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MrWissen2go irrt zum Schuldenpaket!

Geld für die Welt — Maurice Höfgen34:32

Transcription

Mr. Wisson to go hat ein Erklärvideo zum Schuldenpaket veröffentlicht und dabei insbesondere erklärt, woher der Staat das Geld denn genau bekommt und ob Schulden denn wirklich eigentlich okay seien. Aber dabei sind ihm gravierende Fehler unterlaufen. So läuft das nicht. Die Bundesbank verleiht kein Geld an den Staat, und erst recht druckt sie nicht einfach Scheine, weil die Regierung das so will. Theoretisch könnte sie das machen, aber das wäre völliger Blödsinn. Würde sie das machen, dann würde in kurzer Zeit das Geld immer weiter entwerten, und das käme zu einer Hyperinflation wie in Deutschland zu Beginn des 20. [Musik] Jahrhunderts.

Und damit: Hi und herzlich willkommen bei Geld für die Welt! Ich bin Mais Höfgen, und in diesem Video gibt es einen Faktencheck zum Video vom Mr. Wissen to go. Der hat ein Erklärvideo zum Schuldenpaket gemacht, da haben sich sehr sehr viele Fehler eingeschlichen. Also, let's go, rein ins Video! [Musik]

Ich habe Schulden. Wenn jemand sowas sagt, dann klingt das erstmal eher negativ. Man steht bei jemandem in der Schuld, man muss etwas zurückbezahlen. Aber das kann man grundsätzlich sagen: Schulden an sich sind in unserer Gesellschaft erst einmal nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil, sie sind in unserem Alltag völlig normal. Denn Wirtschaften ohne Schulden geht nicht. Ohne Schulden würde es ja auch keine Forderungen geben, würde es keine Ersparnisse geben. Das sind buchhaltungstechnisch zwei Seiten einer Medaille: Die Forderung des einen sind die Verbindlichkeiten des anderen. Wenn es keine Schulden gäbe, gäbe es auch keine Forderungen, gäbe es also auch kein Vermögen. Ja, jeder, der mal auf eine Bilanz geschaut hat, weiß: Angst vor Schulden per se ist etwas Negatives. Es gibt natürlich Situationen, in denen Schulden, vor allem für Privatpersonen, nicht so dolle sind. Aber Schulden per se zu verteufeln kann nur wer wirklich von Wirtschaft 0,0 Peilung hat. Manche Dinge kann man sich nur dann leisten, wenn man erst einmal Schulden macht.

Stellt euch z. B. vor, ihr seid in einem Elektroladen und entdeckt dort einen wahnsinnig tollen Fernseher: 85 Zoll groß, 8k Auflösung, jede Menge Extras. Dieses Teil müsst ihr unbedingt haben. Es gibt nur ein Problem: den Preis. Der liegt nämlich bei mehreren Tausend Euro, und so viel Geld habt ihr gerade nicht. Was macht ihr? Also, Lösung A ist: Ihr verlasst den Laden wieder und kommt erst dann, wenn euer Konto entsprechend gefüllt ist. Das wäre die vernünftige Entscheidung. Oder Lösung B: Ihr fragt nach einer Finanzierungsmöglichkeit. Das bedeutet, der Laden übernimmt Urlaub, Playstation, Fernseher, Konsumprodukte auf Kredit. Aus verbraucherschutziger Sicht keine gute Idee, die Kosten erstmal für euch. Dafür steht ihr dort aber in der Schuld. Ab dem Zeitpunkt des Kaufs müsst ihr jeden Monat einen bestimmten Betrag zurückbezahlen, solange bis der Kaufpreis komplett abbezahlt ist. Wenn ihr Glück habt, dann klappt das ohne weitere Kosten. Im nicht ganz so optimalen Fall nimmt der Laden noch Zinsen. Unterm Strich bezahlt ihr damit etwas mehr für das Gerät, aber ihr könnt es sofort mit nach Hause nehmen und müsst eben nicht warten. In dem Moment, indem ihr so einem Geschäft zustimmt, habt ihr Schulden gemacht. Das gleiche gilt im viel größeren Stil natürlich z. B. auch beim Hausbau. Kaum jemand hat so viel Geld auf dem Konto, dass er davon ein Grundstück, ein Haus und alles andere bezahlen könnte. In den meisten Fällen nimmt man dafür einen Kredit auf und bezahlt das Geld nach und nach zurück, mit entsprechenden Zinsen und über einen relativ langen Zeitraum. Also, der Immobilienkredit ist ja deutlich verbreiteter als der 8k-Fernseherkredit. Hätte man auch mit dem Reinstarten können. Wenn es um sehr hohe Beträge geht, das ist üblich. Denn man muss ganz klar sagen: In Deutschland würde vermutlich kaum ein privates Haus gebaut werden, wenn es die Möglichkeit mit dem Kredit nicht geben würde. Schulden sind also etwas, kann man sagen, ganz Normales, und sie helfen auch dabei, die Wirtschaft anzukurbeln. Allerdings darf man einen entscheidenden Punkt nicht vergessen, und das gehört zur Wahrheit eben auch dazu: So hilfreich und sinnvoll Schulden manchmal sein können, man sollte nur dann welche machen, wenn man auch weiß, dass man das Geld zurückbezahlen kann. Verbraucherschützer warnen deshalb generell davor, sich für Konsumgüter wie z. B. Handys oder eben auch Fernseher zu verschulden. Eine Ratenzahlung sollte man nur bei ganz wichtigen Anschaffungen machen, die man nicht aufschieben kann. Das heißt, Schulden zu machen ist an sich zwar erstmal kein großes Problem, allerdings nur dann, wenn ihr wisst, dass genug reinkommt und ihr das Geld innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums zurückbezahlen könnt. Und wenn ihr absehen könnt, dass ihr auch mit den Zinsen zurechtkommt und einen entsprechenden Puffer für eventuell steigende Zinsen habt, gerade beim Hauskauf. Außerdem sollte man nicht das komplette Leben auf Pump finanzieren, weil es sonst schnell eng wird, wenn es finanziell mal nicht so gut läuft. So ist das bei uns soweit. Zustimmung von meiner Seite, privat. Und man kann sagen, genauso gilt das im Wesentlichen auch für den Staat, und hier endet meine Zustimmung dann auch schon. Denn nicht nur wir können Kredite aufnehmen und Schulden machen, die Regierung kann das auch. Schauen wir uns nächstes Mal an, warum machen Staaten Schulden?

