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[Musik] Indien, die größte Demokratie der Welt, voll weiblicher Energie. Frauen sind auf dem Weg nach oben, aber unter der Oberfläche lauert Gewalt.
Sie haben mich gezwungen, meine Brüste gedrückt, mich angefasst und mich gequält. Ich wollte mich umbringen. Ein Mann will eine Frau dominieren und das geht am einfachsten, wenn er ihre Sexualität kontrolliert. Sexuelle Gewalt ist für viele indische Frauen eine Alltagserfahrung. Vor allem Gruppenvergewaltigungen sorgen für Schlagzeahlen. Nach der offiziellen Kriminalitätsstatistik werden mindestens 85 Vergewaltigung pro Tag gemeldet. Alle 15 Minuten ein Fall. Aber die meisten Frauen schweigen aus Angst vor dem Patriarchat. Manchmal will ich einfach nur gegen die Wand schlagen, weil ich so wütend bin.
Wie gehen Indiens Frauen mit dieser Realität um? Wir treffen zwei Frauen, die beschlossen haben, sich zu wehren.
[Musik] Unsere Reise beginnt im Norden Indiens in Lako, der Hauptstadt von Utpradesch, Indiens bevölkerungsreistem Bundestaat. Die Region macht immer wieder Schlagzahlen wegen sexueller Gewalt, wegen Femiziden und der gezielten Tötung von weiblichen Säuglingen. Hier treffen wir Uschaw.
2006 hat jemand versucht mich zu vergewaltigen. Es war jemand den ich kannte, ein Freund, ein Kollege. Viele glauben, wenn Frauen gebildet und finanziell unabhängig sind, passiert ihnen so etwas nicht. Aber mir ist es passiert. Obwohl ich einen guten Job hatte und im Bildungsbereich gearbeitet habe. Die versuchte Vergewaltigung hat Uscha Leben verändert. Sie hat bis heute nicht geheiratet, um selbst zu entscheiden und Selbstverteidigung zu lehren.
Neun ze Okay, so bekommt ihr eure Balance. Die Mädchen haben Vergewaltigungen überlebt. Anu ist inzwischen Selbsttrainerin. Kommt schon, lauter. Seid laut, seid stolz.
Für Uscha beginnt Selbstschutz mit der richtigen Einstellung. Wenn wir den Mädchen Selbstverteidigung beibringen, geht es nicht nur darum, was sie mit ihren Händen und Füßen machen sollen. Das Wichtigste passiert im Kopf.
Die Laked Brigade hat einen vollen Tag vor sich. Uschagündet. Ihre roten T-Shirts fallen sofort auf. In Uschas Heimatstadt dominieren noch immer die Männer den öffentlichen Raum.
In der indischen Kultur müssen Männer ihre Tränen runterschlucken. Frauen müssen das nicht, aber wir Männer sollen stark sein, nicht weinen und Verantwortung übernehmen. Nach unserer Tradition müssen Frauen ein bisschen kontrolliert werden. Manche Männer sind eben kleingeistig. [Gelächter] Es herrscht heute auch viel Verwirrung in Indien. Heute heiraten Frauen, um dann ihre Männer zu töten. So sieht's aus. Frauen steigen immer mehr auf und wir Männer werden zurückgedrängt. Was kann man da noch sagen?
Wir sind rund 30 km außerhalb von Lakno. Die Red Brigade ist eingeladen, an einer öffentlichen Schule Selbstverteidigung zu unterrichten. Ihr müsst ziehen, aber eine Hand freilassen. Buser versucht die Mädchen aus ihrer Komfortzone zu locken und einen jungen Mann zu schlagen. Ohne Dipack, der den Angreifer spielt, würde die Lektion nicht wirken. Er kassiert immer wieder Schläge von Uscha. Es tut wirklich weh, aber wenn wir das nicht so real wie möglich zeigen, verstehen die Mädchen nicht, dass die Methode wirklich funktioniert.
Uscher hält das Training bewusst locker. Für die Schülerinnen ist es ungewohnt, sich öffentlich zu äußern und zurückzuschlagen. Die 18-jährige Ratschni traut sich. Zuerst schlagen wir in sein Unterleib, dann hart auf die Brust und danach zerkratzen wir sein Gesicht. So können wir schützen. [Applaus] Die Technik, die wir gezeigt haben, ist nur ein kleiner Teil. Das Wichtigste ist, dass man bereit ist, Entscheidungen zu treffen.
Bevor es zurück in die Stadt geht, macht das Team Halt in einem nah gelegenen Dorf. Die meisten Menschen in Indien leben noch in Dörfern. Frauen bleiben traditionell zu Hause. Ihr Alltag ist gefüllt mit Hausarbeit und Kindererziehung. Uscha geht von Tür zu Tür und spricht die Frauen direkt an.
Wenn du rausgehst, hast du Angst oder wovor genau hast du denn Angst? Ich hoffe immer, dass uns niemand ärgert und dass uns körperlich nichts Schlimmes passiert. Und wenn doch etwas passiert, können wir es niemandem sagen.
