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Wusstest du, dass deine Blutgefäße 100.000 Kilometer lang sind – genug, um sie zweimal um die Erde zu wickeln? Einer unser Lieblings-Fun-Facts, die wir in unserem Buch, der App und in einem Video verwenden und… warte… 100.000 Kilometer, das ist schon eine Ansage. Woher stammt die Zahl? Und wie wissen wir, dass sie stimmt? Willkommen zu einer epischen, seltsamen und verwirrenden RECHERCHE-REISE, die über ein Jahr dauerte. Wir lieben es uns so richtig in ein Thema reinzufuchsen und ganz viel Neues zu lernen! Deshalb möchten wir euch Masterschool vorstellen, bevor es hier mit unserem Aha-Erlebnis weitergeht.
Masterschool ist ein internationales Institut, das Intensivkurse zur beruflichen Weiterbildung mit Fokus auf die Techbranche anbietet – aber auch für Menschen auf Arbeitssuche mit Bildungsgutschein. Masterschool ist dabei immer auf dem neuesten Stand, was aktuelle Fähigkeiten angeht. Die neuesten Programme drehen sich zum Beispiel um Cybersecurity, Datenanalyse, Softwareentwicklung oder KI Online Marketing. Alle Kurse sind offiziell akkreditiert und zertifiziert und dauern zwischen 6 und 14 Monaten. Das Besondere ist, dass Masterschool ihre Absolventen nach der Schulung weiter begleiten und dich umfassend zu deiner zukünftigen Karriere beraten. Damit du gleich so richtig durchstarten kannst, gibt es für alle, die sich über unseren Link anmelden, ein kostenloses Macbook, das du nach Kursabschluss behalten darfst. Die nächste Kursrunde startet schon im Mai, also melde dich noch heute bei Masterschool an.
Und jetzt zurück zu unserem Rabbithole. Es begann ganz harmlos. Wir sammeln immer spannende Fakten, um unsere Stories noch bunter zu machen. Und dieser war einfach perfekt! Alle deine Blutgefäße, zweimal um die Welt! Kleine Sache, große Zahl: Wow! Doch eines Tages fragte jemand, woher diese Zahl überhaupt kommt. War das wirklich wichtig, denn sie musste ja stimmen. Wenn man googelt, findet man immer wieder die gleichen Zahlen: 100.000 Kilometer oder 60.000 Meilen. Man findet sie in Büchern, Blogs, Webseiten von Bildungseinrichtungen, Vorlesungsnotizen, Rezensionen, Fachbeiträgen und Artikeln. Auch wir haben sie schon mehrfach verwendet. Es kann also nicht schwer sein, die Quelle zu finden, oder? ODER?
Das erste, das uns auffiel, war, dass keine der vielen Webseiten, Bücher oder Artikel die Originalquelle angab. Die meisten gaben gar keine Quelle an, einige verlinkten nur aufeinander. Es schien, als wäre die Zahl einfach als Allgemeinwissen akzeptiert. Seltsam. Noch verdächtiger war, dass die Zahl inkonsistent verwendet wurde: Einige sagten, es sei die Gesamtlänge der Kapillaren, andere sagten, es seien nur Venen und Arterien, und wieder andere zählten alles zusammen. Hm. Irgendwas stimmte hier nicht. Wir konnten das nicht so stehen lassen. Korrekte Fakten sind entscheidend für das, was wir tun. Da wir diesen Fakt schon mehrfach verwendeten, fühlte es sich nun persönlich an. Wir mussten den Ursprung finden. Es MUSSTE eine ORIGINAL Quelle geben!
