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CHONGQING - Die größte Stadt der Welt - Megacity in China | WELT Doku

WELT Doku45:25

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Sie ist die größte Stadt der Erde, gewachsen in nur 14 Jahren, in einem Tempo, das selbst für China atemberaubend ist. Tokio, Mexico City, New York – längst hat Jean King alle hinter sich gelassen. Diese Stadt entwickelt sich sehr schnell, ihr Lebensstandard wächst, sie blüht auf. Chongqing strahlt hell. Nur an der PR hapert es noch. Außerhalb des Reichs der Mitte kennt fast niemand die Megametropole. Dabei ist sie so groß wie ganz Österreich, hat aber viermal so viele Einwohner. Chongqing, die größte Stadt der Erde, mit 32 Millionen Einwohnern.

Es begann mit diesem Bauwerk, dem Drei-Schluchten-Damm. Kein anderes Wasserkraftwerk auf der Welt erzeugt so viel Strom. Der Jangtse staut sich in einem künstlichen Becken, das doppelt so groß ist wie der Bodensee. Den Planern geht es nicht nur um Energie. Der Drei-Schluchten-Damm schafft eine neue Weltmetropole. Die Ingenieure verstehen sich auch als Ingenieure der Gesellschaft. Seit durch den Drei-Schluchten-Damm der Wasserpegel angestiegen ist, wurde der Transport von großen Gütern in die Stadt Chongqing viel leichter. Die Kosten dafür sind um ein Drittel gesunken. Das hat zu einer rasant schnellen Entwicklung von Chongqing geführt. So kommen jetzt auch Container von Hamburg Süd ins ferne Chongqing. Selbst 10.000-Tonnen-Schiffe können nun auf dem Jangtse bis dorthin fahren. Durch den Damm stieg der Wasserpegel um 70 bis 100 Meter an und der Strom wurde um 100 Meter breiter. Das hilft jetzt auch, den Westen Chinas zu erschließen.

Der Aufstieg Coachings ist von langer Hand geplant. Hier an der örtlichen Südwest-Universität wurde die Strategie unter den Augen Maus ausgetüftelt. Es ging darum, das Ungleichgewicht zu überwinden zwischen den reichen Küstenstädten im Osten, Shanghai, und dem unterentwickelten Westen. Der Drei-Schluchten-Damm hat Jean King zu einer enorm wichtigen Stadt gemacht. Sie spielt die Schlüsselrolle beim Planen, den Westen Chinas voranzubringen. Deshalb hat die Regierung Chongqing zur eigenen Provinz erklärt. Die Stadt hat jetzt denselben Status wie Peking und Shanghai. Das alles zusammen verwandelt Chongqing in eine boomende Metropole.

Früher war Chongqing eine Stadt in der Provinz Sichuan. 1997 wurde sie samt Umland zum eigenständigen Stadtstaat, wie vorher nur Peking, Tianjin und Shanghai. Bevölkerungsexplosion per Gemeindereform. So entstand ein künstliches Manhattan, eingerahmt von den Flüssen Yangtze und Jialing. Die Verwaltungsreform ändert Menschenleben. Dörfler aus dem Umland können jetzt ungehindert ins Stadtinnere ziehen. Aus Bauern werden Bürger, millionenfach.

Sowie Taxifahrer. Er wuchs in einem kleinen Dorf auf. Jetzt will auch er am Boom in Chongqing teilhaben. "Ich möchte mein Leben verändern, wie soll ich sagen, und die Qualität meines Lebens erhöhen. Ich bin jetzt 29 Jahre alt. Bald werden meine Frau und ich ein Baby bekommen. Ich möchte nicht, dass mein Kind einmal so lebt wie ich. Es soll eine bessere Ausbildung bekommen. In dem Dorf, aus dem ich stamme, gab es nur zwei Bücher. In der großen Stadt eröffnen sich für Kinder ganz andere Möglichkeiten."