Also, der Vergleich zwischen Privathaushalt und Staat ist jetzt schon windschief. Denn ein Staat ja, macht zwar formal Schulden, indem er Staatsanleihen verkauft, aber das ist etwas ganz anderes, eine ganz andere Ausgangssituation als bei einer Privatperson. Denn was unterscheidet den Staat von einer Privatperson? Nicht nur, dass der Staat auf ewig existiert, wir aber nicht, sondern die Tatsache, dass der Staat Herausgeber seiner eigenen Währung ist. Wir haben staatliche Währungen, die genutzt werden. Wir leben ja nicht irgendwie im Bitcoin-Land oder sonst noch was. Und wo kommen diese staatlichen Währungen her? Die muss jemand schöpfen. Genauso wie das Monopoly-Geld ausgegeben wird von der Monopoly-Bank, wird das staatliche Geld ausgegeben von der staatlichen Zentralbank. Und das ist ein sehr sehr wichtiger Punkt. Denn wenn man Herausgeber einer Währung ist, wenn man seine eigene Währung schöpft, dann agiert man unter ganz anderen Bedingungen als wenn man nur Nutzer einer Währung ist, wie eine Privatperson. Denn als Privatperson braucht man erst Einnahmen, um Ausgaben tätigen zu können. Also, nimmt man einen Kredit auf, man verkauft sein Fahrrad, man geht arbeiten, hat ein Einkommen, und dann kann man seine Ausgaben tätigen. Die staatliche Währung hätte aber niemand, wenn der Staat sie nicht erst ausgeben würde, sie erst schöpfen würde und in den Umlauf bringen würde. Bevor damit Steuern gezahlt werden können, wofür damit aber auch Staatsanleihen gekauft werden können. Denn die Staatsanleihen, die der deutsche Staat verkauft, was wir jetzt hier als Schulden machen bezeichnen werden, bezahlt man nicht mit Geld, was die Bank selbst erzeugt, sondern werden bezahlt mit Guthaben bei der Zentralbank, bei der Bundesbank, als Einheit der Europäischen Zentralbank. Das ist staatliches Geld, das sind staatliche Währungseinheiten. Die muss die Europäische Zentralbank – oder dann die Bundesbank, ist halt in der EU bisschen komplizierter – wir nennen das mal jetzt fortlaufend im Video nur noch die Zentralbank – die muss die Zentralbank halt vorher schaffen, bevor Banken damit, mit diesem Guthaben, die Anleihen kaufen können. Das wird häufig unterschätzt und vergessen. Auch hier kann man zunächst mal sagen, dass ein Staat generell Schulden macht. Das ist heute völlig normal. Nur eine ganz kleine Handvoll Länder auf der Welt hat gar keine oder nur sehr geringe Schulden. Dazu gehören z. B. kleine Staaten wie Liechtenstein. Ansonsten stehen fast alle Staaten in der Schuld. Wo genau? Na ja, die Monopoly-Bank macht auch Schulden, de facto. Allerdings anders. Denn in dem Moment, wo das Monopoly-Spiel beginnt, verteilt die Monopoly-Bank an jeden Spieler 1500 €. Nehmen wir an, es wird mit vier Spielern gespielt: 4 mal 1500 €, die die Monopoly-Bank ausgibt, ja, aber bisher ja noch 0 € an Monopoly-Geld eingenommen hat. Sie hat also 4 mal 1500 € Schulden gemacht, 6000 € Schulden. Diese Schulden der Monopoly-Bank entsprechen genau dem Geld, was vor den Brettspielern liegt, also dem Privatvermögen im Monopoly-Spiel. Und auch das sind formal Schulden, aber etwas anderes als Staatsanleihen, noch mal was ganz anderes als ich gehe zur Sparkasse und nehme einen Kredit auf. Bei wem? Darüber sprechen wir gleich noch ein bisschen genauer. Aber die Frage ist erstmal: Warum müssen denn Staaten überhaupt Schulden machen? Sie bekommen doch jede Menge Steuern von uns. Und das ist grundsätzlich auch ein berechtigter Einwand. Im Jahr 2024 hatte die Bundesrepublik Deutschland Steuereinnahmen von rund 861 Milliarden Euro, in den Bundeshaushalt geflossen sind davon rund 441 Milliarden Euro. Der Rest ging an die Bundesländer und an die Kommunen. Genaue Zahlen dazu habe ich euch unten in der Infobox verlinkt. Gleichzeitig lagen die Ausgaben im Bundeshaushalt bei rund 466 Milliarden Euro. Das heißt, unterm Strich steht im Haushalt ein Minus von ungefähr 25 Milliarden Euro. Quizfrage: Dieses Minus von 25 für den Bund bedeutet was genau für die Privatwirtschaft? Richtig: Plus 25. Denn die 25 Milliarden Euro, die der Staat mehr ausgegeben hat, also in die Wirtschaft hinein gegeben hat, als er über Steuern und Ausgaben herausgezogen hat, bleiben natürlich in der Privatwirtschaft, bleiben auf Konten, sorgen