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Stromberg - Ein Deutscher Klassiker?

Franz Pökler2:05:28

Transcription

Werde ich nach meinen Lieblingsserien gefragt, kann ich wie aus der Pistole geschossen meine Top F runterbeten. Aber obwohl ich besonders in diesen Fällen komplette Szenen oder gar Episoden mitsprechen kann, habe ich nicht so oft geschaut, wie die Serie, die nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sie aus Deutschland stammt, einen Sonderstatus in meinem Pantheon einnimmt. Stromberg.

Während ich aber ohne mit der Wimper zucken die fünf hier mit dem Prädikard Klassiker versehen würde, tue ich mich bei der Brainpool Produktion von 2004 in dieser Hinsicht eher schwer. Er ist einer meiner Lieblinge, aber hat er es verdient im gleichen Atemzug mit solchen Schwergewichten genannt zu werden?

Obwohl Ende 25 der bereits zweite Strombergkinofilm erschien, musste ich entsetzt feststellen, dass es auf YouTube keine wirkliche Analyse für eine der bekanntesten Serien Deutschlands gibt. Ich meine, wenn wir mittlerweile sogar rausgefunden haben, was mit Carsten los war, wird es erst rechtzeit für so eine richtig prätentiös arrogante, kleinkarrierte Stromberkritik aus dem Elfenbeinturm. Und das Tolle ist, das Video funktioniert auch unabhängig davon, ob ihr die Pro 7 Serie mögt, kennt oder längst aufgegeben habt.

Ich bespreche nicht nur Stromberg selbst, sondern nutze als Fallstudie, um zentrale Begriffe und Methoden der Medienanalyse greifbar zu machen. Z.B. was ein gutes Drehbuch ist oder so. Hierzu gehören auch Parallelen zu zahlreichen anderen Serien, die ihr entweder bereits liebt oder nach diesem Video vielleicht auf eure Watchlist setzen werdet. Außerdem ist Schromberg ein dankbarer Ausgangspunkt für eine Diskussion über Wokeness in den Medien und daran hat es ja in den letzten Jahren sowieso gemangelt, wie ihr wisst.

Und damit zusammenhängt eine kleine Vorwarnung an dieser Stelle. Die Serie ist stellenweise extrem anstößig, inhaltlich und sprachlich. Und bevor sich wer beschwert, es wird kleinere Spoiler zu anderen Serien geben, deutliche Spoiler zu Stromberg, aber auch. Ich kann euch aber versichern, dass dadurch niemandem das erste Seerlebnis verdorben wird. Wenn ihr dennoch völlig unvoringenommen in die Serie gehen wollt, solltet ihr den Browser jetzt schließen, denn wir werden nun anhand von vier Kriterien erörtern, ob Stromberg objektiv gesehen ein Klassiker ist.

Ja, also Marius von Filmarchäologie, sag uns doch mal, was ist die erste Messlatte?

Danke Franz. Die Handschrift ist, man könnte auch anders sagen, die Stylistik im Film. Das heißt, also die Stärke einer Handschrift drückt sich in der sofortigen Wiederkennbarkeit aus. Etwas, was sich Strombeck natürlich auch sofort nur stellen würde. Ein flüchtiger Blick aufs Cover reicht eigentlich aus, um zu erkennen, was die Inspiration für Stromberg gewesen ist. Ein Jahr nach dem Ende von The Office UK, eine Mocumentary um den unfähigen Zweigstellenleiter eines Papiervertriebs David Brent, konnte man die deutsche Version von Brainpool erstmals auf Pro 7 bewundern. Dass der Sender sich allerdings nie um die Rechte bemüht hatte, stieß BBC bitter auf. So wurde erst nach einem kleinen Disput eine Vereinbarung getroffen, mit der Ricky Jay, Erfinder des Originals, zufrieden war. Ich denke, da ist ein bisschen Geld geflossen und seit der zweiten Staffel Stromberg wird nun auch nach den Credits auf die britische Version verwiesen. Ende gut, alles gut.

Jvis sei dennoch anfangs überrascht von der unautorisierten Version gewesen, da Deutsche ja eigentlich nicht den Ruf hätten irgendwo einzumarschieren und sich Sachen zu schnappen, die ihnen nicht gehören. Denn kurioserweise haben sich sowohl der Sender als auch Erfinder Ralf H Fußmann anfangs dagegen gesträubt, die offensichtlichen äh Parallelen anzuerkennen. Husmann sei während der Arbeit an der Sat 1 Zitcom Anke auf die Idee der Büroserie gekommen und kommunizierte über Pro 7, dass seine Serie ein ähnliches Sujet und eine ähnliche Machat habe. Sein Team sich darüber hinaus aber bemüht hätte eigenständige Charaktere und Plots zu finden. Bemüht ist hier wohl das Stichwort, denn Prankan Anrufe beim Sitznachbarn oder das vorgebliche Feuern einer Mitarbeiterin aus Spaß sind natürlich eins zu eins abgeschrieben, genauso wie zahlreiche andere Gags. Ich brauche jetzt ja keine Liste machen. Dazu kommt die Figurenkonstellation, um den sozial und beruflich inkompetenten Boss ohne wahrhaftige Freunde, seine weibliche Vorgesetzte, ein prädestiniertes Büropärchen, den obligatorischen Weirado, die Talking Heads, die kleinen Zwischensequenzen blablabla.

Christoph Maria Herbst berichtet, dass er erst in der vierten oder fünften Drehwoche mit Jéss Version konfrontiert wurde, weil ihm ein Kollege die DVD Box in die Hand gedrückt hatte. Er sah einen vollschlanken Herrn auf so einem Stuhl sitzen mit diesem Klobrillenbad und realisierte sofort die künstlerische Verwandtschaft zu Stromberg. Ich sage hier nicht, dass er lügt, aber das scheinbar kollektive Totschweigen des Originals am Set und bei den Castings ist schon kurios. Nennen wir es mal kurios. Vor allem, weil die Connection laut Diana Steli, Darstellerin der Tanja, direkt thematisiert wurde. Also gerade was die erste Staffel angeht, da müsste man lügen, wenn man sagt, das sind keine Parallelen. Also das ist schon völlig klar. Der der davon, wovon es ausgeht, die Grundsituation ist absolut die gleiche. Na ja, belassen wir es dabei.

Diese Plagiatsdiskussion ist ohnehin nur eine Seite der Medaille, denn Pro 7 hat bei der Verteidigung außerdem mitgeteilt, dass ein Alleinstellungsmerkmal Strombergs ist, dass es auf deutschem Humor basiere und oh mein Gott, wurde hier ins Schwarze getroffen, denn genau das ist ein zentraler Teil der Handschrift. Ich habe Mails bekommen von Versicherungsangestellten, in denen stand: "Wenn Sie glauben, sie machen Comedy, dann kommen sie mal zu uns und da tun sich für mich Abgründe auf, weil das ist schlimm sowas zu lesen, weil wir denken ja schon teilweise, wir übertreiben maßlos." Nein, die Realität übertreibt maßlos.

Die Komik des Ganzen beginnt bereits bei den Namen der Charaktere. Der Ulf ist relativ neu hier, so ein Z Jahre, fünf, das das ist im übrigen der Ernie, der Name ist Bert, also Bertrold. Das ist der Herr Wutge. Jochen. Ja, Jochen. Altes Scheißhaus. Ich bin's. Die ganze Personalplanung hier, die macht der Herr Doktor Nübel und den halte ich mir warm. Leider hat er ausgezeichnete Beziehung. Ja, wen wird er schon kennen? Ist der Ker von der Wkenberg aus dem Vorstand? Ja, so wie der Bisblingkamp von der Helios. Kennen Sie den Bisbling Kamp? Wissen Sie was auf ein Rattenschwanz dran hängt? Die Welkenberg soll schon beim Polkmann aufgeschlagen sein und beim Röderig. Wer ist wer ist denn? Ja, und was scheiße ist das? Viele dieser Figuren haben, wenn überhaupt nur ein paar Minuten Screentime. Ihre Erwähnung trägt aber direkt zur unverwechselbaren deutschen Atmosphäre der Serie bei.

Während David Brand, Gareth Kean, Tim Canterbury oder im US Pondon, Michael Scott, Jim Helper oder Per Beaslee wenig Aussagekraft über die Kultur erlauben, in der sie existieren, lösen die deutschen Namen sofort bestimmte Assoziationen aus. Lange triste Flure mit kaltem Licht. Heidebrot, bei der die Butter so leicht rausquillt an der Seite, Filterkaffee, handbeschriftete und aus Nachhaltigkeit viermal neu beeklebte Leidckenordner und so. Ihr ihr wisst, was ich meine, oder? Gleichzeitig spiegeln diese Namen einen undurchsichtigen Firmenapparat wieder. Ein Organigramm, das niemand versteht, voller Angestellten, die weniger als Charaktere auftreten, sondern als Platzhalter in einem bürokratischen Labyrinth. Vergleichbar mit Josef K. in Kafkas Prozess oder der Suche nach Passierschein A38.

Was Husmansvion darüber hinaus von seinen Counterparts abhebt, ist, dass die Serie besonders in den ersten Staffeln tatsächlich wie eine Dokumentation wirkt. Ja, auch in den Offices finden abgeschirmt Interviews statt, Blicke in die Kamera, unterstreichen diverse Witze und so weiter, aber die Dialoge sind glatter und bis auf weniger Ausnahmen werden Lines fehlerfrei vorgetragen. Bei Stromberg hingegen wimmelt es nur so von Füllauten und Halbsätzen, Versprechern und Verhasplern. Es wird gegessen und geprustet. Hier reden echte Menschen miteinander und keine Figuren aus einem durchkomponierten Drehbuch. Habe ich ja mehr Qualitäten in meinem kleinen Finger als der in seinem gesamten Roland Kaiser da sieben fester Wein können uns nicht ja super da können sie es ja gleich selber also können sie gleich selber aufreten. Ja, können mir gut vorstellen, könnte ich mir das. Ja. Ja. Denken Sie äh finden Sie mich unterhaltsam? Klar, stimmt. Auf der Hochscheit von meinem Schwager, da habe ich den ganzen Gut, schnell gut.

Was in dem Ausschnitt direkt durchscheint, ist, dass die subtile Authentizität zur Glaubwürdigkeit der Figuren beiträgt und Bernt Stromberg als realistisch verunsicherten Charakter zeichnet, der eine Menge Komplexe mit sich rumträgt. Und das Gute ist, wer die Essenz von Stromberg verstehen will, muss nur die ersten 90 Sekunden der Pilotfolge sehen, denn sie bringen den Reiz der Serie und ihrer Titelfigur quasi perfekt auf den Punkt. Um euch zu zeigen, was ich meine, werde ich diese Szene jetzt mal abspielen, aber mehrfach pausieren. Und ich weiß, dass es nervig ist und Humor erklären ist auch immer ein bisschen blöd, aber ich denke, im Zeitalter von Reaction YouTube ist das ausnahmsweise mal zu verkraften, oder? Danke. Also, let's go.

Folge 1: Der Parkplatz. Büro ist wie Achterbahnfahren, ein ständiges Auf und ab. Wenn man das jeden Tag 8 Stunden machen muss, täglich, dann kotzt man irgendwann. Merchandise wie 55 Weisheiten fürs Überleben im Büro oder die goldenen Jobregeln sind kein Zufall. Strombergs kreative Sprüche, sein sie jetzt Pseudo tiefgründig oder einfach nur billige Schenkelklopfer, sind das Markenzeichen der Serie. Das ist alles noch viel schlimmer als ich es mir vorgestellt habe. Ja, aber so kleine Fehlerchen gehören noch dazu. Das ist sonst ist ja wie bei einer Flöte ohne Löcher, ne? Da kommt ja auch nichts raus. Wenn du hier als Chef ein Furz lässt, dann fordert der Betriebsrat gleich eine Lärmschutzwand. Das ist doch jetzt Quatsch. Wenn Jesus damals kurz vor der Kreuzigung gesagt hätte, na komm, lass mal, da bin ich nicht der Typ für, der wä Ostern heute aber kein Feiertag. Deshalb sind die Chinesen jetzt ja auch so erfolgreich. Ja, wenn da einer gegen den Chef mckt, dann erschießt der Chef den einfach. Hier brauchst ja schon zwei Jahre, um überhaupt Waffenschein zu kriegen.

Der zunächst wie ein offkommentar wirkende Monolog zum Anfang entpuppt sich als Ansprache aus dem Büro direkt in die Kamera und zeigt, wie wichtig es dem Boss ist, seine Weisheiten mit der großen weiten Welt zu teilen. Dieses Spiel mit dem fiktiven Drehteam erzeugt Komik, weil die Mitarbeitenden sich im Bild durch Distanz und Hindernisse visualisiert in einem eigentlich geschützten Raum bewegen und Dinge wagen, die sonst völlig undenkbar wären. z.B. das Nacheffen von Behinderten und wenn es hart auf hart kommt, werden wir arme Zuschauer sogar ganz ausgeschlossen.

Nun ist Bernt Stromberg in der Pilotszene nicht allein im Büro. Ja, so gleich wieder fertig. Ja. Ja, das ist auch sowas hier hilft jeder jedem, weil am Ende des Tages sitzen wir alle in derselben Achterbahn. Hop. Erstmal sind alle gleich. Man sieht, dass das selbstzufriedene Schwafeln über Gleichheit und Kollegialität vom eigentlichen Verhalten konterariert wird. Der Boss und der IT Guy sind nämlich offensichtlich nicht auf Augenhöhe. Stromberg guckt ihn genervt an, bedankt sich nicht und klemmt ihm den Arm ein, ohne sich auch nur eine Sekunde schlecht dabei zu fühlen. Was der Chef predigt, lebt er nicht vor. Seine Sprüche bleiben demnach hohle Phrasen, auf die die Zuschauer aber nicht reinfallen, ohne dass Stromberg das merkt. Und diese Diskrepanz zwischen Schein und Sein, besonders wenn sie durch kleine unscheinbare Momente ein kurzer Blick, ein beiläufiges M oder so transportiert wird, macht einen großen Teil des Humors aus.

Hätten die Autoren ihren Protagonisten nun so designt, dass er durchgehend nach unten tritt, hätte der Witz schnell an Scharm verloren. Glücklicherweise kriegt Pern Stromberg regelmäßig die Grenzen aufgezeigt und die Hierarchie, auf die er sich so viel einbildet, zerfällt innerhalb von Sekunden, denn auch als Chef ist nicht alles perfekt. Parkplätze z.B. Wir haben hier sehr gute Parkplätze direkt am Haus überdacht und nicht ganz so gute weiter weg ohne Dach, wo man jedes Mal klitschnass wird, wenn es regnet. Ich bin seit Jahren auf M8 ohne Dach ganz hinten. Und wieso? Wo sind Sie? E4 eben. Da sieht man z.B. das Wie kommen Sie denn an E4 bitte? Ich kenne den Hilpers und der verteilt seit neuesten die Parkplätze. Ah, der Hilpass. Ja, man kann das verletzte Ego hier quasi durch den Bildschirm riechen. Herrlich.

Und wo wir gerade bei Ego sind, Stromberg ist sich nicht zu schade über andere zu lachen und zu lästern, egal wie hart sie vom Schicksal getroffen sind. Röuchelhilpas glaubt, der raucht als beste Zigaretten, so wie der klingt. Eine nehme ich noch. Nee, ich glaube, der Hilpas hat schweres Asthma. Ah. Oh, das ist natürlich, das ist schlimm, der Hilpas. Diese Scheinbetroffenheit behalten wir mal im Hinterkopf und kommt zum Ende der Szene, wo man sieht, dass der Humor auch konventioneller mit dem Holzhammer funktioniert. Faben Sie hier zuletzt auf russenschlampen.de? Was? Also, das verteitte ich mir jetzt aber, mein lieber, weil die sind ja eigentlich gesperrt, dies. Ja, zurecht. Zurecht. Soll ich die wieder reinmachen? Die Sperre, ne? Nicht. Komm klar ab hier. Danke.

Ich liebe diese Szene, alles daran. Sie ist perfekt als Einstieg in die Serie. Als danach das Intro einsetzt, lauschen wir eine Melodie, die uns durch alle fünf Staffeln begleiten würde. Schade, dass die Serie selbst nicht diese Konstanz gehalten hat. Dass solche Bürokomedies, wenn sie im gewohnten Setting bleiben, eine eher geringe Halbwärtszeit besitzen, illustrieren die berühmten Counterparts. Die Office UK umfasst gerade einmal 12 Folgen plus zwei Christmas Specials, was genau die richtige Länge für dieses Format ist. Nichts wird künstlich in die Länge gezogen und die emotionalen Höhepunkte sitzen. Die BC Version lässt sich ohne wenn und aber als perfekt bezeichnen und das nur, weil sie rechtzeitig den Absprung geschafft hat. In Anbetracht der Konkurrenz, die oft dazu tendiert, aus vertraglichen/ finanziellen Gründen noch eine Staffel und noch eine Staffel und noch einen Film und so weiter dran zu hängen und das Ursprungsprodukt und dessen Legacy nachhaltig zerstören, kann man Ricky Jace diesen Move gar nicht hoch genug anrechnen. Es wurde sich offensichtlich für künstlerische Integrität entschieden.

All das soll aber nicht heißen, dass man nach dem Höhepunkt aufhören muss. So gibt es erstens Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Twin Peaks z.B. Firewalk with me ist eine 10 von Ze und The Return zeigt, dass man mit einer radikalen künstlerischen Vision die Legacy noch mal auf ein ganz anderes Level heben kann, auch so viele Jahre später. Zweitens wäre dieses binäre Schwarz-Weißgabe extrem anmaßend von mir. Nicht alle Produzenten gehen so scharmlos ignorant mit ihren Babys um, wie die Macher von Lost oder Game of Thrones oder so. In der Comedy Sparte z.B. fallen Third Rock, Parks and Recreation oder Abbit Elementary irgendwann ab. Sie entwickeln sich aber nicht zu schlechten Serien, sondern zeigen schlicht, dass die Settings und vielleicht auch die Kreativität der Autoren irgendwann erschöpft sind, was nicht heißt, dass man diese Halbwertszeit nicht verlängern kann, aber dafür braucht es Mut neue Wege einzuschlagen.