Barfuß oder heiter? Ja, in zehn Jahren wuchsen hier 500 Wolkenkratzer in den Himmel. Selbst das Modell der Stadt ist riesengroß. Die Leute drängen sich, so wie diese Eltern vor einer Schule. Nur ganz oben behält man den Überblick. Mit Steuernachlass und Zuschüssen fördert Peking die Metropole im westlichen Hinterland. Davon profitiert auch das Unternehmen Lifan, ein führender Autohersteller Chinas. In München gründete die Firma vor 20 Jahren mit neun Mitarbeitern und einem Startkapital von umgerechnet 20.000 Euro. Jetzt setzt er Milliarden um. VW will Toyota als größtes Autounternehmen der Welt ablösen. Aber VW kann nicht 100, 200 oder 300 Jahre auf Platz eins bleiben. Eines Tages wird es von einem chinesischen Autohersteller überholt.

Untermauert wurde Capitalist in München. Verfolgt heute ist er selbst für den Präsidenten ein gesuchter Gesprächspartner. "Diese Geländewagen haben wir gerade herausgebracht. Er wird sofort auf den Markt gehen. Alles ist fertig dafür." Eine typische Chongqinger Karriere hat Chefingenieur Chin hinter sich. Zwölf Jahre arbeitete er bei General Motors in Detroit. Jetzt nutzt er die Erfahrung für seine Heimatstadt. Doch sind die Kapazitäten klein im Vergleich zu Wolfsburg oder Sindelfingen? Aber die Zuwachsraten sind größer, viel größer. "Im letzten Jahr produzierten wir mehr als 60.000 Limousinen. Davor waren es nur 30.000. Wir haben uns also verdoppelt. In diesem Jahr werden wir noch einmal 50 Prozent drauflegen. Wir spielen Personalkosten kaum eine Rolle in der Technik liegt. Wir fahren nicht nur im Vergleich zum Westen zurück, sondern auch weit hinter Shanghai." Volkswagen. Doch dafür sind hier die Löhne extrem niedrig. Mit billigen Autos wird das chinesische Hinterland bedient.

Chongqing gehört zum mittleren Westen Chinas und ist hier die zentrale Metropole. Die Küstenstädte wie Shanghai haben sich zuerst entwickelt. Städte im Landesinneren wie Chongqing folgen. Das wird helfen, in Zukunft auch entlegene Gebiete wie Xinjiang und Tibet voranzubringen. Ein riesiger Markt. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind fast unbegrenzt. Es fällt auf, wie viele Frauen hier in der Produktion arbeiten. Auch das zeigt: Hier wächst ein Unternehmen der Zukunft in einer Stadt der Zukunft. Nebenan ist die Baustelle für die nächste Fabrik von Lifan. Hier entsteht die neue Karosseriewerkstatt und hier die neue Lackierwerkstatt. Die Kapazität liegt bei 50.000 Fahrzeugen im Jahr. Aber in Wahrheit wollen wir 70.000 Fahrzeuge produzieren, in zwei Schichten. Für den zweiten Bauabschnitt der Fabrikhalle haben wir nur zehn Monate gebraucht. Das ist auch ein Beispiel für die schnelle Entwicklung von Chongqing und Lifan.

Von der schnellen Entwicklung zeugt auch eine nächtliche Schiffsfahrt auf dem Jangtse. Energiesparlampen werden hier eher sparsam eingesetzt. Chongqing leuchtet in allen Farben. Die größte Stadt bietet großes Kino mit Großbildleinwänden zu Land und zu Wasser. Restaurants und Vergnügungszentren werben mit verlockenden Angeboten. So muss man nicht in den Zoo, um lebende Haifische zu sehen. Sie schwimmen im Aquarium einer Bar der gehobenen Preisklasse. Zelebriert wird der Exzess, die exotischen Cocktails, der maßlose Alkoholkonsum.

"Tanzen mit den Haien" heißt der Laden, und das ist kein Etikettenschwindel. "Unsere drei Fische stammen ursprünglich aus Südafrika, aber wir haben sie in New York gekauft. Sie sind jetzt schon ein halbes Jahr bei uns. An die Umgebung und unser Wetter haben sie sich bereits gewöhnt. Sie führen hier ein gutes Leben." Das gilt ganz sicher für die Neureichen in dieser neuerdings größten Stadt der Erde. Zu ihnen gehört Channing, die sich Coco nennt, in Anlehnung an die Pariser Modedesignerin Coco Chanel. Sie und ihr Mann fischen im Haifischbecken des hart umkämpften Marktes von Chongqing. Sie betreiben eine trendige Werbeagentur.