für höhere Bankguthaben, sorgen für höhere Ersparnisse. Die Ausgaben des Staates sind die Einnahmen der Privatwirtschaft. Die Schulden des Staates sind die Ersparnisse der Privatwirtschaft. Das wird häufig vergessen. Wer aus diesem Minus von 25 Milliarden eine Null machen will, also eine schwarze Null, sagt auch gleichzeitig: Er will 25 Milliarden Euro weniger an Bankguthaben in der Privatwirtschaft haben, 25 Milliarden Euro weniger Nettogeldvermögen in der Privatwirtschaft. Der Bund hat also mehr ausgegeben, als er eingenommen hat. Das muss natürlich ausgeglichen werden. Das muss natürlich ausgeglichen werden, sagt ja, und auch eben dieser Satz: Heute ist es so, dass Staaten Schulden haben. Ein Staat kann quasi gar nicht nicht verschuldet sein. Denn wir gehen zurück zum Monopoly-Beispiel: Um 0 € Schulden zu haben, müsste die Monopoly-Bank ja das ganze Geld, was sie am Anfang an die Brettspieler ausgegeben hat, wieder einziehen. Ja, dann hätte die Monopoly-Bank 0 € Schulden, dann hätte aber auch niemand von den Brettspielern auch nur 1 € um eine Straße zu kaufen. Dann würde das gesamte Spiel nicht funktionieren. Ja, und auch der Staat: Wenn wir uns mal überlegen, Zeitpunkt Null: Wir führen eine neue Währung ein, und wir haben noch nichts davon ausgegeben. Können wir dann Steuern in dieser Währung einnehmen? Können wir dann von den Leuten verlangen: Bitte zahlt mir auf euer Einkommen äh 30 % Einkommenssteuer, bitte zahlt 7 % Umsatzsteuer, wenn ihr eine Butter im Supermarkt kauft? Ja, würde gar nicht gehen. Woher denn? Ja, die staatliche Währung ist ja gar nicht im Umlauf. Wie sollen die dann diesen Steuerverpflichtungen nachkommen? Das bedeutet auch wichtige Einsicht: Ein Staat kann in eigener Währung überhaupt gar nicht sparen, also zumindest in dem Sinne, wie eine Privatperson z. B. Nettogeldvermögen aufbaut. Würde das für einen Staat gar nicht funktionieren. Denn wie soll man in eigener Währung sparen? Ja, der Staat kann Scheine drucken und die sich in den Keller legen, aber rein bilanziell geht das ja gar nicht. Der kann gar nicht mehr Währungseinheiten einnehmen, als er jemals ausgegeben hat. Das ist ein völlig unlogisches Konzept, und das erkennt man eben nicht, wenn man Staaten wie Privathaushalte behandelt. Das ist der Grundfehler. Wer damit startet, kann nur falsch auskommen. Wer mit dieser Prämisse läuft, ja, ist gleich im Garten unterwegs, könnte man sagen. Warum wurde da nicht besser gehaushaltet? Am Ende hätte doch eine schwarze Null stehen sollen, dann müsste man auch keine neuen Schulden machen. Das ist grundsätzlich richtig, aber denk mal an den Fernseher von vorhin: Wenn man etwas unbedingt haben möchte oder unbedingt haben muss, z. B. weil das alte Gerät kaputt ist, dann finanziert man es. Und genauso machen Staaten es auch. Will man z. B. in die Infrastruktur investieren, Brücken reparieren oder neue Straßen bauen, dann kostet das unter Umständen zusätzliches Geld. Oder gibt es eine unvorhergesehene Krise, auf die man reagieren muss, dann kann auch das teurer werden. Es gibt eine ganze Reihe an Gründen, weshalb die Ausgaben höher sein können als zunächst geplant. Manche davon muss man auch sagen, haben aber sicher auch mit zu wenig vorausschauender Politik zu tun. Denn für Schulden können auch daher kommen, dass die Einnahmen kleiner sind als gedacht, nicht nur, dass die Ausgaben größer sind als gedacht, sondern auch die Einnahmen. Denn wenn Krise ist, ja, und die Leute weniger ausgeben, dann gibt's weniger Umsatzsteuereinnahmen, dann verdienen Leute weniger Geld, dann gibt's weniger Einkommenssteuereinnahmen, und auch dadurch können Schulden entstehen. Das war übrigens das Prinzip Griechenland. Ja, man hat mit Sparpaketen versucht, den griechischen Haushalt zu sanieren. Weil aber gleichzeitig dadurch die Wirtschaft so abgeschmiert ist und die Arbeitslosigkeit explodiert ist, sind die Steuereinnahmen noch krasser gesunken, als man überhaupt bei den Staatsausgaben gespart hat, und das hat dann dazu geführt, dass die Verschuldung sogar noch größer geworden ist. Ja, also, man kann sich auch einen hohen Schuldenstand ersparen, indem man seine Wirtschaft vor die Wand fährt. Es ist nicht so, dass Schulden nur mit mehr Geld ausgeben zu tun haben.

