📱

Get Our Mobile App

Take your business learning on the go!

Download on the App StoreGet it on Google Play

Finaldebatte Altersgruppe 1, Jugend debattiert Bundesfinale 2024

Jugend debattiert24:42

Transcription

[Applaus] Hätte die deutsche Frauennationalmannschaft 2022 bei der EM in Großbritannien den ersten Platz belegt, so wären jetzt alle Nationalspielerinnen 60.000 € reicher. Das ist doch erstmal eine gigantische Summe, könnte man sagen. Doch das ist nicht richtig, jedenfalls nicht, wenn man sich die Prämien der Männer anschaut. Denn jeder Nationalspieler bekommt nach einer, wenn er gewinnt, ganze 400.000 €.

Die Frage, die wir uns heute in der Debatte stellen, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Soll der DFB gleiche Prämien für die Nationalmannschaften der Männer und Frauen ausschütten? Es ist eigentlich ein Trauerspiel, dass wir diese Debattenfrage erst jetzt besprechen, denn in anderen Ländern wurde das schon viel früher getan. Norwegen, Finnland, Spanien, Schweiz und England – bereits fünf Länder haben das Prinzip des Equal Pays in ihrer eigenen Fußball, in ihrem eigenen Fußballverband durchgeführt. Deswegen hängt der DFB dort sehr stark nach. Trotzdem möchten wir uns an diesen Maßnahmen orientieren und sagen deshalb, dass der DFB bis 2029 in Zusammenarbeit mit den Sponsoren die Erfolgsprämien der Frauen aufstocken soll, sodass sie den gleichen Wert haben wie die Erfolgsprämien der Männer.

Wir sind uns bewusst, dass der DFB sehr knapp bei Kasse ist. Deswegen möchten wir auch Quersubventionierungen von den Männern zu den Frauen ermöglichen, sodass dann, wenn die Männer z.B. gewinnen, Teile der Erfolgsprämien zu den Frauen wandern, aber auch Werbeeinnahmen zu den Frauen kommen können. Man muss sich dann natürlich die Frage stellen, das ist eine sehr große finanzielle Aufgabe. So, da muss man sich aber auch klar machen, dass der Frauenfußball gerade einen großen Aufschwung erlebt bei den Zuschauerzahlen und auch bei den Einnahmen. Und deswegen denke ich, ist die Finanzierung abgedeckt. Und vor allem der Punkt der Gerechtigkeit ist mir sehr wichtig und deswegen spreche ich mich für eine gleiche Finanzierung der Erfolgsprämien von Frauen und Männern aus.

In der heutigen Debatte stellen wir uns die Frage: Soll der DFB an die Nationalteams der Männer und der Frauen Erfolgsprämien in gleicher Höhe ausschütten? Du hattest angesprochen, dass ihr Erfolgsprämien darüber finanzieren wollt, dass eben Sponsoren mehr Gelder abgeben. Ich möchte jedoch zunächst einmal darauf eingehen, dass die Männer 20-mal mehr Geld in den DFB mit reinbringen über die Turniere als die Frauen. Und deswegen finde ich, ist es ein ganz normales wirtschaftliches Prinzip und Phänomen, dass deshalb auch die Männer mehr gezahlt bekommen. Außerdem möchte ich darauf eingehen, dass der DFB, wie du schon angesprochen hast, rote Zahlen zu verzeichnen hat. Besonders der Frauenfußball ist im Moment einfach ein Verlustgeschäft. Und da frage ich mich, wie wollt ihr bei so einem Verlustgeschäft weitere Sponsoren anlocken? Wie genau soll das aussehen? Ich stelle hierbei ganz klar in Frage, ob ihr das finanziert bekommt.