Wenn sie abends ausgehen, ist das nicht reines Vergnügen. Es dient immer auch der Kontaktpflege und dem Geschäft. Die Stadt schläft nie, wie ihr berühmtes Vorbild New York, im einst feindlichen, kapitalistischen Ausland. Inzwischen sind noch ein paar Freundinnen von Coco eingetroffen. Sie alle gehören zu einer neuen Generation von Chinesinnen, die Mao-Zeiten nur noch aus Erzählungen kennen, wenn überhaupt. In Chongqing ist jetzt Nacht. Ungeheuer viel los. Das ist nur einer von vielen solchen Clubs. In allen geht es wild zu. Diese Haifischbar. Neu wird schon länger gesucht. Immer etwas Neues. Ähnlich den Haien im Meer brauchen auch die Menschen in der größten Stadt der Erde einen gesunden Jagdinstinkt. Wie im Amerika der Goldgräberjahre muss man hier jede Chance für ein Geschäft wittern. Die Menschen von Chongqing gelten sogar im chinesischen Vergleich als besonders gerissen und erfolgreich.

Und das sind auch die besten Argumente, wenn man den Bund fürs Leben schließen will. Wang Ming heiratet heute. Er steht vor dem Haus seiner Braut. Die Hochzeitsfirma filmt alles. "Welche Zukunft bietet Chongqing Ihrer Familie? Welche Zukunft?" "Diese Stadt ist sehr schön, sehr bequem für unsere Ehe. Das lässt viele hoffen. Wie entwickelt sich die Wirtschaft?" "Chinas Wirtschaft hat die höchsten Wachstumsraten innerhalb Chinas. Die Menschen hier sind voller Energie. Die Bevölkerungszahl steigt rasant. Alles geht nach oben, auch unsere Einkommen steigen. Wir freuen uns."

In chinesischer Tradition will der Bräutigam mit Freunden seine Braut abholen. "Aufmachen, aufmachen! Wir haben rote Umschläge mit Geld. Das ist hier so Sitte." Wie alles andere, was jetzt folgt. "Rein! Von Roll!" "Darf ich hinein kommen?" "Auf die Knie! Auf die Knie, Ehefrau! Bitte geh mit mir. Ich überlasse dir dann meine Bankkarten." Hier dreht sich eben alles ums Geld. "Kein Problem. Ich gebe dir weitere Geldumschläge. Ich will zehn Stück." "Zehn?" "Na gut. Ich überreiche dir den Wert von 88 Umschlägen." "Ja, von 99 Umschlägen. Glückszahlen." Sie wirken. Sie hat aufgemacht.

Bei der ganzen Feier führen die Fotografen der Hochzeitsfirma Rose alles vor. "Fangen Sie an, Ehefrau. Komm mit mir nach Hause. Ich werde dich immer lieben, für dich sorgen. In deinen schwersten Momenten werde ich dich trösten. All mein Geld werde ich für dich ausgeben." "Dann streng dich an, mehr Geld zu verdienen." Wang Ming arbeitet für eine Airline als Sicherheitsbegleiter an Bord. Seine zukünftige Stewardess. Damit gehört das Paar zum neuen Mittelstand in der Megametropole.

"Wir gehen jetzt zu den Autos und fahren durch Chongqing." Die größte Stadt der Erde liegt sowohl in der Ersten als auch in der Dritten Welt. Durch ein etwas anderes Viertel zieht Architekturprofessor Chen Gang mit seinen Studenten. Weil Chongqing inmitten von Bergen liegt, nennt er die Exkursionen "Klettern". "Das stinkt. Woran liegt das? Die Volksregierung kümmert sich nicht um das Volk." Für den Professor und die angehenden Architekten dient das Elend vor allem zu Studienzwecken. Sie wollen es besichtigen, bevor es zu spät ist. "Schauen Sie auf diese Häuser. Vieles davon ist schon plattgewalzt. Auch die werden alle abgerissen. Die Hochhäuser nebenan zeigen, wie es hier bald überall aussehen wird."