Nachfolgende Generationen sind Schulden immer auch eine Bürde. Darüber sprechen wir gleich noch genauer. Der Schulden, auch das stimmt schon mal nicht. Denn im Monopoly-Spiel beispielsweise: Ja, die Monopoly-Bank hat Geld ausgegeben, es wurde zwei Stunden gespielt, so, und jetzt sind da ein paar Häuser verteilt, und es sind, sagen wir, 20.000 € im Umlauf. Die Monopoly-Bank hat also 20.000 € formale Schulden. Die liegen bei den Brettspielern. Jetzt sagen die Brettspieler: Wir haben keine Lust mehr, und alle geben an keine Ahnung, Freunde und Geschwister ab. Es kommen vier neue Leute an den Tisch und spielen weiter. Na, Generationswechsel. Ähm, was genau soll jetzt die Bürde sein oder die Last sein? Ja, wenn vorher die Monopoly-Bank die ganzen Schulden, die sie hat, wieder eingezogen hätte, also das Geld aus dem Kreislauf rausgezogen hätte, indem sie mehr einnimmt als sie ausgibt, z. B. über Los kein Geld mehr ausgibt, ja, und die Steuern erhöht, dann wären ja die nächste Generation ärmer, weil sie weniger Geld vor sich hätte. Und genauso ist es auch in einer Privatwirtschaft. Ja, die 2,5 Billionen Euro, die Deutschland an Staatsschulden hat, wenn man die auf Null reduzieren würde: Gibt es 2,5 Billionen Euro weniger Bankguthaben, die vererbt werden können. Der Berg an Schulden, den Deutschland inzwischen angehäuft hat, der ist gewaltig. Und 2,5 Billionen Euro sind das momentan. Das klingt viel und ist es auch, auf jeden Fall. Aber warum soll das viel sein? Das ist überhaupt nicht viel. Ja, das ist eine große Zahl, aber es ist: Also, warum, warum geht man jetzt darauf ein, wenn man die Leute doch schlauer machen will, dass 2,5 Billionen Euro einfach per se eine große Zahl ist? Das einzige, was an dieser Zahl groß ist, dass sie viele Nullen hat. Ja, aber sie muss man ja sehen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung beispielsweise, und die ist 4,5 Billionen Euro pro Jahr. Und damit ist der Schuldenstand eben nicht hoch. Im Vergleich zu den USA ist das noch ein relativ geringer Betrag. Sechsunddreißig Komma zwei zwei Billionen US-Dollar Schulden haben die Vereinigten Staaten. Merke: Vergleiche niemals absolute Schuldenstände. Die US-Wirtschaft ist größer, die USA haben mehr Einwohner als Deutschland. Kann man alles nicht miteinander vergleichen. Deutschland einen Exportüberschuss, einen riesigen. Die USA einen Importüberschuss, einen riesigen. Völlig verschiedene Ausgangssituationen. Dieser Vergleich hier bringt nichts, 0,0 Erkenntnis, ja, weniger sogar, er verunsichert eher und verwirrt eher. Also nutzlos. Daten aktuell. Da ist natürlich die Frage: Wie viel Schulden kann ein Land aushalten? Auch hier sind wir wieder bei unserem Fernseher. Schulden machen ist solange relativ überschaubar, wie klar ist, dass man das Geld auch zurückbezahlen kann. Und da kommt noch ein anderer Wert ins Spiel, nämlich das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP. Das BIP bezeichnet den Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. So beschreibt es die Bundeszentrale für politische Bildung, und ich denke mal, soweit ist es auch klar. Und auch hier sind wir bei gewaltigen Summen: 4,3 Billionen Euro, das war das gerundete BIP in Deutschland 2024. Wow, viele Nullen! Ho, 20! Das heißt, innerhalb eines Jahres wird bei uns mehr erwirtschaftet, als Deutschland Schulden hat. Zwar ist das kein Geld, auf das der Staat direkt zugreifen kann, ganz logisch, aber es zeigt, wie groß die Wirtschaftskraft ist. Und je besser das BIP auch im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße, desto stabiler ist ein Land. Denn ganz klar: Wo viel erwirtschaftet wird, so reicher ist ein Land, werden auch viele Steuern bezahlt. Deshalb wird in der Analyse immer das BIP den Schulden gegenübergestellt und eine sogenannte Schuldenquote errechnet, oder auch Staatsschuldenquote. Vereinfacht gesagt: Wie viel Prozent des BIP hat ein Land Schulden? Deutschland liegt da momentan bei ungefähr 63 %. Das ist ein bisschen über dem, was für die EU mal als gesund festgelegt worden ist in den Maastricht-Kriterien, aber im internationalen Vergleich noch absolut im Rahmen. Frankreich z. B. lag zuletzt bei 112 %, die USA bei 124 %, und Japan sogar bei 250 %. Das ist nicht nur im Rahmen, das ist lächerlich niedrig im Vergleich zu allen anderen großen Industriestaaten. Was aber daran liegt, dass Deutschland so einen riesigen Exportüberschuss hat. Und das bedeutet nicht: Der deutsche Staat muss sich verschulden, etwa um die Wirtschaft massiv anzukurbeln, wie in den USA oder in Frankreich, sondern das