirntrauma hatten, also nach einem Motorradunfall z.B. Und wenn dieser Unfall in der zweiten Zyklushälfte, wo das Progesteron vorhanden war, sich ereignete, dann war die Heilungstendenz viel rascher und viel schneller, als wenn der Unfall z.B. bei der Menstruation erfolgte, wo das Progesteron ja fehlt. Das Testosteron wird einmal im Zyklus besonders hoch freigesetzt, nämlich zum Zeitpunkt des Eisprungs. Und das gibt dem weiblichen Körper die Kraft, den richtigen Partner mit einem hohen Augenmaß zu finden, die Liebe DA zu verstärken und damit die Reproduktion in Gang zu führen. Denn das ganze, was wir jetzt besprechen, hat ja eigentlich nur eine Aufgabe: nämlich die Erhaltung der Art sicherzustellen. Und dafür gibt Mutternatur dem weiblichen Körper auch viele Privilegien, denn sie ist an der Haltung der Art mehr beteiligt als der Mann, dessen Beitrag ist ja oft nur wenige Minuten zur Erhaltung der Art. Bei der Frau ist das ganz anders, deswegen ist sie privilegiert. Und die Hormone des Eierstocks dienen jetzt nicht nur primär der Reproduktion, sondern auch um der Frau die Fitness und die Kraft zu geben, ein Kind auszutragen und ein Kind dann letzten Endes am Anfang auch aufzuziehen.
Ja, wie ist herkömmlicherweise der Verlauf in den Wechseljahren? Da herrschen ja unterschiedliche Auffassungen, dass eventuell zuerst das Progesteron in Mangel gerät, das Testosteron sogar noch vor dem Östrogen. Wie ist Ihre Erfahrung? Ist das individuell verschieden, oder wie ist normalerweise im Prozess der Alterung der klassische Abfall, was kommt zuerst und was äh folgt dann?
Nach dem weibliche Körper ist ein Buch mit sieben Siegeln, also den kann man nicht so leicht öffnen in schematischer Weise. Aber großer Motte haben Sie schon recht: Das erste Hormon, das ausfällt, ist das Progesteron. Die Frau hat zwar noch einen normalen Zyklus, aber es gibt keinen Eisprung mehr oder nur mehr selten, und damit fehlt das Progesteron. Und das Leitsymptom hier ist die depressive Verstimmung, Stimmungsschwankung. Das zweite Hormon, das dann klassischerweise mit Ausbleiben der Blutung auch fehlt, ist das Östrogen. Hier sind die Hauptsymptome Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen. Und natürlich kann das Testosteron schon früher ausfallen, aber meistens wird es von der Nebenniere noch weitergebildet, selbst wenn die Frau schon in der Menopause ist. Und dann mit 65 Jahren gibt es so eine zweite Menopause unter Anführungszeichen, nämlich wenn auch die Nebenniere schwächer wird, und dann hört man von vielen Frauen, dass sie, obwohl sie schon 65 Jahre alt sind, berichten, dass sie plötzlich wieder Wallungen bekommen. Nicht zu sagen, wollen ich das erklären, denn ich war schon vor 10 Jahren im Wechsel, und das ist die Nebenniere, die adrenale Insuffizienz.
Was sagen Sie Frauen, die zu Ihnen kommen mit der Idee: "Wenn wir von Anti-Aging sprechen, weshalb soll ich eigentlich durch eine Hormonersatztherapie den Lauf der Natur derartig beeinflussen? Ich hatte gerade kürzlich eine Patientin, die sagte mir: Wenn draußen Herbst ist und die Blätter vom Baum fallen, warum soll ich sie dann sozusagen an den Baum schnüren, wenn doch die Natur eigentlich dafür sorgt, in die nächste Lebensphase, in die nächste Jahreszeit des Lebens sozusagen überzugehen?"
Das ist sicher ein Standpunkt, der auch zu akzeptieren ist. Wir Mediziner sorgen uns natürlich dann, wenn Beschwerden und Probleme auftreten und die Patienten leiden. Der Mensch soll nicht leiden, und unsere Aufgabe ist es, das Leiden zu reduzieren. Und wenn eine Patientin keine Beschwerden hat, dann – das ist eine volle Absicht und meine Überzeugung – dann braucht sie auch keine Hormone. Wenn sie allerdings derartig schwere depressive Verstimmungen hat, dass sie ein Psychopharmakon nach dem anderen verschrieben bekommt, dann stehe ich auf dem Standpunkt, dass das 17-beta-Östradiol besser ist als schwere Psychopharmaka, bzw. das Progesteron. Ähnliches ist beim Schlaf der Fall. Wenn sie nicht schlafen kann, kann sie Hypnotika bekommen. Besser ist es, die Eierstockshormone, die biologischen. Den sind beim Gelenkschmerz etc. etc. genauso. Also, wenn keine Beschwerden da sind, dann sehe ich das genauso wie die Dame, die Sie zitiert haben. Aber wenn Beschwerden da sind, nicht, dann halte ich es doch für sinnvoller, dass man diese Beschwerden beseitigt. Denn es sind ja nicht nur die subjektiven Beschwerden, es ist ja im Hintergrund noch vieles andere, das mitläuft. Wir dürfen nicht vergessen, dass 6500 Gene, das ist ein Drittel unseres Genoms, bei der Frau anders reguliert sind als beim Mann. Das also hier die Hormone einen enormen, hintergründigen Einfluss haben. