Transcription
Habt Geduld, Familie von Jasir, denn ihr habt einen Termin im Paradies. Das waren die Worte des Propheten, als er gesehen hat, wie Jasir, seine Frau und seine beiden Kinder, Amar und Abdullah, leiden mussten. Und deswegen, weil sie sagten: "Unser Herr ist Allah." Das war alles. "Unser Herr ist Allah." Sie zählten auch zu den frühesten Konvertiten. Und Jasir war der erste, der diese Worte mit dem Leben bezahlt hat, weil er sagte: "La ilaha illallah."
Wie genau er sein Leben verloren hat, weiß man nicht mehr. Einige sagen, er wurde an einem Seil durch die Straßen gezogen. Andere sagen, er wurde so zwischen zwei Pferden festgebunden und dann auseinander gezogen. Und seine Frau musste es mit ansehen. Seine Frau Sumaya musste es mit ansehen. Und sie schrie Abu Jahl an: "Was fällt ihm ein?" Sie schrie Abu Jahl an. Und der packte sie und stieß ihr einen Speer in den Unterleib und sie verstarb.
Man muss sich diese Szenen einmal bildlich vorstellen, nicht einfach nur als zweite Sätze, die in irgendeinem Buch stehen. So war die Situation damals in Mekka. Das konnte mit einem gemacht werden und niemand hat sich für einen eingesetzt. Du sagst: "La ilaha illallah" und du hast diese Worte mit deinem Leben bezahlt. Jasir und seine Frau Sumaya. Und seine Frau Sumaya.
Dann nahmen sie Abdullah, den älteren der beiden Söhne, und warfen ihn in eine Grube. Und dann packten sie Amar. Sie wollten ihn dazu werfen, aber für ihn war das zu viel. Er war, er war der Jüngste und er sieht, wie das mit seinen Eltern geschieht. Sie sterben vor seinen Augen auf diese grausame Art und Weise. Das war zu viel für ihn. Und er sagte dann den Quatsch, was sie hören wollten. Er hat ihnen einfach das gesagt, was sie hören wollen. Und dann ließen sie von ihm ab. Dann war gut.
Und Amar rannte sofort zum Propheten. Er rannte sofort zu ihm. Und der Prophet merkte: "Was ist, was passiert? Was ist mit dir?" Und er sagte: "Es ist was Schlimmes, oh Gesandter Allahs. Man hat erst von mir abgelassen, als ich dich im Schlechten erwähnte und eure Götzen im Guten." Das war alles, was er sagte. "Ich habe etwas Schlechtes über dich gesagt, ja Rasulullah, und etwas Gutes über eure Götzen."
Da fragte ihn der Prophet: "Und was ist mit dir? Wie siehst du dich selbst?" Und er antwortete: "Ich bin mir im Glauben sicher. Das war nur etwas, was ich ihnen sagte, damit sie es hören. Ich bin mir im Glauben sicher." Der Prophet sagte zu ihm: "Wenn sie es wieder tun, also wenn sie wieder so Hand an dich anlegen, dann mach wieder genauso." Anderen Worten, das war okay. In dieser Situation war es okay.
Und Allah offenbarte: "Wer Allah verleugnet, nachdem er den Glauben angenommen hatte, außer demjenigen, der gezwungen wird, während sein Herz im Glauben Ruhe gefunden hat." Diese Worte offenbarte Allahs aus Anlass von Amar, weil er Sorge hatte. Er hatte Sorge um seinen Glauben. Trotz allem, was er gesehen hat. Das war seine erste Sorge.
Wenn ich mir vorstelle, wie ein Amar, der Jüngste der Familie, aus dieser Situation kommt und seine erste Sorge ist seine Religion, sein Glaube. Und er hatte, er hatte keine schlechten Gedanken gegenüber Allah. Keine Sekunde. Das, was von ihm verlangt wurde, war nicht auszuhalten. Also, man kann ihm keine Vorwürfe machen. Wenn man von einem Menschen verlangt, dass er 300 Kilo trägt und er ist dazu nicht in der Lage und bricht zusammen, dann kann man ihm keine Vorwürfe machen. Und genauso gibt es auch 300 Kilo für das Herz. Etwas, was für das Herz zu, zu schwer ist zu ertragen. Und so war es bei Amar. Allah zieht ihn dafür nicht zur Rechenschaft.