Chinesische Städte verändern sich täglich. Ihre Bevölkerung wächst schnell. In Europa bleibt die Einwohnerzahl relativ stabil. Deshalb muss dort nicht so viel Neues gebaut werden. Chongqing heute lässt sich vergleichen mit London oder Paris früher. Die haben sich alle so entwickelt: Erst waren sie klein, dann kamen viele Leute von außen rein. Hohe Mieten werden altstadtbewohner in Vororte drängen. In China, Sozialismus, sind nicht alle gleich. "5, 4, 3, 2, 1."

Eine Mitarbeiterin der Hochzeitsfirma eröffnet die Zeremonie. Solche professionell organisierten Feiern sind in China üblich, und in Chongqing sowieso. Wer sich etwas leisten kann, zeigt, dass hier gern. Die Hochzeiten werden immer großartiger. Die Kunden geben immer mehr Geld dafür aus. Der Bräutigam erscheint als Superstar. Heiraten in einer aufstrebenden Stadt wie eine TV-Show wird die Feier aufgezeichnet, fürs elektronische Familienalbum. 300 Verwandte, Freunde und Kollegen erleben die großen Gefühle live. Die Eheringe kommen per Hubschrauber angeflogen. Liebe geht hier durch das Bankkonto, sofern es voll ist. Das gilt in der größten Stadt der Erde aber längst nicht für alle.

Auf den Straßen verdingen sich sogenannte Bahndamm-Lastenträger, die ihren Kunden die Einkäufe hinterhertragen. "Was kostet dieser Service?" "Wie finden Sie das?" "Sehr praktisch." "Nutzen Sie die Lastenträger oft?" "Ja, sehr oft." Jun Li trägt schwere Lasten. Sie gewöhnlich? Normalerweise 100 bis 200 Pfund. Körperlich weniger anstrengend und in deutlich gediegenerem Ambiente arbeitet Coco in einem Park. Liegt die Werbeagentur, die sie gemeinsam mit ihrem Mann betreibt. 20 Kaufleute und Designer sind bei Coco zurzeit angestellt. Die Geschäfte laufen gut. Die Mitarbeiter gehören zu den erfolgreichen jungen Stadtbewohnern. Gerade ist die Firma in diese bessere Lage umgezogen. Coco ist in Chongqing bestens vernetzt und schon länger im Luxus-Business tätig. Früher geriet sie Marken wie Armani und Chanel. "Was ist das?" "Das ist ein Werbeclip, den wir für eine Immobilienfirma entworfen haben." Die Agentur betreut inzwischen vorwiegend Kunden aus der Immobilienbranche. Die Wohnungspreise sind jetzt hoch und sie steigen weiter. Das ist gut für unser Geschäft. Die Immobilienpreise steigen in Chongqing um sechs Prozent pro Monat.

Coco und ihr Mann profitieren davon. Auch die angehenden Architekten hoffen auf florierenden Hausbau. Sie haben einen Bus angemietet. Bei ihren Exkursionen durch die Stadt müssen der Professor und seine Studenten hunderte von Kilometern zurücklegen. "Achten Sie auf die Kontraste. Hohe und kleinere Häuser sowie Grünflächen wurden hier gut ineinander verwoben. Chongqing gehören Berge, Täler und Flüsse. Das bietet uns Architekten interessante Möglichkeiten. Vor allem aber wird sehr viel gebaut. Wir können hier unsere Ideen mit denen der zukünftigen Hausbewohner zusammenführen. Für Architekten gibt es mehr zu tun als sonst irgendwo auf der Welt." Ganze Stadtviertel wie hier im Distrikt Shapingba sollen abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt werden. Weil die neuen Apartments aber teurer sind als die alten, verläuft die Abstimmung mit den bisherigen Bewohnern oft nicht so harmonisch wie gewünscht. Das erfährt heute auch der pensionierte Professor. Wo dann mit der hier in ganz andere Sache unterwegs ist. Da die Anwohner ihn für einen Regierungsvertreter halten, überschütten sie ihn mit ihren Klagen. "Diese Häuser werden abgerissen, um den Weg frei zu machen für eine Stadtautobahn. Wie Sie sehen, ist die Straße dort zu klein. Chongqing entwickelt sich sehr gut. Das verändert das Gesicht der Stadt."