How I Met Your Mother z.B. Spiel hätte es durchaus gut getan, wenn Marshall und Lilli während ihrer Trennungsphase neue Partner gefunden oder der One Night Stand zwischen Robin und Barne nachhaltige Konsequenzen gehabt hätte. Aber so wie es kam, gibt's außer einer einzigen Folge gegen Ende der Serie keinen Grund mehr, sie über Staffel 3 hinweg zu verfolgen. Die Office US wird oft in dieselbe Schublade gesteckt, zu unrecht, wie ich finde. Hier ist interessanterweise Staffel 1 extrem schwach. Vor allem, weil Steve Carell Michael Scott als Klon seiner europäischen Version geschrieben wurde, aber einfach nicht funktioniert hat. So, danach entwickelt sich die Serie allerdings zu einem echten Juwel. Ja, auch hier lässt die Qualität nach der dritten Staffel spürbar nach. Die Show wird lauter, die Love Triangles sind größtenteils auserzählt, aber es gibt so viele tolle Folgen, Storylines, Figuren und Momente, dass die Schwächen mehr als nur aufgefangen werden. Angesichts der langen Laufzeit ist es bemerkenswert, dass die Office US es schafft, vielleicht bis auf eine kleine Ausnahme, keinen seiner Charaktere so zu entstellen, dass es einen beim Schauen der ersten Staffeln fast schon physische Schmerzen bereitet.

Stromberg ist da so ein Mittelding. Einerseits kann man die ganze Serie ohne Probleme rewatchen. Andererseits ist der gravierende Einbruch nach Staffel 2 nicht von der Hand zu weisen. Anders als die Office US profitiert Stromberg nämlich nicht davon, die Subtilität für andere Vorzüge zu opfern. Exemplarisch zeige ich euch mal eine Szene, die aus der siebten Folge der fünften Staffel stammt. Wie eben ist der Aufhänger des Witzes Pornografie. Das ITFzi zeigt einem Kollegen ganz stolz, was für ein Video er auf dem Handy hat. Ich hab was geri aus dem Netz hier. Das ist Aufklärung. Sind das Gck? Warte mal, habe ich die richtigen Sachen. Das denn hier das ich habe ich bin das Telefon für ihn. Man ruft gerade eine Porno Hotline an oder was? Herr Storberg wegen der wegen der Jahresbilanz. Da gibt es Probleme, habe ich gehört. Ach so. Nee, der Herr Steinke hat nur ein bisschen durchgehangen, weil aber ich hab es da jetzt dieser Kollegin besorgt, also hab da jetzt diese Kollegin besorgt, also nicht die hier, sondern die ist allein ausziehen. Allein erzäh bin schon gan mach den Dreck hier aus. Frauenförderung ist ja mein Thema. Herr Stromberg, ich verlasse mich auf Sie. Absolut. Okay. Okay.

Also, warum ist die Szene doof? Erstens ist bereits die Prämisse des Witzes an den Haaren herbeigezogen. Staffel 5 ist von 2011. Weder ist irgendein random Porno auf der Arbeit zeigenswert, noch wirkt es sonderlich zeitgemäß, dass man ihn aus dem Netz gerippt hat, ein Jahr nach Einführung des bekanntesten Smartphones aller Zeiten. Dass Stromberg es nicht hinkriegt, das Handy auszumachen, ist hierbei noch das geringste Übel, weil wir kennen alle diese Situation, oder? Also jetzt nicht mit Pornos, ne? Ich ich würde niemals Porno schauen. Kommen wir mal zur Sprache. Diese anzüglichen Versprecher mögen handwerklich gut geschrieben sein, aber wirken in dem eigentlich realistischen Setting sehr konstruiert und deplatziert. Und was genauso künstlich wirkt, ist, dass nachdem der überforderte Stromberg seinen Mitarbeiter anschreit, Ernie, also er hier ist ihm untergestellt, also kann es machen, dreht er sich zu Herrn Tremmel, seinem eigenen Vorgesetzten um. Und der gesamte Habitus ändert sich innerhalb von Millisekunden, um uns die Heuchelei und Hierarchie überdeutlich ins Hirn zu hämmern. Die Diskrepanz zwischen beiden Ebenen ist so groß, dass der Szene jeder Anschein von Realismus geraubt wird. Und ich weiß, was ihr jetzt sagen werdet. Humor ist manchmal überzogen. Auch das Russen Schlampening war konstruiert etc. pp. Und ja. Ja. Ja, bitte nicht falsch verstehen. Also ich finde Anschreiszenen an sich witzig. Hallo. Hallo. W ich so dämlich an, du Arschloch. Und obwohl ich das hier gerade alles als doof bezeichnet habe, finde ich auch diese Szene witzig, aber es sind halt nicht diese Situationen, wegen denen ich Stromberg gucke und wertschätze.

Wenn der Polizist in Biglebauski dem Dude die Tasse ins Gesicht wirft, muss ich jedes Mal lachen. Aber dieser Moment ist vor allem deswegen so gut, weil er verdammt unerwartet kommt. Bei Stromberg hingegen nehmen Lautstärke und Überdrehtheit in Staffel 4 und vor allem 5 viel zu viel Raum ein. Der häufig geäußerte Vorwurf, die Serie werde zur Karikatur ihrer Selbst, lässt sich hier sogar konkret belegen, nämlich anhand der Switch Produktion Oberalzberg, in der die Kapitol zum Führerhauptquartier wird. Ich würde euch an dieser Stelle gerne ein paar Clips einbinden, aber da wir 2026 haben und das Internet kaum noch zu gebrauchen ist, wurde alles von YouTube runtergenommen. Auf Daily Motion gibt's noch so ein paar Relikte, so richtig verpixelte Szenen, aber im Prinzip muss ich das alles nicht mal mit Ton oder so zeigen. Mir geht's darum, dass die Figuren sich in Staffel 4 und 5 genauso benehmen wie in der Parodie auf Staffel 1 und 2. Ich denke nicht, dass das so laufen sollte. Vor allem in der deutschen Comedie gehen Hitler Witze eigentlich immer und auch Stromberg ist da keine Ausnahme. Hitler ja hier der Ja, Moment mal, wir machen ja nicht nur Leute, die hier arbeiten, sondern auch Leute, die früher viel Ich dachte, wir dürfen nicht mehr im Gebäude rauchen. Oh Gott, oh Gott, wie die Frau Seifert. Sie hten damals aber auch keine Jugend versteckt, ne? Außerdem wusste ich das jetzt auch nicht. Ja, gut. Das haben wir in Nürnberg damals auch mal gehört, ne? Hier bei den Prozessen. Die Berkel, also Frau Berkel ist offiziell ja sogar meine Vorgesetzte. Ich sag ja immer tu Berkel oder Eva Braun, also intern. Und obwohl ich Hitler LOL Humor liebe und das alles hilarious ist, überspannen die Macher meiner Meinung nach teilweise dann doch sehr den Bogen zum Ende hin und folgen dieser Oberalzbergroute etwa mit dem super subtilen Kennzeichen von Ernie oder dieser Ansprache von Stromberg. Wollt ihr den Bernt nur ab und an irgendwelchen Gedenktagen haben oder wollt ihr den kompletten und dauerhaften Bernt? Die Frage ist letztlich, wollt ihr den totalen Bernt? Ist das Fett Tony oder Elzo?

Egal. Äh, dass die Handschrift trotz allem erkennbar bleibt, ist in großen Teilen auf Christoph Maria Herbst zurückzuführen. Aber auch der Rest des Ensembles hat einiges zu bieten. Kommen wir mal zu Punkt 2. Ikonische Figuren. Eine Ikone ist ein Zeichen, ein Abbild und man kann sagen, es ist ein Zeichen, was eine Era oder von einer Figur definiert wird. Nehmen wir James Dean. Die wenigsten Leute werden heutzutage James Dean Filme gucken, verstehen aber, dass James Dean im 50er Jahren für Rebellion und ein Verhalten stand, was nicht der Norm entsprach. Er ist zu einem Zeichen geworden. Dieses ik, das hebt Figuren aus ihrer Geschichte heraus. Nicht alle Filme von James Dean sind die besten Filme ihrer Zeit, sind aber durch die ikonische Figur James Dean aufgewertet.

Leute kommen und gehen, aber der Härtekern des Büros besteht von Anfang bis Ende aus Stromberg und drei Mitarbeitern seiner Abteilung Ulf, Tanja und Ernie. Erika, Jennifer, Lars, Lehmann und Herr Becker sind in drei bzw. vier Staffeln dabei und es gibt mit Sabrina Sabelbur dem Nazikoch und Kollegen Pöch drei, die hier und da mal vorbeischauen. Darüber hinaus fungieren weitere Mitarbeiter des Büros als Interaktionsfläche für die Hauptfiguren und sorgen hier und da für lustige Hintergrundcs. Der Truppe wurde auf der Blu-ray von Staffel 5 sogar eine Mini Doku gewidmet und das ist sowas von verdient, denn sie sind ernsthaft mehr als nur Statisten. Natürlich finden sich wie in jeder Serie auch bei Stromberg sogenannte Oneof Characters, die maximal in einer Folge auftauchen, aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das beste Beispiel dürfte Rudy Wippermann sein, auch herrlich deutsch übrigens, dessen Plotline ich hier mal ganz kurz darstellen werde. Es fängt an mit ein bisschen Gemunkel und Gemauschel. Ich würde mal zusehen, dass sie nicht im Haus sind, wenn sie uns von der Zentrale den Wippermann schicken. Wippermann ist das denn kenne ich nicht. Kop ab Rudi. Kop ab Rudi. Rudi, so heißt der intern. Rudi Wippermann. Und der klappert so üers Jahr die ganzen Filialen ab und guckt, wo es nicht nach Vorschrift läuft und so richtiger Diplomkorrik Kacker. Ja, wenn er genug gefunden hat, dann rollen Köpfe, ne? Letztens hat er einen abgesicht, weil er das Fahrrad mit ins Büro genommen. Ein Fahrrad? Ja. Und wie reagiert er auf Hunde? Ganz schlecht. Ganz schlecht. Das ist eine Kündigung auf vier Foten. Wie gesagt, sehen Sie zu, dass der Bäcker wieder da ist, wenn der Wippermann kommt. Ja, sicher.

Aus Angst um seinen Job zieht Stromberg in seiner Abteilung andere Seiten auf. Ab sofort weht mir hier ein ganz ein anderer Wind durch diesen äh Saustall. Ja, aber ich dachte jetzt, wo sie wieder die Mitarbeiter lagern kistenweise Privateigentum in den Räumlichkeiten. Ich glaube, mein Hamster pupt. Es ist eine Schande, dass ich euch das hier wegen Copyright nicht zeigen darf, denn hier findet wohl die ikonischste Szene der gesamten Serie statt, in der Stromberg sich über den Hund im Büro aufregt. Hund im Büro. Da weiß man gleich, dass der Kopabruh der Wippermann wie der da also über Ernis hässliche Töhle, die er Patu mit in die Kapitol bringen will. Damit Wippermann ihm keinen Strick draus dreht, verschenkt Stromberg heimlich den Hund von Ernie und versteckt gerade das Privateigentum, als ein unbekannter Mann auf die Bühne tritt. Chuldigung, ich suche ein Stromberg. Was denn? Wippermann. Mein Name ich ich dachte sie sie kämen erst morgen oder übermorgen oder vielleicht auch Ah, also wie oft ich das schon gesagt habe, ne? Das schwarze Brett ist nicht aus Glas. Ja, das ist hier mein Ja, wollen wir kurz zu mir, also in in mein Büro. Ja, warum nicht?

Unnatürliche Sprechpausen, ein aufgesetztes Lächeln und unberechenbare kryptische Bemerkungen. Dieser Typ verunsichert nicht nur Stromberg bis aufs Mark, sondern gibt auch uns Zuschauern die Creeps. Das das hier ist die die Akte X, die hilft mir nur gerade nicht. Stromberg. Wir haben es hier mit einem absoluten Soziopathen zu tun, von dessen undurchsichtigen Launen zahlreiche Arbeitsplätze abzuhängen scheinen. Eiskalter Kapitalismus in Menschenform und na ja, wie im Kapitalismus werden nicht unbedingt die kompetentesten belohnt. Am Ende der Folge flattert nämlich die Auswertung hinein. Da haben wir den Salat schriftlich. Der Werbermann war überhaupt nicht zufrieden. Fangen wir bei Ihnen an. WT. Die Arbeitskoordination ist völlig unzureichen in der gesamten Abteilung. Miserable Synergienutzung, Schadensregulierung fällt hingegen angenehm auf. Höchstens in den Abläufen ein eher zu starkes Festhalten an Vorschriften. Ihr könnt etwas mehr Flexibilität gut tun. Angenehm strafgeführte Abteilung. Dieser kleine Triumphstombergs rundet die Storyline perfekt ab. Rudi Wippermann ist nicht einmal 2 Minuten zu sehen, schwebt aber wie ein Schreckespenst über der ganzen Episode. Gemeinsam mit dem Twist am Ende macht das Lulu benannt nach dem Hund im Büro zu einer der gelungensten Folgen der Serie und das obwohl sie in vielerlei Hinsicht der subtilen Ursprungsformel widerspricht.

Das Problem ist nur, dass die Serie irgendwann das Händchen für diese Art von Charakteren verliert. Es gibt Ausnahmen, aber nach Staffel 3 häufen sich Nebenfiguren, die eigentlich kein Mensch braucht. Diese namenlose Büroaushilfe, die nicht gefilmt werden will, z.B. Als ihr Ernis Gesinge auf die Nerven geht, stopft sie sich Tampons in die Ohren und ist kurz danach nie wieder zu sehen. Viele Strombergepisoden sind nach den Figuren benannt, die in der jeweiligen Handlung eine wichtige Rolle übernehmen. So auch Chayen das Baby von Maja Decker, deren Gekreische selbst hartgesottene Fans wie mich zum Vorspulen bringt. Und egal, wo man hinschaut, ob auf Malek, Helge, Jonas oder Frau Papenacker, bei all diesen Gestalten mache ich am Ende drei Kreuze, wenn ich sie nicht mehr ertragen muss. Frau Wilhelmi taucht in ihrer eigenen Folge erst im letzten Drittel auf, will Stromberg abkanzeln, wird eingeltt und ist im folgenden lediglich in zwei belanglosen quasi Statistenrollen noch mal zu sehen. Auch Strombergs zwei Vorgesetzte in der fünften Staffel versprühen wenig Charisma. Wobei bei Herrn Nübel sollte das vielleicht so sein und ja, also seine verlegene Erscheinung vor der Kamera funktioniert. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das gewollt war oder schlicht aus schauspielerischer Begrenzung resultiert hat. Und der andere, Herr Tremmel, wird der Rolle als Big Bad Wolf auch nur ansatzweise gerecht. Nur wenn sie jetzt die Frau Schürmern absegnen, dann könnte ich damit zum Nübel gehen. Mit dem bin ich ja so interessiert und den Namen mich interessieren Zahlen. Für mich geht es nur darum, was jede Abteilung am Ende für Zahlen abliefert. Und wenn bei Ihnen die Zahlen schlecht sind, dann muss ich mir ihren Namen nicht merken. Unter einer funktionierenden Kontrolle stelle ich mir übrigens auch was anderes vor, Herr Stromberg. Ja, gut, aber wenn mein Vertrauen mit derartig dicken Füßen getreten worden sein sollte, da muss ich ja wirklich sagen, das das ist jetzt hier nicht das Thema. Ja, sie sind das Thema, Herr Steinke. Ja, ist optisch jetzt auch nicht so der Rabräumer. Na ja, ich meine Schönheit ist ja oft nur eine Frage von Licht an oder Lichter aus, ne? Wo sie sich hier Essen über beschweren, hätte es mich auch gewundert, wenn sie bei Weibern auf billige Hausmannskost stehen.

Der Fall Tremmel zeigt, warum Showd Tell so wichtig ist. Er sagt, dass ihn nur Zahlen statt Menschen interessieren, ohne dass wir das aus seinem Verhalten selbst entnehmen können. Er faltet Stromberg zusammen, ohne dass es auch nur eine Sekunde bedrohlich wird. Er steht auf junge heiße Frauen und lacht Stromberg kantoonartig ins Gesicht. Natürlich gibt es diese holzschnittigen Gestalten auch in der Realität, aber Tremmels Präsenz wirkt als hätte man sich sowohl beim Casting als auch beim Dialogschreiben irgendwie keine richtige Mühe gegeben. Rudi Wippermann versprüht mit einem Blick, alleine mit dem Heben seiner Augenbrauen eine größere Drohkulisse als Tremmel in zehn Folgen, was dazu führt, dass er nie an andere Vorgesetzte Strombergs rankommt, an Bäcker, Wehmeier oder Frau Berkel. Dieser Kontrast zwischen Tremmel und Wippermann zeigt, dass die furchteinflößendsten Menschen sich nicht durch Bosheit auszeichnen, sondern durch Unberechenbarkeit. Bei ihnen weiß man nie, woran man ist. Und so jemand hätte der Serie als wiederkehrender Nebencharakter extrem gut getan.

Egal. Äh, wie steht's denn um die Nebenfiguren? Lassen wir Stromberg mal kurz beiseite. Ist der bekannteste Charakter Berthold Heißerkamp AK Erni, dessen Figur als Opfer des Büros konzipiert wurde, was besonders erheiternd ist, wenn man sich anschaut, was für ein Chat Bian Mädel eigentlich ist. Am Anfang der Serie ist er sehr bemüht bei Kollegin Tanja zu landen. Er ermittelt den Urheber ihrer Klokarikatur, versucht sie als Malbromann zu beeindrucken und ist super stolz auf ihr Eisessenate, das allerdings nur zustande kam, weil Tanja keinen Regenschirm dabei hatte. Dass die Büroblondine nicht auf Ernie steht, liegt nicht nur an seinem Achselschweiß, sondern vor allem an seinem unsicheren Auftreten, fehlender Coolness und mangelnder Schlagfertigkeit. Er ist der Prototyp eines Strebers, kann man sagen. Anders als Gareth oder Dwight in den angloamerikanischen Paralleluniversen hat Ernie zu Beginn keine Freunde und kaum genuine Interessen, die seine Büroexistenz irgendwie aufwerten könnten, was ihn zu einem leichten Ziel für den Büro Ulf macht. Sei es Konfetti auf Ernis Kopf, das Nacherffen mit einer Bertpuppe oder ein vielsagendes Posted auf dem Rücken, das Mobbing bleibt durchgehend auf pubertärem Niveau, sonst wä es ja auch irgendwie kein Mobbing, ne? Und wird von den Kollegen leider weitgehend toleriert. Ja, Ernie ist irgendwo auch ein Teil von ihnen und er fährt, wenn es hart auf hart kommt Unterstützung und Wertschätzung, aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Und das ist auch einfach realistisch, wenn man mal an Büroenvironments denkt oder auch an Mobbing in der Schule. So, man wird irgendwie unterstützt und so, aber auch nur solange wie man den anderen nicht zur Last fällt.