Trotzdem war seine Sorge die Religion. Das war die eine Sorge. Und nicht nur, dass er nicht wütend war auf Allah und ihm keine Vorwürfe gemacht hat. Er fragte nicht: "Warum tut Allah mir das an?" Seine Sorge war, obwohl das, was von ihm verlangt wurde, gar nicht möglich war. Es war für ihn nicht tragbar. Aber seine Sorge war, ob er als Diener vielleicht nicht genug war für Allah.
Es ist die eine Sache, dass man Allah nicht vorwirft, was passiert. Die andere, dass man sich darüber sorgt, ob man selber vielleicht nicht gut genug ist für ihn. Es ist das, was wir lernen müssen. Wir fragen nicht, ob Allah gut genug ist für uns. Ob er das für uns passend gemacht hat. Wir fragen uns: Sind wir genug für Allah?
Dass in dieser Situation Amar war, keine schlechten Gedanken über Allah. Er fragt nicht: "Warum hat Allah das gemacht?" Seine einzige Frage ist: "War ich vielleicht nicht genug für ihn?" Und man sieht an Amars Reaktion, dass seine größte Sorge die Bewahrung der Religion war. Der Glaube in seinem Herzen vor anderen Dingen. Also, das war, das war das, was sein Herz erfüllt hat. Habe ich meinen Glauben bewahrt? Habe ich ihn immer noch?
Das sollte so die Leitlinie sein in unserem Leben. Wenn wir Entscheidungen treffen, ist es etwas, was deine Religion bewahrt? Wenn du heiratest, dann nicht nur aus Liebe. Es gehört dazu, klar. Aber es sollte auch deine Religion bewahren. Wenn du einen Beruf ergreifst, dann nicht nur einfach ein Beruf, der dir Spaß macht. Gehört auch dazu, sollst du tun. Aber etwas, was deine Religion bewahrt. Es sollte mit dazu gehören.
Im besten, wenn wir als Muslime im Westen leben, als Minderheit. Wie bewahren wir hier unsere Religion? Notgedrungen müssen wir etwas näher zusammenrücken, auch wenn man manchmal verschiedene Meinungen hat. Aber wenn wir keine Communities bilden, werden wir unsere Religion hier nicht bewahren. Und das sollte unsere größere Sorge sein, nicht diese Diskussionen untereinander.
Wenn wir unsere Kinder erziehen, sollten wir uns überlegen: Wie bewahren wir für sie ihre Religion? Und das bedeutet nicht einmal, dass man immer streng sein muss. Im Gegenteil. Also, das kann dann auch ganz gut nach hinten losgehen. Es bedeutet mehr, dass man sich mit den Herausforderungen dieser Zeit auseinandersetzt. Und was kommt nicht alles auf uns zu? Theorie der Evolution in der Schule, LGBT und was noch? Damit muss man sich auseinandersetzen und in der Lage sein, vernünftige Antworten für die Kinder zu finden. Ansonsten bewahren wir die Religion unserer Kinder nicht. Solange sie zu Hause sind, klar, da sind sie an unsere Regeln gebunden. Aber irgendwann verlassen sie das Haus, dann muss ihre Religion bewahrt sein.
Es bedeutet auch, dass wir offen sind für unsere Kinder, dass sie immer zu uns kommen können, auch mit kritischen Fragen, mit Zweifeln. Und man muss auf Antworten vorbereitet sein. Weil die größte Sorge die Bewahrung der Religion ist. Nicht die Kultur, nicht was die Leute sagen. Die Bewahrung der Religion. Das ist eine der Lehren aus der Familie von Jasir. Nicht nur, dass man standhaft sein muss, in der Lage sein muss, etwas zu ertragen für Allah. Das ist auch richtig. Aber man tut das mit einem Ziel, um diese Religion zu bewahren. Denn kein Verlust ist größer.