Ausland verschuldet sich jedes Jahr in Höhe von 6 % der Wirtschaftskraft, ja, 250 Milliarden Euro. Das Ausland kauft mehr bei uns ein, als wir beim Ausland überweisen. Die also nach Deutschland netto verschulden sich also gegenüber Deutschland, sind 250 Milliarden, die hier jedes Jahr gespart werden können, auf dem Nacken des Rest der Welt, ja, derjenigen, die bei uns einkaufen. Wenn man das nicht hat, wenn man einen Importüberschuss hat, verändert das die ganze Gleichung und Rechnung. Unter den G7-Staaten hat Deutschland die geringste Staatsschuldenquote. Für Länder auch dieses Framing, sorry, dass ich jetzt da so penibel sein muss: 60 % sind gesund, weil man das als Maastricht-Kriterium festgelegt hat? Nein, die Maastricht-Kriterien sind völlig willkürlich und unwissenschaftlich. Deshalb zu sagen, das sei ungesund, ist Quatsch. Mit einer sehr hohen Quote kann es irgendwann problematisch werden, wenn die Schulden ständig steigen, die Zinsen auch steigen, das Geld nicht mehr pünktlich zurückbezahlt werden kann, dann geraten die Länder in einen Abwärtsstrudel. Das kann irgendwann bis zum Staatsbankrott führen. Die Länder können ihre Beamten nicht mehr bezahlen, Renten werden gestoppt, auch andere Sozialleistungen können nicht mehr fließen, die Verwaltung bricht zusammen. Es gibt in der Regel einen harten Schnitt und einen langen Weg aus der Krise. Jetzt macht man hier der Bevölkerung Angst, dass hohe Schulden per se zu einem Staatsbankrott führen können. Ja, das ist weder in den USA der Fall noch in Japan. Da wird alles pünktlich bezahlt, außer ja, es gibt mal wieder einen Stress in den USA, weil man die selbsterlegte Schuldenobergrenze des Zielings erreicht hat. Die USA hat nämlich nicht eine Schuldenbremse wie Deutschland, im Verhältnis zur Wirtschaftskraft, die also flexibel ist und atmet, sondern einfach nur festlegt, wie viele Billionen US-Dollar Staatsschulden der Staat machen darf, eine absolute Zahl. Weil aber Preise und Wirtschaft wachsen, ja, erreicht man diese, diese Schuldengrenze so oder so permanent, und dann gibt's politischen Streit darüber, um die anzupassen und zu erhöhen. Wurde schon 80 mal gemacht. Wenn man sich nicht früh genug darauf einigt, gibt es Kürzungen, bzw. der Staat, der US-amerikanische Staat bezahlt dann seine Bediensteten nicht und stellt die frei. Völliger Unsinn. Das hat nichts damit zu tun, dass das Geldsystem nicht funktioniert oder dass die USA nicht an neue US-Dollar kommen könnte, denn dafür müssen sie nur ein paar mal aufs Knöpfchen drücken, sondern das hat einzig und allein schon mit dieser gottlos dummen Schuldenobergrenze zu tun. Die Schuldenregel der USA ist noch tausend Mal dümmer als die Schuldenregel, die wir hier in Deutschland haben. Einfach so zu sagen: Oh, aber mit hohen Schulden können die das irgendwann nicht mehr pünktlich bezahlen, dann gehen die pleite, ist also völlig daneben. Man müsste hier z. B. noch unterscheiden zwischen Schulden in eigener Währung und Schulden in Fremdwährung. Entwicklungsländer und die USA, die die Währung haben, die die ganze Welt haben will – ganze Welt will in US-Dollar sparen – sind z. B. auch in völlig unterschiedlichen Positionen, agieren wirtschaftlich unter völlig anderen Voraussetzungen. Hier alles in einen Topf zu schmeißen und sagen: Oh, irgendwann, ja, kommt so ein Schuldenstand, ich weiß zwar nicht, wo der ist und wann das erreicht wird, aber dann, dann werden die Rechnungen nicht mehr bezahlt, ja, dann, wenn die Zinskosten so, und dann geht der Staat pleite, dann werdet ihr alle ärmer, dann gibt's Chaos und harte Einschnitte – das hat null Informationsgehalt, 0,0. Das ist eher Kürze machen heraus. Das trifft besonders die Bevölkerung. Deutschland ist von so einem Szenario noch weit entfernt, und Japan? Ja, ist Deutschland näher an dem Szenario als Japan oder weiter weg? Ja, nur weil der die Schuldenquote höher ist? Das wäre mal eine interessante Frage dazu. Lernt man leider nichts. Ratingagenturen geben der Bundesrepublik die Bestnote AAA. Die Mischung aus starkem BIP und vergleichsweise geringen Schulden lässt Deutschland als besonders zahlungsfähig erscheinen. Na ja, also die Ratingagenturen haben in letzter Zeit gesagt: Deutschland hat kein Schuldenproblem. Stimmt. Aber Deutschland hat ein Wachstumsproblem, und deswegen sei das Rating gefährdet. Top-Analyst Frank Gill von Standard & Poor's hat jetzt gesagt: Das neue Schuldenpaket stütze die deutsche Kreditwirtschaft, sichere das Triple-A-Rating, weil es endlich wieder Aussicht auf Wachstum gibt. Bemerkenswerter Satz von Frank