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum ich nicht überzeugt bin, dass es so leicht geht, dass ich mein Geschlecht innerhalb von 10 Minuten am Standesamt jedes Jahr ändern kann, so wie die deutsche Politik das möglich macht und vorsieht. Denn das sind tausende Gene im Hintergrund, wie gesagt, die auch Regulativ von den Hormonen abhängig sind, und die kann man natürlich nicht ändern, auch nicht am Standesamt, auch nicht mit dem grünen Licht der Regierung. Aber wenn, wenn die Frau keine Beschwerden hat, dann benötigt sie nichts. Wenn sie Beschwerden hat, dann soll man ihr Möglichkeiten anbieten. Das muss nicht immer gleich ein Hormon sein, nicht? Ich hatte mit meinem lieben Freund Professor Leodolter vor Jahrzehnten ein Buch geschrieben über die Hormonersatztherapie, und er ist ein lieber Freund von mir, ein Sozialdemokrat übrigens, und war nicht sehr froh, dass ich ihm den Vorschlag gemacht habe: Wir fangen mit dem Johannesevangelium an in diesem Beratungsbuch, nämlich: "Am Anfang war das Wort." Und ich glaube auch, dass das Gespräch am Anfang das Wichtigste ist, nicht? Oft kann man durch das Gespräch schon Probleme entdecken, kann sie auch lösen durch gute Ratschläge. Also, das müssen nicht immer die Hormone sein. Am Anfang ist das Wort, dann kommt die Pflanze im weitesten Sinne. Auch das Pflanzenreich hat sehr viele Schätze, die wir noch entdecken müssen. Auf einfache Ratschläge, wie z.B., dass man keinen Alkohol trinken soll, um abzunehmen, nicht, oder keine Wungen zu bekommen, gehört auch in diesem Punkt. Und dann, wenn das nicht hilft, dann kommen die Hormone, und ganz zum Schluss erst das Skalpell.
Ja, ich denke, wenn wir auch präventiv denken, kommt noch ein weiterer Faktor zum Tragen, der, glaube ich, sehr wichtig ist. In den vergangenen etwa 100 Jahren hat sich ja die Lebensspanne der Menschen fast verdoppelt, und die Ansprüche vieler Menschen, gerade dann nach den Wechseljahren, wenn dann noch einige Jahrzehnte des Lebens auf uns warten, gerade bei Frauen, sind natürlich andere mittlerweile geworden, sowohl ästhetisch als auch was das Energieniveau angeht, als auch psychologisch, wenn wir über Themen wie Resilienz z.B. sprechen, oder auch die nötige Energie, um noch mal in der zweiten Lebenshälfte vielleicht etwas Neues zu beginnen, noch mal einen neuen Beruf anzunehmen, etwas Neues zu erlernen. Äh, und all das ist natürlich nicht so einfach ohne jegliche Unterstützung.
Richtig. Ja, das ist richtig. Allerdings, wir dürfen nicht vergessen, dass nicht nur die Eierstöcke in der Lage sind, Hormone zu bilden, sondern der Körper in vielen anderen Teilen, im Adipozyten z.B., auch noch Hormone bildet. Und das ist der Grund, warum manche Frauen auch mit 70 sagen: "Es geht mir wunderbar, und ich bin fit und betreibe sogar noch meinen Beruf und Sport, ohne dass ich Hormone nehme." Also, man muss das sehr individuell sehen. Wenn Beschwerden da sind, dann halte ich es für extrem wichtig, dass man hilft. Wenn keine Beschwerden da sind, dann soll man der Frau keine Hormone aufdrängen, denn das macht auch nur Nebenwirkungen.
Ja, welche Altersgruppen können denn, nebst prä- und postmenopausalen Frauen, von einer bioidentischen Hormontherapie profitieren?
Na schauen Sie, das sind z.B. auch junge Frauen, die Zyklusunregelmäßigkeiten haben. Da hat man immer in der Vergangenheit, wenn z.B. die Blutung ausgeblieben ist, äh, hat man die Pille verwendet, und das war sicher nicht das Richtige, nicht? Also, zur Zyklusregulierung bei der 20-Jährigen Frau werden auch die Hormone des Eierstocks verwendet, die man aber allerdings auch Gott sei Dank jetzt schon auf Krankenkasse bekommt. Sie bekommen die bioidenten Hormone auch auf Krankenschein, das kann jeder Gynäkologe verordnen mit einem Rezept, und äh, es ist verfügbar. Allerdings, man muss es richtig ähäh konzipieren. Stimmungsschwankungen, auch das sind Probleme, nicht, die auch vorm Wechsel schon auftreten, Gewichtszunahme, Haarausfall. Also, es ist nicht nur der Wechsel, wo Hormonprobleme auftreten können, sondern das ist eigentlich seit der Pubertät, dann bis in das höhere Alter der Fall.
Stichwort höheres Alter: Gibt es denn ein höheres Alter, ab dem dann der Einsatz von bioidentischen Hormonen sinnlos wäre oder vielleicht sogar gefährlich?
Wir haben eine Lehre aus der WHI-Studie gezogen, nämlich die Lehre, dass wir ein Fenster von 10 Jahren haben, wo wir mit der Hormonersatztherapie nach Beginn der Menopause beginnen können. Also, wenn die 10 Jahre vorbei sind, dann kann man schon noch etwas tun, allerdings nicht mehr so leicht wie wenn man innerhalb dieser 10 Jahre beginnt. Und das halte ich für vernünftig. Und deswegen ist es sinnvoll, wenn Patienten Beschwerden haben, dass man sie gleich bei Auftreten der Beschwerden behandelt und nicht 10 Jahre wartet und dann, wenn noch immer die Beschwerden da sind, zu therapieren beginnen möchte, dann ist der Zug schon abgefahren in vielen Fällen.