Dass das ganze Mobbing nicht in einer Art Elendpornographie für die Zuschauer endet, liegt daran, dass die Produzenten ein Gespür dafür haben, die Tragik abzufedern. Indem weder sein Boss noch der Betriebsrat seine Beschwerden ernst nehmen, also die Instanzen, die Ernie eigentlich schützen sollten, wird die Ausweglosigkeit grotesk humorvoll sichtbar gemacht. Die Dramatik wird aber auch durch seine eigenen Marotten gebrochen. Als Ernie z.B. unter Tränen auf dem Boden kriechen, sein von Ulf durchs Büro geschleudertes Proteinpulver wieder in die Dose packt, nimmt das die Zuschauer mit. Das ist ein tragischer Moment, aber nur so lange, bis er dann bei Stromberg im italienischen Restaurant sitzt und darauf besteht, sein mitgebrachtes Essen auszupacken. Zum Missfallen des Kellners, der die ganze Truppe rausschmeißt vor den Augen von Strombergs Konkurrenten. Ernis Dusseligkeit, gepaart mit Strombergs Minderwertigkeitskomplexen, nimmt der vorherigen Szene ziemlich viel schwere. Außerdem lässt die Serie hier und da durchscheinen, dass Ernie sobald er mal ganz kurz Oberwasser bekommt, sich auch nicht so schade ist mal selbst auszuteilen. Das ist ein weiterer Faktor.

Aber wie dem auch sei, am Ende der ersten Staffel kommt es, wie es kommen musste. Ernie kocht über und knallt Ulf beim Kuss mit Tanja seine Brotdose an den Kopf. mal das ist hier das ist während der Arbeitszeit muss ich sowas hier nicht der Ausraster und die Reaktion danach ist nachvollziehbar und menschlich in Ernie entladen sich Emotionen, die sich über die gesamte Staffel hinweg aufgebaut haben. Mit jeder Zurückweisung, mit jeder Sekunde, in der sich Ulf und Tanja näher kam. Alles münd diesem Ausbruch und in diesem Einbruch. Das Kunststück ist es jetzt, diese Situation weiterzuentwickeln und das schaffen die Autoren mit Bravur. Ernie versinkt nämlich nicht komplett in der Depression, sondern kommt wieder auf die Beine und benutzt die Bekanntheit der fiktiven Doku, um Frauen kennenzulernen. mit Erfolg, wie man in Staffel 2 sieht. Er gewinnt erstmals sowas wie Oberwasser. Während Ulf merkt, wie sich frische Verliebtheit im Alltag einer Beziehung verändert und beginnt an seiner Männlichkeit zu zweifeln, nutzt er Ernie weiterhin als Ventil und ist umso schockierter als sein Mobbingopfer beim

firmeninternen Bowling Ausflug plötzlich das süße Mörchen präsentiert. Aber nicht nur das, Ernie connectet als einziger so richtig mit der ausländischen Reinigungskraft.

Demonstriert Tanja seine Tanz und Massagekünste und kann, nachdem Herr Becker frischen Wind in die Abteilung bringt, sogar seine beruflichen Stärken zeigen. Natürlich steht sich Ernie am Ende des Tages immer wieder selbst im Weg, aber in der Figur steckt ein so enormes Potenzial, dass ein kluges Drehbuch mit den richtigen Ideen so entfalten könnte, dass Ernie einen Handlungsbogen und eine Charakterentwicklung hinlegt, die sein Ausgangscharakter in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Der Ryan Howard, der Roland Prespeluski, der Kapitol. Na ja, nur eine Idee, vielleicht ein bisschen übertrieben, aber sie ist dem Weg, den die Serie letztlich eingeschlagen hat, denn noch um ein vielfaches Überlegen. Die Macher haben sich nämlich dazu entschieden, die Figur, deren Persönlichkeit anfangs fast einzig und allein auf Mobbingopfer reduziert werden kann, noch drei weitere Staffeln ohne jede Entwicklung mitzuschleifen.

Wobei ohne jede Entwicklung wäre auch falsch, denn irgendwer im Produzententeam hatte die gloreiche Idee, Ernie in den letzten Staffeln Züge einer geistigen Behinderung zu verpassen, weil das witzig ist. Wir müssen kurz über Flanderisierung sprechen. Das Konzept beschreibt den Vorgang, bei dem einzelner, oft eher kleiner Wesenszug oder eine bestimmte Handlung einer Figur, immer weiter übersteigert wird, bis dieser Aspekt den ganzen Charakter vereinnahmt. Am Ende wird das Merkmal völlig überdreht und zur einzigen prägenden Eigenschaft, sodass die Figur zur Karikatur ihrer Selbst verkommt. Vor allem Sitcoms sind dafür anfällig, ebenso Nebenfiguren in Serien, die über viele Staffeln laufen. Neben dem titelgebenden Netflenders könnte man als Beispiele Kevin von The Office US oder Dr. Seberg und PIP von Futureama anführen.

Flenderisierung kann seine Daseinsberechtigung haben, wenn die Serie danach konzipiert ist, aber bei aller Liebe Stromberg ist es nicht und dass es hier nicht irgendeine Nebenfigur, sondern den allseits beliebten Ernie getroffen hat, macht das Ganche noch schlimmer. Es gibt in Staffel 1 zwei Szenen, in denen er, also ich glaube, es ist ein Zuckerwürfel, ein paar mal mit der Zunge abtastet, bevor er ihn in den Mund steckt. Das war's. Diese Angewohnheit ist so nichtig, dass Ernie im ersten Staffelfinale nicht mal den Joghurtdeckel ablegt. Im folgenden wird aus der Marotte ein Running Gag, was okay ist. Jeder hat ja seine Ticks, aber irgendwann ist es dann so ein Naturgesetz, dass er nie zwangsläufig seltsam mit Lebensmitteln rumhantieren muss und Nahrung nicht mehr normal konsumieren kann.

All das ist im Gesamtbild nur eine Kleinigkeit, steht aber sinnbildlich für den Verfall der Figur. Waren Ernis Ausraster anfangs noch dosiert und sein Generfe nachvollziehbar, ist er in den späteren Staffeln mit seiner hohen Stimme und dem teils komplett situations unangemessenen Gekreische wirklich kaum mehr zu ertragen. Diese Transformation zum Kind ist frustrierend und wenn man eine Mädel so zuguckt, wie er wichtige Akten vollmalt, lautstark zu Enja und Aba mitsingt, keine normalen Gespräche mehr führen kann und im Aktenraum Eiersalat von der Scheibe ist, fragt man sich unweigerlich, wie die Autoren so einem talentierten Schauspieler so ein Material zumuten konnten. Und jetzt in der fünften konnte ich wieder so richtig loslegen und nicht ganz dicht sein. Ich glaube, da haben wir alle sind wir so ein bisschen übers Ziel vielleicht hier und da hinausgeschossen. Also nicht die einzelnen Szenen, aber wenn man sich alles zusammen anguckt, dann ist der an wirklich sehr gereizt und sehr auf 180 immer sehr hysterisch. Kann nicht sagen, dass ich die Figur da nicht mehr mochte, aber ich habe mich ein bisschen geärgert, dass es war mir zu einseitig und in der fünften Staffel hat es mich fast schon genervt, wenn ich selber kam.

Das ist eine super Zusammenfassung, auch wenn man dazu sagen muss, dass das Problem bereits in Staffel 3 auftaucht und in Staffel 4 deutlich zunimmt. Eine beliebte Ja, ich benutze das Wort einfach mal. Eine beliebte Ausrede für Ernis Drift in den Wahnsinn ist der Tod seiner Mutter, der in Kombination mit der Trennung vom Mörchen dazu führt, dass er seine einzigen Bezugspersonen verliert. Daraus ergibt sich auf der einen Seite, dass Ernie sich nicht mehr vernünftig pflegt, gereizter wird und die Arbeit vernachlässigt. Plakative, aber schlüssige Reaktion. All das sollte aber nicht zum kompletten Verlust von IQpunkten führen.

Direkt am Anfang der Staffel passiert z.B. Folgendes: Als Stromberg Witze über seine tote Mutter macht, beschwert Ernie sich bei Herrn Becker und wird unterstützt von Erika zum Gespräch vorgeladen. Und aus irgendeinem unerfindlichen Grund erwähnt er die Gehässigkeiten seines Chefs nicht, weil er sich plötzlich quasi grundlos über die neue Mitarbeiterin und seine Situation in der Abteilung beschweren muss. Das wird einfach gedroppt mit Stromberg. Abstrus. Im Anschluss wird die Situation um Ernis Mutter nur noch für billige Witze instrumentalisiert. Er verschenkt ihre alten Sachen im Büro, obwohl sie keiner will. Er kriegt Pillen verschrieben und ist dann kurzzeitig euphorisiert. Haha, guck mal, er ist auf Drogen. Äh und schließlich erbt er ein bisschen was und kann sich dann neue Klamotten leisten und von Tanja angepumpt werden. Na ja, dann gibt's auf jeden Fall wieder einen Einbruch. Und Ernis dunkelster Moment ist der Suizidversuch in Staffel 4. Eine Tat dieser Tragweite müsste das ganze Büro tief erschüttern und nachhaltig verändern. Nicht aber ein Stromberg, wo Ulf und Tanja kurz vor Abspannen sechs, sieben Worte verlieren und er in der nächsten Folge wie bereits gezeigt den Aktenraum zum Affengehege macht und dabei von einem Kollegen fotografiert wird, obwohl er sich vor ein paar Wochen noch das Leben nehmen wollte.

Ernie lernt schließlich bei der Therapie Mia kennen und die beiden küssen sogar, aber das wird dann auch nicht mehr so richtig weiter verfolgt und keine Ahnung. Mein Punkt ist, wenn Depression so platt und eindimensional und beiläufig dargestellt wird, fehlt mir irgendwie die Fantasie, sein Schicksal und die Krankheit als treibenden Faktor ernst zu nehmen. Auch was trinken? Dick Müch. In dieser Unglücksspirale steckt eigentlich so viel Potenzial für interessante nachhaltige Charakterentwicklung, aber jeder Ansatz wird schnellstmöglich fallingelassen und alles was bleibt ist Ernie wird blöder und blöder und noch blöder, weil das halt lustig ist. Haha.

Wisst ihr, in vielen Serien erfinden sich Charaktere durch traumatische Erlebnisse quasi neu. Kendle Roy, Sansa Stark, Jessie Pinkman. Die Liste ist lang. Und ja, das sind alles keine klassischen Sitcoms, aber erstens ist Stromberg auch keine klassische Sitcom. Aber was ich sagen will ist, dass das gezielte Ausbrechen aus dem Genre zugunsten einer radikalen, denkwürdigen Episode der Serie, vor allem, weil vom Ursprungsrezept zu diesem Zeitpunkt ohnehin wenig übrig war, extrem gut getan hätte. On Tree Hill ist abseits von Nostalgie ein kaum erwähnenswertes Tini Drama, aber die Folge mit dem Amok Lauf ist so außergewöhnlich und grandios, dass ich sie alle paar Jahre rewatche. Oder was ist mit Dr. Haus? Als ich das Leben nimmt, reagiert die Serie sowohl mit einem inhaltlichen als auch einem visuellen Stilbruch. Ein Filter liegt über der gesamten Episode und selbst der beste Arzt aller Zeiten schafft es einfach nicht, die Ursache zu finden und stößt komplett an seine Grenzen. Gute Serien besitzen ein Feingefühl dafür, wann ein Gangwechsel angemessen ist, um ihren Figuren und deren Erfahrungen gerecht zu werden. Sie geben selbst ihren merkwürdigsten Charakteren Momente, in denen sie plötzlich hundertprozentig menschlich werden und sich Situationen ergeben, die der Zuschauer nie wieder vergisst.

In Stromberg gibt es das nicht. Wenn sich irgendein Charakter mal öffnet, dann ist das wenig nachhaltig. Es wird für ein Witz missbraucht oder ja alles zerfällt nach kurzer Zeit, dass Ernie und sein Suizidversuch im großen und ganzen links liegen gelassen wurden, zeigt und es fühlt sich nicht gut an das einzugestehen, dass Stromberg spätestens in Staffel 4 kein Herz mehr hat. Ernis Entwicklung zum Vollidioten ist nicht nur furchtbar, unlustig und nervig, sie nimmt der Serie in gewisser Art ein Teil ihrer Seele. Und leider leider, leider hat die Flenderisierung auch vor dem großen Star der Serie nicht halt gemacht.

Zu Beginn des Videos habe ich angedeutet, dass seine Sprüche und seine tragikomischen Annäherungsversuche für Lacher sorgen. Gleichzeitig ist Bern Stromberg aber gerade deshalb so eine interessante und glaubwürdige Figur, weil uns viele seiner Wesenszüge aus dem Alltag vertraut sind. Aus dem deutschen Alltag. Würde man einen gewissen Schlag Rapper danach fragen, was sie mit dem eigenen Land verbinden, wären Schlagworte wie Mercedes, Bismarck, Oktoberfest, Fleiß und Pünktlichkeit wahrscheinlich ganz oben auf der Liste. Und natürlich Götte und Schiller, denn sie lesen gerne Bücher, auch wenn das ihr Wortschatz leugnet. Stromberg bietet uns eine andere Perspektive auf das Deutsch sein, eine viel viel realistischere. Meckern über das Kantinenessen, endlose Meetings ohne Nutzen, in denen man nach oben hin beteuert, dass die eigene Abteilung super läuft und ein Arbeitsumfeld, in dem jeder darauf achtet, dass der Funke von Kollege zu Freund nie so richtig überspringt, wo am Ende alle froh sind, die unangenehme Atmosphäre der obligatorischen Betriebsfeier so schnell wie möglich hinter sich lassen zu können.

Richtig Deutsch ist natürlich auch eine rückwärtsgewandte Haltung durchzogen von Klischees über Frauen, Migranten und na ja, alles was nicht in das Weltbild des klassischen CDU-Wählers im Ruhrgebiet passt. Stromberg ist dafür das Paradeexemplar. Er ist nicht nur tief in diesen Vorurteilen gefangen, sondern setzt sie gezielt ein, um sich auf Kosten von vermeintlich schwächeren aufzuwerten und so der sozialen Isolation zu entgehen. In Staffel 1 beispielsweise konkurriert er mit einem Kollegen um die Gunst bei Cheffeln Berkel und na ja, der Kollege sieht so aus, heißt Zinan Tochulu und ist zu seinem Leitwesen ca. 100 mal kompetenter und beliebter als Stromberg. Und dieser Farkt beißt sich ganz stark mit seinem Weltbild, laut dem der Deutsche dem Türken ja eigentlich überlegen sein sollte.

Der Turkulu ist Abteilungsleiter bei der Schadensregulierung zuständig für die Buchstaben A bis L. Ich habe M bis Z nominell sind wir gleichgestellt. Ja, ich weiß, dass wir spät dran sind, aber Tokulu hat schon Ja, klar Tokulu schon. Der ist ja auch ein Streber, der sicherlich damals in der Koranschule aus seinem Lehrer immer Ja, war ein Scherz. Haben Sie schon gesehen, hier ist ein Artikel über den Totelo drin, wo hier wegen dem Wettbewerb die Kapitol für Menschen ich mal, weil der hat zwei Behinderte in seine Abteilung integriert hier mit Foto und allem. Oh, das ist aber aber unhaft das Bild. Guck mal mit den Haaren hier so verlegt. Gar nicht so sogar die Firmenleitung hat gratuliert. Ja, sehr gut. Da Stromberg konstant mit der Überlegenheit seines Rivalen konfrontiert wird, verlagert er seine äh Kritik von der persönlichen individuellen Ebene auf Tochulus Herkunft bzw. die verzerrte Vorstellung dessen, was diese eine Herkunft oder Kultur angeblich ausmacht. Der Türke kann Kaffee, Döner, Bauchtanz, mehr nicht. kein Vorurteil, sondern historisch erwiesen. Die alten Griechen, ja, die haben historisch was geleistet, aber der Türke, da wird's eng. Ich hatte den Mobbingfall in der Abteilung Turchu, glaube ich, doch schon erwähnt. Mhm. Da hat der Betriebsrat erheblichen Wirbel gemacht. Na klar. Der Kollege kommt ja nun historisch auch aus einer eher diktatorisch geprägten Geschichte mit den ganzen Sultan und Pascha. Ja. Mizin und alles gehabt.

Leider geht dieses Diskriminierungsexperiment für Stromberg nicht so richtig auf. Weder steigen andere auf seine Sprüche ein, noch ist Tochulu ihm willenlos ausgeliefert. Ganz im Gegenteil weiß er genau, wie und wann man effektiv Stiche setzen kann. Ja, müssen sie heute fast das Süppchen essen, ne? Wieso? Ja, wenn sie jetzt das Schweinefleisch reinhauen, dann gibt's später im Himmel keine Jungfrauen. So ist das doch bei euch, oder? Soweit ich weiß ist wie ein Schnitzel aus Kalfleisch. Mm. Viel sagen, dass auch die Szene in der Stromberg fälschlicherweise davon ausgeht, er werde befördert und dass dem vermeintlichen Verlierer zunächst syffisant unter die Nase reibt. Ja, hier zählt eben doch die beste Arbeitsleistung, nicht? Mhm. Natürlich. Was denn sonst? M na weiß ja, wie bei euch Brüdern im Süden das so läuft. Morgen, da wird ja dann doch eher nach der Schwanzlänge entschieden. Also im übertragenen Sinne, wer reicher ist, wer jemand beim Militär kennt und so. Ich bin froh, dass das hier anders läuft. Als klar wird, dass die Beförderung nur eins von Strombergs Hirngespinsten war, Konter Torchulu. Falls es sie interessiert, ich habe mit der Geschäftsleitung gesprochen und die haben mir versichert, es wird doch nach Schwanzlänge entschieden. Wir sollen morgen früh beim Vorstand erscheinen mit Lineal. Ja, ein Blick sagt mehr als 1000 Worte. oder Stromberg hat keine Chance. Genau wie in der Restaurantszene, die ihr schon kennt. Türke zum Italiener. Auch nicht schlecht. Dass dieser Witz keine Po hat, ist eine clevere Wahl des Autorenteams gewesen, denn es signalisiert, dass Stromberg mit unter die Luft ausgeht. Egal, was er auch tut. Die Niederlagen sind so verheerend, dass er die Demütigung nicht mehr durch waghalsige Assoziationen schön reden kann und irgendwann entnervt abbricht. Mir ist nur wichtig, dass es zwischen Nein, nein, nein, überhaupt kein Thema. Wenn ich zwischendurch mal sage, der Türke hat dies, der Türke hat das, dann ist das ja nicht bös gemeint. Sie sind immer Türke und ich bin für absolute Offenheit und Pipapor alles im grünen Bereich. Ich muss jetzt leider los.