Und vielleicht lernen wir auch das Geschenk des Islams mehr zu schätzen, wenn wir diese, diese Geschichten lesen. Für uns ist das heute so selbstverständlich, dass wir Muslim sind. Es ist ja auch kein Problem. Aber weiß man das wirklich zu schätzen? Jasir und seine Familie wussten es sicher. Sie haben mit ihrem Leben daran festgehalten. Sie haben lieber ihr Leben aufgegeben als die Religion. Sie wussten, was es bedeutet, von den Dunkelheiten ins Licht zu kommen. Und sie waren einfach nur dankbar, Muslime sein zu dürfen. Sie hatten nie das Gefühl, sie würden Allah einen Gefallen tun.
Kann man sich vorstellen, dass sie eine Frage gestellt hätten wie: "Wozu braucht Allah meine Gebete?" Meint man, Jasir oder Sumaya hätten diese Frage gestellt: "Wozu braucht denn Allah meine Gebete?" Oder: "Warum hat Allah das verboten? Warum hat er das nicht erlaubt?" Kann man sich vorstellen, jemand aus dieser Familie würde solche Fragen stellen? Egal was passiert, wir sollten dankbar sein, Muslime sein zu dürfen.
Und dann versteht man auch die Reaktion von Amar. Warum hat Amar sich Sorgen gemacht, obwohl er es nicht mehr aushalten konnte? Und er hat nur ein paar Worte gesagt, das Nötigste, um die Leute loszuwerden. Und direkt danach rannte er zum Propheten. Und der Prophet sagte ihm: "Es war okay. Das war schon okay." Aber was war seine Sorge? Seine Sorge war, dass er undankbar war gegenüber Allah. "Habe ich mich vielleicht nicht als würdig erwiesen?" Aber ist das so viel wert? So viel, dass wirklich jemand mit dem Leben dafür bezahlt, um die Religion zu bewahren? Das habe ich erst verstanden, als ich schon Muslim war.
Leben. Was ist denn Leben? Ja, diese chemischen Prozesse, die in uns vorgehen. Diese Zellen, die irgendwie zusammengehalten werden. Da wird das eine in das andere umgewandelt. Ja, das ist Leben. Das verstehen wir darunter. Aber Allah sagt über diese Religion: "Oh ihr Gläubigen, hört auf Allah und seinen Gesandten, wenn er euch zu etwas ruft, was euch Leben verleiht." Der Gesandte ruft uns zu etwas, was uns Leben gibt. Wie, wir leben doch schon. Leben doch schon seit über 40 Jahren. Das ist nur der Körper, der lebt. Das ist nur der Körper, der lebt. Aber die Seele, sie hat auch ein Leben und sie stirbt ohne ihre Verbindung zum Schöpfer. Und diese findet sie nur im Islam. Islam ist deswegen das eigentliche Leben. Er ist das Leben für die Seele. Nur der Islam kann der Seele Leben geben.
Amar wurde einer der berühmtesten Sahaba und der Prophet lobte ihn sehr oft. Er sagte über ihn: "Der Iman, der Glaube, ist in seinem Herzen bis hier." Also quasi, er ist erfüllt von Glauben. Und in einem anderen Hadith sagte er: "Sohn von Amar." Normalerweise hat man ja den Sohn nach dem Vater benannt, aber er nannte ihn Amar, um seine Mutter zu ehren. Der Prophet sagte: "Amar folgt der natürlichen Veranlagung. Wann immer er vor die Wahl gestellt wird, wählt er die korrektere von zwei Möglichkeiten, einfach so von sich aus. Heute würde man sagen, so aus Instinkt. Aus Instinkt, wenn er vor einer Wahl gestellt wird, er muss sich für zwei Dinge entscheiden. Und ich denke mal, es geht hier um moralische Dinge auch, dann wählt er die richtige, einfach von, von seiner natürlichen Veranlagung her." Das sagte der Prophet über ihn.