Wenn jetzt Frauen in den 50ern postmenopausal mit einer bioidentischen Hormontherapie begonnen haben und befinden sich dann schon in den 60ern und sagen: "Ja, ich nehme das jetzt schon seit 12, 13 Jahren." Gibt es dann so ein Alter, wo Sie sagen würden: "Bis zu dem und dem Zeitpunkt ist das noch sinnvoll, aber beispielsweise ab Mitte 60 würde ich dann langsam darüber nachdenken, das Ganze auszuschleichen oder zu stoppen, oder haben Sie auch Patientinnen, die mit 70 beispielsweise noch bioidentische Hormone verwenden?"
Der beste Professor ist der eigene Körper. Und es ist sinnvoll, dass man immer wieder Pausen macht, das heißt, dass man "Holiday" ansetzt, sagen die Amerikaner, nämlich einmal im Jahr, dass man eine Pause macht mit der Hormonersatztherapie und überprüft, ob die Patientin es noch benötigt. Wenn es ihr eines Tages ohne Hormone genauso gut geht wie mit den Hormonen, dann braucht sie es nicht mehr. Wenn allerdings die Beschwerden wieder kommen, dann ist es sinnvoll, dass sie die Produkte des Eierstocks, die ihr helfen, auch weiterhin nimmt. Also, der eigene Körper ist der beste Arzt und der beste Diagnostiker.
Wie lange sollten denn diese "Holidays" dauern, so eine Pause einzulegen?
Normalerweise machen die Amerikaner hier eine Pause von ein bis zwei Monaten. Und in dieser Zeit sieht man sehr wohl, also, wenn es der Frau gut geht ohne Hormone, dann braucht sie es nicht mehr weiterzunehmen. Es vor den man versucht, ein bisschen abzufedern. Wenn allerdings die Beschwerden wieder kommen, dann kann man davon ausgehen, dass der Körper es benötigt, danach ruft und dass man es ihm auch geben soll.
Ja, wie lassen sich denn die bioidentischen Hormone von synthetischen Hormonen oder Hormonderivaten und zum dritten von Phytohormonen, wie sie gerne genannt werden, also Pflanzen mit einer Wirkung auf Hormonrezeptoren, abgrenzen?
Ja, das ist eine sehr wichtige Frage. Die künstlichen Hormone sind hauptsächlich die, die in der Pille enthalten sind. Die bioidenten Hormone sind die Hormone des Eierstocks, die allerdings frei – und das möchte ich noch einmal unterstreichen – frei verfügbar sind. Das zahlt auch die Krankenkasse. Es gibt immer wieder Tendenzen, dass man bioidente Hormone mit diesem Level zu einem Geschäftsmodell macht und hunderte Euro dafür verlangt. Und dann kommen die Frauen zu mir und sagen: "Ich arbeite in einem Supermarkt, ich kann mir das gar nicht mehr leisten." Und wissen gar nicht, dass sie diese bioidenten Hormone eigentlich auch auf Krankenkasse bekommen würden. Also, das ist ein ganz ein wichtiger Punkt, den man unbedingt sagen muss, wenn von bioidenten Hormonen die Rede ist. Denn es gibt natürlich in einem kapitalistischen System verständlicherweise auch die Tendenz, Geschäfte machen zu wollen. Das ist ja auch teilweise auch die Grundlage des Sozialstaates. Aber auf der anderen Seite muss man gerade in dem Aspekt immer wieder darauf hinweisen, dass auch die bioidenten Hormone von der Krankenkasse bezahlt werden und man das als Patient nutzen soll. Die pflanzlichen Hormone sind meines Erachtens nach ein interessanter Aspekt, und die können auch genutzt werden, wenn sie helfen. Erfahrungsgemäß helfen sie nicht bei schweren klimakterischen Beschwerden, sondern bei mittleren oder bei leichten. Es ist eine Möglichkeit, es ist der zweite Weg, wie ich das vorher schon sagen durfte. Allerdings muss vielleicht eines noch dazu gesagt werden, dass pflanzliche Stoffe RNA-Moleküle – und das macht sie besonders interessant – beinhalten. Die RNA, die Mikro-RNA, die nicht in Proteine umgewandelt wird, dient zur Regulation unseres Genoms, und das seit Anfang des Lebens. Also, gerade bei Pflanzen sind diese Mikro-RNA-Stücke zur Regulation eingesetzt, und das auch bei Menschen. Und das macht diese Pflanzenstoffe so interessant, dass eine völlig neue Biologie möglich wird. Denken Sie nur, die Impfung, nicht? Die Covid-Impfung war ja auch eine RNA-Impfung. Und diese RNA-Moleküle, allerdings viel besser evaluiert, nämlich über hunderte Millionen Jahre und nicht nur über Monate, nicht, wie bei dem Impfstoff. Das hat die Mutternatur zur Verfügung, und das halte ich für einen kommenden Wissenschaftszweig. Also, hier werden wir noch einige Überraschungen erleben, und das ist meines Erachtens nach das besonders Interessante an den Pflanzen. Sie sind Regulatoren der Genomexpression, also der Transkription, Transkriptionsmodulatoren, und das wird in Zukunft noch einige positive Überraschungen bringen.