Außerdem möchte ich darauf eingehen, wie ihr und wo ihr und wer es festschreibt, wo soll es festgeschrieben werden und wer soll es regeln, wie verbindlich ist das alles? Außerdem möchte ich sagen, dass ich in eurer Maßnahme das Problem nicht gelöst sehe. Denn wie wir an dem Beispiel der USA sehen, kriegen die Frauen dort sogar noch mehr gezahlt als die Männer. Und das ist ein positives Beispiel. Und wenn wir uns fragen, warum das dort so aussieht, dann ist die Antwort ganz klar: Sie haben die Struktur angepasst, sie haben das mediale Interesse genutzt, die Professionalität ausgebaut und die Trainingsstrukturen verbessert, sodass es ganz von selbst und selbstverständlich kommt, dass die Frauen dort also auch mehr verdienen. Genau diesen Punkt führt auch unter anderem die Leiterin und Vertreterin der Frauen für Deutschland in dem UEFA-Rat an. Und ich finde, das ist das, was wir in dieser Debatte uns fragen sollen. Ich finde, dass wir nicht den letzten Schritt zuerst nehmen sollten, sondern dass wir strukturiert Schritt für Schritt vorgehen sollen. Und ich finde, wenn wir so diese Maßnahme umsetzen, können wir über einen viel sichereren Weg diese Maßnahme umsetzen und dadurch das Ziel erreichen. Und deshalb spreche ich mich zu Beginn der Debatte ganz klar gegen eure Maßnahme aus.

Frauenfußball, Frauenfußball, Frauenfußball. Diese Begriffe hört man in der gesellschaftlichen Debatte sehr, sehr oft. Doch warum eigentlich? Frauenfußball ist der Frauenfußball nicht genauso Fußball wie der Männerfußball? Nein, denn der Frauenfußball ist von erheblichen Defiziten bei der Auszahlung der Erfolgsprämien betroffen. Dieses Problem, genannt Gender Pay Gap bei Erfolgsprämien, wollen wir mit unserer Maßnahme lösen.

Lieber Leonard, du hattest nun einige Fragen zu unserer Maßnahme gestellt, die ich gerne beantworten möchte. Zunächst hattest du gefragt, wer legt das fest und wo wird das festgeschrieben? Als oberstes Gremium des DFB soll der DFB-Bundestag die entsprechende Maßnahme in die Satzung des DFBs festschreiben und dort dann auch durchführen. Darüber hinaus hattest du angezweifelt, dass die Männer und die Frauen genau gleich viel erhalten sollten, weil ja die Männer mehr Geld einbringen für den DFB. Jetzt muss man sich die Frage stellen, warum ist das denn überhaupt so? Und das liegt daran, dass man in dieser gesamten gesellschaftlichen Debatte oft alte Strukturen hat. Die Sponsoren richten sich nicht nach konkreten Zahlen, nach konkreten Zuschauerzahlen, sondern sie haben immer noch das alte Denken: Es ist der Frauenfußball, also gehen wir weniger Geld ein. Ein sehr schönes Beispiel davon hat der FIFA-Präsident Gianni Infantino genannt, indem er nämlich die Erfolgsquote der Frauen dargestellt hat und gesagt hat, die sind 5% niedriger als bei den Männern, aber die Sponsoren geben uns 100% weniger in ihrem Angebot. Und genau dieses Problem wollen wir eben lösen.

Darüber hinaus denken wir, dass die Erfolgsprämien ein erster Schritt sein werden. Es ist ein Dominostein, der dann die gesamte Kette in dem gesamten System des DFBs ins Rollen bringen wird und dann nach und nach Schritt für Schritt immer weiter sich verbessern wird. Und aufgrund auch, neben dem Aspekt, den Aspekt der Gerechtigkeit vor allem zu betrachten, spreche ich mich am Anfang der Debatte für den Vorschlag und die Maßnahme aus.