Googeln ergab nur tausende Seiten, die diese Zahl zitierten, aber keinen Hinweis auf das Original. Also gingen wir auf PUBMED, eine Suchmaschine für biomedizinische Publikationen. Null Ergebnisse. OK, schräg. Vielleicht klappen ein paar andere Suchbegriffe? Nichts. Hm. Okay, schließlich fanden wir einige wissenschaftliche Arbeiten! Doch keine von ihnen zitierte die Originalquelle. Die Zahl tauchte auch in zwei Biologie-Lehrbüchern auf. Wir kontaktierten die Autoren, aber sie sagten uns, dass diese Zahl schon seit Jahrzehnten kursiert und sie auch neugierig wären, woher sie stammt. Vielleicht mussten wir weiter zurück – also grenzten wir unsere Suche auf die letzten Jahrzehnte ein, und fanden zwei Bücher aus den 1990er! „Vital Circuits“ von Steven Vogel. Und „Looking at the Body“, von David Suzuki. Dr. Suzuki ein Pionier der Wissenschaftskommunikation ist, der in den 1970er Jahren mit Sendungen im kanadischen TV begann. Er hat 29 Ehrentitel und 52 Bücher geschrieben. Beeindruckend! Er könnte entweder die Originalquelle selbst sein oder wissen, wo sie herkommt! Also bestellten wir „Looking at the Body“, um nachzuschauen. Hier ist es: " ... Würde man alle Blutgefäße des Körpers aneinander legen, hätten sie eine Länge von 96.000 km (60.000 Meilen). Das ist etwa zweieinhalb Mal um die Erde. ... “ Erneut. Keine Quelle.
Es stellte sich heraus, dass er mit fast 90 immer noch aktiv ist – vielleicht weiß er, woher diese Zahl stammt. Er hatte keine öffentliche E-Mail, aber „Eine persönliche Anfrage ist möglich, indem man einen Brief an Dr. Suzuki schreibt.“ Sehr klassisch, sehr respektabel. Also schrieben wir einen Brief! Sehr geehrter Dr. Suzuki, wir schreiben Ihnen wegen einer sehr wichtigen Sache. Was ist die Originalquelle für die 100.000 km? Unser Video und unser Verstand hängen davon ab. Bitte bitte. Viele Grüße, die Kurzgesagt-Faktenchecker. Drei Wochen später erhielten wir eine Antwort: „Sehr geehrte weirde Internet-Leute, leider kann Dr. Suzuki sich nicht an die Quelle dieser Zahl erinnern. Und da das Buch vor über 30 Jahren geschrieben wurde, hat er keine so alten Dateien, um nachzuschauen. Viel Glück mit Ihrem Projekt, Sie werden es brauchen. Alles Gute, Koordinator für Öffentlichkeitsarbeit“ Okay, sie haben nicht genau diese Worte benutzt und waren wirklich nett! Trotzdem: Schade.
Vielleicht ist das Buch von Steven Vogel, einem Professor der Duke University, hilfreicher. Es enthält diesen Satz: „Gesamtlänge der Leitungen: 100.000 Kilometer (60.000 Meilen) – mehr als zweimal rund um die Erde am Äquator.“ Leider gibt es im Buch nur eine Liste mit 93 Quellen, ohne Angabe, auf welcher Seite sie zu finden sind. Unsere Originalquelle könnte in einer der Arbeiten, Bücher und Artikel in dieser Liste sein. Uff. Alles zu lesen würde ewig dauern. War es das wert? Oder hatten wir uns im Wald des Wissens verirrt, auf der Suche nach Antworten auf Fragen, die niemand stellt und die niemanden interessieren? Aber wir hatten schon so viel investiert, dass wir beschlossen, einfach alles zu lesen. Ohne besonderen Grund entschieden wir uns glücklicherweise die Quellen von hinten nach vorne zu prüfen. Und es stellte sich heraus, dass die erste Quelle, die wir überprüften, genau die gesuchte war! Ein Artikel von 1959: „The Microcirculation of the Blood“. Wir besorgten uns also einen Scan dieses 65 Jahre alten Artikels - aber DAS war immer noch nicht die Originalquelle. Aber er gab an, woher die Zahl stammte: „The Anatomy and Physiology of Capillaries“ – ein Buch von 1922 von August Krogh, Nobelpreisträger für Medizin. Er wusste wahrscheinlich, wovon er sprach. Also bestellten wir sein Buch und Bingo: die Originalquelle.