Nachdem Tschuluh in Staffel 2 die Serie verlässt, übernimmt Herr Becker die Rolle von Strombergs Nemesis. Da er noch deutscher aussieht als der Protagonist, verschiebt sich die Angriffsfläche auf studiert oder schwul. Anhand der Figur des Stromberg wird deutlich, dass sich Intoleranz und ein reaktionäres Mindset nicht gegen die spezifische Richtung einer Abweichung von der Norm richten, sondern dagegen, wie weit sie von dieser Norm abweicht. Besonders viel sagend ist in der Hinsicht ein Ausschnitt, den ich euch gerade vorenthalten habe. Nachdem Stromberg die deutsche Gesellschaft mit ihren klaren Regeln Tutulus Brüdern im Süden gegenüber stellt, wo aus seiner Sicht Vetternwirtschaft herrscht und nach Penislänge entschieden wird und so weiter, kommt er noch einmal kurz zurückgelaufen. Das heißt aber nicht, dass ich einen kürzeren Penis habe. Ich finde das hier so genial. Stromberg deformiert ein primitives Bewertungssystem, während er es gleichzeitig reproduziert. Er will der rationale Grieche sein, aber scheitert an den eigenen Minderwertigkeitskomplexen. Blöderweise wird diese einigermaßen nuancierte Darstellung zum Ende der Serie hin billiger und billiger und eindimensionaler und eindimensionaler.

Das beginnt bei Details. Aus beiläufigem Auf den Arsch gucken wird später ein penetrantes Stiren, fast wie bei einem sabbernden Hund. Doch auch andere Themen werden irgendwann mit dem Holzhammer bearbeitet. Ich bin mir bis heute nicht im klaren, ob mit Mörchen das Gemüse oder das Wort Moor verniedlicht werden soll. Egal. Auf jeden Fall ist die Hautfarbe von Annis Freundin in Staffel 2 ein willkommenes Ziel für Stromberg. Rassistische Kommentare, Bezeichnung wie Roberta Blanca oder Schokocrossi werden von ihm seiner charakterlichen Schwächen entsprechend als schwarzer Humor verkauft. zum Sinne von ja, dass ich sowas gar nicht könnte, weil ich da mal so korrekt bin hier im Umgang mit den ganzen Handgruppenleuten. Also, sie haben schon oft genug auch Witze gemacht hier auch wegen meiner Freundin und so Bingo Bongo aus dem Kongo und so und und das mit der weißen Schokolade, damit die sich nicht in die Hand beißen. Ja, aber das ist do nur ein Scherz. Er so wie ich hier über jeden irgendwie, ne? oder wie ich gesagt habe, dass der Bäcker schwul ist, dann meine ich doch nicht schwul im Sinne von Homo. Ja, das ist zwar eine infantile, aber für einen Menschen wie ihn rationale Erklärung.

Fast forward zur schrecklichen ersten Folge der fünften Staffel Malik, in der der gleichnamige potentielle Atsubi von Stromberg aus folgenden Gründen abgewiesen wird. Sie sind Marokkaner, meine Eltern. Ich bin hier geboren. Mhm. Ja. Können sie Weihnachten ja durcharbeiten, haben sie mit Jesus ja nichts am Hut, ne? Wir nehmen ja kaum noch Leute. Also äh eigentlich keinen. Aber wieso? Sie haben doch vorhin gesagt, sie suchen ja, das kann sie gleich schon mal merken. Büro ist Krieg und Krieg ist immer ungerecht, ne? Müsstet ihr doch eigentlich am besten wissen. Vom Krieg gegen den Terrorismus jetzt. Wer ihr? Hm. Das brau ich ja jetzt nicht. Diese Absage hat keinen doppelten Boden und kann nicht durch schwarzen Humor rechtfertigt werden. Es handelt sich hier um puren Rassismus, der durch Strombergs Wortwahl noch einmal verschärft wird. Ist der Begriff Düen gefallen? Düsenjäger habe ich eventuell gesagt. Ja, er hat mich nur abgelehnt, weil ich Moslem bin. Deswegen sitzen wir jetzt hier zusammen. Ich habe hier unter vielleicht ein kleines Scherzelchen gemacht. Also bei Leuten wie mir muss man damit rechnen, dass ich eines Tages mit dem Flugzeug ins Büro komme. Ja, wegen dem 11. September. Ja, das war ja nch mal alles. Und jetzt könntet ihr sagen, Franz, was ist denn das für eine Kritik? Es gibt nun mal mehr oder weniger offenen Rassismus am Arbeitsplatz und statistisch gesehen werden Bewerbungen mit nichtdeutschen Namen bei gleicher Qualifikation häufiger abgelehnt als ich kenn es. Ich kenn ich kenne alle Punkte und das ist mir alles bewusst. Ich weiß. Und meinetwegen kann man Stromberg ja auch so konzipieren. Wenn das aber im Widerspruch zum Ursprung steht und klar wird, dass die Autoren es nur tun, um die Szenen krasser und lustiger und Stromberg noch böser zu gestalten und so weiter und dabei die Figuren in den Dreck ziehen, wirkte es unorganisch und anbiedernd. Sorry, Stromberg will hier keinen Witz machen und er will sich auch nicht aufwerten, wie bei Todschule und so. Das ist einfach nur blanker Hass, einfach nur eine blanke Ablehnung wegen der Hautfarbe, wegen der Herkunft. Auf mich wirkt das unrealistisch. Nicht unrealistisch, weil es diese Wesenszüge nicht gibt, sondern weil sie nicht zu Stromberg passen. Und noch weniger passt es zu zwei anderen Figuren, die Malik ebenfalls in die Tonne treten. Mit dem Flugzeug ins Büro. Ja, gut, aber das meinte ich ja jetzt nicht. Ja, ich wusste mich echt zusammenweißen. Sie haben da manchmal Dinger drauf. Ja, aber das kann man natürlich nicht öffentlich. Das geht nicht. Nee, das das geht nicht. Das ist hier. Ihr habt doch den hier mit den mit den acht Armen den und und mit dem Pferdekopf, ne? Ich bin katholisch. Immer schon. Ja, ich auch und für uns gab's noch nie so einen Kurs. Das finde ich doof. Jetzt kommt einmal einer von denen und dann sofort gibt's einen Kurs. Dass Herr Becker und Ernie sich in dieser Angelegenheit auf Stromberg Seite schlagen, ist absurd. Man kann es nicht anders sagen. Bei Ernie wird das mit so einer Religionsangle rechtfertigt und gut, der Charakter ist zu dem Zeitpunkt eh Gemüse, aber es ist nicht glaubwürdig. Es ist einfach nur das Thema der Folge ist Malik und er ist Moslem und jetzt muss da ein bisschen drauf gekloppt werden. Sorry.

Stromberg wird am Ende einfach zu diesem Evil Guy und der Rassismus ist dabei nur ein Beispiel für die Entwicklung. Klar, er war nie beliebt oder einfühlsam, aber man muss sich vor Augen führen, dass Stromberg in Staffel 1 ernsthaft betroffen von der Entlassung Erikas war und sich für sie eingesetzt hat. Er hat sogar gelogen in die Führungsetage. Und all das hat die Schauspielerin der Erika in einem Audiokommentar zu honorieren gewusst. Er setzt sich tatsächlich immer ein, das muss man ja dann doch sagen. Finde ich immer wieder erstaunlich, wenn ich das sehe. Ja, das finde ich eben auch so. Dadurch wird das alles vielschichtiger, ne, dass der wie ein Kind irgendwie so an das nächste Spielzeug denkt oder was und dann scheiße baut, aber es ist nicht wirklich böswillig. Ja, nicht böslich und nicht vorsätzlich so mies. Gegen Ende der Serie ist Stromberg wirklich böswillig. Er beleidigt den Hausmeister als behindert, droht der Sekretärin an, sie sexuell zu belästigen und versucht überspitz gesagt sogar die Karrieren slash Leben von Tanja, Ulf, Ernie und Henbecker zu zerstören. Ich habe jetzt gar nichts mehr, du Arschloch. Was der denn? Und noch mal, man kann die Figur so schreiben. Es kann auch richtig bitter bitter böse werden. It's always Sunny in Philadelphia ist wohl das beste Beispiel, das aus einer vollständigen Gewissenslosigkeit der Charaktere auch Humor entstehen kann. sehr sehr guter Humor. Aber bei Stromberg wird der letzte Schritt nicht gegangen. Es ist einfach komplett offensichtlich, dass seine Hinwendung zur Soziopathie einfach dem Verlangen geschuldet ist, noch härter und noch der sein zu wollen und dabei das, was die Figur großartig gemacht hat, vollständig außen vorzulassen.

Na ja, die flächendeckende Flenderisierung hat natürlich einen riesigen Vorteil. Die Autoren können sich bei der Konzeption der Handlung weitesgehend zurücklehnen. Sind Figuren inkonsequent oder Handel nicht mehr realitätsnah, wird jede noch so absurde Situation möglich. Wenn alles random ist, ist nichts und niemand fehl am Platze. Kommen wir somit zum dritten Punkt. Plotarchitektur. Ach, by the way, wenn ihr an einer 100% Version dieses Videos interessiert seid, in der ein paar Szenen nicht nur indirekt mit Screenshot wiedergegeben werden, könnt ihr sie auf meinem Patreon bewundern. Dort gibt es auch andere Bonusinhalte, längere Videos und so weiter und ihr könnt mich ab nur 2 € im Monat finanziell unterstützen. Für 5 € pro Monat kriegt ihr sogar einen eigenen Avatar, den ich in meinen Videos vorstelle. beispielsweise einen muskulösen Patrick Star mit Metal Band Shirt oder Enton mit rotweißer Sturmhaube und Hammer und Sichel in der Hand oder oder hier seht ihr eine kleine Auswahl. Also ich würde mich dort total über Support freuen. Danke an alle Patreons, die ich auch am Ende des Videos noch mal namentlich einblenden werde. Jetzt gehen wir aber in die dritte Kategorie, Plotarchitektur. Ein gutes Skript.

Die Plotarchitektur ist in sich ein spannender Punkt des Geschichtenerzählens, weil wie sich die Geschichte erzählt, hängt immer davon ab, wie der eigentliche Plot, also der Handlungsverlauf strukturiert ist. Überlegen wir uns, Herr der Ringe, einen der großen Geschichten der Gegenwart hat genau das gleiche. Dort haben wir viele Handlungsstränge, die ablaufen in verschiedenen Momenten und nicht einen Handlungsstrang, wie z.B. spielen American Psycho. Dort geht es darum, was macht Patrick Bateman? Dieses Kriterium klingt auf den ersten Blick unverhältnismäßig hochtrabend. Schließlich steht hier eine Pro 7 Mocumentary auf dem Prüfstand und nicht der PTE. Aber ein Schritt nach dem anderen. Was meine ich überhaupt mit Plot Architektur oder Writing oder Script? Also für mich hat ein gutes Skript zwei Aspekte. Erstens sollten die verschiedenen Handlungsstränge bzw. Plot Threads möglichst innovativ sein und gelegentlich für Überraschungen sorgen. Statt lediglich parallel zu existieren, damit alle Figuren etwas zu tun haben, sollten sie sich außerdem hier oder da überschneiden oder zumindest auf eine gemeinsame Konklusion hinauslaufen. Wer mal das beste Beispiel überhaupt für so ein Phänomen sehen möchte, die Folge Mr. F aus der dritten Staffel von Arrested Development Genius. Na ja, aus diesen im besten Fall durchdachten und ineinander verwobenen Handlungsstrengen, die im Optimalfall mehrere Episoden oder gar ganze Staffel umfassen, ergibt sich der zweite für dieses Video wichtigere Aspekt. Nachvollziehbares Agieren innerhalb des Plots. Konflikte müssen organisch entstehen. Figuren sollten nicht irrational agieren, nur damit die Handlung dorthinelangt, wo das Drehbuch sie haben will. Stichwort: Ernie, wenn Schlüsselmomente wie ein Suizidversuch in der nächsten Folge schon wieder vergessen sind, entwertet das jede Form von Charakterentwicklung. Hier scheitert die Entwicklung nicht an unbelehrbaren Figuren, sondern daran, dass die Macher in das Universum eingreifen und immer, wenn sie wollen, die Reset Taste drücken. AKT X z.B. Skullis skeptische Haltung ist als Gegengewicht zu Mulder zentral für den Humor der Serie und die charakterliche Dynamik, dass sie nach jahrelangen Begegnung mit Aliens, Mutanten, Geistern, blablabla in der nächsten Ermittlung dann wieder ausschließt, dass es dämonische Killerpuppen geben könnte, ist allerdings kaum noch plausibel. Und jetzt wo ich dieses Pick hier gesucht habe, warum ist so overhated? Das ist die gruseligste Akt Folge aller Zeiten. Ich scheiß mir heute noch beim Battlenhacken ein. Jesus. Egal, weil AKTX im Kern eine Monster of the Week Serie ist, ist Skalallis Gedächtnisverlust nicht so gravierend wie bei Formaten, die zumindest so tun, als hätten sie einen Realitätsanspruch. Stromberg z.B. Also hat Stromberg gutes Writing. Es wird euch vielleicht überraschen, aber die Antwort ist teilweise.

In dieser Serie folgt typischerweise eine Storyline dem Chef, die andere ein oder mehreren der drei bzw. vier zentralen Mitarbeiter. Nehmen wir mal Feueralarm, die zweite Folge der ersten Staffel. Stromberg hadert mal wieder mit der Beliebtheit des türkischen Kollegen bei Frau Berkel und plant ein besonders eindrucksvolles Geburtstagsgeschenk, um in ihrer Gunst zu steigen. Parallel dazu rückt in der Kapitol der Brandschutz in den Fokus und Ulf wird bei einer Übung wiederwillig zum Beauftragten gemacht. Die neue Rolle hat allerdings auch Vorteile, denn zu Brandschutzkompetenzen gehört die stabile Seitenlage. Etwas, was Tanja ziemlich gut beherrscht. So kommen sich beide erstmals körperlich näher. Als Frau Berkel Stromberg beim Benutzen ihres eigentlichen Geschenks einen Massagesessel erwischt, rennt unseren Protagonisten die Zeit davon. Glücklicherweise ist Tochulu ziemlich offen darüber, was er der Chefin schenken möchte. Also noch habe ich gar nichts, aber vielleicht zwei Karten für Roby Williams. Er steigert die im Internet. Ach ist eigentlich komplett ausverkauft. Da flippt bestimmt aus. Sie ist ja der weltgrößte Roby Williams Fan, das kann man sagen. Ja. Ja, das ist ja bekannt. Mit Hilfe von Ulfs Internetkenntnissen überbietet Stromberg seinen Konkurrenten bei eBay, löst den Feueralarm aus, um ihn an einem weiteren Gebot zu hindern und überreicht am Ende freudig die Karten an Frau Berkel. Hier sind zwei Karten für das Robin Williams Konzert, von dem wir alle wissen, dass sie ihn so sehr mögen. Dass Todschuld den Braten längst gerochen und seine Chefin mitgeteilt bekommen hat, in welchem Raum der Alarm ausgelöst wurde, ignoriert Stromberg in seiner Einfalt gekonnt und geht als augenscheinlicher Sieger aus der Episode. Natürlich nur für ihn selbst, für uns Zuschauer und den Rest der Welt, ne? Noch mal, das ist dieser Bruch zwischen Realität. brauche ich nicht wiederholen. Und auch wenn das kein David Fincher Skript ist, greifen beide Stränge schnörkellos ineinander und ergeben eine rundumstimmige Episode.

Was man am Drehbuch bemengeln könnte, ist eine offensichtliche Plotconvenience. So bezeichnet man ein Element der Handlung, das ausschließlich oder primär eingeführt wird, um die Geschichte voranzubringen, ohne dass es sich organisch aus Figuren, Logik oder zuvor etablierten Regeln ergibt, wenn sich Probleme durch Zufälle lösen, die exakt im richtigen Moment eintreten. Dass Tulu Stromberg von seinem Geschenk erzählt, könnte man als Plotconvenience auslegen, weil die Situation insgesamt sehr gestelzt wirkt. Hey Stromberg, ich habe immer noch kein Geschenk für die Frau Berkel. Können wir es nicht vielleicht doch zusammenun? Nee, der Stromberg hat schon was. Stimmt. Ja, wobei was dachten sie denn? Ja, das ist es. Ja, mir fällt nichts ein. Hier Kollege Zchul, der macht's richtig. Wieso? Aber ey, das ist ein kleiner Zufall. Sowas passiert auch mal geschenkt. Auf jeden Fall wird sonst in der Folge kein Charakter verbogen, damit irgendwelche Wendungen und Jokes landen können. Und so sollte es sein. Dazu kommt, dass Feueralarm einwandfrei in die Chronologie und die Charakterentwicklung passt. Neben dem Offenlegen von Strombergs charakterlichen Schwächen wurde hier ein Grundstein für den Kuss zwischen Ulf und Tanja im Staffelfinale gelegt, der zum bereits thematisierten Wutausbruch von Ernie führt, der ihn wiederum von Tanja weglenkt und so weiter und so fort. Generell ist die Episodenübergreifende Handlung der ersten zwei Staffeln überraschend realistisch, selbst wenn man die Unfähigkeit des Bosses betrachtet.

