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Das sollten wir gegen Fremdheit in der Gesellschaft tun

Deen Akademie26:21

Transcription

Der Prophet hat seine gesamte Kultur mit den Kisch geteilt. Das Land, die Sprache, Essen, Kleidung, Umgang, viele Sprichworte. Sogar man findet sie heute in der Sunda, bestimmte Ausdrücke, die ich manchmal schwer zu verstehen sind. Und dann schaut man nach: Ach, das war ein Sprichwort von damals. Das hat man so gesagt in der damaligen Kultur.

Und trotz allem, wohl er all dies mit Kisch geteilt hat, wurde er ihnen fremd. Fremd in seiner eigenen Heimat. Er und jeder, der ihm folgte, quasi über Nacht. Und diese Art, diese Art der Fremde, die erleben wir immer wieder. Wenn du heute einfach nur an Gott glaubst, ist das komisch für die Leute, oder? Was, du glaubst wirklich, dass es einen Gott gibt? Ja, früher haben die Menschen an Gott geglaubt. Da konnten die noch nicht erklären, wie die Blitze entstehen. Da braucht man so göttliche Erklärung. Ja, Gott irgendwo, der verursacht das alles. Damals, da, da war die Wissenschaft noch nicht so weit. Deswegen haben die Menschen an Gott geglaubt. Aber heute haben wir doch die Wissenschaft. Was brauchen wir noch einen Gott? Gott brauchst du doch nicht mehr für solche albernen Erklärung. Glaubst du wirklich an einen Gott? Gott war doch nur die Notlösung für damals.

Aber das hört ja da nicht auf. Wenn du an einen Gott glaubst und noch eine Religion praktizierst, ganz egal welche. Erst einmal, dass du eine Religion hast. Du glaubst, es gibt einen Gott, und er hat auch irgendeine Religion für die Menschen vorgesehen. Um Gottes, was wirklich Religion? Religion hat doch alle Kriege in der Geschichte der Menschheit verursacht. Zu reden. Ja, einige, alle Kriege. Ich muss mal lachen, wenn ich das höre. Aber so kommt das rüber. Religion ist das, das Schreckgespenst hier. Religion ist stellvertretend für Unrecht, ein Klotz am Bein des wissenschaftlichen Fortschritts. Nichts anderes ist Religion. Wir können doch alle froh sein, dass wir das hinter uns gelassen haben. Hast du wirklich eine Religion? Was stimmt denn mit dir nicht?

Und wenn heute noch jemand den Islam annimmt, wie reagiert das Umfeld? Islam, diese Wüstenaraber-Religion. Ausgerichtet, die guck doch mal in deren Länder. Nur Krieg und Terror kommt von den Muslimen. Das ist die Religion, die du dir ausgesucht hast. Was stimmt denn mit dir nicht? Ausgerechnet diese Religion. Es gibt auch so viele. Probier doch mal eine andere. Christentum, irgendwas Fernöstliches. Das ist alles gar kein Problem. Aber Islam, Islam ist der Untergang.

Und selbst in muslimischen Familien, manchmal Familien, die wenig praktizieren, die sich grob mit dem Islam identifizieren, aber eigentlich ein Leben leben, was wenig damit zu tun hat. Und dann fängt plötzlich der Sohn an zu beten, geht vielleicht sogar in die Moschee. Die Tochter fängt irgendwann an, Kopftuch zu tragen, vielleicht noch mal einen Tag zur Probe. Was stimmt denn mit den? Ich sei doch nicht so extrem. Islam, schön und gut, ja, aber so extrem? Warum so extrem?

Und so ähnlich ging es damals den Propheten und seinen Leuten. Das Umfeld sagte plötzlich: Was, seit Jahrhunderten beten wir Götzen an und ihr habt ein Problem damit? Jetzt wollt ihr uns sagen, dass es so die absolute Katastrophe ist? Uns geht's doch gut. Was wollt ihr denn? Ja, wir haben doch Allah war und die Kaaba, aber noch ein paar Götzen dazu. Das ist wichtig für die anderen Stämme. Das soll jetzt so falsch sein? Muslime sind damals über Nacht zu Aliens geworden in dem Moment, wo sie diese Religion angenommen haben.