Die Bewohner werden entschädigt, in der Theorie. "Sie erhalten ja sicher eine neue Wohnung." "Nichts haben die uns gegeben. Sie haben unser Haus abgerissen, aber uns nicht entschädigt. Sie haben versprochen, uns 300 Yuan für den Quadratmeter zu geben. Lächerlich wenig. Und das haben sie noch nicht einmal bezahlt. Auch unser Ackerland dort drüben haben sie uns weggenommen. Korrupte Funktionäre stecken sich Entschädigungen in die eigene Tasche, die eigentlich den Anwohnern zustehen. Das ist das neue Chongqing, von dem wir alle träumen." Als Symbol dafür steht Hongyadong, ein 11-stöckiges Einkaufs- und Restaurantzentrum. "Der Kunde ist hier nicht König, sondern Kaiser."

Am besten verkauft sich in diesen Hallen das Leibgericht der Bewohner von Chongqing: Hot Pot, wörtlich Feuertopf. Das Essen kocht auf dem Tisch des Gastes wie ein Fondue, aber garantiert ohne Käse. Ansonsten wird fast alles in die scharfe Brühe geworfen, von Lotus-Pflanzen bis zum Ende daran, Kulaken und Schweinen. Ihren immer nach dem Motto: Der Chinese ist alles, was vier Beine hat, das kein Tisch ist; alles, was schwimmt, das kein Schiff ist; und alles, was fliegt, das kein Flugzeug ist. In den Kesseln dampfen Chili-Schoten mit etwas Wasser durchmischt. Das Restaurant begann auf 16 Quadratmetern mit drei Töpfen. Heute hat die Kette 300 Filialen in der ganzen Welt. "Vorsitzende, guten Tag." Die Besitzerin, Hu, ist Abgeordnete im Nationalen Volkskongress. Hier mit Präsident Hu Jintao. "Die Menschen entscheiden gefällt. Scharfes und prickelndes Essen. Das hängt mit dem Klima hier zusammen. Die Sonne scheint selten, es ist feucht. Deshalb essen Chongqinger von ihrer Kindheit an Chili. Bei den Frauen kommt hinzu: Chili ist gut für die Haut. Aber alle Leute in Chongqing, egal ob Frau oder Mann, mögen besonders scharfes und prickelndes Essen." Ihre Kette "Kleiner Schwan" soll eine weltweit erfolgreiche Marke werden, wie McDonald's oder Kentucky Fried Chicken. Deshalb achtet die Chefin streng auf Hygiene. Personal gibt es hier ohnehin mehr als irgendwo sonst auf der Erde. Bleibt nur noch das Problem mit den Chili-Schoten. Denn selbst Liebhabern scharfer Küche ist der Feuertopf viel zu scharf. Kaum jemand ist mit Chili so abgehärtet.

Wird die Einwohner von Chongqing zwar ist der Markt der größten Stadt schon groß genug, um aber auch weltweit zu expandieren, fand die Feuertopf-Königin eine Lösung. Leute aus anderen Städten bekommen es bei dieser roten Sauce mit der Angst zu tun. Dann kam mir eine Idee: Einen Feuertopf mit zwei Hälften anzubieten, einer scharfen und einer weniger scharfen. So hat sich der Feuertopf weiterentwickelt und erobert von Chongqing aus andere Städte und die ganze Welt.

Sarah Hecken hat sein Taxi für unsere Reportage mit Kameras ausgerüstet. In Absprache mit den Fahrgästen zeichnet er einige Touren auf. "Frechheit, sich hier vorzudringen. Wo geht's hin?" "Zur Landstraße. Ich war zuerst da, aber die Leute haben heute keinen Anstand mehr." Er hat versucht, sich vorzudringen. Die Metropole ist ein Moloch. Mit gutem Benehmen kommt man hier kaum weiter. "Ich möchte noch nicht für die Fahrtstrecke bezahlen." Taxis sind relativ günstig. So sind sie das Verkehrsmittel des Mittelstands, dem der Bus zu unbequem, ein eigenes Auto aber zu teuer ist. Da diese Gruppe wächst, werden Taxis knapp.