Soll der DFB an die Nationalteams der Männer und der Frauen Erfolgsprämien in gleicher Höhe ausschütten? Das soll heute unsere Debattenfrage sein. Und die Pro-Seite hat vorgeschlagen, bis zur nächsten Frauen-EM 2029 die Erfolgsprämien der Frauen aufzustocken. Als das Problem, das ihr damit im Kern bekämpfen wollt, ist der Gender Pay Gap. Dazu würde ich gern anmerken, dass der Gender Pay Gap im Fußball nicht durch die Erfolgsprämien kommt, die bei EM und WM ausgezahlt werden. Da sind die Gehaltsunterschiede tatsächlich noch vergleichsweise gering. Die tatsächlichen Gehaltsunterschiede finden wir in der Bundesliga, wo die Frauenmannschaften weniger als 0,5% des Gehaltes der Männer verdienen. Und das ist im Durchschnitt. Das bedeutet also, es gibt Spielerinnen, die professionell in der Bundesliga für Deutschland antreten, für ihren Verein antreten und trotzdem so wenig verdienen, dass sie nebenbei Vollzeit arbeiten gehen müssen. Da sehe ich noch nicht, wie eure Maßnahme dem entgegenwirken soll.

Außerdem haben wir bis jetzt sehr viel thematisiert, was der DFB tun muss, um Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. An dieser Stelle würde ich einmal nachhaken, warum ihr die Verantwortung nicht viel eher bei der UEFA seht. Denn letztendlich ist es die UEFA, die die Gelder verteilt. Der DFB ist es nur, der sie an die Mannschaften ausstellt. Außerdem sind es nicht nur die Erfolgsprämien, die für eine Ungerechtigkeit im Profisport sorgen. Wir sehen das schon bei den Startbedingungen. Bei der letzten, bei den letzten EMs stellte die UEFA 600.000 € als Startgeld an jede Frauenmannschaft aus und mehr als 9 Millionen an jede Männermannschaft. Das zeigt doch schon ganz klar, dass wir von vornherein keine gerechten Bedingungen geschaffen haben.

Frauen sind im deutschen Fußball strukturell benachteiligt. Da kann ich euch zustimmen. Allerdings beginnt diese strukturelle Benachteiligung nicht etwa bei der Auszahlung der Erfolgsprämien, sondern schon viel eher, nämlich bei den Bedingungen, unter denen trainiert wird, die im Frauenfußball eben noch immer deutlich schlechter sind. Und genau, weil ich der Meinung bin, dass eure Maßnahmen an den tatsächlichen strukturellen Problemen, die wir in Deutschland haben, nichts ändern, spreche ich mich am Anfang der Debatte dagegen aus.

Du, Leonard, und auch du, Matilda, ihr habt beide das Argument der Finanzierbarkeit eingebracht und auch die Rolle der Sponsoren mit in eure Einleitungsreden einbezogen. Dazu möchte ich antworten und konkrete Zahlen des Sport Consultancy Rates anbringen. Der schätzt nämlich ein, dass der Marktanteil des Frauenfußballs sich verdreifachen wird in den nächsten Jahren. Und deswegen gehen wir davon aus, dass allein durch die Sponsorenverträge mit dem DFB die Finanzierbarkeit in Zukunft gegeben sein wird und haben ja sogar noch als Absicherung die Querfinanzierung durch die Männer.

Ja, ich möchte jetzt einmal auf diese Querfinanzierung eingehen. Denn grundsätzlich sehe ich das Problem in dieser Debatte, dass ihr am falschen Ende ansetzt. Warum setzt ihr am falschen Ende an? Weil ihr querfinanzieren wollt, unter anderem. Denn das führt doch zu einer weiteren Abhängigkeit des Frauenfußballs vom Männerfußball. Es ist ein Schritt nach hinten, ein Schritt in die falsche Richtung. Der Frauenfußball sollte alleine stehen, der Frauenfußball sollte sich selber finanzieren. Und das geht doch viel besser, wenn wir die Strukturen verbessern und dadurch mehr Einnahmen für die Frauen generiert werden, die dann genutzt werden können.