Und was macht man dann, wenn man zum Alien wird, wenn man fremd wird? Man sucht einen Ort, wo sich nicht so fremd anfühlt, um einmal zu verschnaufen. Und damals gab es auch so einen Ort. Damals in Mekka, ein Haus groß genug für vielleicht 40 Personen, nicht weit von der Kaaba, so direkt hinter dem Hügel Saffa. Ein Haus, das jemandem gehörte, der zu den frühesten zählte, die den Islam angenommen haben. Einige sagen sogar zu den ersten zehn, also einer der ganz frühen Konvertiten. Und das Haus war unscheinbar, groß durchaus, also ein Haus für 40 Personen. Das war damals schon etwas, aber durch die Lage nicht auffällig. Die Kaaba war ja Downtown Mekka, da sind viele hingegangen. Ganz Mekka hat sich in der Nähe der Kaaba getroffen. Es fiel nicht auf, wenn die ersten Muslime sich dort getroffen haben, auch wenn das zu dem Zeitpunkt vielleicht 20 oder 30 waren. Wir sind im Jahre 3 oder 4 nach Beginn der Offenbarung. Dieses Haus, das gehörte einem Mann namens Al-Arqam. Und nach ihm wurde es auch dann benannt: Darul-Arqam, das Haus von Al-Arqam. Das war der Ort, wo die Muslime sich in dieser Zeit getroffen haben. Darul-Arqam, das war unter anderem ein Ort, wo der Prophet die Muslime unterrichtet hat. Und das war wichtig in der damaligen Zeit, vor allem, weil das für die Leute damals eine neue Religion war. Es war etwas ganz anderes als das, was sie bisher kennengelernt haben. Der Islam hatte ja, hatte ja nicht die Kultur geprägt. Ja, es gab die Kaaba und die Hadsch, die Pilgerfahrt, das, das kannte man schon, aber der Islam war doch anders und er war nicht in der Kultur verbreitet.

Ich habe in Marokko gelebt. Da hat man die Basics des Islams schon mitbekommen, wenn man dort gelebt hat. Fünfmal am Tag hat man den Gebetsruf gehört. Im Ramadan waren tagsüber alle Restaurants geschlossen und in der Schule hat jeder etwas vom Koran gelernt. Man musste einfach nur dort leben und man, man hatte schon so einen Eindruck vom Islam, selbst wenn man gar kein Muslim war. Man hat es irgendwie so mitbekommen, ohne Mühe, ohne etwas großartig zu tun, hat die Fundamente des Islams einfach so beiläufig mitgenommen. Damals war das nicht so. Damals bekam man die Religion nicht einfach so beigebracht im Zuge des Lebens innerhalb der Gesellschaft. Wo haben also die Muslime ihre Religion gelernt? Das war dieser Ort, Darul-Arqam. Wer den Islam angenommen hatte, der hatte einen Ort, wo er die Basics beigebracht bekommen.

Darul-Arqam, das ist auch einer der Dinge, die die Muslime unbedingt im Westen benötigen, wenn sie diese Religion bewahren wollen. Letzten Sonntag haben einige bei mir den Islam angenommen. Hatte so eine kleine Fragerunde und ich frag dann ab und zu mal: Wer möchte den Islam annehmen? Also, wer ist wirklich bereit, nicht wir hat noch Fragen zu klären, sondern wer möchte den Islam annehmen? Der kann mir die Nummer schicken und ich ruf dann gerne an. Und das haben einige auch dann wahrgenommen letzten Sonntag und auch den Sonntag davor. Das waren Leute von überall, irgendwo in Deutschland, eine Schwester sogar aus Österreich. Und das ist schön, wenn sie den Islam annehmen. Man freut sich darüber. Also, ich bedanke mich immer bei den Leuten, weil ich das als einen schönen Moment erlebe. Sie kommen eigentlich zu mir. Danke schön, dass du angerufen hast. Aber ich sag immer: Ich muss mich bedanken. Für mich ist das einfach ein schöner Augenblick. Aber das ist ja nur der erste Schritt. Sie haben jetzt den Islam angenommen in einer fremden Kultur. Wer bringt ihnen die Basics bei? Wo schickt man sie hin? Wo gehen sie hin? Das Gebet, die Waschung, aber nicht nur die Rituale. Was bedeutet es überhaupt, Muslim zu sein? Nicht nur Koran lesen, auch verstehen und praktizieren. Was prägt den Charakter eines Muslims überhaupt? Wie lebt man als Muslim innerhalb der deutschen Gesellschaft? Wie beteiligt man sich daran etc. etc. Viele Fragen, die zu klären sind, die auftauchen. Und da braucht man einen solchen Ort.