Amar und Bilal, sie zählten beide zu den frühesten Konvertiten. Und sie werden in den Büchern oft zusammengenannt mit einem dritten. Und der dritte im Bunde war Suhaib ar-Rumi. Es waren so drei gute Freunde, die man oft zusammen findet in den Büchern. Suhaib ar-Rumi war ebenso ein Sklave und er hat sich ebenso in der Frühzeit von Mekka zum Islam bekannt. Er hieß ar-Rumi, was eigentlich bedeutet "der Römer". Obwohl er eigentlich kein Römer war. Er war tatsächlich auch ursprünglich ein Araber. Er ist allerdings im römischen Reich aufgewachsen. Er war der Sohn eines Arabers, tatsächlich sogar einer angesehenen Familie. Aber er ist in die römische Sklaverei geraten und deswegen ist er im römischen Reich aufgewachsen. Er hat auch seine Sprache vergessen. Er sprach kein Arabisch mehr und ist dann irgendwann später im Laufe seines Lebens zurückgekommen nach Mekka. Und er, Amar und Bilal waren sehr gute Freunde. Und Suhaib kam dann ungefähr zum Islam in der Zeit, wo auch die anderen den Islam angenommen haben. Und ebenso wie die anderen beiden musste er einiges ertragen.
Der Unterschied bei ihm war nur, dass er eine etwas angesehenere Position als Sklave hatte. Er hatte eine, ja, er war tätig für Abdullah ibn Jud'an. Und er hat es tatsächlich auch zu, ja, zu etwas Geld gebracht durch seine Position, durch seine Arbeit, die er für ihn ausgeführt hat. Aber das bedeutete ihm alles nichts. Weder Vermögen noch Genuss. Das hat für ihn keine Rolle gespielt. Unter den Sklaven war er einer von denen, die ein etwas besseres Leben hatten. Trotzdem hat das für ihn, es hat ihn nicht so gezogen.
Als die Gefährten später nach Medina ausgewandert sind, da haben die Quraisch Suhaib aufgehalten, quasi auf dem Weg. Er saß auf dem Kamel und wollte nach Medina. Und sie haben zu ihm gesagt: "Du bist zu uns gekommen aus Rom mit nichts, und dann hast du es hier zu etwas Geld gebracht, und jetzt willst du einfach so nach Medina mit all deinem Besitz?" Und er fragt sie: "Was wollt ihr?" Und da haben sie ihm gesagt: "Wir wollen alles, dein Vermögen, selbst das Kamel, auf dem du reitest." Und er hat zu ihnen gesagt: "Okay, könnte alles haben. Mein Kamel, mein Vermögen. Ich habe sogar noch irgendwo einen kleinen Schatz vergraben. Ich sage euch, wo. Das ist, ihr könnt alles haben. Lasst mich einfach gehen." Ja, da haben die Quraisch ihn gehen lassen. Und er kam tatsächlich in Medina an. Auf allen Vieren. Er konnte nicht mehr.
Als der Prophet ihn gesehen hat, sagte er: "Dein Handel hat sich gelohnt. Dein Handeln hat sich gelohnt." Woher wusste überhaupt von einem Handel, den er mit den Arabern gemacht hat? Sagte zu ihm: "Das konnte nur Gabriel gesagt haben." So war es auch. Hat das mitgeteilt und offenbarte bezüglich Suhaib sagte: "Und unter den Menschen gibt es jemanden, der sich selbst hergibt im Verlangen nach Allahs Wohlgefallen." Das ist unter den Menschen. Jemand, der sich selbst hergibt. Eigentlich, der sich verkauft, könnte man sagen.