Gill: Alles, was die deutsche Binnenwirtschaft ankubelt, ist gut für die Kreditwirtschaft. Dass das so ist, das hängt auch damit zusammen, dass Deutschland in den vergangenen Jahren einen Sparkurs eingeschlagen hat, damit die Schulden nicht zu hoch werden. Wurde eine sogenannte – das haben die Ratingagenturen sogar kritisiert – Schuldenbremse in die Verfassung aufgenommen. Seit 2016 gilt: Neue Schulden dürfen nur noch in einem relativ geringen Umfang aufgenommen werden, nämlich in einer Höhe von maximal 0,35 % des Bruttoprodukts. So steht es in Artikel 109 des Grundgesetzes. Ausnahmen sind demnach nur vorgesehen für, Zitat: „Naturkatastrophen oder außergewöhnliche Notsituationen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigen.“ Eine solche Not, auch das stimmt schon wieder nicht. Denn ausgenommen von der Schuldenbremse sind z. B. auch die Konjunkturkomponente. Die vergrößert den zulässigen Neuverschuldungsspielraum. Läuft die Wirtschaft schlechter, darf man mehr als diese 0,35 % neue Schulden machen. Ausgenommen sind außerdem auch finanzielle Transaktionen. Darunter fällt z. B., wenn der Staat Unternehmen kauft oder verkauft. Gibt der Staat beispielsweise einen Eigenkapitalzuschuss an die Bahn, sind das z. B. Milliarden, die ausgegeben werden, aber nicht unter der Schuldenbremse angerechnet werden. Lage war zuletzt die Corona-Pandemie, wegen der deutlich höhere Kredite aufgenommen werden durften. Also, Deutschland hat viele Schulden, aber Deutschland ist auch zahlungskräftig. Und die letzte Ausnahme war auch nicht Corona, sondern wegen des Ukraine-Kriegs. Konnte bisher alles zuverlässig zurückbezahlt werden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Höhe der Schulden, die ist natürlich wichtig, sondern auch das Verhältnis der Schulden zum Bruttoinlandsprodukt. Aber woher kommt das neue Geld überhaupt? In Deutschland gibt es die Deutsche Bundesbank. Wenn die Regierung – now we are talking – neues Geld braucht und Kredite aufnehmen muss, dann geht sie einfach zur Bundesbank und sagt: Liebe Leute, druckt uns mal bitte ein paar neue Scheine. So stellt man sich das vielleicht vor, und auf den ersten Blick klingt das auch logisch, aber das ist falsch. So läuft das nicht. Die Bundesbank verleiht kein Geld an den Staat, und erst recht druckt sie nicht einfach Scheine, weil die Regierung das so will. Theoretisch könnte sie das machen, aber das wäre völliger Blödsinn. Würde sie das machen, dann würde in kurzer Zeit das Geld immer weiter entwerten, und das käme zu einer Hyperinflation wie in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das möchte niemand. Also, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht! Viele Dinge drin. Da waren sehr sehr viele Dinge drin. Die Hyperinflation 1923 hatte nichts mit Gelddrucken zu tun. Die Hyperinflation hatte damit zu tun, dass ein Angebotsschock gab, unter anderem wegen des Ruhrstreiks, ja, und den Kriegsfolgen. Und es war kein Nachfrageschock im Sinne von: Der deutsche Staat will sich jetzt alles leisten, ja, und macht ganz viele Wahlgeschenke und erhöht irgendwie Sozialausgaben und sonst noch was und druckt dafür neues Geld, sondern ein krasser Angebotsschock in Kombination mit Reparationszahlungen. Für die Deutschland einen Exportüberschuss gebraucht hätte, um die leisten zu können. Das hätte aber wiederum die eigene, ohnehin schon durch den Krieg und den Ruhrstreik eingeschränkte Produktionskapazität noch weiter eingeschränkt. Wen das interessiert: Im Jacobin-Magazin habe ich darüber mal einen Artikel geschrieben: „Bloß nicht das Trauma triggern: Warum die Hyperinflation bis heute falsch verstanden wird und was linke Regierungen daraus lernen können und sollten.“ Wenn euch das interessiert, gibt's unten in der Videobeschreibung. Dann hat er ja noch behauptet: Also, wenn der Finanzminister einfach zur Bundesbank geht und sich dort neues Geld drucken lässt, dass das per se zur Inflation führt. Das stimmt auch nicht. Das würde zur Inflation führen, wenn die Wirtschaft neues Geld nicht mehr vertragen kann, wenn es Vollbeschäftigung gibt und alle Produktionskapazitäten sind ausgebaut. Es gibt keine Straßenbauer mehr, die neue Straßen bauen oder sanieren können, dann könnte das die Preise treiben. Stimmt. Aber die Frage, ob der Staat sich das Geld direkt bei seiner Bundesbank drucken lässt, oder ob er sein Konto bei der Bundesbank – die digitale Version vom Geld drucken – einfach überzieht, oder ob er Staatsanleihen an private Banken verkauft, die wiederum sich das Geld von der Bundesbank holen und es dann über den