Leute fragen mich manchmal: Wie war das damals, als du Muslim geworden bist? 1995. Und ich sag immer: Die schönste Sache war, dass es kein Internet gab. Und dazu stehe ich auch. Man denkt: Ohne Internet, wie habt ihr denn ohne Internet was über den Islam gelernt? Heute kann man ja alles googeln. Ja, das ist richtig. Aber zum einen bin ich mir nicht so sicher, ob man wirklich so viel auf diese Art und Weise über den Islam lernt. Und das ist die eine Sache. Die andere Sache ist die, dass man damals automatisch in einer Community eingebunden war. Es gab keine Alternative. Man hat auch danach gesucht. Man kam gar nicht auf die Idee, dass die wichtigsten Fragen über das Internet zu klären, weil es eben kein Internet gab. Wenn einem etwas auf dem Herzen lag, musste man den Weg in die Moschee gehen. Eine Alternative gab es nicht. Und mir hat das damals unglaublich geholfen. Ich, ich bin froh, dass es damals keine Internet-Frage gab, denn sonst wäre ich vielleicht auch auf die Idee gekommen, dort meine Fragen zu stellen. Aber ich habe sie dem Imam bei uns in der Moschee immer gestellt. Und er kannte mich. Er wusste, wen er vor sich hat. Er wusste, ich bin gestern konvertiert. Er kannte meine persönliche Situation. Er kannte auch mich. Ich war ja in der Community, ich war ja da, in der Gemeinschaft eingebunden. Und deswegen hat er mir manchmal Fragen auf eine bestimmte Art und Weise beantwortet, wie er das vielleicht nicht bei jedem getan hätte. Und das ist das, was heute so unglaublich fehlt. Man braucht irgendwie einen, einen Ort, wo man in einer Gemeinde eingebunden ist. Das Internet ist nicht im mindesten ein Ersatz dafür. Das war damals Darul-Arqam, einer der Dinge überhaupt. Ohne, ohne die die Religion verloren ist in einer Gesellschaft, die fremd ist. Damit meine ich gar nicht die Kultur. Von der Kultur her bin ich so deutsch wie jeder andere auch. Wir sind Teil dieser Gesellschaft hier und wir sollten uns auch als ein Teil dieser Gesellschaft verstehen. Ich halte nichts davon, Parallelgesellschaften zu gründen, sich abzukapseln, mit den Menschen nichts zu tun haben zu wollen, überhaupt nicht. Der Muslim ist ein Teil dieser Gesellschaft. Und damals waren auch die Muslime ein Teil ihrer Gesellschaft, so feindlich wie Mekka auch war. Aber wenn sie damals ein Teil der Gesellschaft war, wie dann erst heute in einer Gesellschaft wie der deutschen? Aber die Gesellschaft bringt uns nichts über die Religion bei. Daher braucht es einen Ort, wo man die Religion lernt. Und am besten face-to-face.

Ich würde sogar sagen, in einer fremden Gesellschaft ist das Gegenteil der Fall. Die Gesellschaft zieht dich eigentlich in eine ganz andere Richtung von der Religion weg. Und das war nicht unbedingt absichtlich oder bewusst. Wenn damals in Mekka jemand den Islam angenommen hätte und es gäbe kein Darul-Arqam, was wäre mit ihm passiert? Wo wäre er gelandet? Wie hätte er an dieser Religion festgehalten oder diese Religion gelernt? Und das war nicht nur so wegen der Verfolgung, die es damals gab. Das meine ich gar nicht. Die Gesellschaft an sich übt schon einen gewissen Druck aus, selbst dann, wenn die Leute dich nicht mit dem Schwert bedrohen. Der Mensch mag es nicht, anders zu sein und er vermeidet das ganz automatisch. Der Mensch liebt es nicht, aus der Menge so herauszustechen, auf eine Art und Weise, dass die Leute angucken und fragen: So, was ist denn mit dem? Warum kleiden wir uns so, wie wir uns kleiden? Das ist die aktuelle Mode. Danach richten sich die meisten Menschen. Warum trage ich das hier? Das ist hier üblich. Hemd, Sakko, das ist hier als schick angesehen. Wenn ich irgendwo anders aufgewachsen wäre, vielleicht auch in einer anderen Zeit, dann würde ich was ganz anderes tragen. Einfach nur, weil es die Mode ist. Ob mir das persönlich gefällt oder nicht, das ist noch mal eine andere Sache. Aber der Mensch mag es nicht, einfach so herauszustechen. Warum tragen wir diese Frisuren? Ich kann mich noch erinnern, vor 30 Jahren war was ganz anderes in. Da gab es Fohawk, das kennt heute kein Mensch mehr. Vorne kurz und hinten ganz lang. Wenn man mal so alte Filme sieht, wenn ich, wenn ich mir manchmal so alte Fotos von meinem Vater anschaue, wie er so Ende der 60er, Anfang der 70er rumlief. Ich habe ihn mal gefragt, ob er kein Geld für einen Friseur hatte. Und das war damals einfach die Mode. Die sind alle so rumgelaufen. Meine Söhne reden heutzutage, wie ich verstehe die, man gar nicht. Was heißt "nice" oder "snap"? Das ist safe. Ich kenne die englischen Begriffe. Ja, ich weiß, was die Übersetzung bedeutet, aber ich habe das noch nie im Alltag so verwendet. Also, 30 Jahre meines Lebens habe ich noch nie gehört, dass jemand gesagt hat: Boah, das aber nice. Ich weiß, was "nice" bedeutet. Nice, was ist das? Oder "snap". Ich weiß bis heute nicht genau, wie man es verwendet. Snap, kein Schimmer. Meine Söhne wissen das, aber meine Söhne haben das drauf. Manchmal brauche ich heute wirklich einen Übersetzer, wenn die mit mir reden. Warum habe ich mit 15 mal kurzzeitig angefangen zu rauchen? Es war nicht so, weil mir das geschmeckt hat oder so. Es war widerlich vom ersten Tag, aber ich war einfach unter Leuten, wo das alle gemacht haben. Und so fängt das an. Das war kein staatlicher Druck. Der Staat interessiert sich ja nicht für die Mode, die du trägst, deine Frisur oder ob du "nice" und "snap" sagst. Ist nicht vorgegeben, aber die Gesellschaft macht das und Menschen geben dem nach.