Aber wie verkauft sich jemand für das Wohlgefallen Allahs? Du bist fasziniert vom Koran, aber kannst ihn noch nicht auf Arabisch lesen? Dann habe ich was für dich: Die QSK-Methode. Klick dazu jetzt auf den Link. Was macht denn einen Menschen aus? Eigentlich ist es, es ist die Zeit, die du hast. Deine Lebenszeit ist das, was dich als, als Mensch hier ausmacht. Und die Menschen verkaufen sich. Die Menschen verkaufen sich. Sie verkaufen ihre Lebenszeit. Warum steht jemand Montags morgens auf, obwohl er eigentlich lieber liegen bleiben würde? Setzt sich ins Auto, fährt zur Arbeit, obwohl er vielleicht überhaupt keine Lust dazu hat, mit Leuten zu tun hat, die er vielleicht überhaupt nicht mag. Warum macht man das ganze? Nicht unbedingt freiwillig. Man verkauft einen Teil von sich. Man bekommt natürlich etwas zurück. Aber Suhaib hat nicht einfach nur einen Teil seiner Zeit verkauft. Er hat sich verkauft. Er hat alles verkauft im Verlangen nach Allahs Wohlgefallen. Das, was er besessen hatte, wofür er quasi seine ganze Lebenszeit verkauft hatte, all das, was er an Vermögen gemacht hatte, das stammte ja aus der Zeit, die er für andere verkauft hatte. Er hat das alles hergegeben im Verlangen nach Allahs Wohlgefallen. Das war das, was ihn angetrieben hat. Nicht diese anderen Dinge.
Und Wohlgefallen ist nicht einfach nur Wohlgefallen. Wohlgefallen ist, es ist extremes Wohlgefallen. Wie kann ich das erreichen, das Wohlgefallen Allahs? Das war alles, was ihn angetrieben hat in seinem Leben. Das ist die Frage, die man sich stellt: Was treibt dich an? Was treibt dich in deinem Leben an?
Und dann, wenn du so ein Leben durchmachen musst, wie die Menschen damals, die auf die Probe gestellt wurden, und nicht einfach nur irgendwie, sondern sehr, sehr hart. Aber warum so hart? Warum wurden sie so hart geprüft? Die erste Generation, sie waren doch diejenigen, die sich sofort dem Propheten angeschlossen haben. Also, warum wurden ausgerechnet sie so hart geprüft? Warum hat man die nicht etwas leichter angenommen als Anerkennung dafür, dass sie sich dem Propheten sofort angeschlossen haben? Sie waren die Ausnahme damals. Sie waren ja sowas wie Trendsetter. Aber es war wichtig, dass sie eine, eine Lektion lernen, wenn sie mit dem Propheten zusammen sind. Es war die Frage überhaupt erstmal: Was dich zu einem Muslim macht? Was bedeutet es, Muslim zu sein? Das war ja damals eine neue Religion, sozusagen in dieser Gesellschaft. Aber was macht jemanden zu einem Muslim?
Wenn man das verstehen möchte, dann kann man sich mal eine Szene vorstellen am Tag der Auferstehung. Milliarden Menschen sind vor Allah versammelt. Heute leben ja schon Milliarden von Menschen. Und alle, die in der Vergangenheit gelebt haben, bis Adam zurück, sie alle werden vor Allah versammelt. Und eine Minderheit von ihnen geht ins Paradies. Sind nicht viele. Eine Minderheit geht ins Paradies von all diesen Milliarden von Menschen. Und du stehst jetzt irgendwo dazwischen. Und jetzt werden die Namen vorgelesen von denjenigen, die es geschafft haben ins Paradies. Wie würde man da stehen? Welche Hoffnung hätte man im Herzen, dass man einer von den wenigen ist? Du bist, du zählst zu dieser Ausnahme, die es geschafft hat. Aber wenn du die Hoffnung haben willst, dazu zu gehören, da muss es ja irgendetwas geben, was dich von allen anderen unterscheidet, fundamental unterscheidet, dass dein Weg so verläuft und der Weg der anderen, so dass du die Ewigkeit im Paradies genießen kannst. Es muss ja etwas Grundsätzliches geben, was dich von den anderen unterscheidet. Und das kann nicht einfach nur das Gebet sein. Du hast ein Gebet verrichtet und die anderen nicht. So einfach kann es ja nicht sein.