In Staffel 1 funktioniert Strombergs Unterabteilung einigermaßen, aber Kontrolle gibt es kaum. Frau Berkel erinnert immer mal wieder daran, dass sie in Zukunft ein wachsames Auge auf ihn werfen werde. Doch da sowieso in naher Zukunft eine Umstrukturierung ansteht, macht sie sich gar nicht erst die Mühe, schlafende Hunde zu wecken. Als Strombergs und Todschulus Abteilung zusammengelegt werden, verschwindet letzter aus der Serie und auch Frau Berkel weicht für Herrn Bcker, der Strombergs neuer Vorgesetzter wird, wie ihr wisst. Unter Bäcker wir jetzt hier ein ganz ein anderer Wind. Er macht Stromberg direkt in der ersten Folge für seinen Nachgeäfferund und es bleibt nicht bei einer einzigen Rüge. Schon früh werden Mechanismen in Gang gesetzt, um Stromberg durch den fachlich viel kompetenteren Ernie zu ersetzen. Da dieser aber kaum teamfähig ist und schnell die halbe Abteilung abmahen möchte, werden dem alten Chef noted wieder die Zykel überlassen. Nach diesem kurzen Hoch geht's für Stromberg allerdings Rapide Berg ab. Er muss alleine Überstunden schieben, weil er wichtige Akten, also ich spare ich an dieser Stelle mal die Details. Also er fuckt da ziemlich ab und dann begrabscht er eine Reinigungskraft und bewirbt sich anschließend, als er merkt, dass es langsam immer düsterer wird, proaktiv bei einer anderen Firma. In der Illusion, dort bereits genommen zu sein, brennt er in der Kapitol die letzten Brücken ab. Er ist extrem respektlos Ernie und Erika und verprt sich da die letzte Sympathie. Er macht sich vor anderen Leuten über Herr Becker lustig und so weiter. All das sollte ihm eigentlich auf die Füße fallen, denn er ist dabei wie immer zu übereifrig. Er wird nämlich nicht beim Konkurrenten genommen, weil er da falsche Angaben bei der Bewerbung gemacht hat.

Schließlich kommen wir zum Finale, wo es sich Stromberg endgültig mit Bäcker verscherzt, als er vor der versammelten Mannschaft seine Tochter als Presswurst bezeichnet und als Strafe ins Archiv versetzt wird zu Herrn Wutke. Aber ich habe ja keine Witze gemacht über die Tochter vom Chef, ne? Herr Wutke, das ist jetzt Quatsch. Tochter, hör mal die grünen hier, ne? Die tun wir aber schön tackern, ne? Nicht bloß klammern, sonst flättert alles rum und dann geht das Gesuch los. Mit sowas fangen wir gar nicht erst an. Stromberg. Nicht nur im Gebäude, sondern auch in der Personalhierarchie ganz unten angelangt kann nur noch eine Sache Strombergsgeldbeutel und Aufmerksamkeitsdrang befriedigen. Autogrammkarten im Autohaus verteilen. Ja, wie gesagt, eben war hier noch der Teufel los und nächste Woche habe ich wieder was. Da bin ich in Niedernberg mit dem Bernt Klüver. Was hat der noch mal gesungen?

Auch die über die Serie aufgebauten Plotlines der Nebencharaktere finden am Ende von Staffel 2 einen würdigen Abschluss. Ernie wird von seiner ersten richtigen Freundin zwar verlassen, nimmt aber wichtige Erkenntnisse mit und Ulf macht Tanja nach vielem Hin und Heratsantrag. Ebenso zufriedenstellend ist das Vorbild der Serie. Dort hat David Brand sowohl am Ende der zweiten Staffel als auch des Christmas Specials essentielle Charaktermomente. Erstens lässt er in wahrscheinlich einer der subtil epischsten Szenen. Subtil episch ist auch, ich weiß nicht, ob das ein Oxymoron ist, aber wenn ihr die Szene guckt, dann wisst ihr, was ich meine. In einer der besten Szenen der Serieneschichte lässt David Brand erstmals alle Masken fallen, als er seine Bosse erfolglos darum anfleht, nicht entlassen zu werden. Please. David mind. Der zweite denkwürdige Moment ist, dass David Brand seinem Freund, eigentlich Bully Chris Finch erstmals die Stirn bietet, als dieser sein Date mit einem Hund vergleicht. Noch mal, ich habe ja gesagt, dass die Office UK perfekt ist und diese zwei Szenen spielen eine essentielle Rolle in dieser Bewertung. Bernt Stromberg erreicht nie diese emotionalen Höhlen, aber das verrotten im Archiv war die ideale Gelegenheit, das Kamerateam ein für alle mal aus der Kapitol zu verbannen. Ich finde eine Szene so stark, in der er nachdem alles verloren ist noch mal bei Herrn Becker angekrochen kommt. Ganze Helios Geschichte noch mal nachgedacht und in China ist eine Wurst geplatzt. Ist ja dann doch viel mit Rumreiserei und so und sie macht, das ist mir komplett egal. Ach Gott, der Schalbeblock ihr V sagen auch was essen? Ja, ich wollte gerade in die Kantine. Genau. Mir ist ja ein bisschen schlecht. Ich gehe vielleicht besser. Für mich sind diese Aktenkoffer und dieser Blick das Äquivalent zu Office UK gewesen. Tragischer geht es eigentlich nicht. Als sexueller Creep verrufen und von der ehemaligen Abteilung isoliert wäre das hier ein perfektes Ende für Stromberg gewesen, die Figur und die Serie. Ich werde jetzt nicht spoilern, aber es hat einen Grund, warum das Ende von The Shield so zufriedenstellend ist und Stromberg hätte es ähnlich machen können. Zu wissen, wann und wie eine Serie zu enden hat, ist große Kunst. Christoph Maria Herbst und Rif Fußmann ließen in Interviews früh verlauten, dass der Erzählstoff limitiert sei. Prinzipiell könne man das Format in der Form, in der es war, nicht endlos erzählen. Bei all dem, was Stromberg da treibt, müsste die Versicherung irgendwann einmal reagieren und dem Treiben ein Ende setzen. Das Zauberwort ist Müsse, denn ja schließlich Release Staffel 3. Und wisst ihr, das ist actually eine gute Idee gewesen. Der neue Boss Wmeer ist geil auf Publicity und ihm geht Beckers Sparkassenfresse eh auf den Sack. Also holt

Er das bekannte Werbegesicht wieder zurück in die Abteilung. Das ist im Prinzip einigermaßen schlüssig, da die dritte Staffel außerdem einige der ikonischsten Momente überhaupt bereit hält, werde ich hier jetzt sicher nicht auf Old Man Yels at Clouds machen. Aber zieht man Strombergs ganze Escapaden in Betracht, sind das Rumschäkern mit Nicole und Jennifer und das Reconnecten mit der Abteilung schlicht nicht nachvollziehbar. Der Realismus beginnt zu diesem Zeitpunkt weitesgehend in den Hintergrund zu treten. Das ist eben der Preis, den man für Jochen, Lman oder Kopup Rudi zahlen muss. Ist okay.

Leider folgen auch die Skripte der einzelnen Episoden der gleichen Marschrichtung. Die Handlung wird unplausibler. Die Charaktere beginnen sich seltsam zu verhalten. In der Protest entdeckt Stromberg quasi per Zufall, dass er durch gute Taten im Ansehen seiner Mitarbeiter steigt. Wer hätte das nur gedacht? Und weil er sich so für sein Team einsetzt, erhält er Blumen, Kekse, Umarmungen und darf in der Kantine sogar neben ihn sitzen. Als der Abteilung von oben ein unzumutbarer Haufen Arbeit aufgebürdet wird, solidarisiert Stromberg sich sogar in dem Maße, dass er zusammen mit ihnen vor das Büro von Wemmeier marschiert, um zu protestieren, nur um dann komplett abgekanzelt zu werden. Der Protest schlägt fehl. Egal. Trotz der erwartbaren Niederlage hat die Mobilisierung Stromberg so stark mit Erika, Ernie und C. zusammengeschweißt, dass er sich fort an mit ihnen zusammen gegen die menschen unwürdigen Strukturen der Versicherungsgesellschaft auflehnen sollte, ist was ich an dieser Stelle gerne gesagt hätte. Denn natürlich wurde der Protest nicht als Impuls genutzt, um der Figur für den Rest der Staffel eine neue Facette zu verleihen. Das wäre ja viel zu subversiv gewesen. Nein, wir verpassen der ganzen Abteilung einfach eine Gruppenlobotomie, damit der Chef in der nächsten Folge wieder der Boomann sein kann.

Wie jetzt? Das war jetzt ihre ganze Aktion. Ich dachte, sie wollten sich für uns einsetzen. L toll. Sie sind ja ein toller Kämpfer. Erika, bist du irgendwie dumm? Er ist gerade mit euch zu seinem Vorgesetzten marschiert und hat mit Arbeitsverweigerung gedroht. Du hast live und in Farbe mitbekommen, dass er sich eine Abreibung geholt hat. Soll er Wem ja eine reinhauen oder was verlangst du? Dass das Büro ihren Chef nach dem erfolglosen Putschversuch wieder wie Arsch behandelt, als wären alle von Will Smith geblitzdingst worden, wirkt durch und durch künstlich. Auch Nicole und Karneval sind Folgen, in denen Stromberg nach ein bisschen Trixerei als Sieger durchs Ziel laufen könnte. Als temporärer Sieger würde ihm das Drehbuch nicht komplett konstruierte Knüppel zwischen die Beine schmeißen. All das ist aber verschmerzbar, weil daraus eh keine größeren Auswirkungen auf die übergeordnete Handlung entstehen. Ganz im Gegensatz zur Premiere von Staffel 4, nach der ich mich am liebsten lobotomiert hätte.

Staffel 4 ist bekannt für Finnsdorf, weil Stromberg aufs verhasste Dorf versetzt wird, um eine runtergekommene Kapitolfiliale zu schmeißen. Die Staffel hat zwei riesige Probleme, aber denen widmen wir uns gleich. Hier soll erstmal ganz kurz beleuchtet werden, warum unser Protagonist in der ersten Folge überhaupt versetzt wird. Also Stromberg übersteht einmal mehr auf magische Weise jede Kontroverse und steht for some reason kurz vor einer Beförderung. Frag mich, macht keinen Sinn. Aber wie kriegen wir ihn von da? nach Finzdorf. Nun ja, Stromberg und Gluta Martin, der Nazikoch, liefern sich seit der ersten Staffel Wortgefechte und auch in besagter Folge treffen sie mehrmals aufeinander und jedes Mal verhält sich Stromberg ihm gegenüber wie der letzte Trottel, was ja eigentlich zu seinem Charakter passen würde im Prinzip, aber diesmal stehen seine Vorgesetzten daneben, bei denen gerade eine potenzielle Beförderung auf dem Tisch liegt. Das hindert Stromberwerk aber nicht daran, sich wie ein Kind zu benehmen. Erst zerbrüselt er einen Blaubeer Muffin auf der Theke und dann macht er sich im Treppenhaus über den Koch lustig.

Ach du Scheiße, auch ein schlechtes Omi hier, ne? Der Kantinenbinladen. Bitte. Ja, woll heute grüne Bohnen als Froschchenkel verkaufen? Was ist so? Ich wür sagen wir gehen einfach mal ist ne ja hoch würde ich auch sagen und ja meintwegen kann man hier noch sagen Übermut blind vor Freude Wemmer und er sind ein bisschen auf Linie. Okay, gut. Meinetwegen winke ich das durch. Alles okay. Schließlich folgt aber das letzte Treffen ohne Wier. Ach. Ja, haben wir sie geweckt? Ich wollte den bezahlen. Nee, komm her. Den übernehme ich unseren Pafrika Düsen oder was sonst so weg muss für meine Horde. Nur noch was vorne liegt. Aber Kinder, ihr müsst ja irgendwas da haben. Nur noch was vorne liegt. Nur noch was vorne liegt. Am besten stellen sich selber mal ins Wasser und machen sich heiß als Würstchen. Ich bezahle. Nee, komm her. Solang unser Mikrowellenmongo hier nichts auf die Kette kriegt müssen. So, jetzt reicht's. Ich werde mich über sie beschweren. Okay, hier steht Herr Trisetau, den Stromberg vorher noch als einen von ganz oben beschreibt, wo die ganz dicken Dinger durchgewunken werden und der auch im Gespräch um seine Beförderung beteiligt war. In diesem Setting wäre selbst von ihm ein Mindestmaß an Zurückhaltung zu erwarten gewesen, aber wir haben halt nicht mehr Staffel 1. Na ja, wegen der Beleidigung beschwert sich dann der Koch und Stromberg wird nicht nur nicht befördert, er muss in eine abgelegene Fiale aufs Land. Und mein Punkt ist, hätte das Drehbuch ihn nicht künstlich zu einem absoluten Volltrottel gemacht, wäre das nicht passiert. Er wäre befördert worden. Das meine ich mit Plotconvenience. Es wurden einfach IQpunkte rasiert und das sieht man auch am Ende der Folge, weil das ist auch wieder so schrecklich. So als die Versetzung nach Finzdorf in trockenen Tüchern ist, versucht sich Christoph Maria Herbst zunächst an einer furchtbar schlecht performten Joker Imitation. Nicht mehr tragbar. Ich nicht mehr tragbar wegen sonnem Pipi Fax Cousin war der Welgenberg. und zerlegt dann sein Büro mit einem Golfschläger, weil er sauer ist, checkt ihr? Und er dreht durch. Versteht ihr? Habt ihr, habt ihr es verstanden? Okay, also Stromberg wird dann versetzt und wisst ihr, ich bin ein riesiger Fan des Tapetenwechsels. Ich mag Fenstdorf, ich mag Achim, Magda und Günther Nering und Thorsten und Helene Großjohann und Achims Freundin und ja, ich liebe alle hier. Allein die Vorstellung der Mitarbeiter ist so traumhaft, dass ich sie euch in voller Länge zeigen werde. Hier haben wir z.B. die Frau Prell Witz Prellwitz, die kommt eigentlich aus Polen. Also schön die Kamera festhalten, nicht dass sie hinterher Oh, das ist der Fernsehen. Das Fernsehen. Genau, ist das Fernsehen. Habe ich ja gesagt, dass die jetzt hier so ein bisschen Ja, die Frau Pritz, die ist schon seit über 10 Jahren hier, aber eben Polen. Ja, das hier ist der Achim Dorfler, ne? Dörfler nach im Dorf kommt aus Finzdorf eigentlich aus Mösbach. Das liegt nicht direkt bei Finsdorf. Das ist, wenn sie runterfahren. Super, ne? Und hier soll ich jetzt was aufbauen mit meiner Erfahrung, was Teamführung anbelandt, Versicherungsmanagement und gerade im administrativen Bereich und so einem Kernstützpunkt. Mein ich könnte vielleicht mal Jungs grüßen von der FFF Freiwilligen Feuerwehrfin? Ja, komm, das ist jetzt mache ich mal Heizung runter. Wenn so viel Leute da sind, ist ja leicht stickig. Wir spucken in die Hände, wir löschen dur und brände, Jungs. Hier ist der Achim W. Diese neue Konstellation bringt frischen Drive und neue Herausforderung für Städte Stromberg. Ich habe mir mal vorgestellt, dass er aus Bochum kommt oder so. Für mich ist er so ein Bochummensch und auf dem Dorf ist alles ein bisschen langsamer. Bei potenziellen Kunden werden Schnäpse gesoffen, freiwillige Feuerwehr, abgebrannte Scheune, Dorfkneipe. Man wird in den Männerchor genötigt und am Ende soll der abgenervte Stromberg sogar zum Schützenfest in Uniform. Im Staffelfinale zieht er nach einer grandiosen Sequenz schließlich die Reißleine. Habe ich dem Ar schon ganz oft gesagt ist kaputter Tür. Ein Kaffee ist alles ist aber blöd. We ladet heute zu wegen Schitzenfest. Aber ist alles gut. Habe ich Jacke fertig gemacht. Wollen Sie anziehen? Nicht an probieren jetzt. Nee, nicht jetzt. Nicht morgen, nicht nie. Weg weg.

Besonders interessant ist, dass obwohl er am Ende wegrennt, an vielen Stellen klar wird, wie gut Stromberg eigentlich aufs Dorf passt und welche Vorzüge dieses Environment einem von der modernen Welt heillos überforderten Menschen bietet. In einer Zeit, in der Dorfleben reflexartig mit der AfD assoziiert wird, ohne dass der Frust der Bewohner pauschal als dumm und rückständig bezeichnet wird, angesichts von Verstäterung, geschlossenen Sportclubs, Restaurants und anderen Partizipationsmöglichkeiten berücksichtigt wird, hätte die Staffel einiges leisten können, einiges kommentieren können. Z.B. die Vorzüge abseits der Großstadt, Vereinswesen, Solidarität, Regeln und so weiter zu betonen und anhand der Figur des Bern Stromberg zu durchleuchten. Was hätte das für ein Potenzial gehabt? Leider spielt die Finsdorfstaffel kaum in Finsdorf. Da die Macher offenbar Angst hatten, sich beim frischen Wind zu erkälten, musste Stromberg so oft es geht in sein natürliches Habitat zurück.

Strombergs ständige Rückkehr in die Stadt wurde mit zwei Handlungssträngen gerechtfertigt, von denen ich nicht weiß, welche ich beschissener finde, aber kombiniert ruinieren sie große Teile der vierten Staffel. Grund 1: Jennifer. Okay, bevor wir fortfahren, muss ich euch mal ganz kurz auf ein wichtiges Konzept aufmerksam machen. Das Schirle Dilemma. WM Siegtor Vorlagengeber Andre Schirle wurde 2016 von Borussia Dortmund verpflichtet für eine damals komplett absurde Summe von 30 Millionen Euro. Der Rekordeinkauf entwickelte sich schnell zum Transferflop. Das hatte viele Gründe, aber vor allem passte jemand mit seinem Skill Set einfach nicht in so eine Mannschaft. Hätten Tuchel Zork und Watzel mal vernünftig im Transfermarktforum gelesen, dann hätte man das vielleicht schon vorher ahnen können. Aber der Verein hat eh bis heute Probleme, Spieler für die richtige Position zu verpflichten. Es ist einfach nur ermüdend. Aber gut, das ist kein BVB Video. Was ich sagen will, ist, dass Schürle von den Fans und den Medien so viel Kritik bekam, dass es ihm persönlich auf jeden Fall sehr nahgehen musste, obwohl er im Prinzip wenig Schuld an der ganzen Situation hatte. Wenn ich mich über Schirle aufrege, rege ich mich also eigentlich über Borussia Dortmund auf. Das ist eine Distinktion, die man im alltäglichen Sprachgebrauch nicht immer leisten kann und somit schnell als Hate gegen die Person interpretiert wird. Gleichermaßen kritisiere ich im folgenden nicht die Schauspielerin Milena 30, nur weil die Produzenten die Figur der Jennifer unerträglich gemacht haben.