Ja, bezüglich den pflanzlichen Hormonen gibt es natürlich auch kritische Stimmen. Ich denke, gerade in diesem Zusammenhang an jemanden, der in Deutschland gerade die bioidentische Hormontherapie recht bekannt gemacht hat, von vielen auch vertreten wird, von vielen Gynäkologen, Dr. Rinkus. Und der propagiert, dass pflanzliche Stoffe, die entsprechend am Hormonrezeptor wirken, einen Nachteil in sich tragen, nämlich, dass sie die Hormonrezeptoren blockieren, im Unterschied zu bioidentischen Hormonen, und damit ähnliche Schwierigkeiten generieren können wie auch synthetische Hormone, dass nämlich irgendwann keine freien Rezeptoren mehr verfügbar sind und die hormonelle Balance dadurch empfindlich gestört werden kann, wenn Pflanzen mit hormonähnlicher Wirkung über längere Zeiträume gegeben werden. Ähm, wie, was würden Sie antworten auf diesen Kritikpunkt?
Schauen Sie, weil wir so ein nettes Gespräch jetzt führen, hoffe ich, dass Sie das auch nicht rausschneiden, was ich Ihnen jetzt antworten werde. Sie haben einen Namen erwähnt, und ich glaube, es führen viele Wege nach Rom, und man muss diese Pluralität auch in der Hormonersatztherapie akzeptieren. Allerdings muss man sich bei der Hormonersatztherapie nicht nur an die Stoffe halten, die bioident sind, sondern auch an das an der Sequenz, der Eierstock des weiblichen Körpers produziert jeden Tag das Östrogen. Und deswegen ist es auch sinnvoll, dass man jeden Tag im Rahmen der Hormonersatztherapie Östrogene zuführt. Das Progesteron wird immer nur nach der Ovulation gebildet. Im ersten Zyklusteil gibt es kein Progesteron. Das heißt, wenn das Progesteron verwendet wird, dann immer nur sequentiell und nicht kontinuierlich. Gibt es viele Studien, die zeigen, was passiert, wenn man es kontinuierlich appliziert. Der von Ihnen erwähnte Name propagiert beides in gleicher Sequenz, und zwar kontinuierlich und nicht in sequentieller Form. Und das halte ich für einen großen Fehler. Und daher würde ich äh vorsichtig sein mit der Propaganda der bioidenten Hormone, wenn sie in der Sequenz und in der Abfolge nicht bioident sind. Denn es kommt nicht nur auf die Stoffe drauf an, sondern es kommt letzten Endes auch an, wie man diese Dinge anwendet. Und gerade der von Ihnen genannte Name hat ein Präparat auf Welt gesetzt, das von der Kasse meines Erachtens nach nicht vergütet wird, und die gleichen Substanzen gibt es allerdings in sequentieller Form von der Kasse vergütet. Also, wenn man von bioidenten Hormonen spricht, dann müssen wir aufpassen, dass wir hier nicht einen Geschäftsmodell, das Wort reden, das allerdings von der Kasse in ähnlicher Weise oder sogar noch besser bezahlt wird. Aber jetzt zurück zu Ihrer berechtigten Frage: Es ist richtig, dass Phytosteroide manchmal den Östrogenrezeptor Beta besser besetzen. Und dieser Östrogenrezeptor Beta ist wichtig, auch wenn man z.B. ein Mammakarzinom hat, dass man ihn blockiert. Deswegen geht man eher heute davon aus, dass die Substanzen, die den Östrogenrezeptor aktivieren bzw. modulieren, und das in ähnlicher Weise machen in dieser Modulation wie z.B. das Tamoxifen, man es nicht gleichzeitig machen kann. Denn das Tamoxifen hat dann eine Konkurrenz mit dem Genistein, um ein so ein Pflanzenhormon zu nennen. Und diese Konkurrenz ist für die Patienten, die z.B. ein Mammakarzinom hatte, nicht gut. Also, das Argument ist nicht unrichtig, allerdings es ist viel differenzierter zu sehen, als man es halt nur in drei Minuten erklären kann.
Absolut. Es gibt ja diverse Pflanzen, die auch von unseren Patientinnen eingenommen werden, entweder Produkte aus Soja oder Rotklee. Wir kennen die Traubensilberkerze (Cimicifuga), den sibirischen Rhabarber oder auch den indischen, die indische Spargelwurzel (Shatavari), wie sie genannt wird, die alle als sogenannte SERM-Pflanzen gelten – selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren, ein langes, langes Wort –, die also am Rezeptor modulierend wirken und in der Phytotherapie wird dann eben oft gesagt, die können dann eben je nach endogen-hormonellem Milieu entweder agonistisch oder antagonistisch wirken, das heißt, sie können sozusagen die hormonelle Balance regulieren. Ist dem so, oder ist man da mittlerweile forschungstechnisch an einem anderen Punkt?
Nein, nein. Also, man geht schon in die Richtung, und wir haben ja gerade beim Genistein und beim Soja sehr gute Studien und auch eine Stellungnahme der EMA, dass das Genistein von Soja kein Mammakarzinom hervorruft, kein Endometriumkarzinom und auch die Schilddrüse lässt. Das ist eine offizielle Stellungnahme der EMA, die also über Jahre hindurch dieses Pflanzenprodukt evaluiert hat. Ich glaube, bei anderen Produkten wird wahrscheinlich ähnlich sein. Faktum ist, dass man hier den besten Arzt fragt, nicht, und das ist wieder der eigene Körper. Wenn es der Patientin gut tut, dann trifft das Wort "der, der heilt, hat Recht" auch hier auf die Pflanze zu. Allerdings, die Patientin muss etwas verspüren, und sie soll nicht jahrelang ein Pflanzenprodukt nehmen, nur weil es beworben wird. Sie muss den Benefit spüren, und wenn sie ihn spürt, dann kann man davon ausgehen, was auch nützt.