Das ist im Übrigen auch unter Muslimen so. Also, es geht nicht nur um eine fremde Kultur. Es gibt sowas auch unter Muslimen. Du gerätst in gewisse Kreise, eine gewisse Gruppe, eine Gemeinschaft und da sind bestimmte Meinungen vorgegeben. Ist Halal oder nicht erlaubt? Oh weh, du hast die falsche Meinung. Da kann aber schon ein Drama ausbrechen. Kleidung, die du trägst, Farben, die eine Frau tragen darf, Prim. Das sind Fragen, die sind alle geklärt. Und je nachdem, welche Meinung du vertrittst, bist du dann ein Außerirdischer oder nicht. Gelehrte, die du hörst. Es müssen ganz bestimmte Gelehrte sein. Gelehrte, die du überhaupt nicht hören darfst, auf keinen Fall. Bücher, die du unbedingt gelesen haben musst. Und Feiern, Prediger, die du hören darfst und nicht hören darfst. Das ist alles unter Muslimen. Und man gibt dem einfach nach, weil man weiß, wenn ich ein anderes Buch lese oder wenn ich dieses Buch nicht bejuble, dann ist das komisch. Die Menschen geben dem nach. Und selbst in der Sprache passen wir uns ja an. Ich finde das mal seltsam, wenn ich einen Konvertiten höre, der der sagt: Jani, warum sagt ein Deutscher "Jani"? Das ist ein arabisches Füllwort. Die Araber sagen es, okay. Aber was macht ein Deutscher damit? Man passt sich irgendwie so an. Ja, du bist fasziniert vom Koran, aber kannst sie noch nicht auf Arabisch lesen? Dann habe ich was für dich: Die Kursk-Methode. Klick dazu jetzt auf den Link. Es sind Mechanismen, die greifen überall auf der Welt. Und unter Muslimen passt man sich dann eben an. Man liest nur die Bücher, die gerade erlaubt sind und nicht die verbotenen Bücher. Okay, aber damals konnte man das nicht. Zur Zeit des Propheten, man konnte sich nicht einfach an die Gesellschaft anpassen.