Es ist eine Sammlung von Kroghs Vorlesungen und wurde damals von Experten hochgelobt. Es fasst seine Forschung zusammen und fügt Ideen und Hypothesen hinzu. Also hier war sie. Die Originalquelle, tausendfach verwendet in den letzten 100 Jahren. „Angenommen, die Muskeln eines Mannes wiegen 50 kg und seine Kapillaren sind 2000 pro mm², muss die Gesamtlänge all dieser Röhren ungefähr 100.000 Kilometer oder 2 ½ mal um den Globus und ihre Gesamtfläche 6300 m² betragen.“ Während andere über die Länge aller Kapillaren spekulierten, war Krogh der erste, der eine echte Schätzung abgab, basierend auf echten Experimenten. Etwas sehr Solides. Ok. Und jetzt – war es korrekt? Das Buch enthält eine kryptische Tabelle ohne Erklärungen. Es schien für ihn offensichtlich, aber nicht für uns, die es ein Jahrhundert später betrachteten. Wir mussten das Buch tatsächlich lesen. Auf eine innovative Art hat Krogh einfach los geforscht. Kurz gesagt, nahm er Muskelproben von verschiedenen Tieren, begann zu zählen und stellte Faustregeln auf. Heute wissen wir, dass seine Annahmen ziemlich ungenau waren. Außerdem verwendete er eine Art idealisierten Bodybuilder-Körper, der 143 kg wog und 50 kg reine Muskelmasse hatte. Und das gab ihm schließlich die sehr ansprechende Zahl von 100.000 km. Es wäre unfair, Krogh die Schuld zu geben – das war nur eine kleine Info am Rande, die er wohl aus Spaß errechnete und die für seine Arbeit irrelevant war. Aber er war ein Top-Experte, also wurde die falsche Zahl in wissenschaftlichen Arbeiten verwendet, verbreitet, völlig losgelöst von der Originalquelle.
Zu diesem Punkt unserer Recherche war ein Jahr vergangen. Nur um sicher zu sein, machten wir noch eine Google-Suche und… Während wir in unserer Recherche Reise, hatten Wissenschaftler einen Artikel veröffentlicht, der nicht viel Aufmerksamkeit erregte. Sie berechneten eine neue, viel genauere Schätzung. Wenn wir nur ein Jahr gewartet hätten, hätten wir uns all diese Arbeit sparen können. (tiefster Seufzer) Hier ist es nun: Laut aktueller Forschung liegt die Länge aller Kapillaren im menschlichen Körper irgendwo zwischen 9.000 und 19.000 km. Sehr imposant, aber nicht genug, um die Erde zu umrunden.
Eine Art Fazit. Googelst du es heute, wirst du wohl immer noch nicht die richtige Zahl finden, sondern tausende Quellen, darunter auch ein Kurzgesagt-Video, das die falsche Zahl verwendet. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Warum hat niemand das je überprüft? Naja, weil es extrem schwer und zeitaufwändig ist. Wie bereits erwähnt, uns hat es ein Jahr und eine große Portion Glück gekostet. Diese Zeit zu investieren, ist für die meisten Forscher oder Wissenschaftsjournalisten einfach nicht machbar. Wenn eine Zahl sicher erscheint und von glaubwürdigen Quellen genutzt wird, zitieren die meisten, auch wir, eine Sekundärquelle oder schlimmer. Außerdem: Es ist einfach eine runde Zahl, die im Kopf bleibt. Fakten, die schön erscheinen, überleben oft viel länger. Genau das ist das Problem, oder? Die interessantesten Stories überleben im Netz und werden oft mit jeder Erzählung aufregender. Es kostet viel Energie, Dingen auf den Grund zu gehen, und ein kleiner Faktenschnipsel ist schnell wiederholt, sodass sich Fehlinformationen hartnäckig halten.
Als wir diese Recherche begannen, dachten wir nicht, dass wir hier landen würden. Du hast einen kleinen Einblick in die Irrgärten bekommen, die wir durchqueren müssen, um dir unsere wissenschaftlichen Short Stories zu erzählen. Sie sind so wahr, wie wir sie nur machen können. Wir geraten ab und zu in dieselben Fallen wie alle anderen. Aber wir tun unser Bestes, um Fehlinformationen zu korrigieren, Kontext zu bieten und dir die aktuellsten Erkenntnisse zu liefern. Bis zum nächsten Mal!