Was macht dich zu einem Muslim? Der Muslim ist derjenige, der wie jeder andere Mensch auch in seinem Leben an Punkte kommt, wo er bestimmte Entscheidungen treffen muss. Welchen Weg geht er? Geht er diesen oder geht er den anderen? Und oftmals hat man die Auswahl zwischen mehreren Wegen, von denen einer sehr bequem ist, der aber Allah nicht zufrieden stellt, und ein anderer sehr unbequem ist und der Allah zufrieden stellt. Jetzt ist die Frage: Für welchen Weg entscheidest du dich? Den bequemen, der Allah nicht zufrieden stellt, oder den unbequemen, der Allah zufrieden stellt? Was machst du? Das ist der Unterschied. Das macht dich zu einem Muslim. Deswegen haben wir die Hoffnung, dass wir irgendwann das Paradies betreten. Und das haben die ersten Gefährten gelernt. Diese Entscheidung muss sie treffen. Sie haben gelernt, dass Muslim zu sein auch bedeutet, den unbequemeren Weg zu gehen.
Diese Religion ist anders als andere Religionen. Diese Religion ist nicht dazu gedacht, um uns das Leben schön zu machen. Bei anderen Religionen ist das durchaus so. Wenn man mal schaut, bei den Römern oder bei den Griechen, die hatten für alles mögliche einen Gott, aber immer nur einen Gott, um das Leben in dieser Welt schön zu machen. Für Krieg, Handel, Fruchtbarkeit, Ernte, für alles hatten die einen Gott. Selbst der Götzendienst der damaligen Araber hat damit angefangen. Warum haben sie den ersten Götzen nach Mekka gebracht? Es wurde denen versprochen, dass er den Regen bringt. Wow, Regen, dann beten wir auch Götzen an, warum auch nicht? Er macht uns das Leben angenehm, dann beten wir den auch an. Selbst Atheismus heutzutage, was im Endeffekt auch eine, eine Form von Götzendienst ist. Wir denken immer so: Okay, Götzendiener glauben an viele Götter, und dann gibt es denjenigen, der glaubt an einen Gott, und derjenige, der an gar keinen Gott glaubt. Aber so ist es nicht. Atheismus ist auch nur eine Form von Götzendienst. Denn am Ende ist es so, dass ein Atheist das, was Allah hervorbringt und was nur Allah kann, dass er das anderen Dingen zuschreibt. Genauso wie die Götzendiener. Allah ist der Einzige, der ein Universum hervorbringen kann, aber der Atheist sagt: Okay, das hat etwas anderes gemacht, ein Prozess in der Natur oder was auch immer. Also, man schreibt die Dinge, die nur zu Allah gehören, anderen Dingen zu. Das ist auch nur eine Form von Götzendienst.
Aber warum machen das die Leute heutzutage? Warum wählen sie diese Form des Götzendienstes? Auch nur das angenehme Leben. Das ist das Leben. Zu eins, ich habe nicht die Grenzen einer Religion. Warum soll ich mich an solche altertümlichen moralischen Grenzen halten? Und zum anderen, das ist heute einfach eine Mode. Ich meine, Religion, das ist doch Mittelalter, das ist doch was für Außenseiter in der Gesellschaft. Wer hält sich heute noch an eine Religion? Es macht das Leben sehr viel angenehmer, wenn man Religion einfach über Bord wirft. Und das ist eigentlich die, die größte Gefahr, wenn man Religion so betrachtet. Ich mache mir nicht die Sorgen, dass heute irgendjemand ein, ein Buch aufschlägt und er sieht: Oh, der Prophet hat geheiratet. Was war das damals mit der Ehre? Das gar nicht die Sorgen, die ich habe. Die Sorge beginnt in dem Moment, wo jemand an diese Religion herantritt und glaubt, diese Religion muss ihm das Leben schön machen. Kein bisschen. Das ist nicht unser Deal mit Allah. Wir werden nicht Muslim in der Hoffnung, dass jetzt das Leben leicht wird. Allah hat das Leben gar nicht so erschaffen. Allah