Du, Leonard, sagst jetzt, dass man sich eher auf strukturelle Probleme fokussieren sollte. Das sehe ich ähnlich. Jedoch muss man fragen, wo kann ich denn anfangen und was hat die größte Symbolkraft in diesem Fall? Und das ist ganz klar, wenn ich oben anfange, beim DFB. Der DFB hat nämlich eine enorme Rolle. Er ist der größte Verbund von Fußball weltweit. Das heißt, der DFB kann etwas erreichen. Und auch auf die Frage mit der UEFA: Warum macht die UEFA nichts? Man muss die UEFA dazu bringen, etwas zu machen. Und das kann der DFB nur erreichen, wenn er diese gleichen Prämien ausschüttet und wenn er klarstellt, dass es ihm um die Gleichberechtigung geht und darum geht, auch wirklich die Leistung und Qualität der Frauen anzuerkennen.

Du, Max, hast jetzt gerade angesprochen, dass eure Maßnahme ein symbolhafter Schritt sein soll, der auch andere Institutionen dazu anregen soll, Geschlechtergerechtigkeit im Sport zu fördern. Aber genau diese Symbolhaftigkeit ist etwas, das mir persönlich Sorgen bereitet. Denn bei eurer Maßnahme habe ich Bedenken, dass sie möglicherweise nicht über ihre plakative Wirkung hinausgehen könnte. Ich sehe bei eurer Maßnahme nach wie vor das Potenzial, dass der DFB sich Geschlechtergerechtigkeit in Form von Erfolgsprämien anstecken könnte, ohne aber tatsächlich den strukturellen Problemen weiter auf den Grund zu gehen. Also da finde ich wichtig, dass wir das direkt zu Beginn der Debatte klären, wie eben unsere Maßnahme über die reine Symbolkraft hinausgeht. Nämlich denken wir, dass wenn wir viel Geld in den Frauenfußball stecken, nichts anderes tun, als eine Goldgräberstimmung zu erschaffen. Nämlich muss man sich ja fragen, was denkt der Sponsor, wenn plötzlich der DFB dazu bereit ist, Hunderttausende Euros in Spielerinnen zu stecken, die vorher nur Sponsorenverträge von geringen Geldmengen bekommen haben. Und dann möchte ich mal direkt auf deinen Punkt der Bundesliga-Spielerinnen eingehen. Man muss ja fragen, warum bekommen die weniger Geld? Das liegt, wie gesagt, an diesen Sponsorenverträgen, die bei Frauen bisher ziemlich schlecht sind. Und wir denken, dass wir mit unserer Maßnahme diese Sponsorenverträge für die Frauen besser machen können.

Ja, ich finde, das ist aber ein ganz kritischer Punkt, den du jetzt ansprichst. Denn da dreht sich sehr viel um wahrscheinlich und vielleicht und möglicherweise um Studien, die jetzt vielleicht noch nicht im eigentlichen Sinne die Zahlen belegen. Denn es ist ganz sicher, dass wenn wir in die Infrastruktur investieren, beispielsweise bessere Sendezeiten für die Frauen nehmen wir das als Beispiel, dann würde das doch dazu führen, dass mehr Geld in den Frauenfußball fließt. Und dann würden wir ganz automatisch, ganz sicherlich mehr Prämien für die Frauen und auch mehr Bezahlung für die Frauen kriegen. Es sieht bei euch jetzt noch so aus, als ob ihr alle vier Jahre an die eh schon gut bezahlte Fußball-Elite der Frauen eine mögliche ja Gleichberechtigung schaffen wollt, die aber nicht über eine symbolpolitische Maßnahme hinausragt.