Ja, noch mal zur Kombinationsmöglichkeit von Pflanzenprodukten mit Hormonwirkung. Und Sie hatten ja das Beispiel mit Tamoxifen gegeben, wo Sie sagten, das ist unklug zu kombinieren. Wie ist es denn mit den bioidentischen Hormonen? Also, wenn Frauen zu uns kommen und pflanzliche Produkte zu sich nehmen und sagen: "Es reicht aber nicht, ich möchte gerne bioidentische Hormone zusätzlich nehmen." Würden Sie sagen: "Dann stoppen Sie bitte mit den pflanzlichen Produkten", oder gibt es auch Kombinationen?
Nein, schauen Sie, das sind völlig unterschiedliche Aspekte zu beobachten, vor allem natürlich auch der Aspekt, dass diese pflanzlichen Bestandteile RNA-Moleküle beinhalten, und diese RNA-Moleküle das Überleben der Pflanzen in den meisten Fällen reguliert hat und für uns natürlich auch in ähnlicher Weise interessant ist. Nehmen Sie nur ein ganz anderes Beispiel, das hormonell vielleicht jetzt nicht so im Fokus steht: Nehmen Sie die Pilzerkrankung des Weinstocks. Der Weinstock ist oft Pilzen ausgesetzt, nicht? Und zum Überleben hat der Weinstock eine Substanz entwickelt, nämlich das Resveratrol. Das ist quasi das "K" des Weinstocks, das für den Menschen auch viele Vorteile hat, aber es kommt aus dem Pflanzenreich und schützt dort das Leben des Weinstocks gegen die Pflanzen. Und so ähnlich ist es auch bei hormonähnlichen Substanzen, die man mit Pflanzen zu sich nimmt. Auch die können manchmal andere Eigenschaften, positive Eigenschaften falten als das bioidente Hormon per se. Allerdings muss man hier bis zu einem gewissen Grad natürlich auch aufpassen, denn manchmal sind die hormonaktiven Substanzen diesen Pflanzen so gewaltig, dass man – vor allem im Kollagen-Verbindungen, was man so hört – dass man hohe Östrogenspiegel im Serum erreicht. Und die sollte man vor allem dann, wenn ein Brustschmerz damit verbunden ist mit der Einnahme dieser Produkte, sollte man den Östrogenspiegel evaluieren. Und wenn er tatsächlich zu hoch ist, dann ist dieser Pflanzenbestandteil möglicherweise oder sinnvollerweise zu reduzieren. Also, das ganze ist ein Wissensgebiet, das momentan auf uns zukommt, wo wir noch viel machen müssen. Das ist schon richtig. Allerdings, das Königreich der Pflanzen hat sich in den meisten Fällen viele positive Überraschungen für uns bereit, und sie wissenschaftlich aufzuarbeiten und zu nutzen, ist ein ist ein Challenge der nächsten Jahre.
Ja, lassen Sie uns kurz noch mal über die synthetischen Hormonderivate sprechen, bevor wir dann ins Detail der bioidentischen Hormone einsteigen. Welche sind denn die wichtigsten Nachteile der synthetischen Hormonderivate und was ich auch immer wieder als Frage höre: Warum kommen die eigentlich immer noch zum Einsatz? Warum werden eigentlich nicht primär bioidentische Hormone, wenn sie auch auf Krankenschein, wie Sie sagen, rezeptierbar sind, warum werden die nicht alleine eingesetzt, oder gibt es eben bestimmte Produkte mit synthetischen Hormonderivaten, die einfach den bioidentischen überlegen sind?
Na, das ist auch ein ein Kapitel, über das man lange reden könnte. Wenn Sie z.B. eine Patientin haben, die nur den Zyklus verschieben möchte, weil sie auf Urlaub fährt, oder einen derartigen unregelmäßigen Zyklus hat, dass die Gebärmutter Schleimhaut unkontrolliert arbeitet, nicht, dann ist
Das bioidente Hormon, das Progesteron, ist in diesem Fall, in den meisten Fällen, zu schwach, um hier einerseits den Zyklus zu verschieben oder regulativ in diese Metrorrhagie einzugreifen. Hier ist es sinnvoller, dass man synthetische Gestagene verwendet, die dann tatsächlich diszipliniert das Endometrium aktivieren und schauen, dass der Zyklus tatsächlich regelmäßig abläuft.
Ähnlich ist es natürlich auch bei dem Cholesterinspiegel. Wenn Sie wirklich nur den Cholesterinspiegel senken wollen, dann müssten Sie konjugierte Östrogene nehmen. Nicht, wenn Sie eine Patientin haben, die keine Blutung haben möchte, weil sie da stört. Wenn Sie das sequenziell geben, was richtig ist, dann müssen Sie auf eine Dreierkombination zurückgreifen, die auch synthetisch ist, aber nicht gefährlich. Äh, das Tibolon und so. Es gibt viele Beispiele, wo man auch fallweise synthetische Hormone verwenden kann, wenn man eine klinische Konstellation hat, die man lösen möchte. Aber wenn es der Patientin letztendlich nur um die klimakterischen Beschwerden geht, dann kommt man mit dem bioidenten Hormon in den meisten Fällen aus.
Und natürlich, zu Empfängnisverhütung, das habe ich ganz vergessen. Auch die Empfängnisverhütung geht nicht mit bioidenten Hormonen, oder nur sehr schlecht, sagen wir so. Ja, ja, ja. Und natürlich, wenn wir den Alterungsprozess entsprechend positiv gestalten wollen, da braucht man auch keine synthetischen Hormone, sondern da können wir mit bioidentischen Hormonen sehr, sehr gute Wirkung erzielen. Das ist richtig, das ist richtig, obwohl es natürlich da auch noch vieles zu sagen gäbe. Ja, ja.