Was macht man nun, wenn man nicht fremd sein will, kein Alien, nicht mehr jemand, der schräg angeschaut wird? Da ist man zu diesem Ort gegangen, Darul-Arqam. Und auch deswegen ist es wichtig, dass man einen solchen Ort hat, wo Muslime zusammenkommen. Das kann, muss aber nicht unbedingt immer eine Moschee sein. Jugendgruppen, find ich z.B. schön. Ich habe mal eine kennengelernt in Berlin, einfach so spontan besucht, auf einem Spieleabend. Die haben ein Spiel gespielt, ich kannte das gar nicht, hab es zum ersten Mal gesehen. Werwolf hieß das. Saßen alle im Kreis und von den 20 Leuten waren dann zwei Werwölfe und die anderen waren Dorfbewohner. Und wenn die Nacht reingebrochen ist, haben alle die Augen zugemacht und dann sind die Werwölfe rumgegangen und haben sich Dorfbewohner geschnappt. Und am nächsten Tag musste man raten, wer der Werwolf ist. Ich kannte es nicht, aber es war, es war einfach so ein chilliger Abend unter Muslimen. Das ist dieselben Spiele, die wir früher gespielt haben. Jetzt nicht Werwolf, wir haben was anderes gemacht, aber sowas finde ich schön. Allgemeine Spieleabende. Ich war immer schockiert, wenn ich gesehen habe, wie, wie fremd unter Muslimen manchmal Gesellschaftsspiele sind. Es sind Gesellschaftsspiele, Spiele, die man in Gesellschaft spielt. Und das ist schön, wenn da durch Muslime zusammenkommen. Allgemeine Freizeitvergnügen. Was gibt es da nicht alles? Bowling, Trampolinpark haben wir in Hannover, Lasertech und was es nicht alles gibt. Einfach Unterhaltung, Entertainment in der Freizeit, wo Muslime zusammenkommen. Das, was muss, was Muslime anzieht, allen voran die Jugendlichen heute, damit sie sich nicht wie Aliens fühlen. Wenn man 30, 40 ist, ist das so ein bisschen anders, aber in dieser Zeit, 14, 15, 16, das ist ein Drama, wenn man da anders ist als alle anderen. Einer meiner Söhne sagte mal, der war auf einem auf einem Wochenendseminar, was unter Muslimen stattfand, also das war unter einem unter einem bestimmten Motto und da wurden bestimmte Themen behandelt und man hat sich da einfach so zusammeng getroffen in einem Jugend der Berge für zwei Nächte. Und er kam zurück und war begeistert, aber nicht nur über die Inhalte, die dort vermittelt wurden. Es ging nicht mal nur um das Wissen. Er sagte: Ich fand das schön, einfach unter Leuten zu sein, wo es selbstverständlich ist, dass jemand "Mashallah" und "Inshallah" sagt. Nur das banal, oder so banal, aber dann ist es doch nicht so banal. Das, was ihm daran gefallen hat, war, dass man nicht der Alien war. Das war die Sache. Ich würde mir wünschen, dass da mehr gemacht wird. Angebote für Jugendliche, mit dem, was Jugendliche begeistert. Das ist nicht immer der Koranunterricht in der Moschee, womit ich das nicht kritisiere, will ich ja alles erhalten, aber etwas darüber hinaus. Religion wird nicht nur durch die Weitergabe von Informationen vermittelt. Ist die eine Sache, zu wissen, dass man "Mashallah" und "Inshallah" sagt, aber es ist was ganz anderes, wenn man das sieht und in einer Gesellschaft ist, wo selbstverständlich ist. Umzusetzen ist immer noch ein Thema für sich. Und manchmal reicht es einfach nur, wenn man in einer Umgebung sich aufhält, wo das automatisch passiert.

Darul-Arqam war nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung. Die Religion war auch gar nicht so kompliziert am Anfang. Koran waren nur wenige Seiten und die meisten Rituale, die gab es damals noch gar nicht. Da, wo wir ein Ort, wo die Muslime sich damals nicht als Aliens gefühlt haben. Und das ist wichtig für einen Muslim in einer fremden Gesellschaft, selbst manchmal in einer fremden Familie, unabhängig davon, ob es eine muslimische Familie ist oder nicht. Heute werde ich manchmal gefragt: LGBT ist überall, Schule, Medien, man kann sich kaum dem entziehen. Was können wir tun, um unsere Kinder zu bewahren? Müssen wir nicht auswandern? Nein, du musst nicht auswandern. Aber so oder so, mit und ohne LGBT, brauchen wir Orte, wo der Muslim, der in gewissen Punkten einfach anders steckt und Moralvorstellungen gehören dazu, Orte, wo ein Muslim nicht mehr der Alien ist. Das ist etwas, was wir benötigen, sonst läufst du Gefahr, deine Kinder zu verlieren. So oder so, mit und ohne LGBT. Die Gefahr war immer da, allein der deswegen, weil es der Mensch nicht mag, fremd zu sein.