Du zweifelst jetzt wirklich die Durchschlagskraft unserer Maßnahme an. Ich glaube, es ist ganz wichtig zu sagen, dass das der erste Schritt ist. Es ist nicht nur ein symbolischer Akt, sondern es ist ein ganz offenes Zeichen dafür, dass man sagt, die Gleichberechtigung ist wichtig. Darüber hinaus sagtest du auch, man gibt den Spielerinnen dann der Elite nur 0 €? Man muss das immer in Relation sehen mit den Zahlen der Männer. Die Männer bekommen 400.000 €. Warum ist das so, wie Simon auch mehrfach gesagt hat, an den Sponsoren. Wenn wir dort anfangen, dann wird sich in dem gesamten deutschen Fußball, im Frauenfußball etwas verändern. Und es ist wirklich ein Schritt hin zu mehr Innovation und Fortschritt.

Diesen Dominoeffekt, den du jetzt zum zweiten Mal ansprichst, also dass eure Maßnahme dafür sorgen wird, dass sich die deutsche Fußballwelt revolutioniert, aus meiner Sicht ist das eine Spekulation und wird das auch bleiben. Denn wir können nicht mit Sicherheit wissen, ob eure Maßnahme tatsächlich genug Inspiration schaffen wird, um diese Entwicklung nach sich zu ziehen. Ich bin der Meinung, dass Geld nicht alles ist und nur weil ihr Frauen mehr bezahlt, heißt das nicht, dass ihre Anerkennung in der Gesellschaft dadurch steigt.

Also, ihr habt jetzt beide angesprochen, dass wir spekulieren, dass wir sagen, wir gehen davon aus, dass z.B. der Frauensport attraktiver wird für Sponsoren. So, das ist aber nicht nur eine Spekulation oder eine Prognose. Das sieht man auch schon an Zahlen der Vergangenheit. Zum Beispiel ist der Marktanteil allein im Jahr 2021 des Frauenfußballs um 146% gestiegen. Andere Zahlen sind z.B., dass die Live-Übertragung des EM-Finales in Großbritannien eine Zuschaueranzahl von 17,4 Millionen Menschen erreicht hat. Und dadurch war diese Übertragung das meistgesehene Fernsehspektakel in Großbritannien des Jahres. Und das sind einfach Zahlen, die Sponsoren auf jeden Fall dazu anregen werden, mehr in diesen Sport zu investieren und dadurch zur Finanzierbarkeit unserer Maßnahme beitragen. Aber warum sollten wir uns jetzt konkret von diesen Sponsoren abhängig machen?

Du hattest jetzt den Marktanteil, oder angesprochen und da möchte ich darauf eingehen, dass es ja das Publikum grundsätzlich gibt. Es gibt die Leute, die Frauenfußball sehen wollen. Das hatten die Zahlen, die du angesprochen hast, gezeigt. Aber warum sollten wir dann nicht das mediale Interesse und die Sendezeiten anpassen, dass eben das Geld reinfließt? Das mediale Interesse wird sich selbstständig noch zusätzlich vergrößern durch diesen ersten Schritt, weil dieser Schritt symbolisiert die Notwendigkeit endlich zu handeln und wird grundlegende falsche Strukturen, die du ansprichst, verändern. Und ich glaube, es ist auch ganz wichtig zu nennen, dass aktuell sogar Frauenspiele eine höhere Popularität genießen als die Spiele der Männer. So wurde das Spiel zwischen den Männern, zwischen Costa Rica und Deutschland, von 17,4 Millionen Zuschauern verfolgt. Und das EM-Finalspiel zwischen den deutschen Frauen und der Nationalmannschaft von England von 17,8 Millionen. Das heißt, es ist ganz klar so, wir haben ein Interesse, aber die Sponsoren wollen nicht handeln. Und dann muss man sie zum Handeln zwingen.