sagt über das Leben: "Wir haben den Menschen in Keid erschaffen." Keid ist einfach sehr anstrengende, auslaugende Arbeit. Keid ist, wenn du 12 Stunden am Tag in einer Kohlemine arbeitest, wie du abends nach Hause kommst. Da hast du deine Zeit in Keid verbracht. Und Allah sagt, das ganze Leben ist so. Ist einfach so erschaffen. Also, das ist wie ein Naturgesetz in diesem Universum. Das ist das Leben hier. Deswegen ist es komisch, wenn wir heute manchmal die Frage stellen: "Warum lässt Allah Leid zu?" Als wäre Leid so eine, eine anonyme Komponente in diesem Universum, die schlägt einmal zu und Allah schaut einfach mal, was er macht. Manchmal verhindert er es und manchmal eben nicht. Allah hat dieses Universum so erschaffen, dass es anstrengend ist, auslaugend ist, dass man hier sein Leben verbringt und am Ende den: Wow, das war also jetzt wirklich quasi eine 80-jährige Schicht in einer Kohlemine. Das ist das Leben hier in dieser Welt. Die Welt zum Genießen kommt noch. Die Welt zum Genießen, die noch kommt. Da bringt uns auch diese Religion hin. Aber nicht jetzt und nicht umsonst.
Vielleicht habt ihr euch mal gefragt, warum in der Anfangszeit so viele Sklaven konvertiert sind. Die hatten keine Rechnung in dieser Welt. Die haben diese Lektion schon gelernt. Die wussten schon, dass diese Welt nicht dafür gemacht ist, um das Leben zu genießen. Das kannten sie schon. Andere müssen das erst noch kennenlernen. Wenn du dein ganzes Leben lang im Genuss verbringst, dann denkst du irgendwann: Ja, das ist so die Idee hinter diesem Leben. Aber das ist sie nicht. Dafür war dieses Leben niemals gedacht. Und diese Leute dann, die ihr ganzes Leben genießen konnten, mehr oder weniger, denn niemand genießt das ganze Leben, die überlegen dann und die schauen dann schon mal nach: Lohnt sich das, diese Religion anzunehmen? Macht das Sinn? Sollte ich diesen Deal wirklich eingehen?
Erwähnt die Geschichte von Afif al-Kindy. Das war ein Heidene, der in der Anfangszeit des Islams nach Mekka kam. Und er kam zur Kaaba und er hat gesehen, wie dort drei Leute beteten: der Prophet, seine Frau Khadija und Ali. Das waren die einzigen damals. Das war ganz am Beginn der Offenbarung. Und er hat das gesehen und hat sich dann so gefragt: "Was machen die Leute?" Und dann erkundigte er sich und hörte: Ja, es ist eine neue Religion. Okay, alles klar. Irgendwann viel später hat er den Islam angenommen. Und da hat er gesagt, oder hat sich an diese Begebenheit erinnert, wie er damals in Mekka den Propheten, dem er jetzt folgte, mit seiner Frau und mit Ali gesehen hat. Und er sagte: "Ich hätte der Dritte sein können, der mit seiner Frau Khadija und mit Ali zusammen glaubt." Aber er hat abgewartet und gezögert. Er hat geschaut, wie sich die Sache entwickelt.
Die Sklaven waren damals nicht so. Sie haben diese Rechnung nicht gemacht. Sie wussten, diese Religion, da geht es nicht darum, das Leben hier zu verschönern. Warum zögern die Leute heutzutage? Was bedeutet es, wenn ich diese Religion annehme, für meine Eltern, für meine Familie, für meine Arbeit? Verbessert diese Religion mein Leben? Und wenn sie das nicht tut, ist der Preis, den ich dann dafür bezahlen muss, tragbar? Die ersten Konvertiten, von denen wir gehört haben, die waren alle nicht so. Sind ins kalte Wasser gesprungen, egal was es kostet. Und das sollte den Muslim auszeichnen. Hat Allah das von dir verlangt, dann gibt es keine Diskussion über das, was er von dir möchte.
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