Darul-Arqam war der Ort, wo den Islam angenommen hat. Von denen haben wir schon gehört. Und selbst an dem Tag, wo er losging, den Propheten zu töten, und dann als er bei seiner Schwester vorbeikam, seine Meinung änderte und dann ging er zum Darul-Arqam und er wurde da hingebracht, von auch einer der frühen Konvertiten. Er brachte ihn mit zum Darul-Arqam und als die Tür geöffnet wurde, war er erstmal schockiert. Wen hast du da mitgebracht? Ernsthaft, hast du den Verstand verloren? Aber Omar war anders. Darul-Arqam war wie wie eine Basis damals in der Gesellschaft von Mekka. Und die Muslime waren da kein unorganisierter Haufen. Es war nicht so, dass jeder einfach sein Ding gemacht hat. Jeder hat natürlich sein Ding gemacht, jeder hatte sein eigenes Leben, aber wenn man Muslim ist, dann gibt es nicht nur die privaten Angelegenheiten. Es gibt auch noch die Angelegenheiten der Muslime und die genauso jedem Muslim betreffen. Wo bespricht man das? Wo organisiert man etwas dafür? Für die Angelegenheiten der Muslime. Das war damals Darul-Arqam. Muslime waren, waren eine Einheit, die sich für die Interessen der Muslime eingesetzt hat.

Was denkt ihr, in der damaligen Situation, die schwer war für alle, wie viele Streitigkeiten haben die Muslime wohl untereinander in Darul-Arqam ausgetragen? Wahrscheinlich nicht so viele. Klar, in religiösen Dingen war der Prophet da, er hatte das letzte Wort, aber man konnte ja auch über Dinge streiten, die nicht unbedingt mit der Religion zusammenhängen. Es gibt viele Dinge, über die man streiten kann, aber wie viel hat es damals wohl davon gegeben? Die Muslime haben an einem Strang gezogen und das geschah hier in Darul-Arqam. Es wurde eine, eine Einheit geformt und zusammengeschweißt.

Und noch eine Lektion aus Darul-Arqam: Man muss nicht immer alles vor den Augen der Öffentlichkeit austragen. Heute ist ja anders. Heute, heute haben wir das Internet. Heute, wenn, wenn heute konvertieren würde, das gibt es live auf Instagram, live aus: Hey Leute, guck mal, wie cool ist das, mein Bro in der Haus. Wenn du Gutes machen willst, da musst es nicht immer in die Welt hinauspusten. Du musst gut abwägen. Wie oft drehen die Leute durch, wenn irgendwo eine Moschee gebaut wird? Entsetzlich. Wow. Wenn du Ärger vermeiden kannst, dann mach das ein bisschen leiser. Täte uns manchmal gut, wenn es geht. Die Botschaft des Islam selber, die tragen wir natürlich nach raus, klar. Und das tun wir auch, so wie sie ist. Das brauchen wir nicht verstecken. Und das kann auch gerne jeder sehen, Muslim oder Nichtmuslim. Selbst jede Behörde kann das gerne anschauen. Alles, was ich predige, ist öffentlich einsehbar. Da haben wir nichts zu verstecken. Ich habe null Probleme damit. Im Gegenteil, das werden wir sogar lieber, wenn sie das machen und dann nicht irgendwie Filme schieben. Was macht er im Geheimen? Aber wie oft habe ich erlebt, dass eine, eine schöne Sache von anderen zerstört wurde? Das müssten nicht mal unbedingt Gegner sein. Manchmal tun das Leute aus deinem Umfeld mit einer guten Absicht, weil sie, weil sie glauben, sie helfen dir damit. Vielleicht reden sie sich das nur ein. Manchmal packt auch die Leute der Neid, auch innerhalb der Familie, unter Freunden, wenn jemand das nicht unbedingt wissen muss. Da musst es nicht jedem sagen. Darul-Arqam war damals ein geheimer Ort. Und das war auch ein Geheimnis für den Erfolg. In Zeiten des Internets neigen wir dazu, alles publik zu machen, alles, was man erreicht hat und noch erreichen will. Aber das muss nicht sein. Lass die Dinge bei dir und erzähl es den Leuten, die es wissen müssen. Darul-Arqam war der eine Ort, wo die Muslime ihre Religion ungestört praktizieren konnte. Konnte Muslim sein. Aber es gab noch einen, einen zweiten, noch bevor die Muslime nach Medina kam. Ein Ort, wo die Religion des Islams auch nicht so fremd, zumindest war, auf jeden Fall nicht so wie in Mekka. Und ein Ort, wo ihnen zumindest kein Unrecht drohte. Was das für ein Ort war, das schauen wir uns beim nächsten Mal an.

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