Kommen wir zum Thema der Diagnostik. Es gibt ja den klassischen Spruch, der immer schon Gültigkeit hatte: Erst die Diagnose, dann das Rezept. Und Sie sagten ja schon am Anfang, stand das Wort. Das heißt, eine ausführliche Anamnese steht natürlich immer an Platz 1. Richtig.
Welche labordiagnostischen Verfahren empfehlen Sie? Es gibt ja Untersuchungen von Hormonen im Blut, im Urin, 24-Stunden-Urin und vor allem auch die Speicheldiagnostik, die ja gerade im Kontext der bioidentischen Hormontherapie enorm beworben wird und häufig empfohlen wird, aber eben oft auch keine Kassenleistung ist. Und dann sind wir wieder bei dieser Fragestellung: Wer kann sich dann diese Therapie eigentlich noch leisten? Und wie sieht es auch mit der bilddiagnostischen aus? Also Labordiagnostik und Bilddiagnostik, was empfehlen Sie grundlegend?
Also, wenn man mit dem Wort allein die Diagnostik äh machen kann und die Therapie, die daraus resultiert, auch wirkt, dann genügt das zunächst. Allerdings, bei jeder anderen Hormonerkrankung, wie z.B. Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion, verwendet man verständlicherweise auch Labordiagnostik. Und das ist bei der Hormonersatztherapie ähnlich. Man geht auf Nummer sicher. Man sieht auch, wie das Östrogen eingestellt ist. Man bemerkt auch, ob Quellen da sind, wo eine Hyperöstrogenämie, eine Östrogenominanz z.B. entsteht. Also die Hormonersatztherapie mit einer Hormonuntersuchung zu begleiten, halte ich für extrem sinnvoll.
Wobei natürlich die Labormedizin auch prospektiv randomisierte Studien machen muss und überprüft. Wenn ich z.B. hier eine Blutuntersuchung mache und ich möchte den Östradiolspiegel evaluieren und ich mache diese Blutuntersuchung zehnmal aus dem gleichen Blut, dann muss in einem guten Labor zehnmal das gleiche Resultat rauskommen. Und äh, was nicht immer der Fall ist. Was nicht immer der Fall ist. Aber großer Modus und das geht man, das geht ja dann noch sogar weiter. Also ich habe eine Blutuntersuchung und weiß ganz genau, wie hoch dort das Östradiol wäre, mit wie viel Pikogramm. Und dann gebe ich zehn verschiedene Labore und die müssen natürlich auch alle zu dem gleichen Ergebnis kommen. Das sind die Ringversuche. Und so macht die Schulmedizin ihr Geschäft und meines Erachtens nach auch hervorragend. Und das fehlt uns bei der Speicheldiagnostik.
Bei der Speicheldiagnostik gibt es das in dieser Form nicht. Es gibt keine Ringversuche. Es gibt nicht die Validität, dass tatsächlich, also immer das gleiche, großer Modus zumindestens rauskommt. Und das ist das große Problem bei der Speicheluntersuchung. Es gibt es nur bei einem, meines Erachtens nach, beim Cortisol. Dort scheint es tatsächlich Studien, auch Ringversuche zu geben, aber bei den anderen müsste man es erst machen. Ja.
Das heißt, die Speicheldiagnostik zur Bestimmung der freien Sexualhormone, es gibt ja auch noch andere Hormone, die bestimmt werden können, Melatonin, Sie hatten Cortisol gerade erwähnt, die kann man integrieren, aber sie ist kein Muss, sondern eine Blutuntersuchung kann ebenfalls ausreichen. Ja, vor allem, wenn man sie bezahlen muss und wenn es keine Kassenleistung ist. Kassenleistung ist, das hat ja einen Grund, warum und die Krankenkasse es nicht bezahlt. Nicht, also die müsste es ja bezahlen, wenn es evidente Medizin ist, nicht? Und wenn sie es nicht bezahlt, dann nicht, deswegen, weil sie nur Geld sparen möchte, sondern weil es halt die nötige Evidenz nicht gibt. Also, das Sie haben schon völlig recht, nicht? Also da muss man aufpassen, dass das Geschäftsmodell der bioidenten Hormone nicht mit dem Geschäftsmodell der Speicheluntersuchungen Hand in Hand geht und da muss man vorsichtig und äh und und zurückhaltend sein. Absolut.
Kommen wir zu den bioidentischen Hormonprodukten. Sie hatten ja schon eingangs dazu einige Worte gesagt. Sollten die potenziell custom compounded sein, wie es so schön heißt? Es gibt ja diese Compound Pharmacies, die dann ganz individuell auf Rezept die jeweilige Hormonrezeptur herstellen, oder würden Sie sagen, in den meisten Fällen reichen wirklich die günstigen oder günstigeren Fertigprodukte aus? In Deutschland haben wir z.B. das Estreva Gel, das Gynokadin Gel als Östradiolpräparate. Wir haben das Progest, das Utrogest, das Faminita, um mal drei Produkte zu nennen. Die Progesteronprodukte sind die natürlich deutlich günstiger sind. Oder würden Sie sagen, nein, diese individuelle Rezeptierung, die hat die Nase vorn und wenn die Möglichkeit besteht, sollte man dieser auch den Vorzug geben?