Ja, die Einschaltquoten des Frauenfußballs entwickeln sich positiv. Aber auch hier muss ich wieder anmerken, dass sich dadurch noch lange nicht das gesellschaftliche Bild von Frauenfußball verbessert hat. Das sehen wir ja schon daran, dass wir immer noch von Frauenfußball und Fußball sprechen. Die Soziologin Nina Degele sagte darüber: An dieser Formulierung sieht man schon, was die Norm ist und was die Abweichung. Und ich denke, dass wir genau dem viel eher entgegenwirken müssen. Auch ihr habt eben mediale Repräsentation angesprochen und auch darauf möchte ich eingehen. Denn was Repräsentation in den sozialen Medien angeht, hat der DFB aktuell einen großen Nachteil. Männer sind dort überrepräsentiert. Frauen werden entweder gar nicht vertreten oder nur in einem sexistischen und meiner Meinung nach vollkommen veralteten Bild dargestellt.

Ich finde es wichtig, dass du jetzt einen anderen Punkt ansprichst als die Finanzierbarkeit. Darüber haben wir uns ausgehend ja sehr ausführlich drüber besprochen. Nämlich muss man sich ja die Frage stellen, was ist gerecht? Gerechtigkeit ist ja ein wichtiges Schlagwort in dieser Fragestellung. Und genau, was du gerade angesprochen hast, immer historisch uns das anschauen: Wann ist der Frauenfußball populär geworden, auch kommerziell, und wann der Männerfußball? Der Männerfußball konnte schon 1870 anfangen, sich kommerziell auf dem Markt auszubreiten. Der Frauenfußball musste lange warten und konnte erst 1980 damit beginnen, sein Marktanteil zu vergrößern. So, warum ist das ganze so? Aufgrund, wie du gerade angesprochen hast, von gesellschaftlichen Diskriminierungsformen, die es gegen Frauenfußball gibt. So, das ist aber ja nicht fair. Das heißt, die ungleiche Bezahlung ist nichts anderes als ungerecht. Und diese Ungerechtigkeit möchten wir aufheben.

Ja, aber diese Ungerechtigkeit, die wird doch nicht durch eure Maßnahme aufgehoben. Ich gehe jetzt noch mal darauf ein: Der Frauenfußball ist noch ein jüngerer Sport und der Frauenfußball muss deswegen jetzt auf das gleiche Level gehoben werden wie der Männerfußball. Da dreht sich sehr viel um Geld. Aber ich sehe da ganz in unserer Verantwortung, dass wir die Strukturen anpassen müssen. Und das ist doch die wichtige Frage: Wo setzen wir an? Und das ist doch der zentrale Punkt. Genau. Und wie wir auch bereits zweimal gesagt haben, glauben wir, dass es eben diesen Effekt geben wird, dass es nicht nur sein wird, wir müssen bei den Strukturen anfangen, sondern es wird so sein, das wird sich automatisch durch eben diese gleiche Auszahlung der Erfolgsprämien verbessern. Das bedeutet, es ist sicher, dass die Sponsoren dann wissen: Okay, wir müssen jetzt mehr Geld bieten und es wird wirklich anerkannt und dann kann sich auch was verändern. Das führt dann dazu, dass auch die Öffentlichkeit ganz klar mehr in den Fokus rückt, weil sie die Aufmerksamkeit oder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema gelenkt wird. Das bedeutet, das heißt, wir haben eine viel stärkere Repräsentation der Gesellschaft dann auch noch und können dann dadurch auch noch mehr Fortschritt erzielen. Und es ist auch in gewisser Weise für den Bundes, für die Frauen-Bundesliga auch eine gewisse Ausgangslage, die sie dann immer schrittweise verbessern werden.