Also kommen wir zu Jennifer. Jennifer ist Strombergs Oofbeziehung/affäre/ keine Ahnung was. Wer aus die California geschaut hat, weiß, wie hart eine unglückliche Beziehungsdynamik eine Serie kaputt machen kann. Und bei Stromberg ist es ähnlich. Das Hin und Heriden zieht sich durch die ganzen letzten Staffeln und wird auf Teufelkomm raus mit den anderen Handlungssträngen verzahnt. Stromberg rennt Jennifer in jeder Folge hinterher und spielt dabei die gesamte Gefühlspalette durch. Von einfühlsam und empathisch über transparent, schleimig und anbiedernd bis hin zu ignorant, kalt sowie verbal und körperlich übergriffig. Isoliert betrachtet sind Jennifer Reaktionen meist nachvollziehbar. Betrachtet man aber die schiere Summe seiner Verhaltensweisen, macht es überhaupt keinen Sinn, dass sie sich auch nur ansatzweise von Stromberg angezogen fühlt, zumal er in dieser Phase langsam zum frauen betouchenden und rassistischen Soziopathen wird. Die Show scheint das zu spüren und lässt Jennifer gelegentlich dem Kamerateam erklären, sie sei halt einfach so ein sprunghafter Mensch und sie wisse selbst nicht genau, warum sie immer wieder zu ihrem Chef angekrochen kommt. Ich halte das für Lazy, denn all das klingt wenig überzeugend und eher nach einer Kapitulation der Autoren, die augenscheinlich wenig Wert auf einen dreidimensionalen Charakter legen und Jennifer schlicht als Spielball nutzen, um die Sendezeit mit zusätzlichen Konflikten zu füllen und ja Stromberg ein paar lustige Sprüche und Situationen zu entlocken. Ich muss das leider so deutlich sagen, fast jede Szene der beiden nervt. Wie immer finden sich hier und da Ansätze für interessante Entwicklungen, aber die Serie schafft es auch hier sämtliche Potenziale zu ersticken. Nicht nur findet keine Progression statt, alle diese Interaktionen und Szenen sind quasi komplett austauschbar. Das schadet erstens der Dramaturgie. Kaum ein Konflikt lässt sich konkret irgendeiner Folge oder Entwicklung der Kapitol zuordnen, weil alles so verdammt bedeutungslos und rangetackert erscheint. Da fällt selbst ein offensichtlicher Kontinuitätsfehler kaum auf. In der Folge Pärchenabend prallt Stromberg zu Beginn mit einer Mail von Jennifer. Ja, ansonsten ist alles mit Helge und der Schule okay gelaufen, ne? Mit ich ein kleinen Sony Jennifer. Mhm. Mhm. Leute, ihr habt eine Folge vorher noch mit Helge Mathe geübt. Ich meine, mir ist bewusst, dass sowas mal passieren kann, aber in Anbetracht der Masse an austauschbaren Langweilszen wirkt dieser Fehler dann doch irgendwie entlafend. Quasi so ein freutsches Plothole. Na ja, das zweite Problem bei der Beziehung der beiden ist der fehlende Realismus. Wie bei Ernie fallen einschneidende Ergebnisse im Leben von Jennifer und Stromberg komplett hinten runter. Die Beziehung der beiden ist derart unbeständig, dass man beim Schauen einer Folge bereits vergisst, in welchem Verhältnis sie gerade zueinander stehen. Man muss sich mal vor Augen führen, dass Schwangerschaft, mögliche Abtreibung und Fehlgeburt innerhalb von fünf Folgen abgehandelt werden. Nachdem Jennifer Stromberg eröffnet, dass sie das Kind der beiden verloren hat, essen die beiden im Finale kurz Kuchen. Stromberg ist kurz betroffen, aber dann wird dem viel relevanteren Thema Platz gemacht. So, jetzt ist Rubenkarton und zwar in den dreien hier und das draußen. Abmarsch. Sag mal, die wollen ja die Gesamtleitung wegnehmen. Komm. Um das Thema abzurunden, möchte ich euch noch eine kurze Szene zeigen, in der Stromberg zu Jennifer kommt, nachdem er Tanja so, ja, man kann es nicht anders sagen, zerstört hat, dass sie in der Küche sitzt und heult. Ah, Schürmchen, du Stück jetzt nicht, komm her, Mann. Was man als schovinistischen Macho Talk abtun könnte, ist leider die einzige Charakterisierung, die Jennifer verdient hat. Ich bin hier auf Strombergs Seite. Jennifers Persönlichkeit und Persönlichkeit steht hier in ganz großen Anführungsstrichen ist exakt so geschrieben, wie sich Weirde Insells das andere Geschlecht vorstellen als nerviges emotional aufgeladenes Weib, dem man es grundsätzlich nicht recht machen kann. Wüsste ich nicht, wie viel Spaß die Schauspielerinnen und Schauspieler beim Dreh hatten, würde mir Milena 30, immerhin eine der talentiertesten Darstellerinnen des gesamten Casts, ernsthaft leid tun mit diesem Material arbeiten zu müssen.

Das führt uns zum zweiten Faktor für das Versagen der vierten Staffel, Tanja oder um präziser zu sein, Tanja Storyline. Sie übernimmt nämlich Strombergs Posten, nachdem er nach Finsdorf geschickt wird. Und hier stehen die Macher vor einem eigens geschaffenen Problem. Da die Serie Stromberg heißt, muss der Namensgeber am Ende der Staffel wieder auf dem Chefsessel sitzen. Und tatsächlich im Finale erleben wir, wie das gesamte Büro gegen die Neuchefin Tanja meutert. Es geht darum, dass du hier eben nicht mehr so richtig den Rückhalt in der Abteilung hast. Ja, wir finden, dass es mit dir irgendwie nicht weitergeht, aber das habt ihr nicht zu entscheiden. Ulf, sag doch auch mal was. E mich kotzt das ganze von beiden Seiten so derbe an. Ich kann es kaum jemanden erzählen. Also, wir werden jetzt jedenfalls hier sicher nicht abstimmen, wer es Chef sein soll. Also ich w für Stromberg. Ich auch. Ich auch. Stromberg. Stromberg. Stromberg Stromberg. Betrachtet man nur diese Szene, poppen zurecht einige Fragezeichen auf. Einerseits wurde Tanja viele Jahre als eine kompetente, einfühlsame und beliebte Kollegin aufgebaut. Andererseits müsste sie über die gesamte Staffel so schlecht performen, dass selbst ein Bernt Stromberg die bessere Alternative ist. Sie muss sich so beschissen anstellen, dass nicht nur Ernie gegen sie ist, sondern selbst ihr eigener Partner keine Partei für sie ergreift. Zu was für einer böswilligen asozialen Hexe muss sich Tanja also verwandelt haben? Na ja, das Ding ist, sie hat sich nicht verwandelt. Um den Status Quo wiederherzustellen und künstliches Chaos zu schüren, entschieden sich die Autoren für die bequemere Lösung, die komplette Abteilung kollektiv verblöden zu lassen. Dass Stromberg sich nicht um die Mitarbeiter gekümmert und nur dann auf Leistung gepocht hat, wenn gerade mal wieder ein Vorgesetzter im Büro stand, haben die ersten Staffeln deutlich gemacht. Dennoch erledigten alle ihren Job. Es waren ganz normale Angestellte. Dementsprechend ist die Anarchie, die in Staffel 4 ausbricht, rational eigentlich kaum zu erklären. Exemplarisch dafür kann man sich direkt anschauen, was nach dem Führungswechsel passiert. In Folge 2 identifiziert Tanja Schwachstellen in der Abteilung und möchte alles so ein bisschen optimieren. Ihre erste Amtshandlung ist folgendes. Ach so und ich habe dann noch ein paar Ideen aufgeschrieben, wie ich die Abteilung gerne verändern würde, da ist auch für jeden ein Exemplar da. Relativ straight forward, ne? Allerdings regt sich schnell Widerstand gegen den diabolischen Sitzplan. Ja, kannst du dich hinsetzen. Ich setze mich auf jeden Fall nicht neben so ein so ein Leno auf. Ach Ulf, guck mal, ich habe doch dem Bäcker diese Vorschläge gemacht wegen dem Abrechnungssystem. ist bestimmt super, aber wie gesagt, ich setze mich nicht neben den nei, dass der Verlobte der Chefin nach Sonderrechten fragt ist zwar nachvollziehbar, aber Tanja hätte Ulf schon klar machen können, warum sie gerade für ihn aufgrund der Konstellation keine Ausnahme machen kann. Egal. Na ja, Stromberg macht sich dann darüber lustig, dass Ulf sich von der Chef in rumkommandieren lässt. Hat er etwa keine Eier? Was Ulf dazu bringt, sich hinter Tanjas Rücken bei Becker zu beschweren über seine eigene Verlobte direkt am Anfang. Ah, und Jennifer ist natürlich auch am Start und kotzt sich aus. Um ihr Problem mit Tanja zu identifizieren, können wir uns ja mal die letzte Interaktion der beiden vor der Beschwerde anschauen. Mein Ex, der kann den Kleinen nicht mehr jeden Tag von der Schule abholen und ähm ich müsste zwei Tage die Woche ein bisschen früher abhauen. Meinst du, dass das geht? Ja, nee, eigentlich nicht so einfach. Wie wann denn dann? Na ja, bis um 4 Uhr kann er meistens in der Schule bleiben. Das heißt, dann müsste ich hier so um kurz nach hal:3b los. Hatte das auch schon mit Stromberg besprochen. Der meinte, dass es geht. Na, das kann ich mir vorstellen. Wie? Na, stimmt do. Aber bei mir kannst du dich nicht einfach hinlegen und dann läuft es. Okay, in aller Ferien ist Tanja hier auch ein bisschen patzig, aber bei Gott, wie naiv muss man denn sein, ihr so selbstbewusst die Zusage eines mittlerweile versetzten Chefs als Argument dafür zu nennen, zwei Tage in der Arbeitswoche einfach früher abhauen zu dürfen. What the [ __ ] Was ist das? Was hast du eigentlich für ein Problem? Nee, geht nicht. Hätte auch gereicht. Toll an deiner Chefzeit. Jennifer, sie hat ja gerade durch die Blume quasi schon nee, geht nicht gesagt. Ist das wirklich ein Grund, sofort zum Vorgesetzten zu laufen? Na ja, es sind aber nicht nur Ulf und Jennifer. Auch die NPCs haben keinen Bock auf Tanjaas Sitzplan. Was macht ihr jetzt? H ich tausche mit Zibille. Das zieht hier immer so, wenn die Tür aufgeht. K einfach tauschen. Wieso? Weil, weil wenn jetzt jeder hier macht, wie er lustig ist. Hat ja nichts mit lustig zu tun, aber es zieht hier echt. Oh nein, es zieht ein wenig. Äh, ich widersetze mich einfach der Anweisung meiner Vorgesetzten, obwohl ich sie bisher respektiert habe und sie uns gerade erst sachlich erklärt hat, warum wir umgesetzt werden. Jetzt mal Real Talk. Selbst wenn ich meinen achtklässlern begründe, warum sich Person XY umsetzen soll, können die das in der Regel nachvollziehen und akzeptieren die Situation. Und das sind keine Arbeitnehmer. Umgekehrt benimmt sich in Staffel 4 die Abteilung durchgehend wie Schulkinder. In dieser Folge ist nur Mini Kicker und Torwandchießen mit Ernis Sitzball, aber irgendwann gibt irgendwie keiner mehr irgendeinen darauf, dass sie hier einen Beruf ausüben sollten. Kollegen hauen gegen Tanjas Willen einfach ab, gehen nicht an ihre Telefone, machen Sektuse. Natürlich ist auch Jennifer wieder ganz vor dabei, die, wenn sie nicht gerade ungefragt nach Finzdorf fährt, ihren nervtötenden Sohn mit in die Kapitol bringt. Eine Sonderrolle kommt hier Ernie zu, der ja eigentlich immer Abteilungsstreber war und in der Vergangenheit Selbstverbesserungsvorschläge eingebracht hat. Müsste der so ein neuen effektiven Sitzplan nicht gnadenlos abfeiern, vor allem, weil er von seinem Idult Tanja verfasst wurde. Ach nee. Ah shit, ich habe vergessen. Wir sind in Staffel 4 und der Arme ist mittlerweile so flenderisiert, dass nichts mehr von seinem Charakter bzw. Gehirn übrig ist. In einer Situation versucht Tanja eine halbe Minute lang Ernie eine Änderung zu erklären und er antwortet ihr einfach nicht. Er redet von komplett anderen Sachen, während er sich mit Schlagsahne vollschmiert. Eine abartig nervige und frustrierende Szene für die Zuschauer. In dieser Situation zerknüllt er Tanjas Pläne immerhin nur. Später malt er auch wichtigen Bilanzseiten wie ein Grenzdbel herum. Warum ist Ernie eigentlich nicht längst gefeuert? Ich dachte, der Markt regelt sowas. In meinem ganzen Leben bin ich noch nicht abgemahnt worden. Er, du kannst nicht dreimal die Woche mitten am Tag zu deinem Selbsthilfe Dings gehen, ständig mit irgendwelchen Grufties im Flur rumturteln, ja, und als Vollzeitkraft bezahlt werden. Der Fehler liegt halt auch irgendwo bei mir, denn ich behandle die Versicherung und alles, was hier passiert immer noch so, als könne es in der realen Welt existieren. Die Zeit ist aber vorbei. Die Diskussionen in der Kapitol wirken wie aus einem Paralleluniversum. Annie, hast du die Zer eigentlich schon abgerechnet? Ich finde die nicht im Computer. Nee, habe ich nicht. Aber ich habe dir doch am Montag schon gesagt, dass ich die brauche. Ohne die Zber kann ich die ganze Aufstellung nicht präsentieren. Die Vertalszahlen für Schneider schon mal geben. Ich habe die jetzt noch nicht fertig. Aber das sollte do am Montag schon da sein. Ja, ich krieg das jetzt aber auch so kurzfristig nicht mehr hin. Ich wollte übers Wochenende weg. Das alt aber so eine Szenen stehen sinnbildlich für Tanjas Weg durch die Staffel. Sie beruft sich auf die Vernunft der anderen, ohne zu wissen, dass das Drehbuch sie zu hörnt Clowns gemacht hat. Wobei eine bessere Metapher wäre wohl Lemminge, denn Stromberg schafft es auf eine komplett unplausible Art und Weise, die Massen hinter sich zu versammeln. Er kommt ständig in die Abteilung, verhindert mit irgendwelchen Sperenzien, dass die Leute ihren Job nachgehen und wird als so eine Art Rasputin aufgebaut, der die willenlosen Marionetten gegen ihre Chefin zum Tanzen bringt. Damit auch sie ständig auf Strombergs Manipulationen reinfallen kann, wurde Tanjas Hören ebenfalls einen Downgrade beschert, aber das ist an dieser Stelle eigentlich nicht mehr erwähnenswert. Das führt dazu, dass sie zum Ende der Staffel als herrisch und hysterisch charakterisiert wird, was eventuell nachvollziehbar wäre, wenn sich irgendwer ihrer Untergebenen Alters entsprechend verhalten würde. Bei permanenten Gas Lighting ist ihr jedoch kaum ein Vorwurf zu machen. Sie bleibt die einzig vernünftige Person in einem Irrenhaus. Aber ey, Tanja schmeißt trotz alledem nicht hin, denn wenn man sich auf einen verlassen kann, dann auf Timo Bcker. Bereits in Folge 2 macht er sein Standpunkt wehement deutlich. G, ich habe es Ihnen gerade gesagt und ich sage es Ihnen auch noch mal. Die Frau Seifert hat meine volle Rückendeckung. Glauben Sie wirklich, dass Sie hier noch mal Fuß fassen? Finstdorf ist für Sie Endstation und zwar völlig zurecht. Wenn Sie mich fragen, waren Sie immer eine Katastrophe für die Abteilung. Das ist meine Meinung. Tag. Und obwohl er Tanja aufgrund des IQ Gefälles mit der Abteilung manchmal zu unrecht kritisiert, steht Becker bis zum Ende auf ihrer Seite. Aber ja, kommen wir jetzt mal zum Staffelfinale, in dem wie ich euch schon gezeigt habe, offen gegen die Chefin gemäutert wird und der letzte Rest gesunden Menschenverstandes aus dem Fenster fliegt. Wolf setzt sich nicht für Tanja ein, weil er sich seit Strombergs Veretzung darüber aufregt, dass Tanja nur noch mit der Arbeit beschäftigt ist und keine Zeit mehr für ihn hat. In einer früheren Folge werden sogar die Flitterwochen kurzerhand abgebrochen. Das resultiert zwar aus konstruierten Umständen, aber die Reaktion von Ulf ist eine der besten Szenen der Staffel und zeigt, was für ein toller Schauspieler Oliver Wenck ist. Ich bin einzigartig und wertvoll. Hau ab jetzt. Geil, ey. Genauso mir das vorgestellt. Genauso. Ich heirate die und dann kommt diese scheiß und mich. Ich will auch mal was leben und und nicht immer nen diese scheiß Parken. Das ist die Kapitulation vor dem seelenlosen 95 Alltag eines Mitarbeiters, der in betrieblichen Routinen feststeckt und nur noch aufs Wochenende und die paar Urlaubstage schielt, um seiner traurigen Existenz kurz entfliehen zu können. Dieses Motiv bietet enormes analytisches Potenzial. Einer der besten Kiz Tracks behandelt das Thema und oh wow, da gibt's ja eine richtig gute Analyse auf YouTube zu. Nicht schlecht. Wichtig ist, dass Ulf hier klar benennt, dass die Firma und nicht Tanja ihren Urlaub ruiniert hat. Eigentlich sollte die Kommunikation hier funktionieren. Sie hat ihm über die Staffel hinweg mehrmals nachvollziehbar begründet, warum sie länger bleiben muss und warum eine Karriere für sie eine gute Sache ist. Das ausgerechnet der materialistische Autotuning Messenulf, der bislang eher als jemand etabliert wurde, der gelegentliche Pausen von Tanja durchaus zu schätzen weiß, äh dass er diese Charakterentwicklung durchmacht, ist ein Stretch. Aber dass er hier die zentristische Position einnimmt, ist rational überhaupt nicht zu erklären. Ulf sieht, dass seine Frau von allen wie Dreck behandelt wird und macht gar nichts. Das ist enttäuschend und frustrierend für die Zuschauer, die in vielen Szenen gemerkt haben, wie doll er Tanja eigentlich braucht. Wir haben viele Jahre mit Ulf verbracht. Wir sind mit ihm zusammen diesen Weg gegangen. Wir haben diese auf und abs Tanja durchlebt und haben mitgefühlt, nur um hier einen Schlag in die Fresse zu kriegen. Im Gegensatz zu Tanja wird Stromberg von allen gefeiert, auch von Ernie, obwohl Stromberg in der gleichen Woche seine Freundin, seine tote Mutter und seine tote Freundin Erika beleidigt hat. Und in dem Zusammenhang stach für mich auch ein Detail raus. Bei der Gedenkfeier der verstorbenen Kollegin, die Stromberg einfach organisiert in der Abteilung, obwohl er nichts zu suchen hat, aber blabla. Da erinnert Ernie nochmals an eine Kleinigkeit aus der zweiten Staffel hier. Das war damals, als das war, wo Stromberg der Pulsfrau irgendwie an Hintern gefasst hat. Hab ich ja nicht. Also hier hätten die Autoren vielleicht eher mit dem Ansatz der Amnesie weiterfahren sollen. Dann hätte es vielleicht nicht ganz so grotes gewirkt, wenn Stromberg immer noch unbehelligt in Illustra Runde sitzt. Ach und Jennifer weiß nichts von der sexuellen Belästigung. Trotz wahrscheinlich mehreren Jahren in der Abteilung als Affäre von Stromberg. Alles klar. Alles klar. Und übrigens, dass er trotz mehrfacher Aufforderung die Abteilung zu verlassen und sogar ausgesprochenem Hausverbot weiterhin ein und ausgeht, wie es ihm passt. All das ergibt bereits wenig Sinn. Das Stromberg am Ende aber wieder den alten Platz einnimmt, wird noch mal besonders absurd konstruiert. Okay, also Tanja hat ein revolutionäres Abrechnungssystem entwickelt und stellt das mit Bäcker den Leuten von der Zentrale vor, bis auf einmal folgendes passiert. Ja, also das alte Abrechnungssystem ist sehen ja nun allen geläufig und ich habe sind fraglich nicht hier. Ja, ich kann mich dafür jetzt auch nur entschuldigen. Ich weiß nicht, da ist wohl einiges schief gelaufen. Der Ursprung der Folie ist also neben der absurden Fehlermeldung der schlechte Schauspieler hatten Reaktion der Bosse und dem fehlenden Backup. Ein absoluter Offenbarungseit des Drehbuchs. Seht ihr, die Serie impliziert, dass Stromberg das manipuliert hat. Zumindest war er im Raum, als Ulf ihm die Präsentation gezeigt und dann mit Tanja den Raum verlassen hat. Und Stromberg zeigt in der gleichen Folge später eine PowerPoint Präsentation mit diesem Foto von Erika. Also ja, das ist irgendwie die Schlussfolgerung. Lassen wir an dieser Stelle mal kurz außen vor, dass sich anscheinend jeder, wie er Bock hat an diesen wichtigen Laptop setzen kann. Ist eine andere Sache viel fataler, denn Stromberg wurde mal um mal teilweise mit kleinen Gags, teilweise aber auch mit ganzen Storylines, als computertechnisch unbegabteste Figur der Serie aufgebaut. Stellt ihn euch als eine Tante vor, die so eine Klapphülle hat und mit dem Zeigefinger ihre SMS schreibt. Ihr wisst, wovon ich rede. Das Stromberg das hier bewerkstelligen konnte, ist eine Zumutung gegenüber jedem Fan der Serie. Na ja, hier endet auf jeden Fall die Storyline der Chefin und schließlich folgt das letzte Gespräch der demontierten Tanja mit ihrem Mann. Also jetzt mal ganz ohne Scheiß, ich find es eigentlich echt super. So, weiß du, du bist so ganz langsam immer weiter mutiert. Ja, ich weiß, das ist nur eine Comedy Serie mit schwarzem Humor, aber irgendwie mutet diese Abschlussszene dann doch sehr befremdlich an. Dadurch, dass das hier so hundertprozentig ernst gemeint ist, wirkt das Ganze als sei das hier tatsächlich die Moral von der Geschichte gewesen, was vorsichtig gesagt Fragen über die Denkprozesse hinter dem Drehbuch aufwirft.