Das ist nicht meine Meinung, sondern ich gehe davon aus, dass die Produkte, die uns zur Verfügung stellen, auch sehr individuell in der Dosierung angewendet werden können. Nehmen Sie nur das Gynokadin, ein ganz einfaches Beispiel. Sie können das das Gynokadin mit zwei Hüben applizieren am Abend, immer auf die innere Ellbeuge. Sie können nur einen halben Hub nehmen, Sie können einen Hub nehmen, Sie können drei Hübe nehmen. Also Sie können die Dosis extrem gut dosieren und Sie können evaluieren anhand von Serumuntersuchungen, ob die Dosis stimmt.
Beim Progesteron ist es ähnlich. Das Progesteron haben wir in einer Dosierung von 50 mg, 100 mg, 200 mg, 400 mg, 600 mg. Also da ist viel Luft nach oben, nicht? Sie können das Progesteron oral einnehmen, Sie können es intravaginal einnehmen. Sie haben also völlig unterschiedliche Applikationsformen. Sie können das Östradiol transdermal, wie Sie es gesagt haben, nehmen. Sie können es um den Cholesterinspiegel z.B. zu senken, oral einnehmen. Es gibt auch die intravaginale Applikation beim Östradiol, nicht? Und beim Östriol. Also da hat man, man hat genug Möglichkeiten, es zu individualisieren und ich würde das für ausreichend halten.
Es kommt natürlich die Metabolisierungsdiagnostik auf uns zu. Das heißt, wie wird das Östradiol metabolisiert in das 2-, in das 4-, in das 16-Hydroxyöstron, nicht? Und da könnte es dann sein, dass es sinnvoll ist, dass man die Hormonersatztherapie ganz individuell vornimmt. Möglicherweise gibt es dort eine neue Ära und einen neuen Markt für eine wirklich nur magistrale Applikation. Beim Testosteron ist es wahrscheinlich so, dass eher magistral nur appliziert wird, nämlich das Testosteron. Da muss man sehr vorsichtig vorgehen, weil sonst die Frau natürlich Androgenisierungserscheinungen hat. Es gibt kein fertiges Testosteronpräparat für Frauen, nur für Männer. Und deswegen wird man wahrscheinlich hier in sehr vorsichtiger Weise das Testosteron zusammen mit dem Östriol für die transdermale Applikation im Scheidenbereich verwenden. Und das ist tatsächlich momentan nur magistral da möglich. Also auch da gibt es ein Feld, das man verwenden soll. Aber großer Modus gesehen, kommt man mit dem von der Kasse zur Verfügung gestellten Präparat in den meisten Fällen aus. Ja.
Das heißt, Sie nutzen sozusagen viele Applikationswege, den klassisch oralen Weg, den transdermalen Weg über die Haut, intravaginal hatten Sie schon erwähnt. Wie ist da die Compliance der Patientinnen? Wollen die primär etwas schlucken oder haben Sie einfach die Erfahrung gemacht, dass die transdermale Applikation auch sehr gerne angenommen wird? Und wie sieht auch mit der intravaginalen Applikation aus, ist ja noch mal ein sensibleres Thema aus? Nutzen Sie tatsächlich alle drei Wege ganz individuell oder ist dann doch häufig eher die orale?
Da muss man sich nach der Patientin richten, nicht? Die hat ihre Prägungen und ihre Vorlieben und die muss man akzeptieren. Wenn natürlich der Vaginalbereich besonders betroffen ist, einerseits durch die Inkontinenz, nicht, hier hilft auch das intravaginale Progesteron interessanterweise, aber auch durch die Trockenheit und durch die Inkontinenz, hier ist das Östriol ein lokales gutes Präparat, dann entscheiden sich die Frauen schon eher für die lokale Applikation. Wenn es natürlich für die generelle Hormonersatztherapie geht, dann bevorzugen die meisten entweder transdermal, ich habe eher den Eindruck, dass das vor der oralen steht, aber auch natürlich die orale Applikation. Manche Frauen sagen, ich möchte es schlucken und möchte es nicht unbedingt auf der Haut mit mir rumtragen.
Welche zeitlichen Empfehlungen sind denn bei der Einnahme oder bei der Applikation von bioidentischen Hormonen zu berücksichtigen? Tageszeiten, Chronobiologie sozusagen und auch im Hinblick auf Kombination mit, ich sage mal, Lebensmitteln bzw. auch mit den Essenszeiten?
Na ja, eher am Abend. Nicht, das Östrogen verbessert den Schlaf, hat einen großen positiven Einfluss auf Durchschlafstörungen und deswegen ist es sinnvoll, dass man das Progesteron am Abend nimmt und nicht in der Früh. Das Östriol, Entschuldigung. Beim Progesteron ist es ähnlich. Das Progesteron beruhigt auch. Das Progesteron soll eher am Abend eingenommen werden. Wenn Sie das DHEA z.B. verwenden, nicht in der Früh, dann muss man wissen, dass gleichzeitig der Konsum von Alkohol nicht sinnvoll ist, denn durch den Alkohol wird das DHEA aromatisiert und das ist in vielen Fällen nicht das Sinnvolle. Also Alkohol ist einer der Hauptfaktoren, auf den man berücksichtigen muss und den man auch meiden soll, wenn man mit einer Hormonersatztherapie beginnt.
Komplett meiden oder würden Sie sagen, ein Minimum von zweimal wöchentlich ein Glas Wein, 150 ml für Frauen beispielsweise, wäre noch tolerabel?
Also, man soll hier nicht dogmatisch vorgehen, da haben Sie schon recht, nicht? Aber wenn die Patientin Probleme hat mit dem Körpergewicht, ja, dann gilt der Satz: Hier ist selbst der kleinste Tropfen nicht mehr edel. Okay.