Umweg über so einen Dreiecks- quasi weiterleiten an den Staat und erst dann ausgibt, macht für die Inflationsfrage 0,0 einen Unterschied. Denn für die Inflation ist entscheidend: Übersteigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage das Angebot? Das kann passieren, wenn der Staat aufs Gaspedal drückt mit seinen Ausgaben. Das kann aber auch sein, wenn wir hingehen und sagen: Wir geben jetzt unsere Ersparnisse aus. Ja, denn auch Ersparnisse sind Geld, was vorher nicht im Wirtschaftskreislauf zirkuliert hat, was nicht nachfragewirksam war. Hebt man es von der Bank ab und gibt aus, wird das nachfragewirksam, sorgt das für Aufträge und Umsätze bei den Unternehmen und kann deren Produktionskapazität überschreiten. Jede Nachfrage, jede zusätzliche Ausgabe trägt also ein potentielles Inflationsrisiko in sich. Um das alles wirklich bis ins Detail zu verstehen, möchte ich euch meinen Onlinekurs „MMT für Einsteiger“ auf der Lernplattform Udemy ans Herz legen. Da habe ich in 7,5 Stunden Videomaterial erklärt, ganz genau wie der Staat das Geld erzeugt und wie beispielsweise auch die Bilanzen sich verändern, wenn man diese drei verschiedenen Wege durchspielt: Geld drucken, einfach das Bundesbankkonto überziehen oder Staatsanleihen an private Banken verkaufen, wie sich das Geld bei der Bundesbank leihen, so wie es eben heute gemacht wird. Außerdem: Was macht eine Zentralbank? Was sind eigentlich genau Staatsanleihen? Alle Basics, die man wissen muss. Und wer diesen Kurs gemacht hat, wird sich über das Video von Mr. Wisson to go jetzt schon oder im Vorfeld, bevor ihr meine Reaction seht, die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben. Denn danach kann man das nicht mehr ohne Kopfschmerzen gucken. Wenn euch das interessiert, checkt das gerne aus. Den Link zum Kurs packe ich euch in die Videobeschreibung, ebenso wie einen Gutscheincode. Dann bekommt ihr den Kurs nämlich für 12,99 € günstiger. Lässt Udemy mich nicht machen. Beachtet unbedingt den Code unten in der Videobeschreibung.

Stattdessen leiht sich der Staat das Geld woanders, nämlich über sogenannte Anleihen. Anleihen, das sind Schuldscheine, die man vom deutschen Staat kaufen kann. Die Bundesrepublik sichert dafür zu: Nach einem vorher festgelegten Zeitraum bezahlen wir das Geld zurück, plus Zinsen. Im Fall ist das ein Win-win-Geschäft: Der Staat bekommt schnell frisches Geld, und die Käufer nach einiger Zeit ihr Geld wieder zurück, plus Zinsen. Und wer sind diese Käufer? Im Wesentlichen kann man da zwischen drei Bereichen unterscheiden: Erstens, institutionelle Käufer, also vor allem Banken, Versicherungen oder Fonds. Zweitens, Zentralbanken und Banken anderer Staaten. Die Bundesbank kauft z. B. auch Anleihen anderer Länder und macht darüber Gewinne über die Zinsen. Andersrum gibt es Länder, die bei Deutschland Staatsanleihen einkaufen. Und auch die Europäische Zentralbank, die EZB, kann theoretisch Staatsanleihen kaufen, um Länder zu stabilisieren. Ist allerdings relativ umstritten. Und drittens, private Käufer. Theoretisch kann jeder von uns Anleihen kaufen, auch Einzelpersonen oder Unternehmen. Generell gilt dabei, dass die Behörden vorher prüfen, wer da überhaupt etwas kauft, damit es nicht passieren kann, dass Deutschland z. B. Schulden bei Terrororganisationen hat. So, hier gibt's jetzt wieder nicht Mr. Wissen to go, sondern Mr. Halbwissen to go. Denn er unterschlägt, dass es einen Unterschied gibt zwischen Primärmarkt und Sekundärmarkt. Nein, wir können nicht direkt Staatsanleihen vom deutschen Staat kaufen. Das ist nicht möglich. Wenn der Finanzminister Anleihen verkauft, dann macht er das an die sogenannte Bietergruppe Bundesemission. Das ist eine ausgewählte, von der Bundesbank oder der Finanzagentur ausgewählte Gruppe an Banken. Plus-minus 30 Banken sind das immer. Mal fliegt eine raus, mal kommt eine neue rein. Und die können in einer Auktion die Anleihen das erste Mal kaufen. Wenn sie dann bei der Auktion das höchste Angebot abgegeben haben und den Zuschlag erhalten, müssen sie diese Anleihe bezahlen mit Guthaben, was sie selbst bei der Zentralbank haben. Haben sie kein Guthaben bei der Zentralbank, müssen sie sich welches leihen. Wie geschieht das? Na ja, die Zentralbank erzeugt auf Knopfdruck neues Zentralbankguthaben, wie die Monopoly-Bank Monopoly-Geld erzeugen kann. Und damit bekommt der Staat auf seinem Konto bei der Zentralbank neues Guthaben, was er dann wiederum ausgeben kann. Dann erst, ja, wenn die Banken das bezahlt haben und die Anleihen haben, können sie die Anleihe auf dem