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Ein Atomkrieg würde die Geschichte für immer spalten: in alles, was vorher war, und die Nachkriegsapokalypse. Im schlimmsten Fall verschlingen Feuermassen alles im Umkreis von 10.000 Quadratkilometern und töten in wenigen Stunden Hunderte Millionen Menschen. Und das ist nicht alles: Ein Atomkrieg könnte einen nuklearen Winter auslösen, der Milliarden Menschen auslöschen könnte, vielleicht sogar unsere ganze Zivilisation.
Wie würde das aussehen? Feuer verursacht Winter. Detoniert eine Atomwaffe, erzeugt sie eine Gasblase, die so heiß ist, dass alles im Umkreis von einigen Kilometern sofort Feuer fängt. Diese Terrorblase dehnt sich rasch aus, füllt den Himmel über dem Ziel aus und löst eine verheerende Schockwelle aus, die für einen Großteil der unmittelbaren Zerstörung verantwortlich ist. Im Grunde wird alles vernichtet und in Brand gesetzt. Im schlimmsten Fall entsteht ein Sturm, der alles und alle auf dem Erdboden verschlingt.
Direkt nach der Explosion steigt ein riesiger Atompilz auf, wie ein Dämon, der über seinem kranken Berg thront. Aber in den nächsten Stunden entsteht eine noch viel tödlichere Wolke: Die Feuer, die Städte, Wälder und Felder verbrennen, erhitzen so viel Luft, dass ein eigenes Mikroklima und Windsystem entsteht. Heiße Luft und Rauch steigen auf und ziehen Luft aus der Umgebung an. Der frische Sauerstoff facht die Flammen noch mehr an. Es entstehen Aufff-Winde und eine kolossale Pyro-Kumulonimbuswolke, die Ruß und Aerosole von den Flammen hoch in die Stratosphäre bringt.
Normalerweise wird der Ruß, der von einem großen Feuer aufsteigt, durch Regen ausgewaschen. Aber eine Pyro-Kumulonimbuswolke kann Höhen weit über den Regenwolken erreichen. Einmal über der Tropopause gibt es nichts mehr, das den Ruß aus der Atmosphäre waschen könnte, wodurch er jahrelang oben bleiben kann. Geschieht das über einer Stadt, ist das schrecklich, wäre aber lokal begrenzt.
Aber in einem ausgewachsenen Atomkrieg könnten die Kriegsnationen nach der kalten Logik der sicheren gegenseitigen Auslöschung Hunderte oder Tausende Atomwaffen einsetzen. Das würde Hunderte Feuerstürme verursachen und bis zu 150 Millionen Tonnen Ruß in die Stratosphäre jagen. Ein Würfel so groß wie ein Wolkenkratzer. Dort oben bedeckt der Ruß über die nächsten Tage und Wochen die ganze Erde. Sonnenlicht wird absorbiert und kann die Erdoberfläche nicht mehr erreichen. Das ist keine Science-Fiction, in denen der Himmel schwarz wird und die Sonne verschwindet. Wenn nur ein kleines bisschen weniger Sonne auf die Erde fällt, wird es Winter. Und jetzt kommt plötzlich sehr viel weniger Sonne durch. Gestern war die Welt noch normal, heute beginnt der nukleare Winter.
Winter verursacht Hunger. Wie schlimm ein nuklearer Winter wäre, wird immer noch aktiv erforscht. Alles dreht sich um eine Sache: Wie viel wird verbrennen? Wie viele Feuerstürme löst die Hitze der Explosionen aus? Das hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von den Materialien, aus denen eine Stadt besteht, der Jahreszeit oder ob es in der Nähe einen Wald gibt. Also denk daran, wir arbeiten hier mit einigen Annahmen.
Die gute Nachricht ist, dass ein nuklearer Winter nicht dauerhaft und keine neue Eiszeit ist. Die Klimaauswirkungen dauern nur, solange der Ruß in der Atmosphäre verbleibt. Nach etwa einem Jahrzehnt lichtet er sich und die Temperaturen normalisieren sich.
Die schlechte Nachricht ist, dass das in wenigen Wochen einen fast sofortigen Klimawandel verursacht, schneller als sich irgendein Lebewesen anpassen kann. In diesem Klima ändern sich die Jahreszeiten: Der Winter wird länger, der Sommer kürzer und kühler, oder er verschwindet. Dadurch verdunstet weniger Wasser über den Ozeanen, was weniger Regen und vielleicht große Dürren bedeutet. Das ist schlecht, weil unser Essen Sonnenlicht frisst. Ohne richtigen Sommer und genug Regen werden Wachstumsperioden kürzer oder verschwinden ganz.
Der Großteil der Menschheit lebt in den mittleren Breiten, Landstreifen mit idealen Temperaturen für unsere Art. Es ist weder zu heiß noch zu kalt, und die Pflanzen, die wir essen, wachsen hier am besten. Der größte Teil unserer Nahrung stammt von wenigen, hocheffizienten Kulturpflanzen, hauptsächlich produziert in wenigen, landwirtschaftlich sehr produktiven Regionen wie den Great Plains in den USA oder der Ukraine. Von diesen Brot- und Reiskörben aus werden sie über den ganzen Globus gehandelt und exportiert.