Ja, ganz wichtig, welche Risiken und möglichen Nebenwirkungen gibt es denn bei bioidentischen Hormonen oder würden Sie sagen, die sind nahezu ausgeschlossen, wenn sie richtig dosiert werden?
Also, wir haben die WHI-Studie, den Rogen-Ohle-Hormon und da hat man gesehen, dass das Östrogen nicht nur das antidiabetische prophylaktische Mittel ist, sondern dass es nur eine Kolumne in Rot gibt, die schlechter geworden ist und zwar das waren die thrombolischen Gerinnungsfaktoren. Also hier muss man das Feld evaluieren, hier muss man vorsichtig sein, denn die Frau hat ein stärkeres Gerinnungssystem per se. Sie hat eine stärkere Blutkoagulation. Das muss so sein, damit sie nicht verblutet, nicht in der Schwangerschaft und nicht bei der Menstruation. Und deswegen ist die Tendenz zur Blutgerinnung bei der Frau wesentlich stärker als beim Mann und das muss man berücksichtigen.
Gibt es denn bekannte Wechselwirkungen von bioidentischen Hormonen mit anderen Hormonen, gerade Stichwort Schilddrüsenhormone, die ja von vielen eingenommen werden, oder auch mit anderen häufig eingenommenen Arzneimitteln?
Ja, nicht im negativen Bereich, nicht. Denn das ist, das Östradiol ist ja ein Hormon des eigenen Körpers. Und bei diesem Beispiel zu bleiben, und wenn man nicht Angst haben muss, dass die Eierstockaktivität durch ein anderes Hormon gestört wird, was ja nicht der Fall ist, weil die Evolution das so ausgeklügelt hat, oder wenn man Angst hat, dass durch ein Medikament das Eierstock äh irritiert wird, dann muss man natürlich auch bei diesem Medikament vorsichtig sein. Aber ansonsten handelt es sich ja im körpereigene Stoffe und wenn der Körper als solches sie toleriert, dann toleriert er sie auch mit dem Schilddrüsenhormon oder mit dem Insulin.
Wenden Sie dann einen zeitlichen Abstand bezüglich Einnahme oder Applikation an? Empfehlen Sie z.B. Schilddrüsenhormongabe und Östrogen?
Die Schilddrüsen müssen sowieso in der Früh gegeben werden, nicht gleich nach dem Aufstehen. Und die Eierstockshormone, also das Östradiol und das Progesteron eher am Abend. Also hier ist schon eine chronobiologische Differenz vorhanden. Ja, ja, ja.
Welche bioidentischen Hormone können denn auch Männer einsetzen, präventiv im Well-Aging oder auch therapeutisch?
Na ja, das ist eine wichtige Frage. Nur bitte ich um Verständnis, dass mein Fach das der Geburtshilfe und Gynäkologie ist. Meine Patienten sind die Frauen und deswegen überlasse ich das gerne dem Urologen, den urologischen Kollegen. Ganz genau.
Lassen Sie uns noch mal zu dem Konzept der Hormonkosmetik, dass Sie ja auch maßgeblich mitbegründet haben, äh noch einmal darauf zu sprechen kommen. Was können wir uns unter Hormonkosmetik vorstellen? Welche Hormone sind in kosmetischen Produkten verarbeitbar, anwendbar? Sind diese zu rezeptieren wie alle Hormone, die man auch oral oder auch transdermal beispielsweise einnimmt? Und geht von diesen hormonkosmetischen Produkten gegebenenfalls eine Gefahr aus? Also benötigen wir auch hier eine saubere Diagnostik im Vorfeld oder würden Sie sagen, na ja, was man dann direkt kosmetisch appliziert und aufträgt, hat keine systemischen Auswirkungen?
Nein, nein, das wird auch resorbiert und das muss genauso mit den gleichen Sicherheitskartellen begleitet werden wie eine systemische Hormonersatztherapie für menopausale Beschwerden. Das Östradiol verbessert die Hautqualität, das weiß man nicht nur intravaginal, sondern auch im Gesicht. Das Progesteron hemmt die Matrix-Metalloproteinasen, also diese kleinen Scheren, die unser Kollagen zerstören. Und Männer haben bekanntlich ja kaum eine Cellulite oder weniger eine Cellulite und das ist ein der Gründe, warum die männlichen Hormone für die Bindegewebsschwäche und auch bei Auftreten der Cellulite interessant sind.
Das Thema Well-Aging und Healthy Longevity scheint ja das Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte zu werden, wenn wir allen äh Trendforschern, Marktforschern zuhören. Eine prophetische Frage zum Abschluss an Sie: Was denken Sie, wo stehen wir gerade in diesem Kontext in 5 bis 10 Jahren, gerade im Hinblick auf das Thema bioidentische Hormone?
Na ja, die die bioidenten Hormone oder die Hormone als solche, sind sicher ein großer, ein großes Werkzeug, ein Tool, nicht, um hier also auch die Altersprävention voranzutreiben. Aber die die wirklichen Durchbrüche werden wahrscheinlich von der Epigenetik kommen und von der RNA-Biologie. Beide werden Supermedizin möglich machen und beide werden wahrscheinlich dafür verantwortlich sein, dass in 10 Jahren die Szene der Medizin völlig anders sein wird.
Ja, Herr Professor Huber, ich danke Ihnen ganz herzlich für unser Gespräch und wünsche Ihnen natürlich für all Ihre weiteren Vorhaben alles erdenklich Gute.
Danke noch einmal für die Einladung und auch Ihnen alles Gute. Danke sehr.
[Musik]