Maximilian, ich bin nach wie vor skeptisch, dass eure Maßnahme tatsächlich diese Wirkung nach sich ziehen wird. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, ist sie nicht absolut. Wir schlagen dagegen vor, die Ausgangsbedingungen zu verbessern und die Ausgangsbedingungen der Frauen eben denen der Männer anzugleichen. Dass das funktioniert, sehen wir an ganz realen Beispielen. Ihr habt es selber schon angesprochen und auch wir haben es genannt: Es gibt bereits Länder wie z.B. die USA, aber auch England, die ihre Nationalteams fast genau gleich bezahlen. Wenn wir uns genauer anschauen, wie der Fußball in diesen Ländern strukturiert ist, dann sehen wir auch da, dass die Ausgangsbedingungen deutlich ähnlicher sind als wie die, wie wir sie in Deutschland haben. Also Ausgangsbedingungen sind ja z.B., wie du es ansprichst, z.B. der Jugend-Mädchenfußball, z.B. Und wenn man sich dann aktuelle Zahlen anschaut, wie das sich gerade in Deutschland entwickelt, dann merken wir, für Mädchen ist es zum Teil zum Trend geworden, Fußball zu spielen. Nämlich hat sich im Vergleich zu 2021 und 2020, das Jahr dazwischen, die Anzahl der Mädchen, die Fußball spielen, zu dem Jahr 2023 um 12,5% gesteigert. Und das ist eine drastische Verbesserung, die es bei der Anzahl der Anzahl der Jungen z.B. nicht gab. Wo man sieht, dass es nicht nur an der grundsätzlichen Popularität des Fußballs liegt, sondern dass der Frauenfußball für junge Mädchen gerade schon attraktiver wird. Tatsächlich bleiben aber die Bezahlungen immer noch auf einem sehr, sehr, sehr geringen Niveau.

Ja, aber das liegt doch an einem ganz zentralen Punkt. Denn ja, die Zahlen sind positiv, aber es ist noch ein langer Weg, der zurückgelegt werden muss, bis wir auf einem gleichen Level angekommen sind. Und ihr wollt das bis 2029 durchsetzen. Ich stelle immer noch in Frage, ob ihr das bis dahin wirklich schafft. Das dauert zu lange. Das ist etwas, alle diese Studien, alle diese Vorteile, die ihr anführt, die werden sehr lange brauchen, bis sich das umstrukturiert hat, bis sich das umgesetzt hat. Und es ist eben wesentlich schneller, wenn wir das auf eine andere Art durchsetzen, die wesentlich effektiver ist und nicht so spekulativ wie eure Maßnahme.

Du bezweifelst jetzt gerade ein bisschen, warum wir erst so spät ansetzen wollen. Es hat den ganz einfachen Grund, dass die aktuellen Finanzpläne für die EM 2024 und 2025 schon festgelegt sind. Das heißt, die nächste EM der Frauen findet 2029 statt. Und bis dahin glauben wir, dass es eben zu diesen produktiven Gesprächen mit den Sponsoren kommen wird und dass es zu einer nachhaltigen Verbesserung im Frauenfußball kommen wird.

Wir haben uns in dieser Debatte mit einer wichtigen Frage beschäftigt, die insbesondere die Nationalspielerinnen betrifft, aber auch den gesamten deutschen Fußball. Nämlich die Frage, ob der DFB eine gleiche Erfolgsprämienzahlung für die Nationalmannschaften der Frauen und Männer ermöglichen sollte. Ich denke, wir waren uns grundsätzlich bei den Punkten einig, dass der Frauenfußball aktuell in Deutschland noch stark benachteiligt ist und dass wir diese Situation verbessern müssen. Nur unsere Ansätze, wie wir das tun wollen, sind unterschiedlich. Wir möchten mit der Erhöhung der Prämien ganz klar Sponsoren anregen und dadurch auch die Bezahlung im Rest des Frauenfußballs verbessern. Und außerdem sorgen ja Sponsoren auch für eine höhere Popularität, wie wir angedeutet haben, in England. Und genau deswegen halten wir diesen Punkt für besonders wichtig. Ihr denkt, wir sollen strukturelle Maßnahmen fördern. Wir denken, das ist ebenfalls wichtig, aber das Gehalt sollte gerecht sein. Und genau deswegen, das ist ein wichtiger Punkt, Gerechtigkeit, spreche ich mich für die Einführung von gleichen Erfolgsprämien bei Männer- und Frauen-Nationalmannschaften aus.