Die Besitzer der Werbeagentur Coco und ihr Mann würden niemals ein Taxi benutzen. Aus ihrer Sicht ist das etwas für arme Schlucker. Er fährt ein deutsches Prestige-Mobil, sie einen japanischen Mittelklasse-Wagen. Purer Luxus in China. In 20 Jahren wird Chongqing so fortgeschritten sein wie Shanghai und andere moderne Städte der Welt. "Welcher Stadt wird es am meisten ähneln?" "Schwer zu sagen. Wohl nur so. Wie in New York werden manche ganz oben und manche ganz unten sein."

Lastenträger Liu spürt täglich, zu welcher Kategorie er gehört. Er muss seinen Kunden in den Bus folgen und schleppt Taschen zum Hauptbahnhof. Der Auftraggeber ist ein Kleinhändler vom Land, der sich hier auf einem Markt mit Spielzeug eingedeckt hat. Für die fast einstündige Schwerstarbeit erhält er umgerechnet etwa 2 Euro. So war auch Coco. Nutzte früher die Lastenträger. Das war, als es ihr noch nicht so gut ging wie heute. "Wohin gehen Sie?" "Zum Shopping nach Hongkong und Taiwan, um teurere Sachen zu kaufen. Fliege ich nach Singapur." Die Einkommensunterschiede werden immer größer. Auch die Architektur ist kontrastreich. Lastenträger Liu blickt von seinem Wohnsilo auf ein Werk der Hamburger Star-Architekten von Gerkan und Mag, das Opernhaus. Werbeunternehmerin Coco besitzt gleich mehrere Apartments in der Stadt. Parkplatzsuche ist ein Problem, das sie nur aus dem fernen Europa kennt. Wo sie lebt und arbeitet, kaufte sie sich jeweils einen bewachten Stellplatz. Auch ihr Wohnhaus hier verfügt über eine Tiefgarage. "Ich habe die Verwaltungsgebühr für diesen Monat noch nicht bezahlt." "Dann zahlen Sie sie halt später." "Als ich den Parkplatz gekauft habe, war noch billig, kostete umgerechnet 6000 Euro. Jetzt wäre er viel teurer."

Apartments sind für Coco und ihren Mann vor allem eine Geldanlage. Wie sich bald herausstellen wird. Wohnen sie in diesem gar nicht selbst, und sie vermieten es auch nicht. Bei Lastenträger Liu ist es genau umgekehrt. Er wohnt hier zur Miete, aber nicht allein. "Das ist meine Wohnung. Im Monat zahle ich 900 Yuan. Das ist sehr teuer für mich. Deshalb habe ich dieses Zimmer an jemand anderen vermietet. Ich selbst, meine Frau und unsere Tochter leben hier. Das ist unser Schlafzimmer. Sehr einfach, nicht wahr? Hier schläft unsere Tochter, wenn sie vorbei kommt. Ich habe drei Kinder. Alles ist relativ." Ihm geht es gut, verglichen mit den Bewohnern von Slums in Ländern, die unter ähnlichen Voraussetzungen starteten wie China. Im innerstädtischen Vergleich der Megametropole sind diese Lebensbedingungen aber schon wieder schlecht.

Dieses Gebäude ist von einem der renommiertesten Immobilienunternehmen in China errichtet worden. Das gegenüber ist eine der herausragenden Schulen Chongqings. Bei den Vergleichstests erzielt sie immer die besten Ergebnisse. Und wenn man hier wohnt, zahlt man verminderte Schulgebühren. In Chongqing sind heute manche sehr reich, manche sehr arm. "Wie finden Sie das?" "Das ist die Entwicklung der Gesellschaft, wie überall. Den Gut-Situierten geht es gut, den Verlorenen schlecht. Im Schnitt leben wir heute aber alle viel besser als früher."