Im schlimmsten Fall eines umfassenden Atomkriegs fallen die Temperaturen in den mittleren Breiten vermutlich für mehrere Jahre unter den Gefrierpunkt. Hier kann jetzt nichts mehr wachsen, und der Brotkorb der Welt wäre platt leer. Bricht die Nahrungsmittelproduktion ein, erhöhen die Produzenten vermutlich die Preise oder verkaufen gar nichts mehr an andere Länder, falls sie ihre Felder überhaupt noch bestellen können. Wie viele Menschen auf der Erde leben können, ist leicht zu berechnen: Man nimmt alle Kalorien, die man produzieren kann, und teilt sie durch den Bedarf, mit dem ein durchschnittlicher Mensch überlebt. Gibt es mehr Menschen als Kalorien, war's das bald. Wir haben nur Vorräte für ein paar Wochen, nicht genug, um diese drastische Reduktion der Produktion zu überleben.
Aber es ist nicht nur das Klima. Die moderne industrialisierte Landwirtschaft ist sehr komplex und hängt von funktionierenden Versorgungsketten ab, die unvorstellbare Mengen an industriell hergestellten Düngemitteln und Chemikalien gegen Unkraut und Ungeziefer liefern. Riesige, spezialisierte Maschinen pflügen, säen, ernten und verteilen. Nach einem Atomkrieg, vor allem wenn die produzierenden Länder Teil des nuklearen Schlagabtauschs waren, gibt es vielleicht einfach keine Treibstoffe, Dünger oder Ersatzteile mehr, weil es keine Ölraffinerien, Häfen oder andere wichtige Infrastruktur mehr gibt, was der globalen Nahrungsmittelproduktion weiter schadet.
Schauen wir uns an, was die Wissenschaft zu den Kriegen sagt, die wirklich passieren könnten. Ein echter Atomkrieg. Heute gibt es hauptsächlich zwei Konflikte, an die die Wissenschaft bei der Berechnung eines nuklearen Winters denkt: ein Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan oder den USA und Russland.
Den wahrscheinlichsten, eher kleinen nuklearen Schlagabtausch mit relativ schwachen Waffen könnte es zwischen Indien und Pakistan geben. Aber selbst in diesem eher kleinen Atomkrieg würden etwa 27 Millionen Menschen direkt sterben, was schrecklich genug ist. Das sind mehr als im gesamten Ersten Weltkrieg. Die Feuer würden keinen nuklearen Winter verursachen, sondern eher einen milden nuklearen Herbst. Aber selbst das würde das Klima und die globale Nahrungsmittelproduktion so sehr stören, dass weltweit bis zu 250 Millionen Menschen verhungern würden. Leider befinden sich Indien und Pakistan in einem Wettrüsten und haben die Zahl und Sprengkraft der Atomsprengköpfe in ihrem Waffenarsenal erhöht.
Die nächste Eskalationsstufe wäre ein Krieg mit hunderten Atomwaffen, bei dem Bomben und Feuer viele große Bevölkerungszentren zerstören und über 100 Millionen Menschen töten würden. So ein Krieg würde einen nuklearen Winter verursachen, der die globale Landwirtschaft stark genug beschädigen würde, um die verfügbaren Kalorien zu halbieren. Bis zu 2 Milliarden Menschen würden verhungern, einer von vier heute lebenden Menschen.
Der Worst Case wäre ein Weltkrieg zwischen NATO-Staaten und Russland oder China, das ebenfalls dabei ist, sein Kernwaffenarsenal auszubauen. In einem Krieg zwischen einer früheren, zukünftigen und aktuellen Supermacht könnten Tausende Atomwaffen detonieren. In einem Szenario mit rund 4400 Atomwaffen würden 360 Millionen Menschen sofort sterben. Es gibt nichts, mit dem wir Tod und Zerstörung dieser Größe vergleichen könnten. Es ist, als würden wir einen Asteroiden auf uns selbst werfen.
Der nukleare Winter nach so einem apokalyptischen Krieg würde unsere Kalorienproduktion um bis zu 90% reduzieren. Es wäre nicht nur die Landwirtschaft direkt tot, sondern es würde auch mindestens ein Jahrzehnt dauern, bis sich das Klima erholt, denn so ein Krieg würde genau die Regionen treffen, die den Großteil der Nahrungsmittel produzieren. Die Erholung wäre sehr viel schwieriger als bei anderen Konflikten. Innerhalb von zwei Jahren könnten weltweit bis zu 5 Milliarden Menschen verhungern. In Ländern der mittleren Breiten wie Russland, China, Kanada, den USA und einem Großteil Europas könnten nur ein paar Prozent überleben.
Die Menschheit wäre nie wieder dieselbe. Wirklich sicher wäre es nirgends, aber einige Länder auf der südlichen Erdhalbkugel könnten vielleicht besser wegkommen und fortbestehen, während der Rest der Welt zusammenbricht. Alle Staaten mit Atomwaffen liegen auf der nördlichen Erdhalbkugel. Länder wie Australien, Neuseeland oder Argentinien könnten aus verschiedenen Gründen vielleicht besser dran sein. Ihr nuklearer Winter wäre milder, und der große Viehbestand wäre weniger anfällig als Getreide. Sie würden wohl keine Nahrungsmittel mehr exportieren, um ihre eigene Bevölkerung am Leben zu erhalten, solange andere hungernde Länder sie nicht überfallen.
Sicher ist, dass die Welt für lange Zeit extrem ungemütlich wäre. Keiner weiß, wie viele Menschen am Ende eines nuklearen Winters tot wären. Im schlimmsten Fall würde der menschliche Zusammenbruch und alle Überlebenden tausende Jahre zurückgeworfen würden, langsam versuchen, eine Welt voller Narben und Gräber wieder aufzubauen. Wenn sie irgendwann wieder eine Zivilisation aufgebaut haben, würden sie dann wohl jemals wieder Atomwaffen bauen?
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