In der heutigen Debatte ging es nicht nur um Fußball, es ging um Gerechtigkeit, es ging um Fair Play und um Fair Pay. Es ging darum, dass wir die Maßnahmen aufeinander abstimmen und den Frauen- und Männerfußball anpassen. Die zentrale Frage und der zentrale Punkt in dieser Debatte ist für mich jedoch, ob eure Maßnahme das Problem löst. Denn darum ging es, und das sehe ich mit eurer Maßnahme definitiv nicht erfüllt. Wir sind uns einig, dass Frauenfußball wichtig ist, aber wir müssen nach einem realistischen Vorbild handeln. Wir müssen Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen und wir müssen dafür sorgen, dass Frauenfußball attraktiver wird. Das sind viele Punkte, die wir angehen müssen, und ich sehe eure Maßnahme am falschen Ende angesetzt. Und weil ich mich deswegen immer noch zum Ende der Debatte gegen eure Maßnahme ausspreche und finde, dass sie überhastet ist und nicht durchsetzbar ist, spreche ich mich auch zum Ende der Debatte gegen eure Maßnahme aus.

In der heutigen Fragestellung ging es nicht nur um den DFB, um die Nationalmannschaft, es ging um eine gesamte Gesellschaft, in der Frauen nach wie vor diskriminiert werden. Es geht uns um mehr Gerechtigkeit. Dies ist ein Beispiel für die fehlende gleiche Bezahlung in unserer deutschen Gesellschaft. Die Kontraseite war vor allem der Aspekt der Eignung bei unserer Maßnahme wichtig. Es war nicht ganz klar, sollen sie bei strukturellen Problemen anfangen oder werden diese strukturellen Probleme vielleicht gleich durch unsere Maßnahme gelöst? Zudem wurde auch die Attraktivität bezweifelt. Doch ich glaube, dass die Attraktivität des Frauenfußballs eben dadurch durch unsere Maßnahme sich steigern wird, denn die Sponsoren werden dazu gezwungen, jetzt endlich zu handeln und weg von den alten Rollenbildern zu kommen. Und aufgrund dieser genannten Gründe spreche ich mich am Ende dieser Debatte nach wie vor für unsere Maßnahme und für die gleichen Erfolgsprämien zwischen der Frauen- und Männernationalmannschaft aus.

Der deutsche Fußball hat ein Strukturproblem. Ich denke, in diesem Punkt sind wir uns in dieser Debatte einig geworden. Während die Pro-Seite allerdings einen Vorschlag vorgestellt hat, der unserer Meinung nach nicht mit absoluter Wahrscheinlichkeit zu einer Lösung dieses Problems beitragen kann, ähm sehe ich den nach wie vor skeptisch. Wir haben viel praktisch orientiertere Maßnahmen vorgeschlagen, wie z.B. eine Förderung der Nachwuchsspielerinnen oder eine direkte finanzielle Unterstützung der Bundesliga, nämlich dort, wo es wirklich auf die Gehälter ankommt. Equal Play statt Equal Pay. Das ist ein Leitspruch, der meine Haltung zu diesem Thema sehr gut widerspiegelt. Wenn wir wollen, dass Geschlechtergerechtigkeit in gesellschaftlichen Bereichen erzeugt wird, dann erreichen wir das nicht durch eine schlechte Anhebung der Gehälter, sondern vor allem dadurch, dass wir gleiche Ausgangsbedingungen schaffen und jedem, unabhängig seines Geschlechts, die Möglichkeit bieten, sein Ziel zu erreichen und damit auch eine gerechte Bezahlung zu fördern. Weil ich der Meinung bin, dass eure Maßnahme an dem Problem, dass wir in Deutschland im im Fußball mit Sexismus haben, nichts ändern kann, stehe ich auch am Ende der Debatte gegen gleiche Erfolgsprämien beim DFB. Ja, Glück.