In der Kategorie Plotarchitektur markiert Staffel 4 den Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits in der dritten Staffel eingesetzt hat. Stromberg als Abfolge von lustigen Einzelszenen. Man mag fast sagen Sketches, die dem Zuschauer eine zusammenhängende Handlung vorgaukeln. Staffel 5 ist in dieser Hinsicht weniger frustrierend, weil hier von Anfang an klar ist, dass die Autoren überhaupt keinen mehr geben und sich auf all dem, was sie am Anfang der Serie geschafft haben, ausruhen. Denn die Wendungen und Twists sind noch eine Spur hörenrissiger als in vier. Das sind zwar die Figuren und das Setting von Stromberg, aber das Konzept erinnert eher an Monty Python Filme oder wenn man es Deutscher haben will Lady Kracher. Guck mal dieser Ausraster, guck mal dieser Spruch. Er hat Hund im Büro gesagt, aber obwohl nichts mehr Sinn ergibt, gibt's auch in Staffel 5 gute Seiten. Dass Stromberg z.B. damit durchkommt, sich auf einer Konferenz als Bäcker auszugeben und damit ein Stück weit eine Reputation ruiniert, ist so an den Haigezogen, dass man es fast schon charmant finden muss. Witzigerweise ist die Serie am Ende in einem Zustand, der in den früheren Staffeln durchaus auf Ablehnung bei den Autoren stieß, wie etwa in diesem Audiokommentar zu der Szene deutlich wird, in der Ulf er nie verarscht. Das ist natürlich so eine Sache, wo ich z.B. beim Schreiben auch überlegt habe, ist das nicht zu sehr Sketch, ist das nicht zu sehr Sitcom, dass da jetzt einer weggeht und dann hinten sich da der Stromberg ranschleicht und so. Also, das ist ja schon sehr sketchige Geschichte, aber dadurch, dass die beiden das da so weg Dateien geht's dann auch wieder. Also, da habe ich beim Schreiben z.B. sehr lange drüber nachgedacht, kann man das machen oder ist das dann zu sketchig? Und dann Enter, ne? Bitter, bitter, bitter, bitter. Okay, ich denke, ich habe jetzt genug auf dem Writing der letzten Staffeln rumgetrampelt. Wir müssen ja irgendwann mal fertig werden.

Kommen wir also zum vierten und letzten Aspekt, der ein Klassiker ausmacht, das kulturelle Echo und die Zeitlosigkeit. Z.B. mit dem lustigen Taschenbuch. Das ist ein Teil mediales Objekt, was so kulturell eingebacken ist in unseren Lebensalltag. geht mal in Kiosk und versucht mal kein lustiges Taschenbuch zu sehen. Da merkt man, wann etwas kulturell nachwirkt und wann nicht Rappertee. Um hier mal ganz im äh Themenbereich von Herr Pögler zu bleiben. Ja, aber etwas Zeitloses, etwas was sich über Ewigkeiten erneuter Relevanz erfreut und wozu Leute auch zurückkehren. Das ist etwas Wichtiges, etwas Zeitloses. Dorthin kann man zurückkehren, auch wenn es vielleicht sogar seine Zeitlichkeit im Produkt selbst ausstellt. Deswegen ein zeitloses Produkt, was kulturelles Echo erzeugt, ist etwas, was ein kulturelles gut wird. Am Ende des Tages, nach all dem Geschwafel kann man sich jetzt also fragen, ob das über 20 Jahre alte Stromberg gut gealtert ist, wie die Serie sich mit dem Zeitgeist verträgt, ob sie mit so vielen Sprüchen über Frauenschwule, Ausländer etc. vielleicht zu unsensibel für die heutige Zeit ist, wo man ja nichts mehr sagen darf. Oliver Wnuk, Schauspieler des Ulfs, Ulf Ulfs, keine Ahnung, gab dem Spiegel vor anderthalb Jahren ein aufschlussreiches Interview. Vom Gefühl her würde ich sagen, leben wir eine Zeigefingerkultur. Gott, das fängt ja schon mal gut an. Wenn unsere Figuren bei Stromberg Randgruppen aufs Korn genommen haben und sich damit aber eigentlich selbst degradierten, habe ich das Gefühl, dass es dafür heutzutage mehr Protest geben würde. Das klingt schon besser. Und ich möchte hier zur Illustration dieser Randgruppen, die aufs Korn genommen wurden, noch mal schnell zwei Szenen vorspielen. Es ist nur so, dass wir schon etliche Bewerber haben. Echt? Wen denn? Etliche. Ja, klar. Und ich wette, die haben alle zwei ganze

Arme. Hm. Ja, darum geht's ja nicht. Wir stellen ja nicht nach Anzahl der Arme ein, sonst setzen ja hier drei Tintenfische. Es geht nur um das fachliche, das ist wichtig. Behinderung ist kein Grund. Hier die Magdalena, die kommt aus Polen, die arbeitet ja auch hier. Also, da achte ich drauf. Es geht ja gegen Diskriminierung.

Ja, das sagt er jetzt der richtige, ne? Erika. Ja, hat sie aber recht, weil Aktenmongo haben sie gesagt. Ja, ne? Du bist ja nun auch manchmal. Nee, über ihn. Ja, das ist ja jetzt Quatsch. Nee, das stimmt, dass er hier er hier eigentlich auf Erika stehen müsste, weil in Indien ja die Kühe heilig sind. Das hat er hat er gesagt.

Äh das ist äh mehrfach. Kenner meines Channels wissen, dass ich schon oft die Verbindung zwischen schwarzem Humor und Menschenfeindlichkeit analysiert habe. Dabei habe ich gezeigt, wie gewisse Gestalten mit Witzen oder Ironie arbeiten, um die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, ohne Rücksicht darauf, ob Betroffene dadurch zum Sport freigegeben oder sogar ernsthaft verletzt werden. Und wenn ich selbst beim 50. Mal, wenn ich das schaue, immer noch über die Sprüche mit dem Tintenfisch, Polen, den Heiligen Kühen oder Akten [ __ ] lache. Dann natürlich einerseits wegen Strombergs Idiotie, der peinlichen Berührtheit der Angestellten und so weiter und so fort. Andererseits lache ich aber auch über die kreativen Verunglimpfungen von Randgruppen und sie damit indirekt oder sogar direkt aus oder wie ist das denn mit meinem linksgrün versifften Weltbild vereinbar? Ich meine, wo ist der Unterschied zu einem AfD-nahen Standup Comedian, der kreative Pointen nutzt, um Klischees über messerstechende Migranten und pädophile Transpersonen zu verbreiten?

Na ja, ich persönlich sehe dann Unterschied. Verzeiht mir den eher esoterisch-emotionalen Begriff, aber für mich ist der Weib hier entscheidend. Bei Stromberg spüre ich irgendwie, dass die Mache auf meiner Seite stehen. Weder höre ich von den Schauspielern oder Produzenten irgendeinen Cancel-Culture-Gehäule, noch ist die Fanbase auf einem Anti-Woken-Film. um den Begriff hier endlich mal reinzubringen. Christoph Maria Herbst sagte einmal: "Der klassische Stromberg-Zuschauer sei überdurchschnittlich intelligent, Gymnasiast, gebildet, jemand, der in der Lage ist, einen Haupt- und einen Nebensatz zu formulieren und fehlerfrei auszusprechen, dass man dabei und sorry, das Realität nicht sofort an den stereotypischen AfD-Wähler denkt, sollte klar sein." Die Zielgruppe hat er hier passend erfasst. Also natürlich gibt's verwirrte User, die Stromberg als ein Artefakt der Meinungsfreiheit verklären, gar als letzte Bastion gegen Political Correctness anführen oder ausnutzen, aber die Mehrheit der Fans und Mitwirkenden scheint genau zu wissen, wo die Serie zu verordnen ist. Nicht bei Böhmermann, aber auch ganz sicher nicht bei Somunchu nur oder Hallaforden.