Zweitmarkt, Sekundärmarkt, weiterverkaufen an uns, an Versicherungen, an Fonds oder eben auch an Zentralbanken. Übrigens, jede dritte Deutsche Anleihe liegt bei der Europäischen Zentralbank, weil die die im Nachhinein gekauft hat. Ja, die Zinsen, die der deutsche Staat also zahlt, fließen an die Zentralbank. Jeder dritte Euro an Zinsen fließt an die Zentralbank. Wenn die Zentralbank damit Gewinne macht – was sie in der Regel macht, in den letzten Jahren nicht, Ausnahmesituation – wenn sie damit Gewinne macht, schüttet sie die Gewinne wieder aus an ihre Eigentümer. Und wem gehört die Europäische Zentralbank? Den Mitgliedsländern bzw. den nationalen Geschäftseinheiten. Die Bundesbank in Deutschland schüttet dann ihre Gewinne an den Finanzminister aus. Also, die ein Drittel der Zinsen, die wir aus dem Bundeshaushalt zahlen, fließen erst an die Bundesbank und dann wieder zurück. Dazu gibt es im Geld für die Welt Newsletter ein spannendes Gedankenexperiment: Was wäre, wenn der Staat keine Zinsen zahlen müsste, weil er z. B. gar keine Anleihen verkauft? Ja, das Ergebnis wäre: Wir hätten keine Zinskosten im Bundeshaushalt, mehr Geld für anderes. Aber diejenigen, die die Zinsen ja heute erhalten – Banken, Versicherungen, Fonds, reiche Pfeffersäcke – die hätten natürlich auch weniger Einnahmen. Insbesondere die Banken, die bei dieser Primärmarktauktion mitmachen dürfen und quasi risikolos Geld verdienen dürfen, die würden sich besonders ärgern. Wenn euch das interessiert, Link auch dazu unten in der Videobeschreibung. Das heißt, wenn ihr möchtet, dann könntet ihr dafür sorgen, dass Deutschland bei euch in der Kreide steht und Schulden hat und davon dann auch noch finanziell profitiert. Also, wir könnten an dieser Auktion nicht teilnehmen, weil erstens dürfen wir nicht, wir können nicht Teil dieser Bietergruppe Bundesemission sein, und wir…

Könnten wir gar nicht direkt an den Finanzminister überweisen, denn wir haben gar kein Konto bei der Zentralbank. Wir haben ein Konto bei der Geschäftsbank. Auf Zentralbankgeld haben wir also gar keinen Zugriff. Wobei man dazu sagen muss, dass die Zinsen auf Staatsanleihen vergleichsweise gering ausfallen; dafür sind sie momentan ziemlich sicher, zumindest was Deutschland angeht. Und weil Deutschland international so gut da steht, ist es für die Bundesrepublik relativ unproblematisch, an frisches Geld zu kommen, auch wenn es sehr viel Geld ist und auch wenn es besonders schnell gehen muss. Und damit sind wir wieder bei den aktuellen Entwicklungen und bei den Diskussionen, die ich am Anfang angeschnitten habe, nämlich der Frage nach zusätzlichen, neuen Schulden.

Ja gut, im weiteren Verlauf des Videos geht es nur noch darum, wie das Schuldenpaket genau aussieht. Das wissen wir schon, dass das durch den alten Bundestag gehen muss; wissen wir schon, so schlau sind wir mittlerweile. Und dass das durch den Bundesrat muss, können wir uns also kneifen. Nur: wir halten mal fest: Ja, der Vergleich zum Privathaushalt war schräg, war falsch, hat uns komplett in die Irre geführt. Die Zusammenhänge, die geschildert wurden, waren falsch. Nach dem Video weiß man nicht mehr über Staatsfinanzen, sondern weniger, bzw. hält an alten, weit verbreiteten Mythen fest. Das war wirklich eine schlechte Leistung. Dazu war das Video noch aufgeladen mit konservativen Wertvorstellungen, wie beispielsweise, dass weniger als 60 % Staatsschulden gesund seien, und mit rhetorischen Tricks und schwarzer Rhetorik. Denn dass 2,5 Billionen Staatsschulden einfach viel sind, weil die Zahl groß ist, kein valides Argument. Das ist nicht Aufklärung, das ist Verklärung, und das ist wirklich für diesen Kanal und für die Arbeit, die MKO Roschmann auch sonst macht, wirklich schade, sehr sehr schade.

Daher noch mal der Hinweis auf meinen MMT für Einsteigerkurs auf der Lernplattform Udemy. Da erkläre ich in 7 1/2 Stunden, ganz verständlich, wie ihr es von mir kennt, alle relevanten ökonomischen Zusammenhänge. Rund 10.000 Leute haben den Kurs schon gemacht und mit 4,4 Sternen bewertet. Wenn das auch etwas für euch ist, checkt das aus. Den Link inklusive Gutscheincode gibt's unten in der Videobeschreibung. Jetzt interessiert mich natürlich, wie fandet ihr erstens das Video von MR vson to go und zweitens meine Analyse? Schreibt's gerne in die Kommentare. Wenn es euch gefallen hat, Geld für die Welt gerne abonnieren, um neue Videos nicht zu verpassen. Die gibt's dienstags, freitags und sonntags immer um 16 Uhr. Ich hoffe, ihr schaltet wieder ein. Bis dahin haltet die Ohren steif. Ciao ciao. [Musik] [Musik]