Ein wenig später gesellen sich einige Dorffrauen zu Uscha für ein Gespräch außerhalb der eigenen vier Wände. Die Frauen reden über EV Teasing, Frauen ärgern. Das ist der gängige indische Euphemismus für sexuelle Aggression. Frauen ärgern, selbst wenn es um Vergewaltigung geht.
Wenn Frauen keine Angst vor Männern haben, sind sie sicher. Aber wenn sie Angst zeigen, dann werden sie von den Männern geärgert. Wenn Männer um uns herum sind, müssen wir Frauenmutiger sein. Wenn wir nichts falsches tun, wird uns auch niemand ärgern. Klar ärgern sie uns, wenn wir uns falsch verhalten. In Lakno wurde ein fünfjähriges Mädchen vergewaltigt. Ich meine doch keine Kinder. Hör mir zu, sie war ein kleines Kind. Du sagst, wenn ein Mädchen nichts falsches tut, passiert ihr auch nichts. Und jetzt erklär mir mal, warum ein fünfjähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Was hat sie getan?
Anschließend fragen wir Uscha, mit welchen Gedanken sie jetzt zurück nach Lakno fährt. Natürlich hängt die Sicherheit der Frauen vor allem von der Geisteshaltung der Männer ab, aber patriarchales Denken ist nicht auf ein Geschlecht beschränkt. Es geht hier wirklich um eine allgemeine Einstellung.
[Musik] Wir reisen weiter nach Mumbai in die Stadt der Träume. Indiens glitzernder Riese. Hier prägt Bollywood, wie die Gesellschaft denkt. An einem drückend heißen Sonntagnachmittag begleiten wir Jacqueln Lucas alias J. Queen zu einer Freestyle Raprunde in einen Park. Wir begegnen einer fast rein männlichen Welt.
[Musik] Obwohl Jaceln in der Rapszene der Stadt längst ein bekannter Name ist, muss sie beim Seifer um ihren Platz kämpfen.
Viele ihrer Songs klingen wütend der Anfang als Solokünstlerin war hart bis ich Jay Queen mit anderen Rapperinnen zusammenschloss. Fünf aufstrebende indische Musikerinnen. Ihre Band heißt Wild Wild Women. Ihr bekanntester Song trägt denselben Namen. Der Song erzählt die Geschichten von fünf starken Frauen. Wir alle wurden betrogen. Uns allen wurde gesagt, dass wir es nicht schaffen würden.
[Musik] Aber wir gehen unseren eigenen Weg. Wir überwinden Grenzen. Wir sind die Zukunft und niemand kann uns aufhalten.
Auf der Bühne wild zu Hause ganz anders. Jacqueln liebt es Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen, mit ihrer Heldin. Zu Hause tankt sie Kraft und nichts geht über Mamas gutes Essen. Meine Mutter war immer hier zu Hause. Sie hat für uns ihre Träume aufgegeben. Sie wollte Polizistin werden, aber sie konnte nicht. Wir waren klein und sie musste sich um uns kümmern. Ich hätte nie gedacht, dass meine Tochter einmal so weit kommt. Sie ist so mutig, eine echte Kämpferin.
Gewalt gegen Frauen passiert, weil man hier nie gelernt hat, Frauen wirklich zu respektieren. Früher war das Leben von Frauen auf die Küche beschränkt. Sie durften kein Geld verdienen, nicht einmal rausgehen. Damals gab es auch keine Handys, aber heute gibt es Smartphones, Laptops, das Internet. Heute können Frauen so vieles lernen. Doch der Druck auf Frauen bleibt. Die Gesellschaft erwartet, dass sie bescheiden und brav sind und heiraten. Für meine Verwandten und Freunde ist meine Karriere kaum nachzuvollziehen. Sie sagen zu meinen Eltern: "Was macht eure Tochter da?" Sie läuft da draußen herum, trägt bauchfreie Tops, zeigt ihren Ausschnitt mit dickem Lippenstift und Make-up. Warum lasst ihr das zu? Habt ihr eure Tochter so erzogen? Sie sollte meinen Sohn treffen, der ist Ingenieur.
Für ihre Auftritte fährt Jaceln kreuz und quer durch die Stadt. Oft allein, oft nachts, oft mit dem Zug. Hier sind Frauen auf keiner Straße wirklich sicher. Die die Verantwortung tragen, unternehmen fast nichts gegen die Täter. Hier wird meistens das Opfer verschützt, nicht der Verbrecher. 2024 fand eine bekannte indische Wahlbeobachtungsstelle heraus, dass über 150 Abgeordnete wegen Gewalt gegen Frauen angeklagt waren, 16 von ihnen wegen Vergewaltigung. Gewählt wurden sie trotzdem. Weite Teile der Bevölkerung setzen auf starke Männer, die Entwicklung und Wohlstand versprechen. Parlament und Justiz sind noch immer Männerdomänen.
Kurz nach Mitternacht die Stimmung im Club kocht. Zu viele indische Männer sind immer noch zu langsam oder zu unwillig, Frauen als Gleichberechtigte zu respektieren. Aber Frauen wie Uscha und Jacqueln wollen nicht länger warten und wehren sich auf ihre Art.
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