Vor ein paar Wochen gab es auf Reddit ein Ask Me Anything mit Herbst, wo mein Eindruck nochmals bestätigt wurde. Er wurde gefragt, was Satire heutzutage darf. Ähm, ich darf alles sagen, aber ich muss die Verantwortung auch für das übernehmen, was ich sage. Das ist vielleicht äh die große Veränderung neuerdings und ähm ich finde es ganz gut, dass wir bisschen sensibler mal mit anderen und auch mit uns selber werden und vielleicht erstmal kurz abwägen und da früher sagte man einfach mal nachdenken, bevor wir reden. Das stünde glaube ich vielen zu Gesicht. Und das ist z.B. ein Wesenszug von Bern Stromberg, denn der denkt nicht nach, bevor er redet. Das macht ihn zu einer komischen, aber eben auch zu einer tragischen Figur und im echten Leben braucht das keine Sau. Würde Stromberg heute releasen? Würden dann auf Twitter ein paar Weirdos canceln, brüllen. Ja, wahrscheinlich. Besonders die Folge, in der Stromberg die schwarze Putzfrau sexuell belästigt und dann sie und ihren Mann als Mama Bakadi und ihr Gorilla bezeichnet, sowie diverse andere N-Bomben wären heute schon sehr grenzwertig. In af in Amerika würde ich nämlich die verklagen und nicht umgekehrt. Da würde ich hingehen und sagen hier, ich kann überhaupt nicht mehr sprechen, seit ihr mich geschlagen hat. Wups, ich könnte die überputzen, bis sie schwarz wird bzw. weiß oder wie nennt man das bei denen, wenn Herr Stromberg wir verhandeln h ein ernstes Thema. Hier kommt die deutsche Antwort auf Knofi an. Nee, das kann ja sein, dass man mein Humor in falschen Hals gerade auch auf Englisch, ne? Aber dann dann entschuldige ich mich. Ich habe ich überhaupt kein Problem mit, ne? Hier Blumen und alles. H ich hoffe, dass es bei denen nicht auch wieder hier ficki ficki bedeutet oder so. Also, ich liebe die Putzfrau, aber vor allem der Twist am Ende ist so moralisch ein bisschen okay, aber eigentlich im guten Sinne. Es ist ziemlich challenging. Mir ist bei sowas auf jeden Fall irgendwie wichtig, dass alles richtig eingeordnet wird. Und Stromberg hat eine Fanbase kultiviert, die dazu moralisch und kognitiv in der Lage ist. Ich weiß, das ist jetzt sehr pauschal gefasst, aber es gibt diese, soll ich das Wort jetzt mal verwenden? Diese Kulturgüter, wo man einfach weiß, woran man ist. Man sieht's unter jedem Highlight-Video. Und wo ich hier gerade YouTube-Kommentare einblende, die sind ja generell ein guter Indikator dafür, wie hart die Serie in Ehren gehalten wird. Und das wird sie, was kein Wunder ist, Stromberg ist eine dieser sogenannten Komödien, die man eigentlich immer wiederschauen kann. Sie reiht sich damit nahtlos neben Scrubs, King of Queens oder was auch immer ihr da für Kandidaten habt ein. Das liegt natürlich an all den bereits aufgeschlüsselten Faktoren, aber besonders rewarding ist es, weil der Humor so stark auf Subtilitäten setzt. Minimale Blicke, kleine Geräusche und unscheinbare Details, die eine unfassbare Komik entfalten können. Und manches sieht man erst beim zehnten oder gar hundertsten Mal. Selbst mir als bekennendem Groupie ist beim Skriptschreiben erst jetzt ein kleines Detail aufgefallen. Im Finale von Staffel 2 landet Stromberg, wie ihr wisst, am Ende der Folge den Nebenjob als Autogrammschreiber im Autohaus. Eine eigentlich nur C- oder gar F-Promis vorbehaltene Tätigkeit, die er dennoch als eine Art Karriereschritt abfeiert. Notgedrungen. Am Anfang der Folge erwähnt der Marketingtyp, der Stromberg später diesen Gig besorgen wird, beiläufig, man versteht es fast gar nicht richtig, dass er sich kürzlich um eine Autogrammstunde mit Costa Cordales gekümmert hat. Achtet mal auf Stromberg rechts. Ich bin sicher für einige hier im Haus ein rotes Tuch, keine Frage, aber die Stiere gehen im Stierkampf alle drauf. Das rote Tuch hält ewig. Ja, die Autogrammstunde mit Kosta alles, nicht wahr? Ich habe hier noch eine Idee von Herrn. Das ist ein süßes Detail, oder? Oder hier, das ist eine Szene, die mit einer für die Serie extrem untypischen Perspektive beginnt. Sie zeigt Strombergs Beine, der auf einem Tisch sitzt. Warum? Na ja, weil die Szene davor die letzte von Ernie war, bevor er sich zu seinem Auto begeben hat, um sich das Leben zu nehmen. Auch als ich dieses Skript hier erstellt habe, ist mir aufgefallen, dass ich nicht einmal nachgucken musste, wo ich welche Szene herkriege. Ich habe das so tief in meinem Kopf verankert, dass ich genau weiß, da ist dieser Witz, das ist diese Folge, da ist diese Szene, das kommt davor und so weiter und so fort. Meine Freundin und ich haben Stromberg so oft geschaut, dass bestimmte Sprechweisen und Betonungsmuster längst zu unserem Alltagsvokabular gehören. Lass mich das mal ganz kurz in der Praxis in diesem Moment beweisen. Keine Angst, ich will nicht angeben. Wobei das exzessive Schauen einer Serie auch ein weirder Flex wäre, aber nee, also ich will auf den Punkt hinaus. Wir nehmen mal diesen Spruch. Ich hab den Helgo und ich muss mit dem nachher noch Matte machen. Der schneidet das alles noch überhaupt nicht. Ja, aber da kauft man Blumen für fast 15 €, hängt den ganzen Tag in Doofdorf rum und dann kommt man extra hier hin und dann kommt hier gar nichts. So, es ist gerade der 30.12. und meine Freundin beklebt im Schlafzimmer die Nachtschränke mit einer Folie. Ich werde jetzt ihre Reaktion heimlich aufnehmen, wenn ich den ersten Teil dieses Zitats komplett random droppe. Weiß, als ich dir zum Weinstag Blumen für fast 15 € gekauft habe und dann kann man gar nichts. Jo, das behalten wir mal ganz kurz im Hinterkopf. Meine Beziehung ist natürlich eine Blase, aber auch außerhalb unserer Wohnung ist der Einfluss der Serie hier und da irgendwie wahrzunehmen. Vielleicht ist das alles Confirmation Bias oder das Baader-Meinhof-Phänomen, aber Sprüche wie "Läuft" oder so haben längst ihren Platz im Wortschatz vieler Alltagsmenschen und sogar Oberstufenschüler gefunden. Haben die alle Stromberg geschaut oder hat sich das verselbständigt? Selbst Kollegah, eigentlich nicht dafür bekannt, fremde Sachen zu adaptieren, spricht in Interviews und Promophasen, vor allem zwischen 2012 und 2017, auffällig strombergig. Aber ich will ihm das nicht vorwerfen. Ich will hier nicht im Glashaus mit Steinen werfen. Wenn ich Leute um mich rum mit Sprüchen darüber zum Lachen bringe, dass man mit ihrer Musik Junkies vom Hauptbahnhof vertreiben könnte oder es ja so aussieht, als sei die DDR einfach nur umgezogen, kennzeichne ich das auch nicht jedes Mal als geklaut, also als Zitat. Dass ich das Zeug so gut weiterverwerten lässt und sogar ein Eigenleben entwickelt, ist kein Zufall. Denn das Memepotenzial der strombergischen Sprache ist unerschöpflich. Jeder kennt das Wort, aber ein Meme oder ein Meme ist im Ursprung kein Internetgag, sondern ein kulturwissenschaftlicher Begriff. Richard Dawkins, der Wicher, hat ihn 1976 geprägt, um Ideen, Formulierungen oder Verhaltensweisen zu beschreiben, die sich wie Gene verbreiten, vervielfältigen und leicht verändern lassen. Und genau das passiert bei Stromberg. In der Serie finden sich zahlreiche sprachliche Rohlinge, also kurze Sätze oder eher Satzartefakte, die so anschlussfähig sind, dass sie mühelos in völlig andere Alltagssituationen übertragen werden können. Wenn ich z.B. meiner Freundin überraschend was zu essen mitbringe und sie in dem Moment zu busy ist, um meine selbstlose und gentlemanartige Geste wertzuschätzen, sage ich: "Da kauft man Sushi für fast 20 € und dann kommt hier gar nichts." Ich weiß, das ist für Außenstehende jetzt nicht super lustig. sind Inside Jokes ja generell nicht so hart, ne? Aber es illustriert einen entscheidenden Grund dafür, warum die Serie so gut gealtert ist, dass man die Sprache weiterverwenden, umbauen und immer wieder neu kontextualisieren kann, ist etwas ganz Besonderes. Und dass eine verhältnismäßig so alte Serie mühelos in die aktuelle Meme-Kultur übertragen werden kann, ist ein klarer Indikator ihrer Zeitlosigkeit. Frau hat mir gesagt, dass sie sie angegrabscht hätten. Cocolores, ich habe ich habe versucht, ein bisschen die ausländischen Dings zu integrieren. So sehe ich das nämlich und z klebt ihr mir eine. Ja, natürlich ist es legitim, dass die Hundeschule Schlenzer an der B341 einen Zaun errichtet, aber der Zaun muss vom Erscheinungsbild her auch dem Standard unserer Verbandsgemeinden entsprechen. Liebe Freunde, an keinem Ort wird die Memefähigkeit so zelebriert wie auf r/kapitolversicherungag. Dem Anlaufpunkt für alle Fans der Serie und German Rap Buddies, bitte verzeiht mir. Besten Subreddit aller Zeiten. Kurzer Exkurs. Ich war letztes Jahr beim The International 14, was ihr euch als Weltmeisterschaft des Moba Games Dota 2 vorstellen könnt. Disclaimer, ich spiel Dota schon seit vielen Jahren nicht mehr. Meine Glanzzeiten mit Lina und Lashreack sind vorbei, aber vier Kumpels von mir können einfach nicht damit aufhören und na ja, mit denen war ich dann in der Barclay Arena und und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie überwältigend das war. Nicht, weil ich irgendwelche Progamer oder Spielzüge live gesehen habe, sondern weil ich von 16.000 anderen Enthusiasten umgeben war und plötzlich, egal wo ich mich hingedreht habe, über Lieblingshelden, vergangene Turniere oder Taktiken diskutieren konnte. Dieses Gefühl, wenn du in voller Klarheit realisierst, dass dein Special Interest gar nicht so special ist und es fertig gebracht hat, eine passionierte Community zusammenzuschweißen, ist, wie ich finde, im Internet unbeschreiblich. Dass die sozialen Medien jeder noch so absurden und gefährlichen Nische einen Zufluchtsort ermöglicht haben, wo man sich mit Gleichgesinnten verständigen, vernetzen und na ja, auch radikalisieren kann, hat genug Schaden an der Welt angerichtet. Da brauchen wir uns alle nicht anlügen. Aber hier offenbart sich auch einer der Vorzüge dieses Phänomens. Plötzlich sind 50.000 Akten-Mongos außerhalb meiner Wohnung ebenfalls in der Lage, jedes Zitat der Serie zu identifizieren, weiterzuführen und auf andere Folgen zu beziehen. Dialoge werden einerseits schlicht nacherzählt und teilweise vermischt, aber in den Threads zeigt sich vor allem die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Stromberg-Sprache. So wird jede Meldung, die auch nur im Ansatz mit der Serie in Verbindung gebracht werden kann, gepostet und dann in Strombergisch kommentiert, z.B. die hochbrisante Info, dass Ernie Schauspieler in Hessen Abitur gemacht hat. Her, ich habe über ganze Helios Geschichte noch mal nachgedacht und in China ist eine Wurst geplatzt. Wenn ich eins hasse, dann ist es dieses aufgeblasene Getour hier. So, ich war in Zürich, ich war in Brüssel, ich war in blablabla, ich war auch schon mal in Brüssel ein Wochenende und die kochen da auch nur mit ganz lauwarmem Wasser. Ja, müssen sich die Kinder erstmal dran gewöhnen, aber sowas lernt man natürlich nicht in Brüssel, das ist klar. Ja, sie werden schon noch sehen, was ich alles in Brüssel gelernt habe, Herr Stromberg. Na, Herr Wecker, wie war's in den Ha Herr Stromberg? Belgischen Pommesgesichter mal schön Dampf unterm Dings gemacht. Den Haag liegt in Holland. All das kann sogar richtig politische Dimensionen annehmen. Russen [ __ ] steht auf einmal nicht mehr nur für Strombergs Lieblingspornoseite, sondern auch für das Kanzlerinnenduell auf welt.de. Ich bin schwul und das ist auch gut so. Jetzt mal ohne Scheiß, du bist ja jetzt nicht richtig, also jetzt in dem Sinne, was was immer so hört. Ich weiß ja nicht, was du so hörst, aber ich schätze, das meiste, was du so hörst, habe ich schon gemacht. Diese Referenzen haben der hat überhand genommen, dass ein eigenes Flair eingeführt wurde, um reines Zitate-Posten bei substanziellen Beiträgen zu unterbinden. Ich habe dieses Flair vor anderthalb Jahren selbst benutzt, als ich im Subreddit nach Kritikpunkten der Serie gefragt habe und gemerkt, dass das nur so semi funktioniert. Nein, es gab auch einen Haufen durchdachte und reflektierte Antworten, was ja für die konstruktive Seite des Subreddits spricht. Die Community ist sich nicht zu fein, ihre geliebte Serie out to callen, Schwächen zu benennen und zweifelhafte Marketingentscheidungen zu hinterfragen. Diese Haltung wurde beim neuen Film besonders deutlich, aber dazu kommen wir gleich. Auf jeden Fall hat keine andere deutsche Show auch nur ansatzweise so eine aktive Fanbase und nein, ich beziehe Dark da nicht mit ein, weil das für mich ein hochpoliertes Netflix-Ding ist, aber ich verstehe, wenn ihr jetzt hier an dieser Line Anstoß nehmen wollen würdet, ne? R/Kitolversicherung AG ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Stromberg auch 2026 noch lebendig ist, vielleicht mehr denn je. Doch diese Lebendigkeit hat auch ihren Preis. Dass das Produzententeam um Anne Feldhusen die Ausfahrt ums perfekte Ende mehrmals verpasst hat, haben wir uns ja vorhin schon angeschaut. Aber Staffel 4 und 5 und ja, mein Gott, wer es mag, auch der Film hatten ja dennoch noch einiges in Petto. Warum es 11 Jahre später noch einen zweiten Film gebraucht hat, kann mir dann wirklich niemand mehr erklären. Der Slogan "Alles wie immer" hat mich irgendwie ans Zuhälter-Tape 5 denken lassen und auch die Trailer waren schrecklich. Ich habe mir dann aus Prinzip vorgenommen, Stromberg 2 nicht zu gucken, also irgendwann werde ich ihn bestimmt mal sehen. Aber was mich im Nachhinein nach dem Release dennoch überrascht hat, war die Breite der Ablehnung. Vom Subreddit bis hin zur Mainstream-Presse war man sich ungewöhnlich einig. Witzigerweise soll der Film ausgerechnet daran gescheitert sein, dass er einen unerwartig sperrigen, subversiven Weg eingeschlagen hat. Das Marketing habe anscheinend komplett falsche Erwartungen geweckt. So eine Metal Gear Solid 2 Aktion im Prinzip. Also eigentlich wäre es ja genau mein Ding gewesen, aber wie gesagt, ich brauche ihn nicht in meinem Leben. Wie dem auch sei, die ganze Werbekampagne um das Release war auf jeden Fall grausam mit anzusehen. Also so gewisse Sellout-Tendenzen waren schon in Staffel 5 zu erkennen. Dort konnte ich die Werbung für Müllermilchreis und Nerfpistolen aber einigermaßen verkraften, weil das immerhin für ein paar witzige Bilder gesorgt hat. Ich stimme außerdem Husmann zu, der sagte, dass Produktplatzierung im Kino längst üblich sind. In Zeiten, in denen ganze Kontingente auf der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten sind, gilt das umso mehr für eine kleine Fernsehproduktion. Was Ende 2025 aber um den zweiten Film passiert ist, spottete sämtlichen guten Geschmack. Verschiedene Marken wurden direkt im Film über Product Placements eingebunden. Erdnusslocken von Lorenz, Airb-Flasche, Citron, ATU und Knabe Malz, das alkoholfreie Malzbier von Krombacher und Hand of Blood. Okay, zwei Influencer aus dem Air-Universum durften sogar als Komparsen mitspielen. Cool. Die größte Werbefläche ist natürlich Bern Stromberg selbst, der nicht nur als Chief Erdnusslocken Officer, CEO, versteht ihr, zu sehen war, sondern auch mit McDonald's eine Dokumentary gedreht hat und gefühlt monatelang überall in seinem scheißroten Anzug zu sehen war. Also zunächst mal, wer Flips kauft, der kauft auch Maß. Wenn ihr irgendeins dieser Produkte gerne esst, dann beendet bitte sofort euer Abo auf meinem Channel. Das ist zum Kotzen. Aber mal ernsthaft, McDonald's really? Also, ich spar mir jetzt einen langatmigen Sermon über seelenlose Konzerne, aber dass gerade Veganer, sorry, Ex-Veganer Christoph Maria Herbst sich für sowas einspannen lassen hat, ist irgendwie irritierend. Nicht Shirin David irritierend, aber dennoch irritierend. Vom Büro ins McDonald's Universum. Der Papa haut einen raus. Die Einführung des inoffiziellen Strombergsongs "Lass das mal den Papa machen" hat rückblickend tatsächlich den Anfang vom Ende markiert. Wobei, wann sind wir denn endlich am Ende? Angesprochen auf eine sechste Staffel, sagte Herbst, dass er ehrlicherweise noch nicht darüber nachgedacht habe. Wer es glaubt, wird selig, aber es ein Gedankenwert sei. Natürlich würde mich eine potenzielle neue Staffel nicht überraschen. Die Kuh will ja gemolken werden, aber die Macher sollten sich das ziemlich gut überlegen, weil akute Gefahr besteht, dass demnächst der Star Wars Kipppunkt erreicht ist. Danke, dass du fragst. Der Star Wars Kipppunkt ist der Moment, an dem die guten Produkte nicht mehr die schlechten aufwiegen können. Irgendwann sagt man nicht mehr: "Star Wars ist geil, bis auf die Prequels", sondern "Star Wars ist langweilig, bis auf 4, 5 und Andor." Ich habe auf jeden Fall richtig Bock auf Staffel 6, wenn Ernie im Rollstuhl in die Capitol gefahren kommt, Ulf stolz erzählt, wie reich er mit Rheinmetall-Aktien wird und der neue Arbeitskollege von Young Stromberg gespielt wird. Oh oh, ihr wisst nicht, wer Stromberg ist. Dann habt ihr alles richtig gemacht. Also, der Typ ist quasi der offizielle Imitator der legendären Figur. War Komparse im ersten und hat sogar ein Cameo im zweiten Film landen können. Vom Fan zum Komparse zum Strombi 2.0. Wow, also so viel Selbstüberschätzung, also Selbstbewusstsein hätte ich auch mal gerne. Wie sieht dieses Imitationsding denn in der Praxis aus? Spaß. Apropos, für all das und vieles mehr könnt ihr jetzt Mr. Spaß persönlich kontaktieren und zwar Moin schön als Sprachnachricht oder Video. Holy shit, und ja, ihr lest richtig. Für nur 274 € könnt ihr euch eine 3 bis 5 Minuten lange personalisierte Videobotschaft aufzeichnen lassen. Aber wenn euch das zu teuer ist, dann könnt ihr auch einfach eine Sprachnotiz haben für 34 €. Ohne Werbung nur 39. Wobei all das ist noch besser als sich Young Stromberg auf die Hochzeit zu holen, denn der Live-Auftritt, also der da auf der Homepage gepostet wurde, der zeigt schon, was für ein Totalausfall dieses gesamte Konzept ist. Die unangenehme Art und Weise, wie der Typ sich bei Fans, Schauspielern und Produzenten anbietet, wäre eigentlich ein separates Video wert. Sorry, ich muss mich hier ernsthaft zusammenreißen. Allein der Name Young Stromberg. Young Stromberg, du siehst aus wie Ende 30. What the. Das Ruinen der Subtilität irgendwann eine solche Gestalt erwachsen würde, war allerdings unvermeidlich. Young Stromberg ist nicht nur ein aufmerksamkeitsgeiler Fan, sondern das logische Endprodukt einer Marke, die sich vollständig davon gelöst hat, was sie einmal großartig gemacht hat. Wenn Bernt Stromberg einmal eine Figur war, die Macht, Opportunismus und soziales Unvermögen bloßgestellt hat, dann ist Young Stromberg das Gegenteil davon. Eine leere Oberfläche, die nichts mehr entlarvt, sondern nur noch bestätigt. Sein TikTok-Spam und seine Auftritte haben keine satirische Funktion. Sie kommentieren nichts, sie beobachten nichts, kritisieren nichts, sie existieren ausschließlich, weil jemand erkannt werden will. Young Stromberg imitiert nicht die Figur Stromberg, sondern das Bild, das Fans sich im Laufe der Jahre von ihr zurechtgelegt haben. Die Marke realisiert sich nicht mehr über Haltung oder Schärfe, sondern über Ähnlichkeit. Wer klingt wie Stromberg ist Stromberg, unabhängig vom Inhalt. Eine Welt ganz ohne Stromberg ist langweiliger als Ernis Haarschnitt. Warum ist Ernis Haarschnitt langweilig? Ich ich egal, das stimmt, aber eine Welt, in der Stromberg nur noch als Marketingfläche existiert, ist tatsächlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Gott sei Dank, die Serie weiterhin schauen, ohne Young Stromberg über den Bildschirm flimmern zu sehen. Alle meine Fellow Geisteswissenschaftler kennen dieses Phänomen aus Hausarbeiten. Man weiß von Anfang an, worüber man schreibt und zu welcher Erkenntnis man kommen wird, formuliert aber pflichtschuldig eine Leitfrage oder eine These, die man dann im Hauptteil belegt. Um es kurz zu machen, niemand würde auf die Idee kommen, Dark Souls den Status als eins der besten und wichtigsten Games aller Zeiten abzusprechen, nur weil das Spiel nach Anor Londo qualitativ abfällt. Und gleichermaßen würde niemand daran zweifeln, wenn ich sage: "Ja, Stromberg ist ein Klassiker." "Ja, Stromberg ist eine der besten Serien aller Zeiten." "Ja, ihr solltet Stromberg sofort gucken." "Ja, ihr sollt auch Staffel 4 und Staffel 5 gucken, auch den Film, alles gut, alles ist bei Prime." Ich war an vielen Stellen des Videos hart und vielleicht sogar überhart, überkritisch, aber nicht aus Hass. Ganz im Gegenteil. Meiner Meinung nach ist harte Kritik vor allem deshalb legitim, weil Stromberg, egal wo man hinguckt, über den grünen Klee gelobt und beinah bedenkenlos abgefeiert wird. Mir ging es darum auch mal ein Gegengewicht zu schaffen und der kritischen Seite der Fans einen wenig Raum zu geben. Eine Serie dieses Kalibers wird das aushalten und ich hoffe, es ist jetzt nicht zu antiklimatisch. Ich weiß nicht mal, ob das ein deutsches Wort ist, wenn ich mich hier ausnahmsweise mal kurz halte. Ich danke euch, dass ihr so lange dran geblieben seid und das alles geguckt habt und ich würde euch bitten, meinen Channel zu abonnieren und wenn ihr ein bisschen Geld übrig habt, dann lasst mir ein paar Patreon-Bucks da, das wäre klasse, weil wegen Copyright kriege ich von diesem Video hier kein Cent. Ich sitze hier Monate dran, ich mache kein Cent. Nein, es war ein Witz, ich mach's für euch. Nein, es war echt kein Witz, also ihr wisst, was ich meine, ne? Wir sehen uns sehr, sehr bald. Adios, amigas und Amigos. Guten Versuch, aber ich kann auch anders. Ganz anders kann ich. Was da draußen? Was die kapieren müssen ist, dass ich der Chef bin. Aber ich kann auch anders. Anders kann ich. Wir sind Kollegen, keine Freunde. Im Büro und im Büro und im Büro und im Büro. Und im Büro und im Büro und Büro. Ah.