Die Hauptbewohnerin dieses Apartments kommt, Kokos dreijährige Tochter. Sie heißt Claire. Ausländische Namen sind modern. Die Oma sorgt für die Kleine. "Guten Tag." Obwohl wohlbehütet, zerkratzt auch Claire eigene Bilder. "Das ist das Schlafzimmer meiner Eltern." "Diese Wohnung haben Sie für Ihre Eltern gekauft?" "Ja, das ist die Wohnung meiner Eltern. Unsere Tochter lebt normalerweise bei ihnen, weil wir sehr mit unserer Arbeit beschäftigt sind. Wir haben tagsüber keine Zeit, uns um das Kind zu kümmern. Mein Vater arbeitet noch, aber meine Mutter ist schon Rentnerin. Sie kocht. Oft kommen auch wir abends zum Essen vorbei und üben ein bisschen mit dem Kind. Ich bin wirklich gut. Ich bin noch klein, aber mein Ehrgeiz ist groß. Mama sagt, ich bin ein gutes Kind. Papa sagt, ich bin die Fleißigste. Seht nur, ich bin die Beste." Kinder, angespornt von Tiger-Müttern, Tiger-Großmüttern und Tiger-Erzieherinnen. Ziel ist immer die Nummer eins zu sein. Das gilt in China nicht nur in der Familie, sondern in der ganzen Gesellschaft. Das Fernsehen berieselt die Zuschauer mit Dauerpropaganda, wobei die kommunistischen Revolutionsbilder wie aus einer anderen Welt wirken.

Willkommen in Chongqing. Taxifahrer Parkt vor seinem Haus. Verglichen mit den neuen Reichen und Lastenträger Liu liegt sein Standard irgendwo in der Mitte. Dabei kam er als armer Einwanderer vom Land. "Hier wohnen vier Menschen: meine Frau, meine Schwester, meine Mutter und ich. Das ist meine Frau, sie ist schwanger. Ich bin im fünften Monat. Das ist meine jüngere Schwester, sie ist noch größer als ich. Das ist meine Tante, sie besucht uns gerade. Hier schlafen meine Frauen." Die Familie lebt hier zur Miete, aber das soll nicht so bleiben. In China strebt jeder nach dem Eigenheim. "Einen Fünfjahresplan für meine Familie habe ich. Einen eigenen Fünfjahresplan. Ich möchte in Chongqing eine Wohnung kaufen."

Dieser Spirit ist typisch für die Megametropole. Erfolg macht anziehend. Zu den derzeit 32 Millionen Einwohnern kommen jedes Jahr eine halbe Million dazu. Einige wollen auch abwandern, aber meist nur vorübergehend, um im Ausland Erfahrungen zu sammeln. Das Sprachlernzentrum der Goethe-Gesellschaft hilft bei der Vorbereitung. Einer der Lehrer ist Michael Seiten, der vorher in Chongqing für die Europäische Handelskammer arbeitete. "Wenn du, wenn du eine Stelle möchtest, dann willst du dich zu sagen: Okay, ich habe das zu bieten und ich möchte mich bei euch bewerben." Die deutsche Sprache ist nicht das einzig Fremde, das man hier lernt. "Durch zu berichten ist eine ganz neue Herausforderung für mich und ich denke, es ist spannend, das zu sehen und ist natürlich auch eine gute Möglichkeit, jetzt neben dem Chinesisch lernen Deutsch zu unterrichten. Das ist so, wie die Chinesen sagen: Zwei Vögel mit einem Stein erschlagen oder gefangen."

Bei der Bildungsoffensive in der größten Stadt der Welt ist Deutschunterricht eher eine Randerscheinung. Gerade neue Räume bekommen hat das Institut für Bildende Künste. Die Stadtregierung fördert hier vor allem die Fakultät Textil und Design. Sie sollen neue Mode entwickeln, von den Laufstegen Jenkin's für die Welt. Die kritischen Betrachter, die Designer und auch die Models sind Studentinnen und Studenten des Instituts. "Die Schöpferin dieser Kollektion hat anderthalb Jahre in Mailand studiert. Mailand können wir nicht unbedingt einholen, aber wir Modedesigner von Chongqing wollen unseren ganz eigenen Weg gehen, einen speziellen Stil entwickeln."

Eine Metropole der Zukunft. Baustelle reiht sich an Baustelle. Alles wird neu. Die Tradition verschwindet, so scheint es. Doch gelegentlich stößt man auf Spuren der Vergangenheit. Eine davon ist die Chongqing Opera, das lokale Gegenstück zur Peking Oper. Sie ist mehr als 200 Jahre alt. Bei manchen Besuchern bekommt man den Eindruck, sie seien von Anfang an dabei. Geboten wird heute die Konkubine Yang und der Kaiser. Typisch für die Situation, die hohen Sinn-Stimmen und die wechselnden Gesichtsbemalung. "Von klein auf gefällt mir die Sichuan Oper. Seit elf Jahren betreibe ich sie hier professionell. Bei jungen Chinesen löst die Situation oder Entsetzen aus." Die Jugend von heute bevorzugt Singen und Tanzen. Was sich auch beim Besuch des örtlichen Clubs zeigt. Er liegt in einem Vergnügungsviertel namens "Zufriedene Welt". Auffallen um jeden Preis gehört hier dazu. Jean King gilt in China als Hauptstadt des One-Night-Stands. Die Profi-Sängerin nennt sich Candy. Candy singt seit acht Jahren. Wenn sie damit genügend Geld verdient hat, möchte sie eine Boutique eröffnen. In der Garderobe bereiten sich weitere hoffnungsvolle Talente darauf vor, dem Georgina-Traum näher zu kommen. "Stalking ist meine Heimatstadt. Ich finde die Leute hier gut. Sie sind geradlinig, heiß und scharf." Das wird auch beim folgenden Auftritt mit vollem Körpereinsatz bewiesen.

Am nächsten Morgen beginnt Taxifahrer von seine Schicht. Er hat einen Traum, wie seine Zukunft aussehen könnte. Die Aussichten sind nicht schlecht. "Dollar. Ich denke ständig darüber nach. Mein Heimatdorf hat eine Besonderheit. Es liegt sehr hoch in den Bergen. Das Fleisch und das Gemüse von dort sind sehr sauber und gesund. Man kann sie als Bio-Produkte bezeichnen. Ich möchte später ein Restaurant aufmachen, in dem dieses Essen angeboten wird."

Umweltfreundliche Angebote haben in Chongqing Zukunft. Hoffentlich. Denn bisher gehört die Stadt zu den zehn schmutzigsten der Erde. Hier produzierte eine Chemiefabrik hochgiftige Pestizide. Das kontaminierte Wasser wurde ungeklärt in den Jangtse-Fluss geleitet. Es verseuchte die Umwelt bis in die Drei-Schluchten-Gegend. Hier starben alle Fische. Doch auch in China gibt es heute Protest gegen die Zerstörung der Natur. Der Professor gründete eine Bürgerinitiative und erzielte einen Erfolg. "Das sind hier die Überreste der Chemiefabrik. Durch die gemeinsamen Anstrengungen unserer grünen Freiwilligenliga mit der Regierung erreichten wir ihren Abriss. Sie wurde 300 Kilometer von Chongqing entfernt wieder aufgebaut, aber mit den modernsten Kläranlagen." Eine Kläranlage steht auch hier, um das Gift im Grundwasser zu reinigen, das mit jedem Regen wieder hochgespült wird.

Auch in Chongqing erinnern Monumente an Kommunisten, die im Kampf gegen den Kapitalismus ihr Leben verloren. Doch nirgendwo eröffnen sich dem internationalen Großkapital heute so viele Möglichkeiten wie in der größten Stadt der Erde. "Wenn man das anschaut, kommt und wie um die Hand setzen. Grenzen. Das dürfte gleichen Markt von 210 Millionen Leuten sein. Absatzmarkt des Modells ist ein bisschen weniger als das Inlandmodell. Die Besucher nicht wie jetzt an der Ostküste auf Export zu gehen, sondern mehr den Benzinmarkt über die Hand. Das ist wahrscheinlich noch der Anfang, oder vielleicht vor dem Anfang, aber noch ein bisschen, wo die Liga noch nicht verteilt sind und der ganze Kuchen noch nicht erteilt ist. Jawohl, ich war noch sehr viele Möglichkeiten gibt, wir fliegen, wo einzusteigen, groß rauszukommen."

Die Metropole der Zukunft. Die größte Stadt der Welt, gewachsen im Zeitraffertempo, und ein Ende ist nicht abzusehen. Chongqing – eine Stadt mit zurzeit 32 Millionen Einwohnern und einem komplizierten Namen. Es hilft nichts, man wird es sich merken müssen.